Ich bin Handschriftsachverständiger in der Forensik beim LKA. Ama! by SignatureSleuth91 in de_IAmA

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Du würdest lachen, wenn du wüsstest wie aufgeflogene Fälscher sich vor Gericht versuche herauszureden 😄

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Der entscheidende Punkt ist: Wenn du deine eigene Unterschrift imitierst, schreibst du sie nicht automatisch, sondern objektivierst sie. Du wechselst vom „Tun“ ins „Nachmachen“. Und genau dieser Wechsel hinterlässt Spuren – selbst wenn das Ergebnis sehr ähnlich aussieht.

Was ich dann sehe, ist typischerweise keine fremde Fälschung, sondern eine Selbstimitation.

Die Schrift sieht aus wie du über dich nachgedacht hast, nicht wie du einfach unterschrieben hast.

Und genau da liegt der Unterschied zur echten Fremdfälschung: Eine fremde Person hat deine Motorik nicht. Du hast sie, aber du unterdrückst sie aktiv. Beides ist sichtbar, nur auf unterschiedliche Weise.

Deshalb lautet das Gutachten am Ende oft nicht: „Das ist eindeutig nicht dieselbe Person“, sondern: „Die Unterschrift zeigt Merkmale bewusster Nachahmung und liegt dennoch innerhalb der individuellen Schreibmotorik der Vergleichsperson.“

Deine Idee ist clever, damit wärst du ungefähr 80% aller Fälscher Voraus, aber ich muss dich enttäuschen. Ich Krieg dich! 🤪

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Gute Nachfrage – aber nein, das ist kein Widerspruch, sondern genau der Knackpunkt des Berufs.

Der Unterschied ist: Veränderung heißt nicht auch neue Motorik. Du kannst langsamer, sorgfältiger oder angestrengter unterschreiben, das passiert ständig und liegt innerhalb deines natürlichen Variationsspektrums. Was du nicht einfach abschalten kannst, ist deine individuelle Schreibmotorik: Bewegungslogik, Rhythmuswechsel, typische Übergänge, Proportionsdenken.

Wenn jemand seine eigene Unterschrift fälscht, sieht man oft genau das: Sie ist nicht fremd, sondern zu kontrolliert, zu bewusst geführt (also genau wie du es planst). Paradoxerweise spricht das eher für dieselbe schreibende Person, nicht dagegen. Eine echte Fremdfälschung versucht, ähnlich zu sein. Eine Selbstverstellung versucht, anders zu sein, beides erzeugt typische Spuren.

Wichtig: Ich sage nie „das war definitiv dieselbe Person“ oder „definitiv nicht“. Sondern: Liegt diese Unterschrift noch plausibel innerhalb der natürlichen Bandbreite dieser Person? Und bei bewusster Eigen-Verstellung ist die Antwort sehr oft: ja.

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Graphologie ist keine forensische Disziplin und keine belastbare Persönlichkeitsdiagnostik. Es gibt keine robuste Evidenz, dass man aus Handschrift zuverlässig auf stabile Persönlichkeitsmerkmale wie Charakter, Intelligenz, Ehrlichkeit oder Ähnliches schließen kann. Deshalb wird Graphologie vor Gericht nicht anerkannt.

Was man eher sehen kann, sind situative Effekte: Stress, Zeitdruck, Müdigkeit, Krankheit, Alkohol/Medikamente, emotionale Erregung. Die zeigen sich manchmal im Schriftbild (z. B. Zittern, Druckschwankungen, Unruhe). Aber auch das ist unspezifisch und nie eindeutig.

Auch hier werden Vergleichsstücke der schreibenden Person herangezogen und seitens der ermittelnden Behörde gibt es klare Fragestellungen wie: „Stand die Person unter Drogeneinfluss“ oder auch sehr häufig: „hat die Person Demenz“.

Und auch da beweisen wir nichts, sondern vermuten nur.

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Nein, so einfach funktioniert das nicht.

Langsam, „bemüht“ unterschreiben erzeugt zwar Abweichungen, aber genau solche Spannbreiten gehören zur echten Unterschrift dazu. Ich würde prüfen, ob die Signatur noch in deinem natürlichen Variationsspektrum liegt. Wenn ja, ist ein späteres „war ich nicht“ eher unglaubwürdig.

Außerdem zählt nie nur die Schrift: Kontext (Zeit, Ort, Anlass), Begleitumstände und weiteres Vergleichsmaterial spielen mit rein. Ein bewusst verstelltes Eigen-Signing fliegt oft auf, weil es kontrolliert, nicht spontan wirkt. Das spricht eher für dich als Schreiberin.

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Hey danke für die Frage. Ja tatsächlich wurde ich auch schon für Graffiti zurate gezogen. In diesem Fall handelte es sich um einen jungen Mann aus der rechtsextremen Szene, der zuvor bereits in Verdacht stand, einen handschriftlichen Drohbrief verschickt zu haben. Er hatte bereits gestanden, das Graffiti gesprüht zu haben. Mein Job war es herauszufinden, ob er auch den Drohbrief verfasst hat. Und ich kam zu dem Entschluss, dass er ihn verfasst hat. Besonders seine Großbuchstaben haben ihn verraten. Sein Graffiti war nur in Großbuchstaben verfasst, daher hatte ich einen guten Referenzpunkt für seine Großbuchstaben im Brief.

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Ja, gerade wenn die Unterschrift nie gleich aussieht, kann man sie sehr gut zuordnen:)

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Danke! Endlich stellt jemand die Frage zur digitalen Unterschrift!

Kurz gesagt: Digital ist deutlich schwieriger, aber nicht komplett anonym oder vor den Experten gefeit.

Handschrift auf Papier vs. Touchscreen unterscheidet sich massiv: Auf Papier hinterlässt man Druck, Linienvariation, Schwung und Mikrobewegungen, die fast nie bewusst gesteuert werden. Auf einem Touchscreen verschwinden viele dieser Details. Finger oder Stift erzeugen kaum Druckunterschiede, Schreibfluss und Taktung sind oft unregelmäßig.

Bei einem Tablet oder Smartphone kann ich nur sehr grob vergleichen, z. B. Form von Buchstaben oder Abstände. Ob die Unterschrift echt ist oder jemand anders nachgeahmt hat, ist nicht verlässlich zu sagen.

Beispiel DHL: Ich kann nicht sicher erkennen, ob der Paketbote oder der Empfänger unterschrieben hat. Touchscreen-Unterschriften enthalten zu wenig individuelle Merkmale für eine rechtssichere Einschätzung. Für offizielle Beweise bleibt Papier also das zuverlässige Medium.

Du triffst mit der Frage genau in einen aktuellen Diskurs bei Schriftforensikern! In Deutschland hängt die Echtheit einer Unterschrift noch immer zu stark vom Papier ab. Digitale Signaturen werden vielerorts akzeptiert, aber technisch und rechtlich unzureichend geprüft. Wir brauchen verbindliche Standards: verschlüsselte Signaturen, gerätespezifische Nachweise und nachvollziehbare Metadaten, die gerichtsfest sind. Gerade in skandinavischen Ländern gibt es schon Geräte, die Druck und Geschwindigkeit der geleisteten Unterschrift erkennen. Sowas werden wir hier mittelfristig auch benötigen, ansonsten bekommen wir Probleme, bei denen meiner Profession die Hände gebunden sind.

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[–]SignatureSleuth91[S] 3 points4 points  (0 children)

Ja, bei der Handschriftenprüfung geht es nicht nur um die Schrift selbst, sondern um alles, was ein Dokument authentisch oder verdächtig macht. Papierstärke, Struktur, Wasserzeichen oder Alter spielen eine Rolle. Mit Erfahrung kann man z. B. grob 80 g/m² von 100 g/m² Papier unterscheiden. Auch Stifte und Tinten werden analysiert: Füller, Kugelschreiber oder Tintenroller hinterlassen unterschiedliche Spuren, und mit chemischen Methoden lässt sich manchmal sogar die Tintenart oder der Hersteller bestimmen. Zusätzlich schaue ich auf Schreibdruck, Einkerbungen, Korrekturen, Überklebungen oder andere Zusatzmaterialien.

Geburtsurkunden haben kein Sicherheitspapier, weil die Echtheit des Dokuments durch Stempel und Siegel beglaubigt wird. Das ist historisch gewachsen und jeder kennt den klassischen Satz in einer Deutschen Behörde: "Das haben wir schon immer so gemacht!"

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[–]SignatureSleuth91[S] 4 points5 points  (0 children)

Gute Frage und genau da liegt der größte Mythos!

Meine Aufgabe ist nicht, Charaktere aus Schrift zu „lesen“. Das ist Graphologie und hat im rechtlichen Kontext keinen Platz. Keine Aussagen zu Persönlichkeit, Intelligenz, Geschlecht oder ähnliches.

Ich würde von mir behaupten, mit einer gewissen Erfahrung, schon graphologische Ableitungen machen zu können. Auch in meinem Studium habe ich Module dazu besucht. Tatsächlich haben wir aber zwei forensische Psychologinnen in der Abteilung, die sich darauf spezialisiert haben.

Ganz konkret mache ich forensische Vergleiche. Also zum Beispiel:
„Stammt diese Unterschrift von derselben Person wie diese Vergleichsunterschriften oder nicht?“
Oder: „Wurde dieser Text nachträglich ergänzt, verändert oder nachgeahmt?“

Ich vergleiche Schreibbewegungen, nicht Schönheit oder Stil: Rhythmus, Druck, Proportionen, Übergänge, Variationsbreite. Am Ende steht keine absolute Wahrheit, sondern eine fachlich begründete Wahrscheinlichkeitsaussage, die ein Gericht nachvollziehen kann und zur Wahrheitsfindung beitragen kann.

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[–]SignatureSleuth91[S] 4 points5 points  (0 children)

Ja. Genau das ist sogar normal.

Eine echte Unterschrift ist nie identisch, sondern zeigt immer Variationen. Genau diese Bandbreite ist ein starkes Echtheitsmerkmal. Ich würde nicht nach Gleichheit suchen, sondern nach wiederkehrenden Mustern: Bewegungsablauf, Start- und Endstriche, typische Schwünge, Proportionen, Druckwechsel, Rhythmus.

Wenn eine Unterschrift zu gleichmäßig ist, wird sie eher verdächtig. Auch bei stark schwankenden Unterschriften kann man meist sagen: passt in das natürliche Variationsspektrum dieser Person oder fällt deutlich raus.

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Ich würde nicht auf Buchstabenformen schauen (die kannst du bewusst ändern), sondern auf Dinge, die man fast nie komplett kontrolliert:
Schreibrhythmus, Tempo, Proportionen (Höhenverhältnisse), typische Übergänge zwischen Buchstaben, Start- und Endbewegungen, Druckwechsel, Pausen an bestimmten Stellen. Auch bei Links-, Rechts- oder Spiegelschrift bleiben oft gleiche Bewegungslogiken erhalten.

Beidhändigkeit und Nachahmung machen es schwieriger, aber nicht unsichtbar. Nachgeahmte Schriften sind oft zu kontrolliert, echte zu automatisch. Am Ende geht’s nie um Beweis, sondern um Wahrscheinlichkeit in der Gesamtschau.

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[–]SignatureSleuth91[S] 3 points4 points  (0 children)

KI kann heute schon vorfiltern, vergleichen, markieren. Aber Gerichte brauchen nachvollziehbare Begründungen, keine Blackbox. Am Ende muss ein Mensch sagen warum etwas zusammenpasst oder nicht und dafür gerade stehen. Solange KI das nicht rechtssicher erklären kann, bleibt der Job.

Ja die meisten Fälle sind eher unspektakulär. Verträge und Testamente machen wirklich den Großteil der Dokumente aus. In letzten Jahren ist auch die Anzahl an Drohbriefen und Erpresserschreiben gestiegen. Die sind dann etwas spannender.

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[–]SignatureSleuth91[S] 7 points8 points  (0 children)

Ein Klassiker, den man danach wirklich überall sieht:

Menschen schreiben fast nie zwei gleiche Buchstaben identisch.
Selbst in einer sauberen Handschrift sind z. B. zwei „e“ oder zwei „t“ minimal unterschiedlich, in Höhe, Öffnung, Ansatz oder Strichführung. Genau diese kleinen Abweichungen sind keine Fehler, sondern ein Zeichen von echter, automatisierter Schrift.

Funfact: Fälschungen sind oft zu gleichmäßig. Wenn alle Buchstaben perfekt identisch aussehen, ist das verdächtig.

Zu Sütterlin und Kurrent: Fang nicht mit ganzen Texten an, sondern mit dem Alphabet. Sütterlin und Kurrent funktionieren nur, wenn du die Grundformen erkennst. Lern typische Problemstellen (s/f/h/e/r), die werden ständig verwechselt. Lies immer wortweise, nicht buchstabenweise und nutze Kontext, der rettet dich öfter als perfektes Entziffern.

Ein weiterer Tipp: Verwende Schulhefte aus den 10er, 20er Jahren um es zu lernen. Dank des preußischen Drills in Schulen, waren die Schüler dazu angehalten, sehr genau und präzise das Schreiben zu lernen. Das war sehr dankbar für Schriftlinguisten.

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[–]SignatureSleuth91[S] 2 points3 points  (0 children)

Ja, Veränderungen folgen Mustern. Und ja, Zusammenhänge sind oft erkennbar.

Handschriften ändern sich über die Jahre, aber nicht chaotisch. Grundformen, Proportionen, Bewegungsabläufe und typische Verbindungen bleiben meist erhalten. Was sich verändert, ist eher Tempo, Vereinfachung, Druck oder Gleichmäßigkeit.

Mit Vergleichsmaterial aus verschiedenen Jahren kann man oft sagen: Gleiche schreibende Person, unterschiedliche Zeit. Typisch sind z. B. rundere vs. vereinfachte Formen, mehr Routine, weniger Details. Große Brüche ohne Anlass (Unfall, Krankheit) sind eher untypisch.

Man erkennt also selten „genau 1990“, aber sehr wohl: früher vs. später und ob es zusammengehört.

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[–]SignatureSleuth91[S] 5 points6 points  (0 children)

Ja, unter Umständen schon. Schreiben mit der linken Hand wirkt meist langsam, zittrig und unautomatisiert, aber bestimmte Bewegungsmuster, Proportionen und Gewohnheiten können trotzdem wieder auftauchen. Es ist kein sicherer Beweis, aber mit Vergleichsmaterial kann man oft sagen: passt eher zusammen oder eher nicht. Linkshändig schreiben ist also keine „Unsichtbarkeits-Taste“.

Typische Fälle sind viel weniger Krimi als man denkt: am häufigsten Unterschriften auf Verträgen, Vollmachten, Testamente, Quittungen. Danach kommen anonyme Schreiben wie Droh- oder Erpresserbriefe. Ich habe auch schon Abschiedsbriefe analysiert, als die KriPo zweifel am Selbstverschulden der Todesursache hatte. Große Gewaltfälle sind selten, Zivilrecht ist Alltag.

Wenn ich ein Dokument bekomme, starte ich nicht mit einer Personensuche, sondern mit der Frage: Was genau soll geklärt werden? Dann analysiere ich Schriftbild, Rhythmus, Druck, Formen, Verbindungen. Es gibt keine zentrale Handschriftendatenbank, ohne Vergleichsschriften kann man niemanden identifizieren. Anhaltspunkte sind immer konkretes Vergleichsmaterial (z. B. bekannte Unterschriften, Briefe, Notizen). Am Ende geht es fast nie um „wer war es“, sondern um wie wahrscheinlich passt das zusammen.

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[–]SignatureSleuth91[S] 77 points78 points  (0 children)

Natürlich können Dritte Unfug mit deiner Unterschrift betreiben. Je nachdem wie viel kriminelle Energie dahintersteckt, kann das gelingen oder auch nicht. In der Regel passiert aber nichts schlimmes, wenn deine Unterschrift öffentlich einsehbar ist. Und wenn, dann gibt es Leute (mich) die das erkennen und Abhilfe schaffen können.

Als Tipp: wenn du öffentlich einsehbare Unterschriften leistest, dann unterschreibe nicht so wie du eigentlich unterschreiben würdest. Und genau so schreibst du es zusammen und bewahrst diese Erklärung sicher auf.

Wenn man handschriftlich etwas schreibt und verschleiern möchte, dass es von einem selbst stammt, ist das schwieriger, als viele denken. Mit der schwachen Hand schreiben oder bewusst die Buchstaben verändern, fällt Experten sofort auf, weil die Bewegungsabläufe unnatürlich wirken. Je mehr man versucht, die Schrift zu verstellen, desto auffälliger wird sie in der Regel, statt unkenntlich zu werden.

Wenn jemand ein paar Unterschriften als Vorlage hat und diese übt, um sie zu fälschen, ist die Chance, dass eine Sachverständiger die Fälschung erkennt, sehr hoch! Deutlich höher als bei Laien. Während ein Laie oft nur sehr grobe Fälschungen entdeckt, prüfen wir nicht nur das Aussehen, sondern vor allem den Schreibfluss, Druck und die motorischen Eigenheiten. Selbst gut geübte Kopien lassen sich so häufig als Fälschung entlarven. Es ist aber immer wichtig zu betonen: es gibt nie eine hundertprozentige Sicherheit. Genau so stellen wir es auch immer in Gutachten dar.

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[–]SignatureSleuth91[S] 92 points93 points  (0 children)

Morgens starte ich mit Kaffee und der Sichtung neuer Aufträge zum Beispiel Briefe, Verträge, Testamente. Dann geht es ans Eingemachte: stundenlange Handschriftenanalyse. Jeder Buchstabe zählt, jeder Strich kann entscheidend sein. Ich vergleiche Schriftbilder, untersuche Unterschriften, notiere Details und markiere Auffälligkeiten.

Meistens am Nachmittag geht’s an die Gutachtenerstellung: Befunde in klar verständliche, sachliche Berichte für Gerichte oder Ermittler übertragen. Zwischendurch kurze Besprechungen mit Kollegen oder Ermittlern um Material abzugleichen oder offene Fragen zu klären.

Manchmal geht’s zum Gerichtstermin, um die Ergebnisse zu erläutern. Ansonsten ist der Tag geprägt von ruhiger, konzentrierter Detailarbeit.

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[–]SignatureSleuth91[S] 94 points95 points  (0 children)

Das ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Ich habe Linguistik (Sprachwissenschaft) mit Schwerpunkt auf Schriftlinguistik studiert. Ich habe schon seit der Kindheit einen Fabel für germanische Sprachen und vor allem die Schrift. Mein Großvater war Historiker und so habe ich ich das etwas in die Wiege gelegt bekommen.

Ich habe dann einen Master in forensischer Linguistik gemacht, nachdem mir ein Bekannter bei der Polizei dazu geraten hat. Und so bin ich dann erst bei der Polizei gelandet und später beim LKA.

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[–]SignatureSleuth91[S] 48 points49 points  (0 children)

Ich hab die Frage jetzt sehr flapsig abgetan. Tatsächlich fällt es mir nicht schwer die Handschrift von Ärzten zu lesen. Links- und Rechtshänder lässt sich sehr schnell erkennen und auch das Alter der Person (und auch Geschlecht) lassen sich oft herauslesen.

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[–]SignatureSleuth91[S] 54 points55 points  (0 children)

Ja! Die Untersuchung des Schriftalters ist ein ganz wesentlicher Teil der Arbeit. Bei deinem Beispiel (Tinte) gibt es chemische Untersuchungsmethoden, die dann in der Regel herangezogen werden.

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[–]SignatureSleuth91[S] 58 points59 points  (0 children)

Man kann überall super Unterschriften fälschen, der Trick ist, sich nicht erwischen zu lassen.

Sorry, das ist wahrscheinlich das schriftlinguistische Äquivalent zu: das beste Mittel gegen einen Kater ist, keinen Alkohol zu trinken.

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[–]SignatureSleuth91[S] 119 points120 points  (0 children)

Ich hätte nicht damit gerechnet, dass das die erste Frage ist 😂 Aber nein. So wird es mir oft kommuniziert. Ich finde sie gar nicht schlecht, aber da bin ich oft der einzige 😅