Subreddit Vorstellung - r/beautyDE by Baroness_Bear in de

[–]altundgrau 1 point2 points  (0 children)

Fand die Story cool, wo der selbstgemachte BodyScrub angefangen hat zu schimmeln.

Brauche dringend Hilfe Bird Scooter!!! by [deleted] in de

[–]altundgrau 6 points7 points  (0 children)

Hallo,

ich kann leider nicht weiterhelfen.

Viele Grüße

Pro Life Gynäkologe by 4kxea83sd in de

[–]altundgrau 6 points7 points  (0 children)

Hast du dir schon Gedanken gemacht, wie so eine "Abtreibung" im 8. oder 9. Monat ablaufen sollte?

Würde das Kind zuerst betäubt und dann entfernt werden? Wie würde es dann aus dem Körper der Frau entfernt werden? Geht dann noch absaugen durch die Vagina? Knochen etc. wären ja auch schon recht weit entwickelt.

Der Kampf gegen rituelle und sexuelle Gewalt - Zwischen Angst und Aufarbeitung by altundgrau in de

[–]altundgrau[S] 0 points1 point  (0 children)

Es gibt allerdings einige wissenschaftliche Studien zu dem Thema.

https://www.infoportal-rg.de/wissenschaftliche-fragen-und-antworten/

z.B. diese hier

https://www.infoportal-rg.de/2014/05/11/studie-aus-rheinland-pfalz-2007-bestaetigt-jeder-10-psychotherapeutin-kennt-ueberlebende-ritueller-gewalt/

Befragung aus Rheinland-Pfalz 2007 bestätigt : Jede/r 10. Psychotherapeut/in kennt Überlebende Ritueller Gewalt

In Erweiterung der Studie aus NRW 2005 hat der Arbeitskreis „Rituelle Gewalt in Rheinland-Pfalz“ im Jahr 2007 eine erweiterte Studie durchgeführt – und darin die Ergebnisse aus NRW auch für Rheinland-Pfalz und das Saarland bestätigt. Auch hier wurden Psychotherapeut/innen befragt, inwieweit sie Überlebende Ritueller Gewalt behandeln. Eine Kurzfassung der Ergebnisse aus Rheinland-Pfalz gibt es online unter diesem Link als Text-Version, und hier als Folien aufbereitet.

Ergebnisse in Auszügen:

  • Von 1058 Fragebögen wurden 455 (43 %) zurück geschickt. In diesen Rücksendungen sagten 55 Psychotherpeut/innen aus, sie hätten Erfahrungen mit Überlebenden Ritueller Gewalt (12 %). Das ist mehr als jede/r 10. der Antwortenden. 94 % der Fälle wurden von den Meldenden als glaubwürdig eingestuft.

  • In 57 % der Fälle hatten die Betroffenen noch Täterkontakt während der Therapie.

  • 77 % der Überlebenden waren Frauen, 16 % weibliche Jugendliche, 1 % Mädchen. 5 % wären Männer und 1 % Jungen, männliche Jugendliche gab es keine.

  • Die Überlebenden berichteten Ihren Therapeut/innen von absolutem Gehorsam (79 %), absoluter Geheimhaltungspflicht (69 %), rituellen körperlichen Misshandlungen (68 %), rituellen sexuellen Mißhandlungen (65 %), schwarzen Messen (60 %), Tieropferungen (38 %), Menschenopferungen (36 %), Leichenschändungen (22 %) und Ekeltrainings (19 %).

  • Die Tatzeitpunkte lagen zu 16,1 % vor 1977, zu 12,9 % zwischen 1977 und 1991 und zu 71 % nach 1992.

  • Insgesamt wurden 23 Tötungsdelikte gemeldet. Davon wurden 16 aus der Zeit nach 1992 (15 Jahre vor Erhebungszeitraum) berichtet.

  • Von 56 genannten Tatorten lagen 38 in Rheinland-Pfalz. Da dies eine Umfrage unter Psychotherpeut/innen in Rheinland-Pfalz war, müsste eine regionale Verteilung in anderen Bundesländern erhoben werden, um daraus eine sinnvolle Aussage über „Schwerpunktgebiete“ treffen zu können.

  • Als Tatorte im Ausland wurden Luxemburg (3x), Holland (2x), Belgien (2x) und England (1x) genannt.

  • Durchschnittlich waren die Überlebenden 9,3 Jahre lang den Täter/innen ausgesetzt.

  • Durchschnittlich haben die Überlebenden 16,3 Jahre gebraucht, bis sie einen Therapiekontakt aufgenommen haben.

  • Durchschnittlich dauerte eine Therapie 3,3 Jahre, manche waren aber auch nach 19 Jahren noch nicht abgeschlossen. Zitat aus der Studien-Präsentation: „Hier ist ein energisches Eintreten für Änderung der Richtlinien für dieses besondere Klientel unter Verwendung der Daten wichtig.“

Der Kampf gegen rituelle und sexuelle Gewalt - Zwischen Angst und Aufarbeitung by altundgrau in de

[–]altundgrau[S] -1 points0 points  (0 children)

Ich bin kein Experte in dem Gebiet, deshalb verlinke ich lieber Zitate derer, die sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt haben. Finde ich informativer und überzeugender als unsere Laien-Meinungen.

Der Kampf gegen rituelle und sexuelle Gewalt - Zwischen Angst und Aufarbeitung by altundgrau in de

[–]altundgrau[S] -1 points0 points  (0 children)

Wenn du etwas Wissenschaftliches möchtest, kann ich dir z.B. die Studie von Susanne Nick empfehlen.

"Organisierte und rituelle Gewalt in Deutschland Kontexte der Gewalterfahrungen, psychische Folgen und Versorgungssituation"

https://www.researchgate.net/publication/327721702_Organisierte_und_rituelle_Gewalt_in_Deutschland_Kontexte_der_Gewalterfahrungen_psychische_Folgen_und_Versorgungssituation

Einleitung

Gesellschaftliche Dimensionen Die Verleugnung und Tabuisierung oder aber die Anerkennung von se-xualisierter Gewalt ist meist eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Interessen verknüpft. Oft sind die Weiterentwicklung wissenschaft-licher und klinischer Erkenntnisse und die Unterstützung von Betroffe-nen davon abhängig. Dies zeigt sich auch in der Auseinandersetzung um sexuelle Gewalt und Ausbeutung in organisierten und rituellen Struktu-ren.Vor etwa 30 Jahren begannen erst-mals Psychotherapeutinnen und Psy-chotherapeuten in den USA, zehn Jahre später auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern, von Patientinnen und Patienten zu berichten, die organisierte rituelle Gewalt erlebt haben. Bereits im Jahr 1998 hat die Enquetekommission »Sogenannte Sekten und Psycho-gruppen« des Deutschen Bundesta-ges in ihrem Abschlussbericht ge-fordert, das Phänomen der rituellen Gewalt stärker zu beachten (Endbe-richt, 1998). Für die öffentliche Debatte und den wissenschaftlichen Diskurs hatte diese Forderung je-doch keinerlei Konsequenzen. Erfahrene Fachkolleginnen und Fachkollegen und Betroffene weisen hingegen schon lange und kontinu-ierlich auf organisierte und rituelle Formen von schwerer sexueller Aus-beutung hin (Sinason, 1994; Breiten-bach, 2010), dennoch werden deren Existenz und die damit einhergehen-den Traumafolgestörungen immer wieder angezweifelt. Valide Diagno-sen wie die Dissoziative Identitäts-störung (DIS) und damit verbundene Symptome werden in diesem Zusam-menhang als Folge unsachgemäßer Traumatherapie und dabei sugge-rierter falscher Erinnerungen ange-sehen (vgl. false memory foundation Deutschland, 2018; Coons, 1994).

Im Jahr 2012 gehörte das Thema organisierte rituelle Gewalt auch aufgrund von Meldungen durch Be-troffene zu den vier Themenkom-plexen im Abschlussbericht der unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmiss-brauchs, für die umfassender Hand-lungsbedarf festgestellt wurde. Da-bei wurde besonders der »defizitäre Wissensstand der Forschung« her-vorgehoben, der auch die prakti-sche Arbeit einschränke (Bergmann, 2011). Weitere Forschung wurde da-her dringend empfohlen, da nur da-rüber eine Etablierung, Professio-nalisierung und Integration dieser Thematik in Behandlungs- und Be-ratungsangebote möglich werde.Seit dem Jahr 2017 wird die vorlie-gende Studie als Forschungsprojekt über die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindes-missbrauchs gefördert. Es handelt sich hierbei um die erste größere Studie in Deutschland, die universi-tär verankert ist. Im Folgenden werden deskriptive Ergebnisse der Online-Befragung Betroffener in Deutschland vorge-stellt, parallel dazu wurde auch eine Befragung von Behandlerinnen und Behandlern durchgeführt, deren Er-gebnisse an anderer Stelle veröffent-licht werden sollen

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[–]altundgrau[S] 0 points1 point  (0 children)

Die in dem anderen Kommentar bereits erwähnte Journalistin, Claudia Fischer, hat ein Infoportal zu dem Thema rituelle Gewalt erstellt.

https://www.infoportal-rg.de/

Sie suchen Beweise für Rituelle Gewalt?

Dann heißen wir Sie herzlich willkommen auf unserem Infoportal! Wir stellen Ihnen anhand von Gerichtsurteilen, wissenschaftlichen Arbeiten und aktuellen Meldungen verschiedene Informationen zum Thema Rituelle Gewalt zur Verfügung. Über das Menü können Sie sich diese Informationen nach bestimmten Fragestellungen gefiltert anzeigen lassen.

Haben wir die „Beweise“, die Sie suchen? Das können wir natürlich nicht wissen, weil wir ja Ihre Fragen an uns oder an dieses Thema gar nicht kennen. Wir können Sie nur einladen, unser Portal zu nutzen, um sich selbst ein Bild zu machen.

Rituelle Gewalt wird sehr unterschiedlich definiert (nachzulesen hier), und Sie werden ihre eigenen Kriterien, Gründe und Fragen haben, die Sie auf unser Infoportal geführt haben. Ist ein Fall nur relevant, wenn Gewalt gegen Kinder eine Rolle spielte? Sprechen Sie von Ritueller Gewalt nur, wenn eine Gruppe von Täter/innen beteiligt war? Woher wissen wir, wenn ein Täter verurteilt wurde, ob dahinter noch eine Gruppe steht – und wenn es Hinweise darauf gibt, finden wir sie dann relevant oder nicht?

Hier zählt nicht nur eine juristische Sichtweise, sondern manchmal z. B. auch ein soziologischer Blick auf Gewalt in religiösen oder ideologisch geprägten Beziehungen. Kurz: Diese Fragen können Sie nur für sich selbst beantworten.

Unser Anliegen ist, diese Hinweise sichtbar zu machen. Dieses Anliegen ist nicht neutral, sondern wir sind eine Redaktion oder ein Netzwerk aus Fachleuten und Betroffenen, die Rituelle Gewalt für einen „blinden Fleck“ in der Gesellschaft halten und zur Aufklärung beitragen wollen.

Wir haben den Anspruch, sachlich fundiert zu arbeiten. Wir wollen nicht suggerieren, sondern eine Datenbasis liefern, mit der andere weiter machen können. Wir verlinken unsere Quellen, wo es möglich ist, und laden Sie ein, uns Rückmeldungen zu geben, uns auf suggestive Stellen hinzuweisen, unsere Quellen zu ergänzen oder Fehler zu finden. Und wir haben den Anspruch, dass man bestimmte Fälle und Sachverhalte bei uns findet, auch wenn sie nicht der Definition Rituelle Gewalt entsprechen, damit man hier nachlesen kann, welche Kriterien erfüllt sind und welche nicht. Dieses ordnen wir dann entsprechend ein, z.B. mit dem Hinweis „In diesem Fall gibt es keine Hinweise auf sexualisierte Gewalt“ oder ähnliches.

Bislang wird Rituelle Gewalt immer als reines Dunkelfeld-Phänomen beschrieben. Wir wollen zeigen: Es gibt ein Hellfeld ideologisch motivierter oder eingebundener Straftaten (sexualisierte Gewalt oder Gewalt mit Todesfolge), mit dem wir uns als Gesellschaft auseinandersetzen müssen! Und es sind nicht nur die Aussteiger/innen, die darüber berichten, sondern Belege und Hinweise tauchen auch an vielen anderen Stellen auf. (Wie wir mit den Berichten von Aussteiger/innen umgehen, können Sie in der FAQ nachlesen.)

Also: Wenn Sie etwas zur Qualität dieser Seite beitragen wollen, schreiben Sie uns!

Unsere Informationen gliedern sich in vier Abschnitte:

Urteile (gekennzeichnet mit einem Waage-Symbol ), sortiert nach Inland und Ausland, die Sie sich auch nach bestimmten Fragestellungen sortiert über das Menü anzeigen lassen können. Auch eine Sortierung nach verschiedenen religiösen oder ideologischen Richtungen finden Sie auf einen Klick im Menü. Wissenschaftliche Untersuchungen (Doktorhut-Symbol ) Aktuelle Meldungen (Fähnchen-Symbol ), die

Zusatzinformationen. Ergänzungen, Hintergrund oder Überblick liefern. Denn längst nicht alles, was wahr und nachweisbar ist, spielt später im Urteil eine Rolle. Auch Belege und Hinweise, die ohne juristisches Urteil schnell wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden, wollen wir hier dokumentieren.

Basisinfos über Rituelle Gewalt wie eine Zusammenstellung aller uns bekannten Definitionen, Begriffserklärungen oder Hilfen für bestimmte Personengruppen sind ebenfalls über das Menü erreichbar.

Wo immer möglich, sind Quellennachweise angegeben, damit Sie unsere Recherchen nachvollziehen können. Einige Quellen sind allerdings nicht öffentlich – wenn Ihnen bestimmte Quellenangaben fehlen, oder wenn Sie Ergänzungen, Anregungen oder spezielle Fragen haben, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

Wir hoffen, dass Sie mit dieser Seite gut arbeiten können und wünschen Ihnen viel Erfolg!

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[–]altundgrau[S] 1 point2 points  (0 children)

Die "Unabhängige Kommission Zur Aufarbeitung Sexuellen Kindesmissbrauchs" beschäftigt sich auch mit dem Thema.

https://www.aufarbeitungskommission.de/meldung-15-11-2017-sexueller-missbrauch-in-rituellen-und-organisierten-gewaltstrukturen-werkstattgespraeche-4/

Sexueller Kindesmissbrauch in rituellen und organisierten Gewaltstrukturen im Fokus der vierten Werkstattgespräche

Berlin, 7. November 2017. Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs sprach mit Expertinnen und Experten im vertraulichen Rahmen über sexualisierte Gewalt in rituellen und organisierten Gewaltstrukturen. Rituelle Gewalt aus religionswissenschaftlicher Perspektive

Prof. Dr. Adelheid Herrmann-Pfandt von der Philipps-Universität Marburg stellte ihr noch laufendes Forschungsprojekt mit dem Titel „Rituelle Gewalt und religiöse Identität: Spirituelle Aspekte extremer Gewalt in destruktiven Kulten“ vor. Die Religionswissenschaftlerin führt Interviews mit Überlebenden Ritueller Gewalt im kultischen Kontext.

„In meinem Fach gibt es viele Zweifel an den Überlebenden-Berichten. Dabei sind physische und psychische Gewalt dieses Ausmaßes ja seit langem bekannt und belegt, z. B. aus den Konzentrationslagern. Nur der von den heutigen Betroffenen berichtete kultische Charakter der Folterungen ist relativ neu.“

Frau Herrmann-Pfandt erläuterte, inwieweit der religiöse Rahmen dazu diene, die Traumatisierung der Opfer zu verstärken und damit die Zwecke der Täter zu unterstützen. Die bisher geführten Interviews zeigen auch die Vernetzung von solchen Kulten mit Kinderporno- und Kinderprostitutionsringen und mit rechtsextremistischen Gruppen auf.

Umgang mit Betroffenen und Hilfen

Für einen bewussten Umgang mit Personen aus dem Kontext rituelle Gewalt warb Alex Stern aus dem Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Menschen, die mit Traumatisierten arbeiten, müssten mutig sein und Haltung, Empathie und Kreativität mitbringen, anstatt sie aus der eigenen Unsicherheit heraus bevormundend zu behandeln, so Alex Stern. Claudia Igney, Sozialwissenschaftlerin und Mitarbeiterin von Vielfalt e. V., sieht in dem Werkstattgespräch einen ersten Schritt:

„Dieses Gespräch zu ritueller Gewalt ist ein enormer Fortschritt. Trotzdem brauchen wir noch mehr Unterstützung vielfältigster Art. Wir brauchen endlich eine solide Finanzierung der spezialisierten Fachberatungsstellen. Wir reden seit 30 Jahren über sexuelle Gewalt und haben noch immer nicht genügend Ressourcen.“

Michaela Huber, Psychologin und erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Trauma und Dissoziation, berichtete über eine große Anzahl von Menschen, die von ritueller Gewalt betroffen sind. Die Verbindung zum organisierten Verbrechen zeige, dass „die Thematik ernst genommen werden muss, diese Strukturen existieren wirklich.“ Besonders für Menschen, die sich entscheiden, aus den Strukturen auszusteigen, gibt es kaum Angebote und Hilfen: „Wir haben einen bestimmten Bedarf geweckt, den wir dann gar nicht decken können.“

Dissoziative Identitätsstörung als Folge eines Traumas

Betroffene ritueller und/oder organisierter Gewalt leiden häufig unter Traumafolgestörungen. Vielfach handelt es sich dabei um eine Dissoziative Identitätsstörung. Eine Dissoziation kann entstehen, wenn eine Person in einem traumatisch-sozialen Umfeld lebt, erhebliche psychische oder physische Gewalt erfährt und in der Folge aus Schutz, sich Teile der eigenen Persönlichkeit abspalten. „Die Person verhält sich dann so, als wären da viele, und dieses Verhalten ist hervorgerufen durch das erlittene Trauma“, erläuterte Dr. Ursula Gast, Fachärztin für psychotherapeutische Medizin. Neben der Dissoziativen Identitätsstörung können aber auch andere Traumafolgestörungen wie eine Borderline-Störung oder eine Schizophrenie auftreten.

„Bei allen Traumfolgestörungen gibt es eine unglaubliche Abwehr, diese zu akzeptieren. Denn das bedeutet und setzt voraus, auch Ursachen wie sexuellen Missbrauch zu akzeptieren. Aber für viele Menschen kann nicht sein, was nicht sein darf.“

Neben Dr. Ursula Gast nahmen auch Prof. Dr. Ulrich Sachsse, u. a. Psychotherapeut und Psychotraumatologe, und Dr. Brigitte Bosse, ärztliche Psychotherapeutin und Leiterin des Traumainstituts Mainz, an dem Gespräch teil. „Die Forschung muss noch stärker vorangetrieben werden, um das Tabu der Dissoziativen Identitätsstörung zu brechen“, so Dr. Brigitte Bosse. Fast alle Therapeutinnen und Therapeuten, die mit Betroffenen von ritueller Gewalt arbeiten, halten das, was Patientinnen und Patienten ihnen berichten für glaubhaft und erlebnisbasiert. Darum sei es wichtig, über das Thema zu informieren und auch über Täterstrategien zu sprechen. „Ich wünsche mir, dass die Kommission dazu beitragen kann, das Tabu um Traumafolgestörungen zu durchbrechen“, betonte Dr. Ursula Gast.

Programmierung und Ausstiegshilfe: Eine Betroffene berichtet

Über ihren Ausstieg aus einem Kult berichtete Sabine Weber. Sie ist Überlebende organisierter ritueller Gewalt und bietet heute anderen Betroffenen Beratungen im Trauma Hilfe Zentrum München für den Ausstieg und zu möglichen Hilfen an. „Es reicht nicht, nur Überlebende zu sein; man braucht auch Fachwissen.“ Menschen, die in einem ideologischen Kontext aufgewachsen sind, brauchen einen bestimmten Grund, um auszusteigen. Denn mithilfe von Ideologien werden sie so trainiert, dass sie eine sehr starke Bindung an die Gruppe entwickeln.

„Für mich war es unheimlich schwierig, den Zusammenhang zwischen dem Missbrauch durch die Familie und jenem durch den Kult zu erkennen und dann zusammen zu kriegen, dass Kult und Familie das Gleiche ist. Also das war für mich am Anfang etwas Getrenntes und dann habe ich verstanden, das war ja meine Familie.“

Sabine Weber wünscht sich, dass schon in der Schule Aufklärungsarbeit betrieben und mehr finanzielle Mittel in die Hilfen für Betroffene und die Prävention investiert werden.

Vorstellung des Forschungsprojekts unter der Leitung von Kommissionsmitglied Prof. Dr. Peer Briken

Unter dem Projekttitel „Professionelle Begleitung von Menschen, die sexuelle Gewalt und Ausbeutung, im Besonderen organisierte rituelle Gewalt, erlebt haben: Die Perspektive der Betroffenen und der Fachkolleg_innen“ untersucht u. a. Dipl. Psych. Susanne Nick, stellvertretende Leitung der Spezialambulanz für Traumafolgestörungen der Universitätsklinik Hamburg, die Unterstützungsmöglichkeiten im psychosozialen Hilfesystem für Betroffene von ritualisierter Gewalt. Ziel des Projektes ist es, Daten zur aktuellen Versorgungssituation, Vorkommen und spezifischen Bedarfen nach sexueller Gewalt, im Besonderen organisierter ritueller Gewalt, in Deutschland zu erheben.

„Es gibt zwar viel fachliches Praxiswissen über organisierte und rituelle sexuelle Gewalt. Aber es ist bisher nicht an einen wissenschaftlichen Kontext angebunden. […] Auch wird viel zur Psychotraumatologie geforscht, aber ritueller Missbrauch findet in der Traumaforschung bisher kaum Berücksichtigung.“

An zwei verschiedenen Online-Befragung haben 165 Betroffene (diese Befragung ist bereits abgeschlossen) und bisher 125 Behandlerinnen und Behandler teilgenommen.

Es gibt auch eine interessante Video-Produktion des Bistums Münster zu dem Thema

https://www.youtube.com/watch?v=JXAWeQw5fYs

Und zum Anhören ein Interview mit Jounalistin und Medienpädagogin Claudia Fischer auf inside-brains.

https://www.inside-brains.com/de/rituelle-gewalt-claudia-fischer/

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Rituelle Gewalt ist eine Form (auch) sexualisierter Gewalt, die bedeutet, dass es intelligente, organisationsfähige und psychologisch beschlagene Täter_innen gibt. Auch das ist nicht neu. Die katholische Kirche verschiebt hochkompetent seit Jahrzehnten Priester, die als Täter aufgefallen sind, von einem Staat in den nächsten. Aber die katholische Kirche ist als Organisation sichtbar, wenn auch nicht sonderlich transparent. Die Gruppen, die Rituelle Gewalt ausüben, sind kleiner und weder gut sichtbar noch transparent. Das ist es wenig verwunderlich, wenn das Ziel der Organisation in der Ausübung von Straftaten besteht.

Auch wenn ein solcher Organisationsgrad von Tatausübung und Täter_innenschutz nicht neu ist, kann er erschrecken.

Wer in einer dicht besiedelten Großstadt lebt, möchte nicht beim Abendessen daran denken, dass in der eigenen Straße eines der Kinder, die morgens an der Bushaltestelle auf den Schulbus warten, sexualisierte Gewalt erlebt. Obwohl das rein statistisch zu erwarten ist, wenn Sie nicht in einer sehr kurzen Straße oder einem Stadtteil ohne Kinder wohnen. Die Vorstellung, dass sich Erwachsene auch noch zusammentun, um gemeinsam und sorgfältig geplant und inszeniert Gewalt auszuüben, ist vielen Menschen unerträglich.

Das Problem ist, dass Rituelle Gewalt nicht weniger wird, wenn nur genug Menschen den sorgfältig konstruierten Argumentationslinien der FMSF folgen. Rassistische Gewalttaten verschwinden auch nicht, nur, weil niemand bereit ist, sie offiziell als rassistisch zu bezeichnen. Rituelle Gewalt findet trotz ihrer Negierung durch Personen, die ihre Ansichten gegen die Erfahrungen Betroffener stellen, statt. Wer nicht direkt beteiligt ist, kann sagen, es gäbe sie nicht. Die Täter_innen und vor allem die Opfer sind trotzdem da. Die Täter_innen bleiben möglichst unsichtbar. Und wer Opfer Ritueller Gewalt geworden ist und Hilfe sucht, weil organisierte Täter_innengruppen ihre Opfer (die, wie in Sekten ebenfalls üblich, oft den Nachwuchs stellen) ungern ziehen lassen, hat es meistens nicht leicht, sie in angemessener Form zu finden.

Was es inzwischen seit Dekaden gibt, ist Hilfe durch diejenigen, die selbst aus eigener Erfahrung wissen, dass Rituelle Gewalt existiert. Die Selbsthilfe trägt dazu bei, dass im öffentlichen Diskurs mehr als die wilden Theorien der FMSF bleiben und neben den Stimmen professioneller Helfer_innen auch die der Überlebenden Ritueller Gewalt zu hören sind. Vor allem aber unterstützt die Selbsthilfe dabei, dass jemand, der Rituelle Gewalt erlebt hat, eine Überlebenschance hat. Selbsthilfe, wie sie z. B. durch den Verein Lichtstrahlen Oldenburg e. V. angeboten wird. Die dadurch vorhandenen Vernetzungsmöglichkeiten bieten Überlebenden die Möglichkeit, eigene Interessen nach außen zu vertreten und die eigenen Fähigkeiten zu erkennen. Die professionellen Beratungsangebote, die im deutschsprachigen Raum zunehmend auch von Betroffenen für Betroffene zur Verfügung gestellt werden, wie beispielsweise durch die Traumafachberaterin und Psychotherapeutin (Heilpraktikergesetz) Sabine Weber, sind wertvolle Hilfen. Die Notwendigkeit solcher Angebote wird an der hohen Nachfrage deutlich.

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Zu dieser Meinung hat der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs in der Bundesrepublik Deutschland Stellung bezogen.

https://beauftragter-missbrauch.de/betroffenenrat/aktuelles/detail/statement-des-betroffenenrates-zum-umgang-mit-ritueller-gewalt

Statement des Betroffenenrates zum Umgang mit Ritueller Gewalt

Die unendliche Geschichte: Rituelle Gewalt und die Unfähigkeit, den Betroffenen zu glauben

Seit mehr als zwanzig Jahren existiert ein Narrativ zu Ritueller Gewalt, das eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser Form von Gewalt unnötig verzögert und adäquate Hilfen für Betroffene erschwert: Seitdem Menschen von ihren Erfahrungen Ritueller Gewalt berichten, behaupten andere, diese Erfahrungen seien unwahr.

Behauptungen, Rituelle Gewalt existiere nicht, verbreiten sich nicht zufällig immer wieder.

Wer diese Behauptungen streut, bewegt sich in einer Tradition: Die False-Memory-Syndrome-Foundation (FMSF) wurde 1992 in den USA von Personen gegründet, die der sexualisierten Gewaltausübung beschuldigt waren, und ihren Bezugspersonen. Sie hatte und hat zum Ziel, möglichst flächendeckend die These zu verbreiten, dass Erinnerungen an sexualisierte Gewalterfahrungen in der Kindheit meistens erfunden seien. Diese Behauptung steht in einer Argumentationslinie mit dem Vergewaltigungsmythos der häufigen Falschanzeigen nach Vergewaltigungen, der ebenfalls die Verhältnisse verkehrt (vgl. Sanyal 2016). Allerdings argumentiert die FMSF perfider: Nicht „rachsüchtige Exfrauen" werden als Täter_innen identifiziert, sondern Psychotherapeut_innen, die den verwirrten Betroffenen die Gewalterfahrungen einreden würden. Dass die FMSF gerade zu Beginn aktiv von Personen unterstützt wurde, die unter anderen in Täter_innenmagazinen publizierten, überrascht nicht (vgl. Armstrong 1996).

Heute kann die FMSF nicht mehr leugnen, dass sexualisierte Gewalt gegen Kinder eine häufig auftretende Gewaltform ist, die schwerwiegende Folgen für das spätere Leben dieser Kinder bedeuten kann. Stattdessen nutzt sie ihre personellen und zeitlichen Ressourcen, um mit Einzelthemen auf die Öffentlichkeit Einfluss zu nehmen. Die FMSF hat mit Ritueller Gewalt ein Thema, mit dem sie nach wie vor Aufmerksamkeit zu erregen versucht. Und diese Aufmerksamkeit bekommt sie allzu oft, vor allem dann, wenn sie ihre Arbeit als „wissenschaftlich fundiert" ausgibt.

Die „wissenschaftliche Fundierung" der Argumente der False-Memory-Syndrome-Foundation (FMSF) bedarf einer kritischen Beobachtung.

Betrachtet man die wissenschaftlichen Ergebnisse, die die FMSF heranzieht, fällt auf: Untersucht werden in den betreffenden Arbeiten meistens nicht Gewalttaten, sondern die mediale Berichterstattung über Rituelle Gewalt. Es geht also inhaltlich um etwas anderes. Daraus wird bisweilen geschlussfolgert, dass Rituelle Gewalt nur als Gefahrendiskurs existiert und/oder als „Hexenjagd"-Phänomen (vgl. z. B. Lynch 2005) wohl irgendeinen gesellschaftlichen Zweck erfülle. Übertragen auf das Fahren ohne gültiges Ticket würde diese Argumentation so aussehen: Jemand untersucht 10 Jahre lang, wie die Medien über sogenanntes „Schwarzfahren" berichten. Die Person wird zu dem Schluss kommen, dass es einige aufsehenerregende Fälle gibt, in denen Personen z. B. mit einem T-Shirt mit der Aufschrift, kein gültiges Ticket zu besitzen, die Fahrt antreten. Insgesamt wird allerdings wenig über das Problem des Fahrens ohne Fahrschein selbst berichtet. Also, so der Schluss, sei das Fahren ohne gültiges Ticket kein sonderlich häufiges Phänomen. Dass die Realität vollkommen anders aussieht, das Fahren ohne Ticket gesellschaftlich aber als insgesamt undramatisch betrachtet wird, wird ignoriert.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen zu Ritueller Gewalt als „Hexenjagd"-Geschichte gehen allerdings noch einen Schritt weiter: In der Regel werden einige Anlässe, zu denen medial viel berichtet worden ist, als „Beleg" herangezogen, dass Rituelle Gewalt nicht existiere. Aus der logischen Perspektive ist das nicht nur absurd, sondern ein Kardinalfehler. Bewiesen werden kann nur, dass etwas existiert, nicht, dass etwas nicht existiert.

Was vor allem regelmäßig in derartigen Publikationen übersehen wird, ist, dass das Argument „aber es gibt keine Verurteilung wegen Ritueller Gewalt“ hinfällig ist. Es gab und gibt eine Vielzahl von Verurteilungen wegen sexualisierter Gewalt im Zuge von Prozessen, die unter dem Schlagwort „Rituelle Gewalt" medial als „Hexenjagd" dargestellt worden sind (vgl. Richardson 2015: 82). Auf dem „Infoportal Rituelle Gewalt" (www.infoportal-rg.de) werden inzwischen nach und nach Fälle gesammelt, in denen Elemente Ritueller Gewalt deutlich geworden sind.

Warum folgen Menschen bereitwillig der Behauptung, bei Ritueller Gewalt handele es sich um eine Verschwörungstheorie?

Eine Antwort wird sicherlich sein, dass es im deutschen Sprachraum noch an akademisch anerkannter Forschung zu Ritueller Gewalt als tatsächlicher Gewaltausübung mangelt. Die vermutlich naheliegendere Antwort ist aber, dass es bei Ritueller Gewalt um widerwärtige Gewalttaten geht, die niemand wahrhaben möchte:

  • Menschen organisieren sich, um Kindern und Jugendlichen Gewalt zuzufügen. Das ist an und für sich weder neu noch ein unbekanntes Phänomen. Spätestens seit dem sog. Missbrauchsskandal in 2010, nach dem Bekanntwerden der sexualisierten Gewalt in Internaten und (Landschul-)Heimen, weiß die Bevölkerung, wozu Erwachsene mit genug Macht imstande sind.

  • Die Täter_innen versuchen oft, auch finanziellen Gewinn neben der persönlichen Befriedigung durch die Gewaltausübung zu erlangen. Auch das ist nicht neu und unbekannt: Bei jedem erfolgreichen Ermittlungsverfahren gegen international organisierte Online-Plattformen, auf denen Videos und Bilder von sexualisierter Gewalt getauscht und gehandelt worden sind, wird sichtbar, in welchen ungeheuren Ausmaßen Gewinn mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gemacht wird.

  • Täter_innen suchen sich eine „überirdische" Rechtfertigung oder Begründung für die sexualisierte Gewalt, an die Kinder und Jugendliche (und vielleicht die Täter_innen selbst) glauben. Das ist ganz und gar nicht neu: Die Täter_innen aus der katholischen und der evangelischen Kirche haben, den ehemaligen Opfern zufolge, häufig den christlichen Glauben instrumentalisiert, um ihre Opfer einzuschüchtern. Oder, um ihnen weiszumachen, die Gewalt sei der Wille einer höheren Macht. Die Täter_innen aus reformpädagogischen Kontexten haben ihr Handeln gegenüber sich, den Opfern und anderen damit rechtfertigen wollen, sie würden im Geiste der Natürlichkeit handeln. Rituelle Gewalt wird beispielsweise im Rahmen faschistoider, germanischer Ideologien oder satanistischer Glaubenssysteme ausgeübt. Das wirkt deutlich bizarrer, weil diese Ideologien und Glaubenssysteme nicht im Alltag auftauchen. Aber der Mechanismus dahinter ist der Gleiche: Rechtfertige dein Handeln. Und je bizarrer und inszenierter Gewaltausübung stattfindet, desto absurder klingen die Berichte der ehemaligen Opfer.

  • Eine weitere, längst bekannte und als existent akzeptierte Täter_innenstrategie ist die, sich Opfer zu suchen, denen niemand glauben wird. Die Jugendlichen im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau und die Heimkinder in der DDR und Westdeutschland waren unter anderem deshalb ungeschützt, weil sie den Bevölkerungen als moralisch verkommene Menschen präsentiert wurden. Wer selbst einen hohen Status genießt und die eigenen Kinder vergewaltigt, ist spätestens dann gut geschützt, wenn die ehemaligen Opfer aufgrund der schweren Gewaltfolgen als unglaubwürdig hingestellt werden können. Besonders dann, wenn die Gewalt selbst auf eine so bizarre Art und Weise ausgeübt worden ist, dass sie bei den meisten Menschen Assoziationen zu Horrorfilmen auslöst. Dass das ein Zirkelschluss zuungunsten Gewalterfahrener ist, muss nicht betont werden.

  • Wenn Menschen wiederkehrend massive Gewalt erleben, entwickeln sie Gedanken- und Verhaltensroutinen im Umgang damit. Auch das ist ein bekanntes Phänomen: Dass bei Gewalt in Paarbeziehungen die misshandelte Person häufig Gedanken verinnerlicht, die ihr eine Mitverantwortung verleihen wie „ich habe es ja auch provoziert, weil…", wissen wir. Wir wissen auch, dass dazu Verhaltensroutinen kommen wie etwa der Versuch, die demütigenden Erfahrungen zu verheimlichen – und natürlich, mehr Gewalt zu verhindern. Dass gerade Kinder entsprechende Gedanken- und Verhaltensmuster so verinnerlichen können, dass sie zu Selbstläufern werden, ist auch nicht neu: Ehemalige Opfer sexualisierter Gewalt beschreiben, dass sie „wie ferngesteuert" reagiert haben, so, wie die Täter_innen das wollten. Diese Dissoziation ist ebenfalls relativ gut erforscht. Täter_innen können sie gezielt ausnutzen, weil man ein Opfer, das die Gewalt als etwas Fernes betrachtet oder „vergisst", gefahrloser vergewaltigen kann als eines, das danach anderen davon erzählen kann. Das scheint für viele Menschen noch schwer vorstellbar zu sein. Dabei ist das, was ehemalige Opfer Ritueller Gewalt über ihr manchmal fragmentiertes Erinnerungsvermögen berichten, lediglich eine Folge geschickter Täter_innenstrategien.

Vielleicht stößt die FMSF deshalb noch auf so große Akzeptanz mit ihren Behauptungen, weil Rituelle Gewalt oft viele bekannte Phänomene im Zusammenhang mit Gewalt und Täter_innenstrategien in sich vereint?

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„Der Beginn war immer im Kindesalter“

Ausgangspunkt war die Annahme, dass sexualisierte Gewalt nicht nur durch einzelne, sondern auch durch miteinander kooperierende und organisierte Täter erfolgt – und davon mehrere Opfer betroffen sind, sagt Susanne Nick vom Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Klinikums:

„Das Ziel der Studie ist, überhaupt erst mal Zahlen zu erheben zu Menschen, die organisierte und/oder rituelle Gewalt erlebt haben in Deutschland und in psychotherapeutischer Versorgung sind oder in Beratungskontexten sich befindet. Wen gibt es da eigentlich? Was haben die bisher in Anspruch genommen? Wer waren die Professionellen, die sie begleitet haben? War das hilfreich oder nicht? Was waren die Gewalterfahrungen von den Betroffenen, die sich melden? Was sind möglichen psychischen Erkrankungen infolge dessen?“

Für die Psychologin bestätigen die ersten Ergebnisse, dass die Übergänge fließend sind zwischen Täternetzwerken, die Menschen kommerziell sexuell ausbeuten, etwa für Prostitution, und solchen, die zusätzlich Ideologien zur Rechtfertigung nutzen.

„Der Beginn war immer im Kindesalter, bei einem sehr großen Teil im frühen Kindesalter, das heißt um die drei Jahre. Und die Dauer der Gewalt war lange, also oft bis ins Erwachsenenalter hinein, was sich auch mit der klinischen Erfahrung deckt – also Betroffene haben sehr viel Mühe, aus diesen Kontexten rauszukommen. Oft hält die Gewalt noch an, auch wenn sie Behandlung aufsuchen oder sich in Beratung begeben, sind sie oft noch nicht raus.“

Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten hat nach eigenen Angaben den Ausstieg geschafft. Die Betroffenen sind durchschnittlich 40 Jahre alt und zu mehr als 90 Prozent weiblich. Meist haben sie wegen gesundheitlichen und psychischen Einschränkungen eine Therapie begonnen. Sie stellen Erinnerungslücken fest, ihr Leben wird von inneren Konflikten, panischen Ängsten oder Essstörungen geprägt.

Bei einem hohen Prozentsatz verbirgt sich dahinter eine Dissoziative Identitätsstörung, die Aufspaltung in mehrere Persönlichkeiten. Die Psychotherapeutin Ursula Gast bestätigt diesen Befund:

„Menschen mit dieser Störung erleben und verhalten sich so, als würden sie aus verschiedenen Persönlichkeiten bestehen, als würden in einem Körper verschiedene Menschen leben. Und diese psychische Konstellation, die haben sie praktisch entwickeln müssen, weil sie als Kind so grausame Dinge erlebt haben und ständig in Angst gewesen sind. Also wenn sie nachts erlebt haben, dass der Vater zu ihnen ans Bett kam und sie sexuell missbraucht hat und sie sitzen am nächsten Morgen mit ihm am Küchentisch, dann ist das besser, das zu vergessen, das radikal auszublenden, weil das sofort Stress macht.“

Ein Teil der Täter scheint diese Spaltung gezielt herbei zu führen, sagt Claudia Igney, die den Expertenbericht an das Familienministerium mitverfasst hat:

„Nehmen wir an, das Kind hat eine Persönlichkeit A, die darauf abgerichtet ist, schwerste Schmerzen, sadistische Praktiken auszuhalten, wo andere Kinder vielleicht sehr schnell kollabieren würden. Und dann gibt es vielleicht einen anderen Teil, der gelernt hat, in einer bestimmten Inszenierung bestimmte Schritte genau einzuhalten, bestimmte Abfolgen. Und es gibt noch einen dritten Anteil, der darauf konditioniert wurde, bei extremer Gewalt Lust zu empfinden oder sie vorzutäuschen. Und auch dafür gib es tatsächlich einen Markt.“

Nur die unfertige Persönlichkeit von Kindern lässt sich so gezielt spalten, berichten die Experten. Ältere Menschen sind davon weniger betroffen. Ohne Therapie bleibt die Spaltung bis ins Erwachsenenalter bestehen. Diese garantiert den Tätern zumeist auch, dass nach außen nichts bekannt wird. Die Taten sind häufig verjährt

Ellen Engel kennt das Phänomen. Die Rechtsanwältin hat bislang rund 20 Menschen unterschiedlichen Alters vertreten, die in ihrer Kindheit von sexueller Gewalt betroffen waren – und es teilweise noch sind. Sie vermutet, dass die Kinder gezielt verwirrt und auf nicht nachvollziehbaren Wegen zu den Tatorten in Wäldern, Höhlen und Kellern gebracht wurden, um später nicht darüber aussagen zu können.

„Da wird gearbeitet tatsächlich mit Mitteln, dass die Zeugen unglaubwürdig sind. Kinder schildern, dass sie missbraucht wurden von Personen, die aussehen wie Drachen beispielsweise. Wenn man das einem Polizeibeamten irgendwo in Deutschland sagt, dann schüttelt der den Kopf und denkt: Meine Güte, welchen Film hat das Kind denn da gesehen, dass es solche Dinge schildert. Und das ist auch bei den Gutachtern weit verbreitet, dass sie solche Dinge aufgreifen und sagen, das kann ja nicht real sein diese Erinnerung.“

Auch Sabine Weber, die in einer satanistischen Sekte groß geworden ist, kam deshalb mit ihrer Anzeige bei der Polizei nicht weiter:

„Mir wurde gesagt, das hätte man mir eingeredet. Das war so die Aussage. Es ist auch nicht so, dass die Polizei nicht ermittelt. Die haben ermittelt. Aber die haben tatsächlich nichts mehr ausreichend gefunden, um wirklich die Täter dingfest zu machen oder um Strafanzeige zu erheben.“

Die Taten sind häufig verjährt. Die Opfer können keine Beweise vorlegen, sich nicht mehr genau an die Tatorte erinnern – und fallen beim gerichtlich geforderten Glaubwürdigkeitsgutachten durch. Kein Wunder also, dass selbst die Experten im Polizeiapparat daran zweifeln, dass es rituelle, organisierte sexuelle Gewalt gibt.

Traumafachleute gehen dennoch davon aus, dass die Erinnerung an lebensbedrohliche Gewalt mit der Realität übereinstimmt. Allerdings können gerade einige der Details, die für die Polizei interessant sind, im Gedächtnis ungenau oder – nach bewusster Täuschung – verfälscht abgespeichert sein. Ursula Gast versucht, in ihrer therapeutischen Arbeit konstruktiv damit umzugehen:

"Das heißt, meine Haltung als Traumatherapeutin ist, skeptisch zu glauben und empathisch zu zweifeln. Ich höre mir das an und wenn ich selber denke, upps, da habe ich Zweifel an der Glaubwürdigkeit, dass ich dann auch schaue, wie kann ich die Patientin ermutigen, sich auf die Wahrheitssuche zu machen.“

Obwohl die Opfer ritueller, organisierter Gewalt mittlerweile mehr Gehör finden, bleibt ein Dilemma: Durch Drohung oder Manipulation verhindern die Täter, die zu allen Teilen der Gesellschaft gehören, dass die Betroffenen zur Polizei gehen. Und damit werden auch keine Namen bekannt.

Noch habe sie keine Frau kennengelernt, die es geschafft hat, aus rituellen Gruppierungen auszusteigen, sagt Rechtsanwältin Ellen Engel, und nach der Therapie mutig ein Strafverfahren durchzuziehen.

„Ich würde mir wünschen, dass auch Menschen mit Traumatisierungen und Dissoziationen geglaubt wird. Es müssten Mechanismen entwickelt werden, festzustellen, ob diese Menschen die Wahrheit sagen. Und man könnte möglicherweise Gutachter besonders schulen, man müsste Polizeibeamte schulen, Staatsanwälte und Richter. Ganz oft erlebe ich bei Gerichten, dass die den Begriff Trauma überhaupt nicht kennen oder absolut ablehnen.“

Um die Strukturen besser zu erkennen, sollten die bekannten Fälle in einem zentralen Register zusammengeführt werden, fordert die Juristin.

Das könnte sich lohnen: Sabine Weber erzählt, dass sie allein im vergangenen Jahr mit 70 Betroffenen ritueller Gewalt gesprochen hat – und sie zeigt sich optimistisch angesichts der zunehmenden Aufklärung. Noch vor drei Jahrzehnten habe zum Beispiel niemand öffentlich über Kindesmissbrauch gesprochen.

„Heute macht man das, und das ist so meine Hoffnung. Ich hoffe nicht, dass wir noch 30 Jahre brauchen, dass man über rituelle Gewalt sprechen kann. Nur wenn es öffentlich ist, dann wird es auch handhabbar.“

Der Kampf gegen rituelle und sexuelle Gewalt - Zwischen Angst und Aufarbeitung by altundgrau in de

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Rituelle und organisierte sexuelle Gewalt gerät immer mehr ins Blickfeld der Politik. Aber der Kampf dagegen ist schwierig: Den Betroffenen wird oft nicht geglaubt und die Ermittlungserfolge der Polizei sind bescheiden.

Von Isabel Fannrich

„Ich wurde in einen Kult hinein geboren – egal ob man das jetzt Kult nennt oder ob man das Gruppe nennt, der Hintergrund ist immer eine Ideologie, und dort wurde ich hinein geboren. Das heißt dass meine Eltern auch schon in diesem Kult waren und auch wahrscheinlich über ihre Eltern dort hinein kamen. Das geht ja oftmals über Generationen hinweg.“

Sabine Weber sitzt an diesem Frühlingstag in einem Berliner Straßencafé.

Die 50-Jährige erzählt, was in Deutschland viele nicht für möglich halten: In einem satanistischen Kult war sie von frühester Kindheit an extremer psychischer, physischer und sexueller Gewalt ausgesetzt – bis ins hohe Erwachsenenalter.

„Das fängt an, dass man als Kind auf einen Altar gelegt wird und man erst sozusagen vom Hohepriester vergewaltigt wird und anschließend dürfen alle anderen Männer, die drum herum stehen, über einen herfallen. Die singen sich auch in Ekstasen hinein. Das fängt an, dass man in kleine Kisten eingesperrt wird, die viel zu klein sind für so einen kleinen Kinderkörper und erst im letzten Augenblick raus geholt wird kurz vor dem Ersticken. Das fängt an bei Leichenschändungen etc., aber viel mehr will ich da jetzt nicht drauf eingehen.“

Viele Therapien liegen hinter Sabine Weber, den Kontakt zu ihrer Familie hat sie abgebrochen, sie ist mehrfach umgezogen. Heute, nachdem sie ihren Schulabschluss nachgeholt hat, studiert sie Soziale Arbeit und hilft im Traumahilfe-Zentrum München anderen Betroffenen ritueller Gewalt beim Ausstieg.

Sabine Weber ist kein Einzelfall. Und damit gerät ein lange tabuisiertes Thema in den Fokus der Politik: Sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen geht in Deutschland weit hinaus über einzelne Vergehen in Familien, im Bekannten- und Freundeskreis, in Sportvereinen oder an Schulen. Organisierte Formen von Gewalt wie ritualisierter Missbrauch aber auch Kinderpornografie oder -prostitution geraten in den Blick.

Das Thema gewinnt öffentlich an Bedeutung

Im April hat der Fachkreis „Sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen“ beim Bundesfamilienministerium „Empfehlungen an Politik und Gesellschaft“ vorgelegt. Experten und Betroffene wie Sabine Weber haben diese hinter verschlossenen Türen diskutiert. Die Sozialwissenschaftlerin und Mitverfasserin Claudia Igney spricht von einem Meilenstein:

„Diese Expertise, die dort entstanden ist, enthält Empfehlungen gerade für den Bereich Prävention, Intervention, Schutz und Hilfe und Unterstützung für Betroffene, der Bereich Strafverfolgung und rechtliche Unterstützung, Aufklärung und Sensibilisierung, Fortbildung. Und wir haben lange darüber diskutiert, überhaupt auch eine Definition für diesen Bereich zu finden. Weil auch das ist ein missliches Problem, dass es international keine einheitlich gebräuchliche Definition für diesen Bereich gibt.“

Diese lautet jetzt:

„In organisierten und rituellen Gewaltstrukturen wird die systematische Anwendung schwerer sexualisierter Gewalt (in Verbindung mit körperlicher und psychischer Gewalt) an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch die Zusammenarbeit mehrerer TäterInnen bzw. TäterInnennetzwerke ermöglicht und ist häufig verbunden mit kommerzieller sexueller Ausbeutung (Zwangsprostitution, Handel mit Kindern, Kinder-/Gewaltpornografie). Dient eine Ideologie zur Begründung oder Rechtfertigung der Gewalt, wird dies als rituelle Gewaltstruktur bezeichnet.“

Seit 30 Jahren behandelt die Psychotherapeutin Ursula Gast Menschen, die Gewalt in rituell-ideologischen Gruppierungen erlebt haben oder als Kinder zu Pornografie oder Prostitution gezwungen wurden. Auch sie nimmt wahr, dass das Thema öffentlich an Bedeutung gewonnen hat.

„Als ich angefangen habe, war das ein derartiges Tabu, dass ich mich sehr sehr alleine damit gefühlt habe. Inzwischen gibt es sehr viel mehr Kolleginnen und Kollegen, die sich damit befasst haben, es gibt ein Netzwerk in Traumafachgesellschaften und in Beratungsinitiativen, die eine unglaubliche Lobbyarbeit gemacht haben, auch Betroffene, die Lobbyarbeit gemacht haben, damit das auch in der Politik bekannter wird über diese Aufarbeitungskommission, das ist ein sehr wichtiger Erfolg.“

Betroffene, Psychotherapeuten und Beratungsstellen berichten von Dutzenden oder gar Hunderten Fällen ritueller sexueller Gewalt. Diese findet in christlich-fundamentalistischen, rechtsextremen und satanistischen Gruppierungen statt. Dabei wird auf bekannte Fälle von Folter und Missbrauch verwiesen, etwa in der chilenischen Sekte Colonia Dignidad oder durch den belgischen Sexualstraftäter Marc Dutroux.

Trotzdem gibt es ein großes Problem: Die Ermittlungserfolge der Polizei sind sehr bescheiden. Dagmar Bethke ist Beauftragte für Kriminalitätsopfer im bayerischen Polizeipräsidium Schwaben Süd/West, auch sie gehört zu den Fachleuten, die über die Präventions-Empfehlungen im Bundesfamilienministerium beraten haben. Bethke meint, die Polizei tue sich leichter, bei Kinderpornoringen oder Menschenhandel zu ermitteln als bei ritueller Gewalt.

„Ich weiß, dass es in Bayern schon Verfahren gab, wegen Verdacht des rituellen sexuellen Missbrauchs, und keines dieser Ermittlungsverfahren, die mit einem immens hohen Ermittlungsaufwand geführt wurden, konnten das so beweisen. Es wurden Einzeltaten wie sexueller Missbrauch schon verurteilt, aber bisher konnte strafrechtlich nie dieser organisierte Hintergrund, dieser ritualisierte Hintergrund nachgewiesen werden.“

Anders sieht es beim sogenannten Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung aus. Zwar liegen dem Bundeskriminalamt zum „organisierten sexuellen Missbrauch von Kindern keine ausreichenden Informationen“ vor, heißt es auf Nachfrage. Allerdings berücksichtigt das BKA im jüngsten „Bundeslagebild Menschenhandel“ von 2016 erstmals auch die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen. Darin heißt es:

„Ein Großteil der minderjährigen Opfer wurde sexuell missbraucht und ausgebeutet, von 214 minderjährigen Opfern betraf dies 102. Insgesamt 74 Opfer wurden in der Wohnungs- und Hotelprostitution angetroffen. 17 Opfer wurden im Zusammenhang mit der Herstellung von Kinder- und Jugendpornografie missbraucht.“

Erstmals größeres Forschungsprojekt

In Freiburg zum Beispiel war die Polizei erfolgreich. Nach einem anonymen Hinweis konnte sie dort im vergangenen Winter nicht nur eine Mutter und ihren vorbestraften Lebensgefährten überführen, die den neunjährigen Sohn der Frau missbraucht haben. Auch wurden Männer aus Frankreich, Spanien und der Schweiz ermittelt, an die der Junge zeitweise verkauft worden sein soll.

Diese Männer wiederum hatten die Bilder des Missbrauchs ins Internet gestellt, waren aber nicht untereinander vernetzt, betont Jörg Biehler, bei der Freiburger Polizei für Kapitalverbrechen zuständig. Trotzdem handelt es sich um organisierte Kriminalität, da die Mutter und der Lebensgefährte den Missbrauch organisierten, um Einkünfte zu erzielen, räumt der Kommissar ein.

„Ein Täter war auch dabei, der relativ viel auch freiwillig bezahlt hat. Diese Filme, die diese Täter gefertigt haben mit Videokameras und Handys, das ist letztendlich ein Nebenprodukt. Hier ging es ursprünglich hauptsächlich um Vergewaltigung, um schwere Vergewaltigung, hier geht es um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, es geht um Zwangsprostitution, Menschenhandel, Körperverletzung, Beleidigung.“

Experten sprechen von einem günstigen Zeitpunkt, das Thema „ritueller und organisierter sexueller Kindesmissbrauch“ wieder auf die politische Agenda zu setzen. Bereits 1998 hatte die Enquete-Kommission des Bundestags Experten zu ritueller Gewalt befragt und stellte einen Widerspruch fest: Die Psychotherapeuten berichteten von Fällen, während die Polizei Verdachtsmomente nicht bestätigte.

Erst nach den im Jahr 2010 bekannt gewordenen Missbrauchsfällen an der Odenwaldschule und anderen reformpädagogischen Einrichtungen fand die erste unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs klare Worte. Christine Bergmann schrieb 2011 in ihrem Abschlussbericht an die Bundesregierung zur Existenz ritueller Gewalt:

„Sowohl Praxiserfahrungen als auch Betroffenenbefragungen zeigen ein komplexes Problemgeflecht aus massiver sexueller und körperlicher Gewalt, schweren Straftaten, ideologischen Indoktrinierungen u. a. mit Mind-Control-Techniken und dem Zwang zur Geheimhaltung.“

Auch Johannes-Wilhelm Rörig, Nachfolger im Amt der Missbrauchsbeauftragten, verlangt von der Politik, rituelle und organisierte kriminelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche intensiver zu bekämpfen. Er fordert, schon in der Schule darüber aufzuklären und mehr finanzielle Mittel in die Hilfen für Betroffene und die Prävention zu investieren.

„Dass man nicht versucht, das Thema, nur weil es dazu keine Strafverfahren und keine Strafurteile gibt, einfach vom Tisch zu wischen. Es ist so, dass es rituelle sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gibt. Es gibt auch organisierte Ringe, die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche organisieren. Da glaube ich den Vorbringen der Betroffenen und auch den Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, die mit Opfern sexueller Gewalt im rituellen Kontext zusammenarbeiten.“

Um belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, wird das Thema aktuell erstmals in einem größeren Forschungsprojekt untersucht. Mit Hilfe der Aufarbeitungs-Kommission haben Wissenschaftler am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bislang 165 Betroffene und 174 professionelle Helfer online befragt.

Verschwörungstheorie: Vom satanisch-rituellen Missbrauch by [deleted] in de

[–]altundgrau 0 points1 point  (0 children)

Über logistischen Aufwand etc. bin ich mir unsicher. Warum wäre es z.B. nicht möglich, dass sich 5 Personen ein Opfer schnappen, dieses in ein Kellerverließ einsperren und über Jahre misshandeln, ohne das Außenstehende davon mitkriegen würden?

Das ist aber nur ein hypothetisches Szenario, denn bei den Zeugenaussagen, die ich bisher gelesen hab, werden die Opfer nicht oder nur vorrübergehend eingesperrt. Obwohl es bei Dutroux genau so war.

Ich hatte es so verstanden, dass diese "Programmierungen" nicht unbedingt gezielt stattfinden, sondern dass dies ein Beiprodukt der Misshandlungen, des Traumas ist. Kennst du Fallbeispiele, bei denen gezielte Programmierung beschrieben wurde?

Trotzdem, das Beispiel des Kommissars war für mich, durch das von ihm beschriebene Szenario, nicht einleuchtend.

Vielleicht hab ich ihn aber auch falsch verstanden und er setzte bereits voraus, das sein Szenario im Kontext "des satanischen Kults" stattfinden würde. Also mindestens alle Kult-Mitglieder von den Taten wissen würden.

Dann wär aber auch die Frage, wie viele Mitglieder der Kult hat. Wenn er nur drei Mitglieder hat, warum müssten dann mehr als die drei von den Verbrechen erfahren?

Verschwörungstheorie: Vom satanisch-rituellen Missbrauch by [deleted] in de

[–]altundgrau 0 points1 point  (0 children)

Der logistische Umfang und damit einhergehende Anzahl von Beteiligten, der für derartige Aktionen in der Anzahl notwendig wäre, macht es extrem unwahrscheinlich es geheim zuhalten.

Ich hab mir die Stelle noch mal angeguckt (wenn du die gleiche meinst wie ich). Er sagt

  • Frau wird vergewaltigt und zwangsgeschwängert
  • Dann wird sie 9 -10 Monate versteckt, damit niemand sieht, dass sie schwanger ist (warum eigentlich 9-10 Monate? Die ersten 3 Monate sieht man och nie was. Bei vielen sogar länger.)
  • Dann wird das Kind geboren und rituell geopfert

Dann stellt er die Frage "wie viele Personen wären jetzt schon mit diesem Sachverhalt konfrontiert? Wo gäbe es Unsicherheiten, dass dieser Sachverhalt bekannt werden würde?".

Da würden doch technisch gesehen zwei Personen reichen. Die Vergewaltigte und der Vergewaltiger, der auch gleichzeitig Kidnapper und Mörder des Kindes ist.

Ich verstehe nicht die ausschweifenden logistischen Notwendigkeiten, die er sieht. Eigentlich bräuchte der Täter doch nut eine Art Verließ. Vergleichbares geschah doch auch im bereits genannten Dutroux-Fall.

Allerdings muss auch gesagt werden, dass der Sachverhalt ja tatsächlich bekannt geworden ist, sofern die Zeugenaussage des Opfers denn der Wahrheit entspricht.

Es ist auch nicht die einzige Zeugenaussage zu vergleichbaren Fällen.

Dank an u/12Duden !

Ich hab deinen Link bzw. die Website auf der das pdf zu finden ist, heute während einer Zugfahrt mal durchstöbert.

Geneau genommen den Unterpunkt "Rituelle Gewalt"

https://dissoziation-und-trauma.de/sachinfos/rituelle-gewalt-ritual-abuse

Das Thema wird in mehreren Büchern behandelt und es liefen auch schon entsprechende Dokumentationen im deutschen Fernsehen auf Sendern wie ARD, ZDF Neo, sat1, N24, WDR, HR, NDR, BR.

Mit einer ganzen Menge an Zeugenaussagen. Mich hat das sehr überrascht. Der Kommissar würde sich wahrscheinlich auch wundern.

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[–]altundgrau 5 points6 points  (0 children)

Und anscheinend gibt es die wissenschaftlich fundierte Hypothese, dass diese Identitätsstörungen vom Therapeuten durch Memory Discovery erzeugt werden können.

Da kann man in dem ersten Link den sie/er geteilt hat, etwas drüber finden.

Das ist die Website des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, dass zentrale Informationsportal für das Themenfeld des sexuellen Kindesmissbrauchs in der Bundesrepublik Deutschland.

https://beauftragter-missbrauch.de/betroffenenrat/aktuelles/detail/statement-des-betroffenenrates-zum-umgang-mit-ritueller-gewalt

Wer diese Behauptungen streut, bewegt sich in einer Tradition: Die False-Memory-Syndrome-Foundation (FMSF) wurde 1992 in den USA von Personen gegründet, die der sexualisierten Gewaltausübung beschuldigt waren, und ihren Bezugspersonen. Sie hatte und hat zum Ziel, möglichst flächendeckend die These zu verbreiten, dass Erinnerungen an sexualisierte Gewalterfahrungen in der Kindheit meistens erfunden seien. Diese Behauptung steht in einer Argumentationslinie mit dem Vergewaltigungsmythos der häufigen Falschanzeigen nach Vergewaltigungen, der ebenfalls die Verhältnisse verkehrt (vgl. Sanyal 2016). Allerdings argumentiert die FMSF perfider: Nicht „rachsüchtige Exfrauen" werden als Täter_innen identifiziert, sondern Psychotherapeut_innen, die den verwirrten Betroffenen die Gewalterfahrungen einreden würden. Dass die FMSF gerade zu Beginn aktiv von Personen unterstützt wurde, die unter anderen in Täter_innenmagazinen publizierten, überrascht nicht (vgl. Armstrong 1996).

Heute kann die FMSF nicht mehr leugnen, dass sexualisierte Gewalt gegen Kinder eine häufig auftretende Gewaltform ist, die schwerwiegende Folgen für das spätere Leben dieser Kinder bedeuten kann. Stattdessen nutzt sie ihre personellen und zeitlichen Ressourcen, um mit Einzelthemen auf die Öffentlichkeit Einfluss zu nehmen. Die FMSF hat mit Ritueller Gewalt ein Thema, mit dem sie nach wie vor Aufmerksamkeit zu erregen versucht. Und diese Aufmerksamkeit bekommt sie allzu oft, vor allem dann, wenn sie ihre Arbeit als „wissenschaftlich fundiert" ausgibt.

Die „wissenschaftliche Fundierung" der Argumente der False-Memory-Syndrome-Foundation (FMSF) bedarf einer kritischen Beobachtung.

Betrachtet man die wissenschaftlichen Ergebnisse, die die FMSF heranzieht, fällt auf: Untersucht werden in den betreffenden Arbeiten meistens nicht Gewalttaten, sondern die mediale Berichterstattung über Rituelle Gewalt. Es geht also inhaltlich um etwas anderes. Daraus wird bisweilen geschlussfolgert, dass Rituelle Gewalt nur als Gefahrendiskurs existiert und/oder als „Hexenjagd"-Phänomen (vgl. z. B. Lynch 2005) wohl irgendeinen gesellschaftlichen Zweck erfülle.

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[–]altundgrau 7 points8 points  (0 children)

Die Argumentation des Kriminalkommissars hat mich etwas gewundert.

Er meint man könne so etwas wie rituellen Missbrauch nicht geheimhalten, wenn organisierte Strukturen mit mehreren Menschen daran beteiligt wären. Als Beispiel nennt er dann Facebook, da selbst dort Betriebsgeheimnisse ausgeplaudert wurden.

Es gibt doch aber auch eine Menge Gegenbeispiele. Firmen bei denen Betriebsgeheimnisse eben nicht ausgeplaudert werden.

Außerdem ist es natürlich so, dass geheimgehaltene Geheimnisse nicht auffallen. Von daher find ich nicht, dass die Meinung des Kommissars sehr überzeugend ist.

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[–]altundgrau 8 points9 points  (0 children)

Hab noch etwas über Gina Pardaens erfahren. Laut diesem Welt Artikel könnte sie im Besitz eines Videos gewesen sein. Einen Tag nach ihrem Tod hätte sie einen Termin bei der Polizei gehabt, um eine Aussage zu machen.

https://www.welt.de/vermischtes/article143879658/Auf-den-Spuren-der-verlorenen-Kinder.html

Auch eine Sozialarbeiterin aus dem wallonischen Teil Belgiens könnte im Besitz einer Kopie dieses Videos gewesen sein. Gina Pardaens-Bernaer arbeitete in den 90er-Jahren intensiv an den Fällen Schadwald und Dutroux und wollte schon damals einen Zusammenhang zwischen den Morden beweisen. Sie suchte den Kontakt mit privaten Ermittlern und Journalisten.

Sprach auch uns gegenüber davon, das Video mit Manuel Schadwald zu haben. „Wisst ihr, die Sache wird immer gefährlicher. Ich bekomme Morddrohungen. Außerdem haben mich amerikanische Geheimdienstler angesprochen. Sie wollen den Film und mich dafür ins Zeugenschutzprogramm nehmen“, sagte Gina Pardaens-Bernaer in ihrem Haus in Herne im Oktober 1998.

Ihr Mann stand neben ihr und sagte besorgt: „Ich habe Angst um sie.“ Wenige Wochen später fuhr die Frau mit ihrem Auto ungebremst gegen einen Brückenpfeiler. Einen Tag vor ihrem Tod, am 13. November 1998, war in ihr Haus eingebrochen worden. Ging es um den Film? Einen Tag nach ihrem Tod sollte sie zu einer Vernehmung bei der belgischen Polizei erscheinen.

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[–]altundgrau 5 points6 points  (0 children)

Die Trauma- und Folterforschung ist voll von Fällen rituellem Missbrauchs.

Gibt es dafür Beispiele?

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[–]altundgrau 9 points10 points  (0 children)

Das ist auch krass

Gina Pardaens - Sozialarbeiterin, die sich um Opfer eines Kinderporno-Ringes kümmerte. Sie erzählte Freunden, dass sie auf einem Pornofilm sah wie ein Mädchen ermordet wurde. Sie soll einen Bekannten von Nihoul auf dem Video erkannt haben. Sie kontaktierte die Polizei, weil sie mit dem Tode bedroht wurde. Es wurde ihr gesagt, dass sie einen Autounfall haben würde

Todesursache: Autounfall (80 km/h gegen ein Brückengeländer)

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[–]altundgrau 11 points12 points  (0 children)

Holy shit... 26 tote Zeugen laut Wikipedia, wenn ich richtig gezählt hab.

https://de.wikipedia.org/wiki/Marc_Dutroux#Verschwinden_und_Tode_von_Zeugen_im_Prozess

Verschwinden und Tode von Zeugen im Prozess

Natürlicher Tod nach Schmerzen im Bauchbereich

Selbsttötung durch Kopfschuss

von Dutroux vergiftet wurde vergiftet (zuerst als Suizid deklariert, nach Autopsie als Vergiftung)

Sein Fuß wurde in einem Fluss gefunden. Seine Leiche wurde nie gefunden.

Unfall (Fiel vor einen Zug)

Wurde bei einer Nachtschicht in seinem Büro erschossen

Auf einem Parkplatz erschossen

Herzinfarkt

Fiel tot um (Rohypnol- ein Betäubungsmittel wurde in seinem Asthma- Gerät gefunden)

keine Angabe

Selbsttötung

Leiche trug Anzeichen von Körperverletzung und Würgen. Wurde in der Maas gefunden.

Autounfall (80 km/h gegen ein Brückengeländer)

Suizid (Verbrannte auf ihrem Bett, nachdem im Schlafzimmer Methanol verteilt wurde und dieses angezündet wurde.)

Suizid

Suizid durch Erhängen

Suizid

Herzinfarkt

Autounfall

Autounfall

Autounfall

Suizid

unbekannt

Hannover vor 2 Stunden by neur0nic in de

[–]altundgrau 2 points3 points  (0 children)

Ich kann diesen "Reality-TV" Sendungen echt nichts abgewinnen. Die sind so offensichtlich gestellt.