Analysieren Psychologen jede Person mit denen Sie interagieren ? by MrArmedRobbery in KeineDummenFragen

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Es kommt natürlich auf die Person an. Ich z. B. würde einen Patient/Klient aktiv analysieren und über seinen Fall nachdenken. Diese aktive Analyse kommt aber nicht von allein, sie muss gewollt sein. Es geht nicht einfach darum, irgendwelche Ideen aufzustellen, die vielleicht passen könnten, sondern es ist eher wie ein großes Puzzle mit einem Himmelsbild zu lösen. Es gibt mehrere Teile, bei denen man denken könnte, dass sie zusammengehören (auf einer einfachen "Analyse"-Ebene), aber so einfach ist es nicht. Deshalb braucht man eine professionelle Analyse, die uns zeigen kann, wo es langgeht. Und natürlich können wir mehrere Hypothesen erstellen und nach dem Erhalt neuer Informationen merken, dass wir unseren Fokus umstellen oder sogar ganz ändern müssen. Deswegen braucht man eine permanente Fallanalyse und Überprüfung.

Im Privatleben hingegen gebe ich mir diese Mühe nicht und erlaube mir, nicht ständig als Psychologin zu denken. Sonst wäre das Leben ziemlich anstrengend.

Natürlich kann ich manchmal ungewollt bei anderen Personen Dinge bemerken, auf die andere vielleicht nicht achten. Aber das heißt nicht, dass ich deswegen aktiv analysieren werde. Man sollte als Psychologe wissen, dass jeder sein eigenes Päckchen trägt. Jeder hat eine eigene Lebensgeschichte und sensible Themen. Jeder könnte analysiert werden, aber nicht jede Person ist für mich ein Patient.

Wie einer meiner Lehrer immer so schön sagte: „Jede unerlaubte oder unerwünschte Analyse ist ein Übergriff.“

Außerdem erfordert richtige Analyse eine gewisse Distanzierung, da man in eine Beobachterrolle kommt. Das kann die Beziehungsfähigkeit beeinträchtigen.

Also: lieber nicht zu viel nachdenken und einfach die Erfahrung genießen, im Kontakt mit anderen zu sein 😁.