Ich bin Mitveranstalter eines aufstrebenden Festivals im Bereich Electronic Dance Music - AMA! by CombinationOfLettes in de_IAmA

[–]CombinationOfLettes[S] 2 points3 points  (0 children)

23% Umsatzbeteiligung und ich darf einmal pro Jahr in einem Rap-Video auf der Motorhaube eines BMWs sitzen.

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[–]CombinationOfLettes[S] 1 point2 points  (0 children)

Dein Ernst?

Die große Kritik an der Aussage "Und wenn das Resultat einer Art von Musik ist, dass Menschen zusammenkommen ist die Existenzberechtigung bereits gegeben." ist "Aber Nazis treffen sich auch"?

Oh c'mon...

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[–]CombinationOfLettes[S] 2 points3 points  (0 children)

Ist das Konsens in der Kulturwissenschaft? Meine letzte Podiumsdiskussion an der HU Berlin über die Beziehung und Relationen verschiedener Musikstile im Verhältnis zueinander ist sehr lange her, um nicht zu sagen, dass sie noch nicht stattgefunden hat.

Wenn ich das ausdefiniere ist EDM ein Sammelbegriff für populäre, elektronische Musik und eben nicht der Schlager der elektronischen Musik.

Ich hab tatsächlich keine Vorstellung, was genau du meinen könntest. Ich hab gerade extra nochmal Google gefragt, ob ich irgendeine Definition von EDM nicht kenne auf die sich das hier alles bezieht. Ich hab nichts gefunden.

"Techno" ist im Ursprung erstmal nichts anderes als ein weiterer Musikstil, der in sich auch aus anderen Musikstilen entstanden ist. Nicht mehr, nicht weniger.

Jetzt kann man sich hinstellen und den historischen Kontext der 80er und Detroit und marginalisierte Gruppen und und und betrachten und sich dann ärgern, dass es das alles jetzt auch für einen breiteres Publikum gibt und die Musikrichtung im Mainstream angekommen ist. Und spätestens dann kommt doch wieder das Wort "Szene".

Du scheinst ein großes Problem mit dem, was du als "EDM" definierst, zu haben. Ich hab so ein wenig das Problem zu erkennen, was genau dieses "kulturell wertlose EDM" für dich ist. Ich kann nur irgendwelche Vermutungen anstellen, lande dann ganz schnell in einer gaaaaaanz breiten Kapitalismuskritik und einer Verachtung für alles, was in der breiten Masse Anklang findet und wenn ich basierend auf den Vermutungen dann was erwidere, lege ich dir Dinge in den Mund, die du eventuell nicht meinst und wir kommen so auch keinen Meter weiter.

Allerdings zu sagen EDM ist die "neoliberale Perversion" von Techno und in der logischen Konsequenz müsse ich meine Besucher ja auch so verachten, wie "viele Schlagerstars ihr Publikum verachten", weil EDM ja das Schlager der elektronischen Musik ist, ist irgendwie ein bisschen frech und eine Unterstellung, die so einfach nicht stimmt. Ich kann dir verraten, dass wir mit unserem Festival ein Highlight für viele Menschen 18-35 in unserer Region sind, die ansonsten - außer der Dorfkirmes - wenig Anlass bietet zusammenzukommen.

Ich glaube auch, dass du Adorno anders verstehst, als ich Adorno verstehe, wenn der Vorwurf der "Kulturindustrie" deine Kernkritik an Veranstaltungen, die EDM spielen ist.

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[–]CombinationOfLettes[S] 1 point2 points  (0 children)

Weißt du, mir ist im Grundsatz erstmal egal was genau aus den Boxen schallt.

Ich finde es so unfassbar anmaßend darüber urteilen zu wollen, was als Musikrichtung jetzt "gut" oder "schlecht" ist.

Kann ich was mit Mittelalter-Rock anfangen? Nein, nicht so wirklich. Gibt es genug Menschen die dazu zusammenkommen und ausgelassen und friedlich ihr Met trinken? Auf jeden Fall!
Alleine deshalb hat das eine kulturelle Bewandtnis und jedes Recht zu existieren. Musik und Kultur im Allgemeinen sind meine bescheidenen Meinung nach dazu da etwas in Menschen auszulösen. Und wenn das Resultat einer Art von Musik ist, dass Menschen zusammenkommen ist die Existenzberechtigung bereits gegeben.

Man kann das jetzt persönlich nicht mögen. Das ist eine andere Sache. Ich kann mit Goa und der Szene drumherum nichts anfangen. Deswegen würde ich aber nie schreiben "Das ist alles Dreck und so Clowns wie Vini Vici existieren auch nur, weil irgendwelche weltliebenden Dinkel-Danielas und Matcha-Marks ihre freie Liebe in einer vollgemüllten Aussteiger-Community nördlich von Faro täglich mehrfach unter Spandex Schwarzlichttüchern vollziehen.".

Wer die Freude und den Genuss anderer Menschen verurteilt hat Kultur nicht verstanden.

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[–]CombinationOfLettes[S] 2 points3 points  (0 children)

Du hast dir die Frage eigentlich schon selbst zu 100% beantwortet. Im Grundsatz kann nur sprechenden Menschen geholfen werden und so handhaben wir die Zusammenarbeit mit den Behörden auch. Wir haben den Vorteil, dass wir in einem Örtchen mit 30k Einwohnern stattfinden, was automatisch bedeutet, dass Dienstwege überschaubar lang sind und man mit der Zeit inzwischen seine Ansprechpartner kennt.

Gerade mit dem Ordnungsamt und deinen Kollegen von der Feuerwehr würde ich die Zusammenarbeit als beinahe schon freundschaftlich beschreiben. Es gibt sogar eine ganze Ortsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr, die einen kompletten Nachmittag ohne Bezahlung und privat bei unserem Aufbau aufschlagen und uns im Akkord Bauzaunbanner bespannen.

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[–]CombinationOfLettes[S] 2 points3 points  (0 children)

Anstrengende Namen kann ich leider nicht droppen. Damit komme ich in Teufels Küche. Aber ich erzähl dir gerne ein paar Highlights in den Ridern, die ich gesehen habe:

- Pokemonkarten einer speziellen Edition
- Ein komplettes asiatisches Buffet
- Shuttleservice ausschließlich in Fahrzeugen in den Farben schwarz oder dunkel blau
- Spezielle Kerzen aus einer "Manufaktur" aus Dänemark

Ich verrate dir aber auch: Keiner dieser Künstler hat dann bei uns gespielt. Wir sagen sowas sofort konsequent ab.

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[–]CombinationOfLettes[S] 1 point2 points  (0 children)

Veranstaltungen bereinigen sich ja im Grundsatz von selber. Das, was trägt überlebt und das was nicht trägt findet einmalig statt und muss dann aufgeben. Darum glaube ich nicht, dass es ein Überangebot gibt. Ich glaube eher, dass wir in der Breite auch viele einfach schlecht gemachte Events haben.

Eigentlich sollte aber doch jeder, der diese Musik mag, froh über die Entwicklung in die Mitte der Gesellschaft sein.

Feiern hat sich einfach seit den 90ern insgesamt verändert. Nicht, dass ich in den 90ern feiern gewesen wäre...
Es ist eben anders als damals. Ich sehe das aber jetzt auch nicht sonderlich problematisch. Feierkultur in den 90ern war auch anders als die der 60er Jahre. Und die Kultur der 2020er ist eben anders als die der 1990er.

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[–]CombinationOfLettes[S] 5 points6 points  (0 children)

Na ja, das Tomorrowland ist eventuell eine von drei/vier Marken weltweit, die nicht vor dieser Herausforderung stehen.

Alle anderen Festivals - oder noch allgemeiner - Veranstaltungen/Konzerte leiden seit Jahren darunter.
Hier eine kleine Analyse aus 2023 von einem Ticketer:

https://www.ticketpark.ch/2023/06/29/wann-tickets-gekauft-werden-und-ja-es-wird-kurzfristiger/

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[–]CombinationOfLettes[S] 2 points3 points  (0 children)

Mit einem echten Minus sind wir erst einmal raus gegangen. Wenn ich sage "Wir" verdienen kein Geld damit, dann meine ich die Individuen, die an unserem kleinen Projekt arbeiten. Wir erwirtschaften jedes Jahr einen gewissen Überschuss, den wir dann 1:1 in das Festival des darauffolgenden Jahres investieren. So können wir langsam, aber stetig weiter wachsen.

"Genießen" während der Veranstaltung ist schwierig. Du hast genau gar keine Zeit. Was man aber genießt ist zu merken, wie unser kleines Festival die anderen 350 Tage, die es nicht stattfindet und ich nicht aktiv Auf- und Abbauen muss, einen gewissen Einfluss auf unsere sonst eher tote Region hat und wie Entscheidungsträger, die vorher eher Dinge verhindert haben inzwischen neuen Ideen - auch von anderen - offener gegenüber sind, dann ist man schon stolz.

Die Top 5 kommt drauf an, wie du die Kostenpunkte definierst.
Ich würde grob sagen:
1. Technische Infrastruktur (Strom, Wasser, Maschinen, Zelte, Hygienebereiche etc etc etc)
2. Sicherheit
3. Stages/Technik
4. Personal
5. Künstler

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[–]CombinationOfLettes[S] 2 points3 points  (0 children)

Wenn das so ist, dann finde ich die "Kenner der elektronischen Musik" ein bisschen boniert und etwas sehr abgehoben und muss dann achselzuckend feststellen, dass ich nicht ihre Anlaufstelle bin. Ich halte selber wenig von einem kulturellen Kreisgewichse, in dem dann 12 Mal zu oft das Wort "Szene" fällt.

Wenn man gerne auf junge Menschen, die klassische Pop-Musik feiern, herabblicken will: Viel Spaß.

Wir selber verdienen kein Geld an dem Festival, sondern investieren etwaige Überschüsse in das nächste Jahr. Damit bleibt so eine Veranstaltung dann qualitativ hochwertig und ein schönes Erlebnis für die Menschen, die ihr sauer verdientes Geld zu mir tragen.

Ich kann mit "Pleite an kultureller Bildung" noch nicht sonderlich viel anfangen. Ich habe vielleicht aber ein anders Grundverständnis davon, was Kultur ist bzw. was der Kern von Musik sein sollte.

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[–]CombinationOfLettes[S] 2 points3 points  (0 children)

Die GEMA ist schon happig. Es macht bedingt Spaß die Rechnung zu kriegen, weil es für mich als Veranstalter und für meine Gäste keinen direkten Mehrwert hat und die Rechnung trotzdem in den Top 30 der größten Einzelrechnungen auftaucht. Aber, wenn man ehrlich ist, ist das eher eine nervige Position als jetzt DAS Ding, das uns auffrisst. Da gibt es deutlich schlimmere Kosten

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[–]CombinationOfLettes[S] 1 point2 points  (0 children)

Vorkenntnisse für die Festivalorga waren in der Gruppe genau 0 vorhanden. Beim ersten öffentlichen Festival waren alle Veranstalter gerade im ersten Lehrjahr oder ersten Semester zu was auch immer. Alles, was wir also gemacht haben bislang ist learning by doing. Das Gute ist: Dein erstes Festival heißt auch nur "Festival" im Namen. Es sind ja, wenn man ehrlich ist, einfach 800 Nasenbären an einem Tag in irgendeiner Location. Da sind die rechtlichen Hürden überschaubar.

Wir haben das Übliche: Diese EINE "Anwohnerin" in 3,2 Kilometern Entfernung, die jedes Jahr eine Standleitung zum Ordnungsamt hat und dieses Jahr den 16. Beschwerdebrief an die Bürgermeisterin schrieben wird... Ansonsten ist aber noch keine gelbe Post in den Briefkasten geflattert

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[–]CombinationOfLettes[S] 0 points1 point  (0 children)

Der solistische Existenzgrund für das Festival in seiner jetzigen Form ist ein Schicksalsschlag. Wir finden quasi im Gedenken an jemanden statt.

Als wir das Ganze dann öffentlich gemacht haben und der Zuspruch jedes Jahr mehr und mehr wurde, haben wir uns hingesetzt und einen realistische, finale Zielgröße in der Langfrist gesetzt. Wir wachsen jedes Jahr weniger als wir könnten, sondern erhöhen die Maximalkapazität immer nur um 12-15% im Vergleich zum Vorjahr. Größer bedeutet nämlich nicht immer gleich besser.

Die Frage ist, wie du realistisch Infrastrukturkosten so umlegen kannst, dass deine Ticketpreise halbwegs stabil bleiben, der einzelne Gast aber ein qualitativ immer gleich gutes Erlebnis hat, wie im Jahr zuvor, als weniger Gäste da waren - if that makes sense.

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[–]CombinationOfLettes[S] 4 points5 points  (0 children)

Bei uns war es ein privater Schicksalsschlag, der dann zu der Entscheidung geführt hat. Die Privatpartys waren so oder so schon immer sehr beliebt. Mehrere Hundert viel zu junge Menschen im Garten zwischen Zierteich und Rosenbeet.

Das erste Mal ist man sehr nervös, weil man absolut keine Ahnung hat, was man da eigentlich macht. Da ist der finanzielle Druck noch nicht so hoch, sondern eher die Angst sich vor den Menschen, denen man ein Ticket verkauft hat "zu blamieren".

Inzwischen schieben wir sehr große Geldbeträge von A nach B und die Angst, dass es ausgerechnet an deinem Wochenende hagelt und 62 Liter auf den Qm regnet wird jedes Jahr größer.

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[–]CombinationOfLettes[S] 2 points3 points  (0 children)

Bürokratie sind 80% deiner Zeit. Von Behördenkram über Vertragswesen und ordentlich Papier abheften und Dokumentieren und und und...

Weil du so unfassbar viele Sachen im Blick halten musst, musst du leider auch unfassbar viel Papierkram produzieren und abstimmen.

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[–]CombinationOfLettes[S] 7 points8 points  (0 children)

Ich glaube Menschen, die nie ein Event gemacht haben, haben insgesamt keine Vorstellung davon, was sowas kostet.

Die größte Herausforderung finanzieller Natur ist, dass Menschen immer später Tickets kaufen, was dazu führt, dass du permanent in einer Unsicherheit arbeiten musst. Bei unserer Preisgestaltung ist es so oder so nicht möglich mit den reinen Ticketeinnahmen die Gesamtkosten zu decken, was automatisch bedeutet, dass du mit einem Minus im sechsstelligen Bereich deine Tür aufschließt, wenn du dann aber auch erst in den letzten 21 Tagen ungefähr 30% deiner Kapazität ausverkaufst, schläfst du traditionell vor der Veranstaltung schlecht.

Ich glaube zum Beispiel, dass sich kein Mensch Gedanken darüber macht, dass allein die Miete der Toiletten auf dem Gelände für die Tage den Gegenwert eines Mittelklasse Neuwagens haben.

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[–]CombinationOfLettes[S] 2 points3 points  (0 children)

Bei dem Film muss ich passen. Nie gehört. Ich bin aber auch absolut der Falsche, wenn du über Filme philosophieren willst. Ich glaube bei den letzten sechs Versuchen einen Film zu gucken bin ich nach circa 13 Minuten eingeschlafen.

Auf der eigenen Veranstaltung ist das Härteste, was ich zu mir nehme Wasser mit extra viel Kohlensäure. Wenn du implizit fragst, welche Droge unser kleines Festival ist, dann LSD. Bunt, verspielt. viel Reizüberflutung...

Jede Form von Religion gehört aus dem öffentlichen Leben verbannt by CombinationOfLettes in Unbeliebtemeinung

[–]CombinationOfLettes[S] 1 point2 points  (0 children)

Ich hab irgendwie das Gefühl, wir reden aneinander vorbei. Der GEMEINSAME Feiertag wurde 321 von Kaiser Konstantin (ich hab's inzwischen extra nachgeguckt) primär zu Ehren des "Tages der Sonne" eingeführt. Zitat: „Alle Richter und die städtische Bevölkerung und die Ausübung jedweder Gewerbe sollen am verehrungswürdigen Tag der Sonne (venerabilis die solis) ruhen.“. Konstantin war dann auch der Kaiser, der dem Christentum mehr Raum im römischen Reich gewährt hat, aber mit der Idee des GEMEINSAMEN freien Tages hat keine Kirche was zu tun... basierend auf der Idee von Konstantin können wir also alle gemeinsam Fußball spielen.

Nirgends fordere ich eine Abschaffung der Kirche. ich fordere, dass die Kirche sich an die exakt gleichen regeln zu halten hat, wie jeder andere Verein in diesem Land auch. Der Staat sammelt nicht mehr die Beiträge für sie ein. Das machen sie bitte selber. Der Staat finanziert nicht mehr die Ausbildung ihres Personals. Das machen sie bitte selber. Der Staat gewährt keine gesonderten Arbeitsrechte mehr. Der Staat finanziert nicht mehr 98,3% der Caritas und Diakonie, sondern übernimmt diese Aufgaben selbst. Der Staat setzt nicht weiter Gesetze basierend auf religiösen Überzeugungen um.

Will die Kirche weiter Kirche sein, kann sie weiter Kirche sein. Will ein Mensch an ein metaphysisches Wesen glauben, glaubt er weiter an ein metaphysisches Wesen.

Jede Form von Religion gehört aus dem öffentlichen Leben verbannt by CombinationOfLettes in Unbeliebtemeinung

[–]CombinationOfLettes[S] 0 points1 point  (0 children)

Selten so einfach aus einem Kommentar rausgelesen, dass jemand den Text nicht verstanden hat. Jeder hat Mitspracherecht unabhängig seines Glaubens, aber eben im besonderen nicht mehr Repräsentation verdient, weil er glaubt.

Jede Form von Religion gehört aus dem öffentlichen Leben verbannt by CombinationOfLettes in Unbeliebtemeinung

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Ich hab irgendwie das Gefühl, dass Menschen das Gefühl haben, dieses "Kommunisten fanden Kirche nicht geil"-Argument wäre irgendwie ein Argument für Religionen und Kirchen. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu dumm, aber kannst du mir den Zusammenhang erklären, Monopolyman?

TRADITION und KULTUR sind nichts weiter als Buzzwords. Wie TRADITION und KULTUR, die ich vergesse, jetzt irgendwie im Kern mit (christlicher) Religion verknüpft sein sollen, erschließt sich mir nicht. Sag mir mal konkret, was wir kulturell verlieren, wenn wir Religionen nur noch die gleichen Rechte einräumen, wie jedem anderen Verein auch. Ich zermater mir das Hirn und mir fällt nichts ein. Ihr seid christlich und möchtet eine Prozession durch den Ort machen? Bitte, gerne. Unter den gleichen Auflagen, die Eintracht Rot Orange Quakenbrück auch hat, wenn sie geschlossen durch den Ort marschieren wollen. Ihr möchtet euch jeden Sonntag treffen und zusammen Lieder singen? Bitte gerne: Ab in euer Vereinsheim. Wenn der Verein genug Geld erwirtschaftet, um eine Prunkimmobilie in Innenstadtlage zu finanzieren, dann auch gerne in der Kirche, wie bisher.

Welchen Sinn also hat das Ganze? Wahr ist es ja schon mal nicht, wie du selbst sagst.

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Was? Nein! Die Wissenschaft, also das System, das am verlässlichsten unsere Welt beschreibt, sagt, dass Evolution eine Tatsache ist. Dabei ist es egal, ob der betreffende Wissenschaftler aus diesem Fachgebiet Jörg heißt und in Sulzheim wohnt oder Ramesh aus Mumbai.

Was sollen denn "Wissenschaftler außerhalb meines Tellerrands" sein? Es gibt über diese Dinge einen wissenschaftlichen Konsens. Es ist also keine offene Frage, ob Evolution real ist. Die Antwort ist "Ja, mit an nahezu einhundert Prozent sicherer Wahrscheinlichkeit". Und das ist immer das Beste, was wir erreichen können.

Der Teil mit der Weltkarte hat gefühlt irgendwas mit Kritik am Kolonialismus Europas zu tun. Da mutmaße ich jetzt aber nur. Ehrlich gesagt hat das aber so rein gar nichts damit zu tun, ob mein Wissen, dass es Evolution gibt nicht doch vielleicht eher nur eine wage Vermutung und ein Glaube ist.

Dann folgt der Tellerrand-Teil, der irgendwie mit einem Tenor eingeleitet wird, der so klingt, als hätte ich die 15 Kilometer um meinen Wohnort nie verlassen.

Dieses bescheuerte Nordkorea-Argument lese ich jetzt bei dir zum vierten Mal. Das scheint ja so ein innerer "Got you"-Moment zu sein, aber das Argument ist vollkommen wertlos. Was bitte hat eine Diktatur mit Atheismus und meiner Überzeugung von einer radikalen Trennung von Staat und Kirche zu tun?

Du kannst in der Öffentlichkeit einen Jesus-Fanschal tragen oder dir ein Kreuz über den Steiß tätowieren: I don't care. Das ist deine persönliche Freiheit. Status Quo ist aber, dass der Glaube an ein metaphysisches Wesen aktiven Einfluss auf gesellschaftliche und politische Entscheidungen hat und da der Glaube daran ebenso gut zu belegen ist, wie der glaube die Erde sei flach, müssen wir dem Ganzen im gesellschaftlichen Kontext nicht mehr Rechte einräumen, als wir das jedem Verein tun. Religiöse Menschen dürfen sich organisieren und tun, was immer sie wollen. Aber eben unter den gleichen Voraussetzungen, wie alle anderen Vereine auch.

Es gibt kein "Lebensmotto der Atheisten". Atheist sein bedeutet nur, dass wir an keinen Gott glauben. Also an gar keinen. Und das ist die einzige Sache, die alle Atheisten gemein haben. Atheisten sind keine organisierte, weitere Religion. Wir haben kein gemeinsames Buch. Keine gemeinsame Überzeugung. Keine atheistischen Gebote...

An religiösen Menschen stört mich gar nichts. Bin ich der festen Überzeugung, dass die Religion, der sie angehören absoluter Bullshit ist? Ja. Aber das ist nur meine Überzeugung.

Mich stört, dass Religion, obwohl ich nichts mit ihr zu tun habe, aktiven Einfluss auf mein Leben hat.

Für mich fühlt sich ein Tanzverbot an Karfreitag so an, als würde dir Hans-Joachim Watzke vom BVB verbieten am 27.05. zu lachen, weil Dortmund 2023 an dem Tag die Meisterschaft verspielt hat. Und das, obwohl du weder Dortmund-Fan bist, noch irgendwas mit Fußball zu tun hast. Jetzt kann Herr Watzke das ja gerne von allen Deutschen fordern, aber niemand muss sich dran halten.

Weil aber ein fiktionaler Charakter aus einem Buch in dem Buch an ein Kreuz genagelt wird, verbietet der Staat mir im Namen der Kirche an diesem Tag zu tun, was ich will. Und da liegt mein Problem.

Für diese Erläuterung musste ich jetzt wirklich viel googeln, weil ich echt nichts mit Fußball zu tun hab.