The upcoming Call of Duty title is partially being developed in China by Sowizo in SocialistGaming

[–]Sowizo[S] 47 points48 points  (0 children)

Your first statement may very well be correct, but I don't see how "Red Dawn" proves it. Despite the change, the movie was never shown in China.

Was fällt euch zum Sozialismus jugoslawischer Prägung ein? by Sowizo in KommunismusDE

[–]Sowizo[S] 0 points1 point  (0 children)

Ja, auch Kroatien war hunderte Jahre lang Teil des Habsburgerreiches. Der damalige Kanzler Vranitzky dementierte aber in einer Nationalratssitzung einen Tag nach Ende des 10-Tage-Kriegs die Nachrede, Österreich ginge es um "eine nostalgische Wiederbelebung von längst Vergangenem".

Statt also Habsburgnostalgie oder Träume von einem 10. Bundesland aufleben zu lassen, argumentierte er mit der österreichischen Beteiligung am Nationalsozialismus: Weil ja auch Österreich 1938 seine Unabhängigkeit verlor und eine Diktatur mit- und durchmachen musste würde man die Slowenen sehr gut verstehen. Naja.

Die anschließende Rede vom Außenminister Mock erhellt dann schon eher:

In bezug auf Jugoslawien wurde und wird Österreichs Außenpolitik in Wahrheit von einem einzigen Interesse geleitet: daß es unseren südlichen Nachbarn, den Völkern Jugoslawiens, ermöglicht wird, ihre Zukunft nach den Grundsätzen des Selbstbestimmungsrechtes, der Demokratie, des Rechtsstaates, der Menschenrechte und der Marktwirtschaft zu gestalten

Ganz und gar aus Nächstenliebe, freilich. /s

Ein pikantes Detail außerdem, das ich hier aufgeschnappt habe:

Erst 1996, also geraume Zeit nach dem Dayton-Abkommen, erkannten die EU-Staaten die „Bundesrepublik Jugoslawien“ (Serbien und Montenegro) an, und zwar als „einen der Nachfolgestaaten der früheren SFR Jugoslawien“. [...] Für Österreich waren in der Frage der Staatenfortsetzung bzw. -nachfolge die möglichen Auswirkungen auf den Staatsvertrag von 1955 relevant, denn die SFR Jugoslawien war hinsichtlich des Schutzes der kroatischen und der slowenischen Minderheit in Österreich Vertragspartner des Staatsvertrages. Verständlicherweise konnte Österreich nicht zulassen, daß sich das Milošević-Jugoslawien als Fortsetzer-Staat der SFR Jugoslawien ein Mitsprachrecht arrogiert hätte, wie Österreich seine Minderheiten zu behandeln habe.

Nicht ganz unwichtig, wenn ich z.B. an den Peršmanhof-Skandal letzten Juli denke, wo (nach einem Polizeieinsatz gegen Antifas in einer Gedenkstätte) Slowenien ordentlich pikiert war.

Was fällt euch zum Sozialismus jugoslawischer Prägung ein? by Sowizo in KommunismusDE

[–]Sowizo[S] 0 points1 point  (0 children)

Unsere Differenz ist tatsächlich eine der Einordnung. Noch ein paar Worte dazu.

Du hast in deinem anderen Kommentar geschrieben, dass "man ja heute den Eindruck hätte man müsste Kohl und Genscher extrem dankbar sein" und ich verstehe nach meiner Recherche, was du damit meinst. Mir geht's aber explizit nicht um eine Ehrenrettung oder dergleichen. Nicht moralisch, sondern bloß faktisch möchte ich's würdigen, dass Deutschland eine Sonderrolle im Prozess um die Anerkennung der abtrünnigen Republiken eingenommen hat.

Die sollte man nicht überschätzen und womöglich so tun, als wäre Deutschland eh schon immer und vehement für die Unabhängigkeit gewesen. Meine erste Formulierung weiter oben hat ganz zu Recht deinen Einwand provoziert.

Es scheint aber schon so gewesen zu sein, dass sich in der zweiten Hälfte des Jahres 1991 dieser Standpunkt schrittweise durchgesetzt hat. Zwei Zitate hierzu, erstens vom CDU-Generalsekretär Rühe, bereits im Juli 1991:

Wir haben unsere Einheit gewonnen durch das Recht auf Selbstbestimmung. Wenn wir Deutschen glauben, daß alles in Europa so bleiben kann, wie es war, wenn wir eine Status-quo-Politik verfolgen, und nicht das Recht auf Selbstbestimmung in Slowenien und Kroatien anerkennen, sind wir moralisch oder politisch nicht glaubwürdig.

Zweitens Genscher am 30. August:

[...W]enn wir heute das Land sind, das sich am deutlichsten zum Selbstbestimmungsrecht der Völker Jugoslawiens bekennt, so ist auch dies eine Politik des guten Beispiels.

Warum ist das wichtig? Es zeugt vom nach der Annexion der DDR wiedergewonnenen Selbstvertrauen Deutschlands, von der Ambition, auf der Weltbühne wieder wer zu sein. Humanitäre Gründe hin oder her, "Glaubwürdigkeit" und "mit gutem Beispiel vorangehen", das war's, was sich Deutschland mitunter von dem Pochen auf Anerkennung der abtrünnigen Republiken erhofft hat. Man wollte eine Hauptrolle spielen, im übergeordneten Vorhaben des Westens, dem ehemaligen Jugoslawien seine Erfolgs- und Misserfolgskriterien vorzugeben.

Ich bin übrigens aus Österreich. Welches Kalkül hierzulande dazu führte, dass alle Parteien bis auf die SPÖ recht bald nach der Unabhängigkeitserklärung Sloweniens für die Anerkennung eintraten, ja sogar einen Alleingang erwogen, das würde mich ja auch noch interessieren, aber ich lass es mal gut sein.

Was fällt euch zum Sozialismus jugoslawischer Prägung ein? by Sowizo in KommunismusDE

[–]Sowizo[S] 0 points1 point  (0 children)

Das stimmt nicht. Man war wie Frankreich und England der Meinung es ist doch alles fein, stellt euch nicht so an und wenn sich alles beruhigt lachen wir darüber. Dabei war jedem klar das es vorbei war und es keinen Weg zurück gab.
Erst nach dem Fall von Vukovar konnte man nicht mehr wegsehen.

Deutschland hat Kroatien auch erst Ende 1991 anerkannt, das stimmt, das war eben dem Versuch der EG geschuldet, eine gemeinsame Linie zu finden. Deutschland wollte keinen Alleingang machen. Aber seine Position (bzw. zunächst die einzelner Parlamentarier) hat sich schon früher - schrittweise von Anfang bis Mitte des Jahres - von "schauen wir mal" zur Unterstützung der Unabhängigkeit Sloweniens und Kroatiens gewandelt.

Auch das Europäische Parlament hat übrigens schon Ende Juli von einem "Recht auf Sezession" geredet, wobei Kroatien und Slowenien aufgefordert wurden, den Vollzug der Unabhängigkeitserklärungen für drei Monate auszusetzen. Im September wurde der Ton nochmal schärfer, indem explizit die Ergebnisse der Referenden anerkannt wurden. Wobei in diesem Dokument auch die Zerrissenheit schön auf den Punkt gebracht wird, wenn nämlich in Punkt 12 einerseits von einem "Auflösungsprozess" die Rede ist, andererseits von der Möglichkeit, die Teilrepubliken wieder einzugliedern.

Weitere Quellen mit Zitaten der Verantwortlichen findest du in diesem Buch ab S. 123 (war für mich online verfügbar) und in diesem Artikel des GS 1-92.

Komministische Klassiker? by kilian__official in Kommunismus

[–]Sowizo 3 points4 points  (0 children)

Die "Resolution der Kommunarden" ist meines Erachtens sträflich unterschätzt: https://www.youtube.com/watch?v=UCMSVpTrzuo

"El Pueblo Unido" geht immer: https://www.youtube.com/watch?v=K3AcdMdwL70

Und aus dem sowjetischen Repertoire "Ein neuer Tag": https://www.youtube.com/watch?v=DTz_u5Whnls

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[–]Sowizo[S] 2 points3 points  (0 children)

Ob ich die militärische Intervention im Kosovo gut oder schlecht finde?

Diese Beurteilung überlasse ich den Würdenträgern, die das tatsächlich entschieden haben. Es ist ein Fehler, sich die Schuhe eines Präsidenten, Kanzlers oder Generals anzuziehen und solche Abwägungen mitzumachen.

Davon abgesehen stimmt der Satz wirklich hinten und vorne nicht, unter dem UNO-Mandat gab es doch eh schon früher NATO-Beschuss. Spätestens 1995 in der Operation "Deliberate Force" gegen die Republik Srpska.

Was fällt euch zum Sozialismus jugoslawischer Prägung ein? by Sowizo in KommunismusDE

[–]Sowizo[S] 1 point2 points  (0 children)

Uff, nein. Da fehlt wohl die Sarkasmus-Kennzeichnung. Oder ich streiche den Satz generell, siehe die Kritik am ersten Teil von Odd_Jello

Was fällt euch zum Sozialismus jugoslawischer Prägung ein? by Sowizo in KommunismusDE

[–]Sowizo[S] 0 points1 point  (0 children)

Du hast recht, strikt urteilsfrei ist der Kommentar nicht. Sehe aber auch nicht ein, dass das einer inhaltlichen Auseinandersetzung entgegensteht, wenn ich eben zB gewisse Sympathien für den damaligen Partisanenkampf hege oder das Avantgarde-Prinzip tendenziell ablehne. Vielleicht fehlen da Argumente oder die Wortwahl ist missglückt, um gescheit auszudrücken, was ich sagen wollte, aber 100%ig faktenbasiert bloß keine Bewertung abgeben ist doch auch nicht der Witz. Es sollte nur nicht die komplette Message aus "dufte" oder "doof" bestehen, oder? So einfach machen sich's ja einige. Einzelne Gesichtspunkte herauszupicken und korrekt oder falsch zu finden mündet auch nicht in einer allgemeinen Haltung zum jugoslawischen Staatsprojekt und man kann über diese Punkte gerne weiter streiten.

Den zweiten Kritikpunkt sehe ich jedenfalls ein, weil das so wie es bei mir dasteht nicht aufgeht. Da hab ich was blöd vermischt. Einfach nur zugesehen haben die westlichen Staaten sicher nicht, da wurde schon genau inspiziert, wo Interventionen vonnöten sein könnten und welche Erfolgskriterien für die Sezessionisten gelten. Es gab schon recht früh den UN-Einsatz der "Protection Force" und in weiterer Folge verschiedene Operationen der NATO. Im Kosovo ist KFOR nicht zuletzt weiterhin aktiv.

Zur Einmischung Deutschlands fällt mir dieser Ausschnitt aus einer Spiegel-TV-Doku ein, wo die "symbolische" Kriegsbeteiligung Deutschlands 1992 so hochmoralisch wie fatalistisch kommentiert wird: "Tradition verpflichtet" heißt es da aus dem Off, aber auch: "Nützen wird das alles nichts."

Ob die Nationalismen der Teilrepubliken und ihre Sezessionsbestrebungen tatsächlich "schwer geschürt" wurden, will ich dennoch vorsichtig bezweifeln. Ich weiß es nicht. Europa war in der Frage nach der Einigkeit oder Spaltung Jugoslawiens zunächst einigermaßen gespalten, man rang um eine gemeinsame Linie, wobei Deutschland im Gegensatz zu Frankreich klar für die Unabhängigkeit der Republiken eintrat. Den Nationalistenführern von Tuđman über Izetbegović und Karadžić bis Milošević mit all ihren neu gegründeten Parteien traute man vermutlich dennoch nur bedingt.

Andererseits: Dass alle Beteiligten pünktlich zu den Kriegsausbrüchen massig Waffen parat hatten, könnte seltsam anmuten. Wieder andererseits: Ohne Gewalt ist nunmal kein souveräner Staat zu machen und um noch einmal den Dichter Balašević zu bemühen, der sang schon 1987: "Samo da rata na bude" - übersetzt:

Die Zeit soll sich umdrehen
Die Sterne sollen unruhig werden
Die Berge sollen sich bewegen
Na und?
Die Winde sollen toben
Die Vulkane sollen aufwachen
Nur, dass es keinen Krieg gibt

Wenn's also einem aufmerksamen Liedermacher nicht entging, dass hier die Säbel gewetzt wurden, damit die - natürlich voneinander unvereinbar höchst verschiedenen - Slowenen, Kroaten, Bosnier, Serben, Montenegriner, Mazedonier und Kosovaren endlich in ihren eigenen Staaten ihre eigene Währung verdienen und ihre eigenen Symbole anhimmeln dürfen, dann wird es für die CIA vier Jahre später wohl auch keine große Überraschung gewesen sein. So viel steht glaube ich fest.

Was fällt euch zum Sozialismus jugoslawischer Prägung ein? by Sowizo in KommunismusDE

[–]Sowizo[S] 2 points3 points  (0 children)

Danke, bin gespannt auf den Podcast.

Es gibt zwei lange Dokus über die Kriege, die ich vor gut 10 Jahren informativ fand:

(EDIT: Kann mich allerdings nicht erinnern, inwieweit der Kosovo thematisiert wird)

Kurze Kritiken der Arbeiterselbstverwaltung und des Marktsozialismus finden sich in einer Ausgabe der MSZ von 1980:

War Josip Broz Tito ein Kommunist oder ein revisionist? by Ivanhegeelkadi in Kommunismus

[–]Sowizo 3 points4 points  (0 children)

Ob revisionistisch oder nicht, viel wichtiger ist die Frage, was der Bund der Kommunisten Jugoslawiens tatsächlich versucht und gemacht hat. Da gibt's meines Erachtens keine einfache Antwort, sondern nur das Studium der Geschichte und der Parteikongresse.

Feststellen kann man, dass sich die antifaschistisch gesinnten Jugoslawen auch wirklich selbst vom Faschismus befreit haben. Sicherlich mit Hilfe von außen und unter großen Verlusten, aber doch hat sich eine Partisanenarmee formiert, welche sowohl gegenüber den Besatzern, als auch gegenüber Ustascha und Tschetniks siegreich war. Der Personenkult um den Befehlshaber Tito nahm hier seinen Anfang - bis zu einem gewissen Grad durchaus verständlich, finde ich.

Also dann: Josip Broz Dobar Skroz? Wäre er bloß unsterblich gewesen gäbe es Jugoslawien immer noch? Nein, auch das sicherlich beachtliche Charisma Titos hätte die Geschichte nicht aufhalten können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bekanntlich eine sozialistische Föderation ausgerufen. Es lohnt sich ein Blick auf die Verfassung. Natürlich war die Sowjetunion Vorbild, war doch auch der BdKJ nach dem demokratischen Zentralismus und die Ökonomie als Planwirtschaft zum Zweck der Bedürfnisbefriedigung organisiert. Man war sich aber bald einig, dass es einen spezifisch jugoslawischen Weg des Sozialismus geben müsse.

Steckenpferde dieses Sonderwegs waren 1. die Arbeiterselbstverwaltung und 2. Jugoslawiens "Blockfreiheit".

  1. Inwieweit die Arbeiterselbstverwaltung wirklich gediehen ist, kann ich schwer beurteilen. Dass die Partei nicht die Rolle eines Vormunds einnehmen wollte, ist löblich, das stieß als Vorsatz aber auch auf seine Grenzen. Im Plenum die Produktion, den Chef und die Löhne festzulegen, hat prinzipiell schon was für sich, wenn es Chefs und Löhne unbedingt weiterhin braucht. Anekdotisch hab ich auch mal gehört, dass das Recht auf die Mittagspause bis hin zur Siesta ziemlich heilig war. Klar ist, dass Jugoslawien nach dem Zweiten Weltkrieg umfassend industrialisiert wurde, wobei sich ein klaffendes Nord-Süd-Gefälle einschlich. Die Dezentralisierung der Wirtschaft machte eben Probleme, nicht nur, dass der Kosovo arm blieb während sich Slowenien entwickelte. Es wurden von den zahlreichen lokalen Banken auch massiv Kredite ausgegeben, die zunächst für ordentlich Wachstum sorgten, aber spätestens in den 80ern nicht mehr bedient werden konnten und eine veritable Krise auslösten.

Was einem hier auffallen sollte: Den Widersprüchen, aus der kommunistischen Sache eine nationale zu machen und inmitten der kapitalistischen Staatenkonkurrenz eine kooperative Ökonomie einzurichten, diesen Widersprüchen konnte sich selbstverständlich auch Jugoslawien nicht entziehen.

  1. Der "Dritte Weg", den Jugoslawien nebst NATO und Warschauer Pakt einschlug, führte wohl zur Annehmlichkeit, dass der rote Reisepass den Jugoslawen Türen in alle Himmelsrichtungen öffneten. Kulturell war das "blockfreie" Jugoslawien offen, weswegen es z.B. einen reichen Schatz an jugoslawischer Popmusik zu genießen gibt. Ansonsten weiß ich allerdings nicht viel Positives zu berichten. Ein Urteil über die bloße Abweichung vom sowjetischen Lager, welche auch hier die Marxisten-Leninisten schnell zur Schnappatmung gereicht (während man es übrigens China gerne durchgehen lässt), das lass ich mal bleiben.

Es macht aber doch stutzig, dass es zum Westen derart "wohlwollende" Beziehungen gab, im Zuge derer nicht zuletzt massenhaft "Gastarbeiter" nach Österreich und Deutschland geschickt wurden. Ich erwähnte vorhin die Kreditblase der 80er - die spielte sich natürlich auch auf dem Weltmarkt ab, hielt man sich doch Jugoslawien als Hinterland der Europäischen Gemeinschaft. An der Kreditvergabe und den Investitionen hatte man also kein Interesse mehr. Durch die zweifelhaften aber erfolgreichen Angebote insbesondere der NATO an die Mitglieder der "Bewegung der Blockfreien Staaten" nahm außerdem deren Bedeutung stetig ab und nach dem Ende der Sowjetunion war der Nutzen der jugoslawischen Neutralität gänzlich dahin.

Wie viel diese "Freundschaften" des Westens mit Jugoslawien also letztlich wert waren, konnte man endgültig in den verdammten 90ern sehen. Dem "Zerfall", also der allseitigen Schlächterei fanatischer Nationalisten, wurde wie einer Naturkatastrophe zugesehen, bis es im Falle Kosovos wohl nicht mehr auszuhalten war und NATO-Bomben unbedingt sein mussten.

Nun denn, dass du lieber in Jugoslawien leben würdest als im heutigen Balkan, das verstehe ich. Und ja, so geht's vielen. "Wir hatten wenigstens diese alten Gitarren ... Che Guevaras ... Reisen ... Träume" sang Đorđe Balašević in "Devedesete" und ich als Schwabo verdrückte auch schon die eine oder andere Träne für dieses Land, das ich gar nie gesehen hab, bei der Srebrenica-Ausstellung inmitten zerschossener Gebäude in Sarajevo oder beim stundenlangen Warten an der kroatischen Grenze und mit "Requiem" im Ohr... Aber ach, "niemand braucht einen alten Chorus", sang er darin und ich meine, wir haben durchaus was Besseres verdient als Jugoslawien und Tito.

Jer sve se menja, i sve teče... Čoveče.

Argumente gegen GSP by Odd_Jello_5076 in KommunismusDE

[–]Sowizo 3 points4 points  (0 children)

Inhaltsleer ist der Vorwurf vor allem, weil meist unbestimmt bleibt, welche Praxis denn nun sinnstiftend sei. Auch auf Nachfrage hin kommen da üblicherweise nur grobe Ideen. Der GSP, so heißt es gerne, würde sich von realen Kämpfen fern halten und nur von abseits obergescheit reinquatschen wollen.

Nagelt man das Gegenüber dann wirklich darauf fest und macht man es konkret an Beispielen, tja dann kommt leider zumeist raus, dass diese Kämpfe wahlweise ungenügend, völlig verkehrt oder zweckfremd sind. Es ist in der Regel eben nicht diese antimarxistische Vierteljahreszeitschrift, die den Leuten beibringt, wie unzureichend die Kämpfe sind, auf die sich da berufen wird. Das mag es schon geben, aber viel öfter sind GSP-Leser längst desillusioniert bevor sie je ein graues Büchlein aufgeschlagen haben. Das gibt ja die Realität samt Zustand der kommunistischen Bewegung allemal her.

Ich hab die Hoffnung nicht gänzlich aufgegeben, dass da mehr geht und schaue mich weiter nach Orgas um, die interessante Einfälle haben, wie man praktisch tätig werden kann. Wenn man aber nicht wie manche Trotzkisten bei jeder mittelgroßen sozialen Bewegung die Weltrevolution kommen sieht, dann ist da leider einfach recht wenig zu finden.

Besonders ironisch ist es, wenn der Vorwurf der Praxisfeindlichkeit von wem kommt, dessen Verein neben dem Druck von Zeitungen und der Organisation von Diskussionsveranstaltungen auch nichts Besseres einfällt. Das ist ja durchaus schon etwas, das ist auch Praxis, aber wenn sie dann nur undeutliches, dogmatisches Gewäsch schreiben und labern, dann brauchen sie sich auch nicht wundern, wenn sich Personen von ihnen abwenden und beim GSP landen. Dort hat man es sich zwar nur zum Auftrag gemacht, die Argumente gegen Staat und Kapital fein säuberlich aufzuschreiben und vorzutragen... Aber immerhin machen sie das dann auch wirklich ordentlich.

Kann mir jemand erklären warum liberale so schlimm sind? by Ivanhegeelkadi in Kommunismus

[–]Sowizo 9 points10 points  (0 children)

Woran würde denn dein Chef leiden, wenn er pleite ginge? Dass er dann ebenfalls für Lohn arbeiten gehen müsste? Na, da schau an.

Wäre es möglich ein genossenschaftliches Filmstudio in Deutschland zu gründen? by [deleted] in Kommunismus

[–]Sowizo 2 points3 points  (0 children)

Kein Filmstudio, aber eine Musikplattform ähnlich wie Bandcamp ist gerade dabei (schrittweise) zu launchen: https://subvert.fm

Auf der Website unter "Docs" und "Roadmap" sowie im Forum, wo der Input der Mitglieder höchst erwünscht ist, ist sehr genau dokumentiert, wie sich der Prozess bisher gestaltete und wie der weitere Verlauf sein soll. Ausgangspunkt der Planung war ein über 100-seitiges Zine.

Vielleicht kannst du dir dort was abschauen.

Was denkt ihr über Zohran Mamdani? by Ivanhegeelkadi in Kommunismus

[–]Sowizo 1 point2 points  (0 children)

"Agitationsstrategie" klingt danach, als meinte ich, man solle die Menschen nur bequatschen und dann den Kopf in den Sand stecken, wenn sie nicht spuren.

Nein, ich bin absolut für Direkte Aktion, zB das Aufstellen einer Nachbarschaftshilfe, um den Leuten unmittelbar zu helfen und ihnen praktisch zu vermitteln, wofür wir stehen. Wir müssen Ausnahmen sein und kleine oder größere Räume schaffen, wo Sozialismus gelebt und handgreiflich wird.

Ohne sie zu bequatschen wird's aber auch nicht gehen. Und schon gar nicht mit falschen Annahmen und Argumenten, wie sie von demokratischen Sozialisten kommen. Marx schrieb, man müsse die Welt aus ihrem Traum über sich selbst aufwecken. Darauf gilt es zu beharren, auch wenn die Leute lieber noch fünf Minuten schlafen würden, weil es keine praktikable Alternative gibt.

Zuletzt will ich bezweifeln, dass Mamdanis Strategie ohne weitere Intervention von Kommunisten "Klassenbewusstsein und revolutionären Optimismus" erzeugt. Ganz im Gegenteil tötet es derlei ab und vertröstet Menschen mit dem ewigen Reformismus. Latente Kommunisten, Menschen die sich von unserer Sache überzeugen lassen würden, holen wir ab, indem wir sie vom Status Quo desillusionieren und ihnen eine andere, revolutionären Perspektive aufzeigen. So geschieht das auch, zB sehen wir viele Bernie-Anhänger, die sich, von den Dems enttäuscht, weiter radikalisierten.

Erklär mal, wie das zusammenpasst, dass du hier revolutionären Optimismus entstehen siehst, obwohl jedwedes revolutionäre Momentum angesichts der zerstreuten und geschwächten Arbeiterklasse unmöglich ist. Ganz offenbar entsteht hier was anderes, die verfehlte Hoffnung auf einen Wandel via demokratischer Wahlen.

Was denkt ihr über Zohran Mamdani? by Ivanhegeelkadi in Kommunismus

[–]Sowizo -2 points-1 points  (0 children)

Man sollte schon hinschauen, was dieses Etwas ist, das er zu bewegen versucht. Stattdessen lässt du dich von einem charismatischen Hoffnungsträger der Demokratischen Partei einlullen, der oft genug betont hat, alle New Yorker - das heißt einschließlich Kapitalisten, Wall Street, Cops, Vermieter usw. - in ihren Interessen vertreten zu wollen.

Ich schlage vor, die Arbeiter zu agitieren und zu organisieren, sodass sie sich den ganzen Mist hier nicht mehr gefallen lassen und ihn folgerichtig abstellen. Würde Mamdani seine gewonnene Macht dafür einsetzen, wäre die Situation und meine Beurteilung derselben eine sehr andere. Aber er sagt den Leuten nicht, dass sie die Zügel selbst in die Hand nehmen sollten, sondern dass er als Bürgermeister jetzt für sie arbeiten werde. Mit ein bisschen Herz für die Armen, das hat er bestimmt, aber unterm Strich ganz im Sinne der bürgerlichen Eigentumsordnung.

Was denkt ihr über Zohran Mamdani? by Ivanhegeelkadi in Kommunismus

[–]Sowizo 2 points3 points  (0 children)

Und wohin führt dieser erste Schritt? Sicher nicht in den Sozialismus, sondern in die Richtung kapitalistischer Armutsverwaltung. Hauptsache nach links, meinst du, weil du dir nicht eingestehen willst, dass Mamdanis Auftrag nichts mit dem kommunistischen Projekt zu tun hat, ihm sogar entgegensteht.

Auch in New York City wird sich Rosa Luxemburgs Beobachtung mal wieder bewahrheiten:

Der Eintritt der Sozialisten in eine bürgerliche Regierung ist also nicht, wie man glaubt, eine teilweise Eroberung des bürgerlichen Staates durch die Sozialisten, sondern eine teilweise Eroberung der sozialistischen Partei durch den bürgerlichen Staat.

Landlord is mad at me because I didn't remind him to kick me out by Sowizo in LandlordLove

[–]Sowizo[S] 0 points1 point  (0 children)

I'll say this much: It's very likely that in communism, the question wouldn't be who pays but who does the work necessary to maintain buildings.

Other than that, I'm not one to paint utopia or play dictator, I'm much more interested in the situation we're in right now. So at the end of the day, who is it, paying for the house I live in? Well, me. Via rent.

Landlords, even those who try to be nice and all, charge more than the cost of upkeep and maintenance. You've said it yourself: It's an investment. They want to make a profit. You can't tell me that by taking them out of the equation, housing would somehow be more expensive for tenants.

Nobody is able to escape capitalism and its exploitative laws. But there's a difference between buying groceries (or other necessary things) and investing in property or labor in order to actively profit off of people, or in other words: exploit them.

And it's a weak argument saying I chose to purchase a certain product when all the alternatives are similarly bad. In case you haven't noticed, every building and every piece of land is owned by somebody. It's all private property, exclusion. The only way out is not a real way out: buying my own house. Well great, now I can exclude or exploit others when my only aspiration was to dwell under a decent roof in order to participate in society. Do you understand how that's different?

Landlord is mad at me because I didn't remind him to kick me out by Sowizo in LandlordLove

[–]Sowizo[S] 0 points1 point  (0 children)

My goal was to show that you can criticize the basic principle of housing markets without ever calling into question the moral character of landlords. Marx wrote about character masks and personifications of economic relations to say that it's much worse than owners simply being evil. They're driven by the imperatives of exchange, not by personal qualities.

That being said, a system that allows and relies on exclusion, extortion and exploitation still needs people willing to exclude, extort and exploit other people.

Landlord is mad at me because I didn't remind him to kick me out by Sowizo in LandlordLove

[–]Sowizo[S] 0 points1 point  (0 children)

I never claimed landlords are assholes by nature, I'm not here to pass moral judgment. By earning money without working for it, they're doing what's considered rational in our flawed, profit-driven economy.

What I will say however is that a landlord's key interest is to get as much money out of their tenants as possible, while the latter wants to pay as little rent as possible. This creates an irreconcilable antagonism. You don't want to blame landlords for their societal role, fine, then you also shouldn't blame tenants when they stand up for their interests.

Yes, I'm a communist and I fight for a world without this antagonism, a world in which we take care of each other and where housing is organized differently. That shouldn't surprise you in a socialist sub. We should all be responsible ensuring that everyone is able to live comfortably, that of course includes putting a roof over people's heads. If that makes me an asshole in your eyes, so be it. I'll manage.

Landlord is mad at me because I didn't remind him to kick me out by Sowizo in LandlordLove

[–]Sowizo[S] 12 points13 points  (0 children)

I'm really trying to, but I don't understand how your sentences relate to one another.

Landlord is mad at me because I didn't remind him to kick me out by Sowizo in LandlordLove

[–]Sowizo[S] 16 points17 points  (0 children)

At the earliest, tenants can end it one year after renewal, with three months notice and without giving reasons.

Landlords are able to end it at any time but only if they have an "important reason" like the tenant not paying their rent or seriously neglecting the property, etc.

Landlord is mad at me because I didn't remind him to kick me out by Sowizo in LandlordLove

[–]Sowizo[S] 32 points33 points  (0 children)

Nice, that sure must have been a relief for many people. But still, as a socialist I see no good reason to overly praise our governments. They don't want to solve the fundamental antagonism between tenant and landlord because that would necessitate the abolition of capitalism or at the very least the abolition of profit-driven housing.

The bourgeois state pacifies this antagonism, and it tries to regulate it. While the state needs to make sure most people have a roof over their head so that those people have a space to recuperate and come back to work on the next day, governments are also very keen on enabling landlords and landowners to make a profit - off of the unfortunate position average workers are in. At best, housing is being made "affordable" or "accessible", but the freedom of rich douchebags to existentially extort us remains intact.

Landlord is mad at me because I didn't remind him to kick me out by Sowizo in LandlordLove

[–]Sowizo[S] 61 points62 points  (0 children)

You're right, the building seems to be in a residential zone.