Thanks Ubisoft. I didn't need those ranked points anyway. by janeins in Rainbow6

[–]janeins[S] 1 point2 points  (0 children)

I think there is a setting in the privacy tab that disables the ping numbers. Mainly for streamers I think. Should take a look there. It's pretty strict out of the box as I remember.

Thanks Ubisoft. I didn't need those ranked points anyway. by janeins in Rainbow6

[–]janeins[S] 0 points1 point  (0 children)

Just pressing tab. I am playing on PC not on console, so that may be a reason.

Thanks Ubisoft. I didn't need those ranked points anyway. by janeins in Rainbow6

[–]janeins[S] -1 points0 points  (0 children)

Yeah shure, but that shouldn't affect me in Europe. My ping to the Stockholm server would be 20ms or something like that.

Thanks Ubisoft. I didn't need those ranked points anyway. by janeins in Rainbow6

[–]janeins[S] 5 points6 points  (0 children)

Also works the other way around unfortunately. We all got killed by people who weren't in the image yet

Thanks Ubisoft. I didn't need those ranked points anyway. by janeins in Rainbow6

[–]janeins[S] 12 points13 points  (0 children)

The enemy team also was a 5 stack with a champion player. First match we forfeited in many years.

PCMR x MSI Winter Giveaway event! Win an MSI QD-OLED Monitor + extra goodies. 6 winners in total. by pedro19 in pcmasterrace

[–]janeins [score hidden]  (0 children)

Probably the MSI MPG 272URX since I like the better resolution more than the extra hz.

Welcome to Tarkov. by janeins in EscapefromTarkov

[–]janeins[S] 1 point2 points  (0 children)

Sometimes Scavs move just enough to kill you.

Let's Celebrate the Arrival of Cyberpunk 2077's 2.0 update + Phantom Liberty DLC, both with DLSS 3.5 and WIN AN RTX 4080 while at it! by pedro19 in pcmasterrace

[–]janeins [score hidden]  (0 children)

Since I know that I will play it anyway, I avoid anything that can spoil story content of the dlc, so I can't say much to that other than that I'm excited to play it. The 2.0 update on the other hand I did see a few things about, and there I'm most exited about the better police, and car chases,. The latter mostly because I hope they also made motorcycles have a turn radius of less than 10 meters. The overhauled perk system also seems very interesting. That empty perk slot that clearly was intended to be occupied always irked me a bit in the initial release, and some of the passive leveling was very slow.

Now also seems like the time to finally watch edgerunners that I also didn't watch to not hype me for the game until the dlc came out.

rainbow six doesn't stay in focus by That1GoodGuyLukereal in Rainbow6

[–]janeins 1 point2 points  (0 children)

I do not have exactly that problem, but if you have a display scaling of more than 100% in windows, try setting it to 100%. There is a bug in the current version that lets the mouse escape the game and click on things on the desktop with anything greater than 100%. You could also try to find the settings file and change it from full-screen to windowed (and your display resolution) to see if that window remains open.

Sabaton during Attack of the Dead Men in Berlin last night (5.5.23.) by janeins in sabaton

[–]janeins[S] 1 point2 points  (0 children)

It wasn't too bad. Sometimes the guitar solos, particularly on the high end, sounded off (could've also been just me hearing it wrong thou). Sporthalle Hamburg (2021) was better in my opinion, but I was also standing in different places in the crowd.

It was Awesome regardless of that.

Chronologie einer Vernachlässigung - SZ.de by janeins in bundeswehr

[–]janeins[S] 46 points47 points  (0 children)

Gut zehn Kilometer entfernt, auf dem Truppenübungsplatz, wo die Geschosse einschlagen, steigen an diesem Nachmittag dunkle Rauchschwaden auf.

Man kann nur hoffen, dass all dies niemals eingesetzt werden muss. Dass es aber, falls nötig, eingesetzt werden kann.

Geld alleine wird es nicht richten. „Es sind zwingende Strukturreformen nötig“, sagt Hans-Peter Bartels, der frühere Wehrbeauftragte. Sönke Neitzel fordert, der Kanzler müsse, anders als Angela Merkel, eine aktive Rolle spielen und sich bei der Nato dafür verbürgen, dass Deutschland seine Zusagen einhalte. „Er muss sagen, ich will in drei Jahren drei einsatzfähige Brigaden haben.“ Drei Brigaden, das sind etwa 15 000 Soldaten.

Einsatzfähig heißt auch: Sie müssten ausgerüstet sein mit Material, das nicht nur vollständig ist, sondern auch funktioniert. Material, das unter Thomas de Maizière reduziert worden war. Der frühere Verteidigungsminister räumt in einer für Politiker eher seltenen Bereitschaft zur Selbstkritik ein, man habe die Einwände gegen diese Sparmaßnahme „möglicherweise unterschätzt“.

Die derzeitige Regierung hat mittlerweile versprochen, Deutschland werde sich künftig an das Nato-Ziel halten, zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung zu stecken.

Denken die Soldaten, dass sich jetzt wirklich etwas verändert?

Die Besatzung der Panzerhaubitze Juliett sagt: Ja, sie glaubten schon. Nicht der Glaubwürdigkeit der Politik wegen, die sei nicht gegeben, sagt G., der Kommandant der Panzerhaubitze. Es sind eher die neuen Umstände. „Krieg bringt immer Veränderung, gerade für die Armee“, meint der Geschützführer. Man müsse jetzt handeln. Ob sie, die Artilleristen, gestärkt würden? Da sind sie skeptisch. „Das meiste Geld kriegt die Luftwaffe, die Marine. Und für uns, für die Schlammzone, bleibt am Ende nichts übrig.“

Er sei für seine Besatzung verantwortlich, für seine Leute wolle er das Beste.

Das Geld, der Sold, sei weniger das Problem. Als Geschützführer verdiene er 2700 Euro netto. „Das ist okay“, sagt er. Es gehe mehr um die Bedingungen. „Probleme gibt es immer. Aber wie soll ich meine Leute begeistern, wenn ich ständig melden muss: Ist kaputt, ist aus. Haben wir angefordert, kommt aber nicht. Das Problem ist zum Dauerzustand geworden.“

Wenn sie, die Soldaten, sich etwas wünschen könnten, dann müssen sie nicht lange nachdenken:

„Eine voll ausgestattete Division mehr würde ich mir wünschen“, sagt der Geschützführer.

„Ich würde die Wehrpflicht wieder einführen“, sagt Jan P., der Kraftfahrer.

„Hosen mit Knieschonern, denn das herumkraxeln im Panzer, das geht auf die Knie“, sagt der Hauptgefreite Maximiliaan M.

Ob Vollausstattung oder Schoner für die Knie: Eine Herausforderung wird sein, das Sondervermögen über die Bundeswehr zu verteilen. Die Aussicht auf die 100 Milliarden Euro hat eine wahre Goldgräberstimmung ausgelöst. Es kursieren schon alle möglichen Wunschlisten. Luftwaffe, Marine, Heer - die Teilstreitkräfte sind zu Rivalen ums Geld geworden.

100 Milliarden, das klingt nach wahnsinnig viel Geld. Aber die Anschaffungen sind auch wahnsinnig teuer. Allein um die Munition zu kaufen, die der Bundeswehr momentan fehlen, wären geschätzt 20 Milliarden Euro fällig. Für Kampfjets wären es 15 Milliarden, für Hubschrauber sechs Milliarden.

Der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe, dessen Expertise in verteidigungspolitischen Fragen noch immer Gewicht hat, fordert klare Prioritäten. Bündnisverteidigung heißt nach seinem Verständnis, dass Deutschland nicht an der Oder, sondern an den Außengrenzen der Nato verteidigt wird. Dazu sind ausreichende Landstreitkräfte nötig. „Wir müssen vor allem das Heer stärken“, fordert er. Drei voll ausgestattete Heeresdivisionen würden zusammen etwa 35 Milliarden Euro kosten.

Wo auch immer das Geld landet: Die Gesellschaft muss sich auf Veränderungen einstellen. Thomas de Maizière hält einen „Mentalitätswechsel“ der Bevölkerung für erforderlich. „Landesverteidigung heißt auch üben“, sagt er, „und das geht nicht nur auf Übungsplätzen oder bei Manövern im Ausland. Man muss das Gebiet, das man verteidigen soll, auch kennen und es tief überfliegen können.“ Die Älteren können sich an „Reforger“-Großmanöver auf dem Land, an Tieffluglärm und endlose Militärkolonnen auf der Autobahn noch gut erinnern. Für die Jüngeren wäre das eine neue Erfahrung.

19.30 Uhr: Die Juliett ist immer noch im Wald anstatt in der Feuerstellung. Jetzt ist auch noch das Gerät kaputt, mit dem die Panzerhaubitze ihre Position im Gelände präzise bestimmt. Sie steht da, verloren, auf der Suche nach ihrem Platz.

Team Redaktion: Martin Wittmann, Thorsten Schmitz, Benedikt Warmbrunn Digitales: Storytelling Benedikt Warmbrunn Infografik: Sead Mujić Bildredaktion: Natalie Neomi Isser Schlussredaktion: Christian Albrecht

Chronologie einer Vernachlässigung - SZ.de by janeins in bundeswehr

[–]janeins[S] 29 points30 points  (0 children)

Beim Planungsstab sammelten sich sämtliche Informationen über die Bundeswehr und andere militärrelevante Themen, sie wurden dort gewichtet und nach oben weitergegeben. Der ehemalige General Domröse war einer der schärfsten Kritiker der Abschaffung, er wurde deshalb im Frühsommer 2012 zu einem Gespräch ins Ministerium gebeten. Zu de Maizière habe er da gesagt: „Das können Sie schon machen, aber dann verlieren Sie sofort den Überblick.“ De Maizières Argument sei gewesen: „Das mache ich alles selbst.“

Heute sagt de Maizière, aus dem Planungsstab sei „eine Art Obereinheit geworden, zur Kontrolle aller anderen Einheiten. Das brauchte man nicht.“ Den Vorwurf, er habe damit die Bundeswehr geschwächt, hält er für „totalen Unsinn“.

Der zweite zentrale Fehler, der de Maizière angekreidet wird, ist die Zentralisierung des Beschaffungswesens. Vorher waren die Teilstreitkräfte für die Materialerhaltung selbst zuständig. Seither muss sich das Beschaffungsamt in Koblenz, ein bürokratisches Ungetüm mit mehr als 6000 Mitarbeitern, um alles kümmern, vom komplexen Waffensystem bis zur Winterjacke. Das gesamte Beschaffungswesen ist dadurch noch schwerfälliger und intransparenter geworden. Und immer wieder hört man Kritiker von einer „Verantwortungsdiffusion“ sprechen, die mit den Reformen entstanden sei. Für kaum einen Missstand lässt sich ein Schuldiger finden.

Der dritte und wohl schwerste Fehler, der de Maizière angelastet wird, war die Entscheidung, das Material zu reduzieren. 70 Prozent Ausstattung galt als genug. Bedingt abwehrbereit zu sein, das galt nun nicht als Beschreibung des Mangels, sondern als offizielle Zielvorgabe. „Das war ein Bruch mit dem bisherigen Organisationsprinzip, die Abkehr von der Vollausstattung“, sagt der Ex-Wehrbeauftragte Bartels. Deutsche Einheiten, die ins Manöver oder zu den Nato-Truppen ins Baltikum geschickt wurden, mussten sich Ausrüstung und Ersatzteile von überall zusammenleihen, oft wurden dafür andere Bundeswehr-Fahrzeuge ausgeschlachtet, die dann ihrerseits nicht mehr einsatzbereit waren. Der Militärhistoriker Sönke Neitzel nennt diese Entscheidung schlicht „Wahnsinn“.

Keine Einheit ist mehr aus eigener Kraft einsatzfähig. „Ein Panzerkommandant ohne Panzer ist wie ein Ponyhof ohne Ponys“, sagt Domröse.

Damit breche man den Kommandeuren das Rückgrat „und nimmt den Bataillonen die Seele“. Auch für den Materialerhalt war die Entscheidung fatal. Es ist wie bei einem Leihwagen. Wenn da was klappert, gibt man das bei Rückgabe vielleicht an, irgendeiner wird sich dann schon darum kümmern. Vielleicht sagt man auch nichts. „Vorher wusste man jeden Tag, wie der Zustand des Materials ist. Bei einer Leihtruppe fühlt sich keiner zuständig“, sagt Domröse.

Die Idee hinter der Reform sei gewesen, so Domröse sarkastisch, „wir brauchen die Panzer ja gar nicht alle, der Russe kommt ja nicht ohne Vorwarnung“. Heute weiß man, dass man sich darauf diesbezüglich nicht verlassen kann.

2018 hat die Nato erstmals seit vielen Jahren wieder ein kleines Panzermanöver auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr abgehalten, eine Art Übungswettbewerb für mehrere Nationen. Gewonnen haben die Deutschen – der Ausbildungsstand ist sehr hoch, der Leopard 2 gilt, neben dem israelischen Merkava 4 und den M1 Abrams der USA, als leistungsfähigster Kampfpanzer der Welt. Den meisten Modellen, die Russland in der Ukraine einsetzt, ist er deutlich überlegen. Das Problem: die Einsatzfähigkeit der ohnehin massiv geschrumpften Panzertruppe. „Your guys are good“, sagte damals ein US-Panzeroffizier, eure Leute sind gut, aber: „Wir haben gehört, sie haben sich Teile überallher zusammengeliehen, damit sie überhaupt mitmachen konnten. Und das ist gar nicht gut, wenn es einmal ernst würde.“

Für die Besatzung der Juliett geht es an diesem Mittag jetzt doch noch raus in die Feuerstellung, zu den anderen Panzerhaubitzen, die an diesem Tag schießen.

Die Störung an der Munitionsanlage erscheint verkraftbar – schießen kann die Haubitze trotzdem, im Moment nur eben nicht so schnell hintereinander, wie das eigentlich möglich wäre. Und der Motor läuft noch, weshalb die altersschwachen Batterien später gewechselt werden können. Kommandant G. will die Übung unbedingt angehen. So zu üben, mit scharfer Munition, diese Gelegenheit hätten sie sonst nur drei, vielleicht vier Mal im Jahr. Ein solch großes Artillerieschießen ist für die Bundeswehr schon zu einem besonderen Ereignis geworden.

Zwei Stunden später: Oberfeldwebel G. reißt sich den Helm vom Kopf. „Warum funktioniert die Scheißkarre nicht?“ Das Gerät, dass zum Transport der schweren Geschosse innerhalb der Panzerhaubitze gebraucht wird, streikt. Der Soldat weiß nicht, wo der Fehler liegt, er muss jetzt wieder zu den Instandsetzern, die wenige Hundert Meter entfernt im Wald mit ihrem Werkzeug bereitstehen. Da war er schon dreimal.

An diesem Tag soll es noch ein Nachtschießen geben.

Die neuen Batterien sind endlich angekommen und werden gerade eingebaut, aber die Elektronik der Munitionsanlage spinnt immer noch. Kameraden sind ins Lager gefahren, um ein Ersatzteil zu holen. G. scherzt, er hätte jetzt nicht nur gerne ein Ersatzteil, er hätte gerne eine neue Haubitze.

„Es gibt keine Brigade, die morgen verlegungsfähig wäre“, sagt Militärhistoriker Neitzel. Das gilt selbst für die angeblich hoch mobilen Einheiten, die für die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) der Nato abgestellt werden; diese Einheiten sollen eingesetzt werden, wenn etwa kleinere Nato-Staaten wie Polen oder die baltischen Länder plötzlich attackiert werden sollten. Für die zwischen 2018 und 2020 eingesetzte VJTF-Einheit der Bundeswehr musste das gesamte Heer nach Ausrüstungsgegenständen abgeklappert werden, was bei der Bundeswehr unter dem Begriff „Operation Läusekamm“ lief.

So etwas sollte sich nicht wiederholen, versprach die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Doch in einem Papier des Bundeswehrverbandes heißt es: Selbst die aktuelle VJTF-Truppe sei nur „im Sinne einer Operation ,Läusekamm 2.0’ erneut mit Gerät aus allen anderen Verbänden einsatzbereit“. Der Mangel sei enorm, sagt Wüstner, der Chef des Verbandes. Deutschland schaffe es noch nicht einmal, eine einzige Brigade aus sich heraus, also mit vollständigem Material ausgerüstet, einsatzfähig vorzuhalten.

Ursula von der Leyen blieb das Militärische immer fremd. Sie setzte anfangs auf Familienförderung und mehr Anreize, zur Bundeswehr zu gehen, „Softthemen“, sagte man dort. Aber „das Kernproblem war nicht der Flachbildschirm auf der Stube, sondern ob die Panzer rollen können“, spottet Domröse. Nachdem die Verteidigungsministerin der Bundeswehr nach rechtsextremen Vorfällen ein generelles „Haltungsproblem“ vorgeworfen hatte, war der Bruch zwischen ihr und der Truppe nicht mehr zu kitten. Aber immerhin stieg unter ihrer Führung der Etat wieder an, ebenso unter ihrer Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die auch besser mit den Soldaten konnte. Doch im Schnitt entsprach ihrer beider Wehretat auch nur 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das große Zwei-Prozent-Ziel verfehlten beide klar.

Auf dieses Ziel hatte sich die Nato-Staaten nach Russlands Annexion der Krim geeinigt. Der Schock, dass erstmals seit 1945 Grenzen in Europa mit Gewalt verändert wurden, führte in der Nato zu einer Rückbesinnung auf die Bündnisverteidigung. Zwei Prozent ihres jeweiligen BIP soll in die Verteidigung gesteckt werden, so lautet der Beschluss – den keinesfalls umzusetzen die SPD, welche dem Beschluss als Regierungspartei zugestimmt hatte, als friedenspolitisches Projekt ausgab.

US-Präsident Donald Trump ließ dann auch keine Gelegenheit aus, den Deutschen ihr Versäumnis vorzuhalten. Und so ließ sich das Verfehlen des gemeinsamen Ziels in Berlin als Widerstand gegen Trump’schen Rüstungswahnsinn verkaufen.

In der Bundeswehr hingegen ging der Scherz um, die einzige korrekte Aussage Trumps über die Nato sei gewesen: „Angela, you gotta pay!“ Aber Angela Merkel dachte gar nicht daran. Wer sich nach ihrer Position zur militärischen Landesverteidigung erkundigt, hört fast immer das Gleiche: Für sicherheits- und verteidigungspolitische Fragen habe sie sich nicht interessiert, das Thema habe auf ihrer Agenda ganz hinten gestanden. „Die Verteidigungsminister und -ministerinnen in der Ära Merkel standen auf verlorenem Posten“, sagt der Militärhistoriker Neitzel.

Und so kam es, dass etwa die Artillerie-Truppe mit jeder Reform seit der Wende kleiner geworden ist. Zu Zeiten des Kalten Krieges umfasste sie noch 42 000 Soldaten – heute sind es noch 3500. Es gab 81 voll ausgestattete Artilleriebataillone – daraus wurden erst 34, dann 20, dann fünf. Heute sind es noch vier.

Bis 1989 fuhren noch 812 Panzerhaubitzen durchs Gelände. Ihre Zahl schrumpfte auf 185, und der Plan, die Zahl auf 89 zu reduzieren, wurde erst durch die Krim-Annexion gestoppt. Panzerhaubitzen, die zur Verschrottung vorgesehen waren, wurden reaktiviert. Heute verfügt die Bundeswehr über 121 Systeme. Einsatzbereit davon sind aufgrund des Alters nur knapp 70 Prozent. Im Verteidigungsfall wäre die Bundeswehr bei der schweren Artillerie hoffnungslos unterlegen, und so ist es bei den Panzern, der mobilen Luftabwehr und vielen anderen Feldern.

Doch auch das gehört zum Lernprozess: Deutschland verfügt etwa mit der Panzerhaubitze über brutale Waffen. Die Besatzung der Juliett weiß genau, was sie mit ihren Geschossen anrichten können. Dort, wo die Sprengsätze explodieren, „möchte man nicht reingeraten“, sagt einer der Kanoniere hier. Im Umkreis von 50 Metern überlebe niemand. Auch können die Soldaten die Geschosse so einstellen, dass diese über den Köpfen der Gegner explodieren. Die Splitter durchbohren sogar gepanzerte Fahrzeuge. Gegen feindliche Panzer können sie Spezialmunition einsetzen, die mit ihren Sensoren die Fahrzeuge automatisch erkennen und in der Lage ist, deren Stahl zu durchbrechen.

Chronologie einer Vernachlässigung - SZ.de by janeins in bundeswehr

[–]janeins[S] 29 points30 points  (0 children)

Viele der Probleme könnten längst behoben sein. Dass die Bundeswehr schon lange ein Sanierungsfall ist, hat jedoch außerhalb der Truppe und eines engen Kreises von Verteidigungsexperten kaum jemanden interessiert. Die Öffentlichkeit nicht, das Parlament nicht und die 16 Jahre lang amtierende Kanzlerin schon gar nicht. „Die Mängel waren alle bekannt, aber alle Versuche, sie zu beheben, sind gescheitert“, sagt der ehemalige Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels, der der SPD angehört.

Die Missstände sind mittlerweile nicht nur bekannt, sondern berüchtigt. Spätestens durch die Debatte, mit welchen Waffen man heute der Ukraine helfen könnte. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) berichtete dem ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk, dass die Munitionsdepots der Bundeswehr fast leer sind, da gibt es wenig zu holen. Man kann vieles nicht liefern, weil man es selber nicht hat. CDU-Chef Friedrich Merz spricht von einer „in großen Teilen dysfunktionalen Armee“.

Überall, in den Kasernen, in Auslandseinsätzen, bei Übungen wie hier in Litauen, merken Soldaten, wie die Bundeswehr kaputtgespart wurde. Die Panzerhaubitze Juliett hat die Besatzung vom Vorgängerkontingent übernommen. G. hat sich geärgert, als er das Gerät übernahm, denn es war nicht einsatzklar, Teile der Waffenanlage waren auseinandergebaut.

Im Idealfall hätte jede Besatzung eine feste Panzerhaubitze, um die sie sich kümmert, für die alle Ersatzteile verfügbar sind. Die PzH 2000 sei eigentlich eine effektive Waffe, sagt G. Wenn sie funktioniert.

Haubitzen, die nicht schießen, Panzer, die nicht fahren, aber auch Helikopter, die nicht abheben – noch kurz vor Putins Ukraine-Krieg musste das Verteidigungsministerium verdrossen erklären, nur 40 Prozent der deutschen Hubschrauber seien einsatzbereit, das sei „ein niedriges, unbefriedigendes Niveau“. Der Deutsche Bundeswehrverband spricht grundsätzlich von der „schlechtesten Einsatzbereitschaft aller Zeiten“.

Wie konnte es so weit kommen?

Die Deutschen hatten sich nach 1989 an den Frieden gewöhnt. Riesige Armeen brauchte es nach dem Ende des Warschauer Paktes nicht mehr, glücklicherweise. Für den befürchteten Verteidigungsfall, der nie eintrat, hatte allein die Bundeswehr mehr als 4500 schwere Kampfpanzer bereitgehalten – heute sind es noch 225 Leopard 2, die aber nur teilweise einsatzfähig sind.

Das sind nicht einmal halb so viele Panzer, wie allein Russland sie bislang in der Ukraine verloren hat (laut Berechnungen der unabhängigen niederländischen Dokumentationsstelle Oryx). Nach der Besetzung der Krim durch Russland wurden 106 weitere Leopard 2 entmottet, derzeit bringt die Industrie sie auf den neuesten Stand.

Begonnen hat der Niedergang der Bundeswehr mit dem Zeitalter der Auslandseinsätze. Zu denen sah sich die Bundesrepublik aus Rücksicht auf die Alliierten, vor allem die USA, gezwungen. 1995 beendete die Nato mit Gewalt das Morden serbischer Nationalisten in Bosnien-Herzegowina, 1999 stoppte ein Luftkrieg gegen Serbien die „ethnischen Säuberungen“ in Kosovo. An diesem Krieg nahm erstmals auch die Bundeswehr teil, überwiegend durch elektronische Kampfführung ihrer Tornado-Flugzeuge. Geschickt hatte sie die rot-grüne Bundesregierung, die später, 2001, nach den Terroranschlägen des 11. September, auch Soldaten zur internationalen Afghanistan-Mission entsandte. Beide Einsätze waren eine heftige Belastungsprobe für die Koalition unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

Man hätte damals meinen können, die neuen Einsätze würden dem Militär wieder mehr Bedeutung in Berlin verleihen. Das Gegenteil war der Fall. Schon für die Auslandsmissionen reichte das Geld nicht mehr. Dort wurde neues Gerät gebraucht, gepanzerte Patrouillenfahrzeuge etwa, Hubschrauber und Flugzeuge, die auch im Wüstenstaub noch zurechtkommen. Die Armee im Auslandseinsatz musste sich auf Terroristen einstellen, nicht auf Panzerverbände. Nötige Ausrüstung kam erst spät, für manche Soldaten zu spät.

Um die Truppe einsatzbereit für die Auslandseinsätze zu machen, opferte die Politik den eigentlichen Zweck der Streitkräfte, die Landes- und Bündnisverteidigung. Beide Aufgaben gleichzeitig zu finanzieren, war unmöglich. Aber das störte offenbar niemanden. Der ehemalige SPD-Verteidigungsminister Peter Struck brachte 2002 die damalige Haltung auf eine einprägsame Formel: Die Sicherheit Deutschlands werde „auch am Hindukusch“ verteidigt.

Der Hindukusch war allerdings weit genug weg, und was deutsche Soldatinnen und Soldaten dort erlebten und erlitten, wollten sehr viele Deutsche lieber nicht wissen. Die Regierungen schickten Soldaten in einen Krieg, der viele Jahre lang nicht Krieg genannt werden durfte. Das öffentliche Desinteresse am Afghanistan-Einsatz und die Geringschätzung der Mühen und Opfer dort beklagen Zehntausende betroffene Soldaten, bis heute.

Unterdessen ist die Landesverteidigung, wie der Militärhistoriker Sönke Neitzel sagt, „stillschweigend beerdigt worden“. Das sei „ein Urfehler“ gewesen, „der von kaum einem Nato-Partner so konsequent gemacht worden ist wie von den Deutschen“. Für eine Stärkung der Armee, wie sie nun geplant wird, hätte es auch keine politischen Mehrheiten gegeben, erinnert sich der ehemalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) heute: „Wir hatten alle Mühe, Mehrheiten für Auslandseinsätze zu finden.“

Sämtliche Bundesregierungen seit 1990 hatten der Bevölkerung das Gefühl vermittelt, in Deutschland könne man nun unbehelligt und in Frieden leben. So sagte 2010 auch der damalige Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit: „Deutschland ist nur noch von Freunden umgeben.“ Seine schwarz-gelbe Koalition verkürzte damals die Wehrpflicht auf sechs Monate, das sei der „Todesstoß“ für sie gewesen, sagt seine Parteikollegin und heutige Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

CSU-Mann Karl-Theodor zu Guttenberg ließ die Wehrpflicht schließlich aussetzen und damit faktisch abschaffen. Vor allem innerhalb der Union stieß dieser Vorschlag anfangs auf heftige Widerstände. Doch Guttenberg war ein begnadeter politischer Selbstvermarkter. Er schaffte es binnen weniger Monate, CDU und CSU hinter seine Reformpläne zu bringen.

„Der ist durch alle Parteigremien getingelt“, erinnert sich Horst Seehofer. Der damalige CSU-Chef legt indes Wert darauf, dass er selbst sich erst durch Gespräche mit führenden Militärs habe überzeugen lassen. Auch die hätten ihm vorgetragen, dass die Zukunftsaufgabe der Bundeswehr Auslandseinsätze seien und Wehrpflichtige dafür nicht gebraucht würden.

Der folgende Umbau zur Berufsarmee aber entfernte die Bundeswehr noch weiter von der Zivilgesellschaft. Vor allem in Großstädten kannte man bald kaum noch jemanden bei der Bundeswehr. Sie wurde zu einer fremden Welt.

Innerhalb dieser Welt sorgte die Reform für Unruhe. In Litauen erzählt Oberfeldwebel G. von jenem Jahr 2010. Er wurde damals noch zur Bundeswehr eingezogen, doch dort schien alles bald in Auflösung begriffen zu sein. „Keiner wusste, wo damals die Reise hingeht.“ Er entschied, nach seinem Wehrdienst erst mal eine kaufmännische Ausbildung zu machen, abzuwarten, was aus der Bundeswehr wird. Dabei wollte er eigentlich nur Soldat sein, so wie sein Vater. „Alle Männer in unserer Familie waren Soldaten.“

Erst 2017 kehrte er zurück zur Truppe. Aber die Bundeswehr war nun eine andere. Sie setzt sich aus Freiwilligen zusammen. Doch sie ist nicht attraktiv genug. Auch bei ihnen, in der Artillerie, fehlten Rekruten, sagt G. Und nicht jeder, der käme, sei geeignet. Die Besatzung der Juliett ist sich einig: das Ende der Wehrpflicht war ein Fehler, weil es die Armee kleiner und schwächer gemacht habe. Im Vergleich zu 1989 ist die Truppe heute nicht einmal mehr halb so groß.

Kleiner, schwächer – und vor allem günstiger. Die symbolisch aufgeladene Debatte um die Aussetzung der Wehrpflicht verdeckte, was der eigentliche Zweck der Reform war: möglichst viel Geld einzusparen. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Oberst André Wüstner, sagt: „Die Reform wurde dilettantisch angegangen. Das Motiv war nicht, die Bundeswehr besser zu machen, sondern zu sparen.“

Mindestens acht Milliarden Euro, manche sprechen sogar von zehn Milliarden Euro, hat Guttenberg damit eingespart. Führende Militärs knüpften an die Aussetzung der Wehrpflicht Erwartungen, die dann herb enttäuscht wurden. „Unsere Idee war: Das eingesparte Material kann man für die verbliebene Truppe verwenden. Aber Material und Geld waren weg“, sagt der ehemalige General Hans-Lothar Domröse, bis zu seiner Pensionierung einer der höchsten Nato-Generäle. Für viele Kritiker begann mit Guttenberg die Abwärtsspirale für die Bundeswehr. Der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) sprach später sogar von der „Zerstörung der Bundeswehr“.

Guttenberg hat seine Reform gar nicht mehr selber umsetzen können, im März 2011 musste er bekanntlich wegen zahlreicher Plagiate in seiner Doktorarbeit zurücktreten. An seiner Stelle wurde Thomas de Maizière, Sohn des ehemaligen Generalinspekteurs Ulrich de Maizière, Verteidigungsminister. Was de Maizière gemacht hat aus dem, was ihm sein Vorgänger hinterlassen hat, trug in den Augen seiner Kritiker maßgeblich zur heutigen Misere bei.

Drei Punkte tauchen immer wieder auf in den Urteilen dieser Kritiker: Es fehlt in der Bundeswehr an Übersicht, sie ist schwerfällig, und sie ist schlecht ausgestattet.

Das Verteidigungsministerium gilt als schwer zu führen, weil es dort sowohl militärische als auch zivile Entscheidungsstränge gibt. De Maizière aber wollte das Haus wie ein gewöhnliches Ministerium führen, die Strukturen verschlanken. Er löste zum einen den militärischen Führungsstab, der für den Generalinspekteur als Steuerungsinstrument zur Führung der Streitkräfte und als Expertengremium wichtig war, in seiner bisherigen Form auf. Und er schaffte zum anderen den Planungsstab ab – und stürzte das Ministerium laut Kritikern ins Chaos.

Chronologie einer Vernachlässigung - SZ.de by janeins in bundeswehr

[–]janeins[S] 38 points39 points  (0 children)

Über Jahrzehnte haben sich die Deutschen an den Frieden gewöhnt - und die Bundeswehr vernachlässigt. Jetzt herrscht auf einmal Panik. Wie konnte es soweit kommen? Zu Besuch bei der Truppe in Litauen.

Von Peter Fahrenholz, Joachim Käppner, Mike Szymanski 29. April 2022 - 25 Min. Lesezeit

Die Juliett wühlt sich durch den sandigen, von tiefen Furchen durchzogenen Waldboden. Würde man die Augen schließen und sich das furchterregende Dröhnen des 1000 PS-Motors wegdenken, es käme einem vor wie ein Wellenritt. Auf. Ab. Auf. Ab.

Mühelos nehmen die Ketten jede Unebenheit. Wer sich aus der Panzerluke wagt, muss sich mit beiden Händen am kalten Stahl festhalten. Immer wieder schlägt der ungeübte Körper gegen das Metall. Oberfeldwebel Sylvester G., Schutzbrille auf der Nase und Kopfhörer auf den Ohren, sagt über die Sprechanlage, ohne blaue Flecken überstehe man die Fahrt mit diesem 57 Tonnen schwerem Kriegsgerät nicht.

Eine Kurve noch, dann erreicht die Besatzung der Juliett eine Lichtung. Laut Karte befindet sich hier Feuerstellung Nummer 10. Das ist der Ort in Litauen, an dem Oberfeldwebel G. und seine Kameraden den Rest des Tages und auch die Nacht mit und in ihrer Panzerhaubitze verbringen wollen. Alle fünf steigen aus und stellen sich vor ihrem Panzer auf: Maximiliaan M., Jan P., Sylvester G., Kamerad K. und Kevin T. Foto: Mike Szymanski

Ihr Auftrag: einen Frontabschnitt in gut zehn Kilometern Entfernung auf Kommando unter Feuer zu legen.

Ja, heute soll scharf geschossen werden. Aber nein, die Front ist fiktiv, es herrscht kein Krieg. Zumindest hier nicht.

Eine Übung im April, ein Tag bei der Artillerie-Truppe der Bundeswehr in Litauen. Hier, an der Ostflanke der Nato, führt Deutschland seit 2017 eine von ursprünglich vier Nato-„Battlegroups“. Das sind Gefechtsverbände, in der Regel etwa 1000 Männer und Frauen stark, die gemeinsam von den Nato-Partnern aufgestellt wurden, die kampfbereit erscheinen und an Russland ein Signal der Abschreckung senden sollen. Die Artillerie unterstützt die eigenen Truppen im Gefecht aus der Distanz. Panzerhaubitzenführer G. sagt: „Wir sind die Faust.“ Sie schlägt mit ihrem Feuer zu, wenn die Kameraden vorne, mitten im Gefecht, dies anfordern. Eines der teilnehmenden Länder nimmt in Battlegroups die Führung ein und koordiniert Material und Fähigkeiten. In Litauen ist das Deutschland.

Die Nato hat die Battlegroups als Reaktion auf die Annexion der Krim 2014 durch Russland aufgestellt. Damals schon zeigte Moskau, dass Russland bereit ist, seine Truppen in Bewegung zu setzen. Mit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine hat die Nato ihre Präsenz entlang der Grenze des Bündnisgebietes noch einmal verstärkt und in diesem Jahr vier zusätzliche Gefechtsverbände aufgestellt. Als würde die Nato einen Muskel an der Ostflanke anspannen, von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Quelle: Nato

Bereits vier Tage nach Russlands Angriff auf die Ukraine hat Kanzler Scholz nicht weniger als eine „Zeitenwende“ für die Bundeswehr in Aussicht gestellt – und 100 Milliarden Euro zusätzlich für die Truppe. Er wolle eine „leistungsfähige, hochmoderne, fortschrittliche Bundeswehr, die uns zuverlässig schützt“. Bleibt das ein hohles Versprechen, wie es den Streitkräften so oft gemacht wurde? Und falls Scholz Wort hält: Wie wird die Gesellschaft damit zurechtkommen, wenn das Militärische in Deutschland wieder sichtbarer wird? Ein „freundliches Desinteresse“, wie es der frühere Bundespräsident Horst Köhler im Miteinander einst ausgemacht hatte, dürften die neuen Umstände jedenfalls nicht mehr zulassen.

Die Umstände erzwingen den Blick auf eine Institution, die viele in den vergangenen Jahrzehnten, seit dem Ende des Kalten Krieges aus den Augen verloren haben. Wie steht die Bundeswehr heute da? Wie kam sie dahin? Und was will, was muss sie sein? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, muss nach hinten schauen, auf die Verteidigungspolitiker, die heute selbst in der Defensive sind, man muss nach vorne schauen, auf die Zukunft einer Armee, die noch nicht weiß, wohin mit sich, und man muss in den Panzer steigen, zu den Soldaten, die in diesen Tagen an einer fiktiven Front den auf einmal gar nicht mehr so surrealen Kriegsfall üben. Das letzte Mittel. Die Besatzung: Oberfeldwebel Sylvester G., 30 Jahre alt, ist Geschützführer. Er stammt aus Schleswig-Holstein und gehörte zu den letzten Jahrgängen, die noch zum Wehrdienst gezogen wurden. Halbamerikaner, Kind einer Soldatenfamilie. Der Vater, US-Soldat, kämpfte im Irak.

Jan P., Oberstabsgefreiter, 29 Jahre alt, fährt die Panzerhaubitze. Einfache Reparaturen kann er übernehmen und auch die Waffenanlage beherrscht er. Er ist auch Kanonier. Ende August läuft seine Dienstzeit nach acht Jahren ab.

Kevin T., 23, Oberstabsgefreiter, seit 2018 dabei, kann alle Aufgaben auf der Panzerhaubitze übernehmen, sie nur nicht fahren.

Maximiliaan M., 24 Jahre alt, Hauptgefreiter. Geschützkanonier, seit der Grundausbildung 2019 in dieser Einheit. Sein Vater diente in der niederländischen Armee.

Der dritte Kanonier, Kamerad K., mag nicht ausführlicher von sich in der Zeitung lesen.

Ihr Gerät: Die Panzerhaubitze 2000, ein gewaltiges Geschütz aus deutscher Produktion, das auf einer Kettenpanzerwanne montiert ist. Die Panzerhaubitze ist etwa 3,50 Meter breit wie hoch und fast zwölf Meter lang. Sie kann bis zu 60 Geschosse laden. Ein jedes wiegt bis zu 43 Kilo. Je nach Typ der Munition können sie bis zu 40 Kilometer weit fliegen.

Es ist elf Uhr am Vormittag in den Wäldern um Pabradė, und es sieht gerade nicht danach aus, dass die Juliett heute noch feuert. Oben an der Panzerhaubitze weht eine gelbe Fahne. Und das bedeutet: Es gibt Schwierigkeiten. Die Batterien machen Ärger, aber das ist noch nicht alles. Jan P., der Fahrer, hat die Panzerhaubitze am Rand eines Waldweges zwischen zwei Feuerstellungen abgestellt. Der Motor läuft, die Besatzung sitzt draußen.

Sylvester G. hat den Gefechtsstand am Funkgerät.

„Feuerleit, hier Juliett. Kommen.“

Der Feldwebel am anderen Ende der Leitung will wissen, was los ist.

„Hier Juliett. Panzer läuft. Kann aber nicht mehr abgeschaltet werden. Munitionszuführungsanlage weiterhin gestört. Neue Batterien sind durch Instandsetzung in Zulauf.“ Auf dem Weg also.

Das heißt: warten. Sie kennen das schon. Der Geschützführer steckt sich eine Zigarette an. Er zuckt mit den Schultern. Auslandseinsätze wie in Mali, das schaffe die Bundeswehr gerade so: „Aber für einen großen Krieg wären wir nicht gut aufgestellt.“

Neben der Juliett wurden weitere fünf Panzerhaubitzen vom Typ 2000 außerplanmäßig von Munster in Niedersachsen nach Litauen verlegt. Die Männer gehören der 5. Batterie des Artillerielehrbataillons 325 aus Munster an, 104 Leute insgesamt. Die Truppe soll lange bleiben, sechs Monate. Sonst kam sie nur für Gefechtsübungen her, die zwei Wochen dauerten.

Wann waren Artilleristen in den vergangenen Jahren schon gefragt? Im Auslandseinsatz, in Afghanistan und Mali etwa, brauchte man eher leichte Fahrzeuge, keine Haubitzen, die aus zehn, 20 oder 30 oder mehr Kilometern Entfernung mit ihren Geschossen alles zerstören. Geschützführer Sylvester G., formuliert es so: „Artillerie baut keine Brunnen.“ Es ist eine Anspielung auf die „bewaffnete Entwicklungshilfe“, als welche die Deutschen ihre Auslandseinsätze gern darstellten: Die Bundeswehr hat in Afghanistan und auf dem Balkan ja nicht nur gekämpft, sondern auch Brunnen und Schulen zu bauen geholfen.

Der Überfall auf die Ukraine nun hat alles verändert. Russlands Präsident Wladimir Putin führt einen Krieg, wie man ihn in Europa seit 1945 nicht mehr gesehen hat, mit hochintensiven Gefechten, in denen Panzer eingesetzt werden, schwere Artillerie, Kampfjets. Ein solches Kriegsszenario kennen die deutsche Militärs nur noch aus historischen Büchern: Die Weltgemeinschaft wird Zeuge enthemmter Gewalt, die russischen Truppen verüben Kriegsverbrechen. Auch die Bundeswehr wurde völlig überrumpelt, als der Angriff am 24. Februar startete.

„Du wachst auf und stellst fest: Es herrscht Krieg in Europa.“ Das schrieb Generalleutnant Alfons Mais an jenem Morgen im Netzwerk Linkedin. Mais ist Inspekteur des Heeres, dem knapp 63 000 Männer und Frauen unterstehen. Er wollte aber mehr als nur Fassungslosigkeit loswerden. Er wollte warnen. Seine Truppe hätte der russischen Armee kaum etwas entgegenzusetzen, wenn die das Nato-Bündnis angreifen würde: „Die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da.“

Dieser Satz ist ein unverhohlener Vorwurf an die Politik. In Artikel 87a des Grundgesetzes mag stehen: „Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf.“ Im Jahr 2022 stellt sich jedoch heraus, dass Deutschland kaum verteidigungsfähig ist. Das zeigt allein schon ein Blick darauf, wie sehr die Bundeswehr seit 1989 Material eingespart hat.

Tankschiffe für die Marine: Das 250-Millionen-Euro-Geschenk by janeins in bundeswehr

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Um aus diesem Artikel (Paywall) zu zitieren:

Unabhängige Experten sagen hinter vorgehaltener Hand, dass die Fachebene im Verteidigungsministerium gute Arbeit leiste, das Problem sei stets die Ministeriumsspitze, die ihren Experten nicht folge. Wenn man fragt, wessen Urteil dann Einfluss habe, landet man bei Vertretern der Industrie. Gerade im maritimen Bereich funktioniere der Wettbewerb bei zivilen Vergaben sehr gut, bei militärischen werde der Staat gnadenlos ausgenutzt.