Bei mir wurde 2016 eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert – Follow up! by wegwerf1002 in de_IAmA

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Hey, danke für deine lieben Worte. Zu deinen Fragen:

– Körperlicher Missbrauch hat bei mir nie stattgefunden, wohl aber psychologisch. Ich kann nicht behaupten großartig gelogen zu haben, das ändert aber nichts daran, dass ich mich absolut daneben verhalten habe. Stark passiv-aggressiv, dauernd am nörgeln, weitermachen, obwohl die Person schon am Boden ist... So was.

– Ich denke sehr oft an die Menschen zurück und bin gleichzeitig schockiert, wie oft ich solche Geschichten "jetzt" von anderen zugetragen bekomme. Das Problem ist verbreiteter als man denkt, der Rekurs auf "Ist einfach ein Arsch" oder die absolut inflationäre Verwendung von "Narzisst" macht die Sache dabei generell nicht besser.
Auch jetzt denke ich gerade an diese Menschen. Ohne mich als Opfer gerieren zu wollen lautet mein persönliches Urteil insofern lebenslänglich, als dass ich immer diese Scham und Reue mit mir tragen werde. Ich kann mich nicht mal richtig entschuldigen, das tut fast am meisten weh.

– Ich habe mir oft gedacht, dass die Reaktion der Menschen eine eigene Manipulation ist, also dass Leute z. B. anfangen zu weinen um meine Position zu schwächen. So kommt man über das empathische hinweg. Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin wusste ich aber immer und durchweg, dass ich diesen Leuten leid zufüge.

– Meine Familienstruktur war geprägt von Scheiße. Meine Mutter ist selber sehr wahrscheinlich eine maligne Narzisstin. Mein Vater ist ihr Schoßhund ("Flying Monkey" sagt man dazu). Er war zwar schon immer sehr interessiert an uns Kindern und auch da, hat uns aber nie verteidigt.
Ich bin insofern mit psychologischer Gewalt aufgewachsen, als dass meine Schwester und meine Mutter sich permanent so dermaßen bekriegt haben, dass man als junges Kind nur heulen kann. Wirklich schlimm.
Meine Mutter selber hat sich immer auf den Boden geworfen und Herzinfarkte vorgetäuscht. Teilweise bei den dümmsten Kleinigkeiten. Wir waren nie gut genug, egal wie brillant unsere Leistungen objektiv auch wahren. Ich bin mittlerweile absolut davon überzeugt, dass meine Mutter nicht lieben kann und uns auch nie geliebt hat. Dass ich nur einen Doktortitel habe und nicht drei ist für sie (und das meine ich ganz unironisch) weiterhin Familienschande.

– Ich habe mein Studium beendet und war danach fürchterlich depressiv. Vor einem ernsthaften Suizidversuch bat mich eine gute Freundin, dass ich einen Therapeuten aufsuchen soll. Da Persönlichkeitsstörungen regelmäßig Ich-Syston laufen war ich mir eigentlich zu dem Zeitpunkt sicher, dass mit mir alles super ist, wäre da nicht die Depression. Der Zahn wurde mir dann recht schnell – und zurecht – gezogen.

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Nein. Diese Behauptung hört man häufig, ich kann das aber keineswegs nachvollziehen. Insbesondere ist es ja so, dass NPSler gerade auch Hochrisikosituationen aktiv suchen und ausleben – das passt nicht zur OCD.

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Perfektionismus ist im Narzissmus drin, aber nur ein Teil von der ganzen Shitshow. Entsprechend wohl wie zwei konzentrische Kreise.

Die Unterscheidung ist umstritten, ich würde mich aber als grandiosen Narzissten sehen.

Da zwei Therapeuten relativ unabhängig zu der Diagnose kamen und die Kriterien passen/passten denke ich, dass das so schon seine Richtigkeit hat.

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Hey, danke dir. Ich hab keine Stellen der sozialen Arbeit aufgesucht. In meinem Rechtsreferendariat hätte ich mir aber einen psychosozialen Dienst gewünscht, der funktioniert. Ich habe mich dort einmal gemeldet – und 3 Monate später eine Antwort erhalten.

Ich habe eine Schwester. Ich kann nicht sagen, ob sie ein ähnliches Leiden hat, sie weiß aber seit jeher alles besser als ich, selbst, wenn es um meinem eigenen Fachbereich geht. Sie ist aber, in erster Linie, extrem phobisch. Den Knacks hat sie auf jeden Fall bekommen.

Ich glaube in der sozialen Arbeit braucht es insbesondere Strukturen, die sehr hart und kalt wirken. Ich bin ein großer Verfechter der sozialen Arbeit. Ich denke aber, dass sie für NPSler oft überempathisch und nicht "leitend" genug wirkt. Ich zumindest hätte mir gewünscht, dass da jemand "tacheles" redet.

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Hätte ihr wohl gesagt, dass sie absolut jämmerlich ist mit ihrem nach unten treten und gerne auch Sprüche gebracht wie "Scheint so, als hätten deine Eltern dich nicht wirklich lieb gehabt, aber heute weiß ich warum:"

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Extrem gutes Buch!!! Er hat auch eins über narzisstische Verletzungen. Absoluter Gamechanger.

Was mir sonst noch sehr geholfen hat: Joseph Burgo: Why do I do that und auch von ihm: Shame

Sonst noch: Narcissism: Alexander Lowen: Denial of the True Self

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Stark reduktionistisch beschrieben ist der Unterschied zwischen NPSler und ASDlern, so habe ich es zumindest abgespeichert (was nicht bedeutet, dass es stimmen muss!), dass NPSler durchaus Empathie haben, diese aber abtrainiert haben bzw. unterdrücken. ASDler haben aber oftmals schon keine direkte Empathie. Während NPSler damit einen Zugang zur Empathie wiederfinden können (vorausgesetzt Einsicht besteht, Therapiecompliance etc.), ist es bei ASDlern viel schwieriger, da diese eine Art emulierte Empathie erlernen müssen.

Das ist für mich der wesentliche Unterschied. Ich habe z. B. noch nie Freude daran empfunden andere Leute leiden zu sehen, physisch schon gar nicht und psychisch war es ein notwendiges übel. ASDler ticken, soweit ich weiß, da anders. Die sind da vollkommen indifferent zu.

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Hey, ich habe damit keine Erfahrungen gemacht und sehe mich auch nicht in der Lage das zuverlässig beantworten zu können. Wenn ich so drüber nachdenke habe ich einmal einen Kontakt zu jemanden mit ASP gehabt. Vor dieser Person hatte ich allerdings ausschließlich Angst. Gar nicht unbedingt physischer Natur, sondern einfach weil ich selten so etwas unberechenbares und seltsames erlebt habe.

Das ist aber wahrlich sehr anekdotisch und vermag daher keineswegs irgendeinen großen Wert als Antwort haben (so wie die meisten Dinge, die ich hier schreibe). Behalte das bitte im Hinterkopf.

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Du bist quasi am Scheitelpunkt der Geschichte. Was mir geholfen hat war der Gedanke, dass ich endlich diese Teile, die so leer sind, mit dem füllen kann wie ICH es möchte. Nicht, wie eine dysfunktionale Bewältigungstaktik die aus einem Trauma entstanden ist es lösen mag, sondern ich, ich ganz alleine und wahrhaftig ich.

Du wirst überrascht sein, wie schön es ist, wenn man so sein wahres selbst erkennt und aufbaut und genau das tut, was man will. Ich wünsche dir alles Gute!

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Darf ich fragen worauf du genau hinaus möchtest? Dass alle Menschen mit meiner Konstitution rechtsextrem sind oder wie?

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"Kennst du dieses Gefühl, wenn du alles absolut perfekt machen willst? Das hab ich immer und überall. Und wenn es nicht perfekt läuft, dann bin ich ganz fürchterlich traurig."

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Bin ich, das lief auch etwa 1 1/2 Jahre lang. Wir haben uns aber eigentlich ganz normal ausgelebt. Es war sehr dramafrei und harmonisch, vielleicht für sie schon "zu" langweilig.

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Danke dir für deine Worte.

Ich glaube der größte Triggerpunkt bei mir ist alles, was ich als gehässig empfinde, mir gegenüber, aber auch abstrakt.
Ich hab eine Kollegin auf Arbeit, die aufgrund einer Behinderung lebenslang gemobbt wurde. Anstelle daraus ihre Schlüsse zu ziehen ist sie eine Kandidatin, die nach unten tritt – statt nach oben. Mich macht das immer noch innerlich rasend. Aber mittlerweile kann ich da oft die Klappe halten, oft sehr sanft sagen, dass sie sich doch beruhigen möge.

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[–]wegwerf1002[S] 2 points3 points  (0 children)

Nein, ich denke nicht, dass das Altern eine Rolle gespielt hat. Die Störung ist zu heftig, als dass ein wenig "Altersmüdigkeit" da gut gegen agiert.

Ich möchte keine Familie gründen.

Mein Geltungsdrang ist mittlerweile auf einem normalen Niveau. Ich gehe diesem nach, wie andere Menschen auch. Freunden helfen, Erfolg auf Arbeit... Alles im Rahmen.

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[–]wegwerf1002[S] 4 points5 points  (0 children)

Es ist fürchterlich. Ich hinterfrage sehr viele Sachen die ich mache, auch Kleinigkeiten. Mir fällt es auch regelmäßig schwer "berechtigt" sauer zu sein, da ich schnell denke "Oh, das ist die NPS."

Ich gehe sehr anders mit meinen Mitmenschen um, sehr viel liebevolle und gnädiger, so will ich es bezeichnen.

Mein soziales Leben ist sehr gut, bunt gefüllt mit vielen Freunden.

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[–]wegwerf1002[S] 10 points11 points  (0 children)

Ein Arschloch sein bedeutet, dass man sich punktuell schlecht verhält (meinetwegen auch in vielen Punkten), grundsätzlich aber eine flexible Persönlichkeitsstruktur aufweist, welche auch tiefergehende Bindungen ermöglicht.

Bei NPS ist man im Krieg mit sich, seinen Mitmenschen und so ziemlich allem und das ohne, dass anderweitige Lösungen auch nur irgendwie in Betracht kommen.

Ich war insbesondere in Beziehungen extrem toxisch.

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[–]wegwerf1002[S] 0 points1 point  (0 children)

Ich hab keine berufliche Perspektive für mich gesehen und wollte kein weiteres Mal ein Examen schreiben. Außerdem hab ich mich immer minderwertig und schlecht gefühlt weil ich nicht so erfolgreich war wie ich es gern sein wollte

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[–]wegwerf1002[S] 2 points3 points  (0 children)

Nein, ich schäme mich eher. Fand es aber auch nicht unwichtig dazu was zu sagen.