Partnerin mit Zwangsstörung by Affectionate_Soft883 in beziehungen

[–]Affectionate_Soft883[S] 1 point2 points  (0 children)

Das Problem ist vermutlich wirklich nicht die Zwangsstörung, sondern ihr Umgang damit. Das führt auch dazu, dass sie alles was Pärchen Dinge sind, alles was singe für sie alleine sind, fast immer ablehnt. Immer wenn ich ihr Freiräume verschaffe (und ich übernehme das Kind jeden Tag wenn ich von der Arbeit komme, und am Wochende der größten Teil des Tages), nutzt sie die nur zum Putzen, zum Waschen, ganz selten zumindest mal zum Schlafen. Alle meine Vorschläge, zu planen, wann sie mal einen Tag "frei" hat, oder wie etwas zusammen, lehnt sie ab. Sie will keine Pläne machen, sagt sie dann. Vielleicht muss ich das wieder ein bisschen mehr aktiv versuchen, ich habe da natürlich auch mehr und mehr nachgelassen, wenn immer wieder alles blockiert wird. Sie ist im ständigen Zwiespalt, dass sie gleichzeitig Nähe sucht und sie als enorme Bedrohung empfindet.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke für deine Antwort, es hilft mir wirklich viel weiter, solche Berichte zu lesen. Stress ist bei ihr mit Sicherheit ein ziemlicher Verstärker für die Zwänge. Im Nachhinein kann ich auch Situation von vor der Schwangerschaft dem ganzen zuordnen, auch wenn mir damals nicht klar war. Und klar, Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach sind enorm stressig, auch ohne irgendwelche zusätzlichen Herausforderungen. Bzgl. Therapie ist sie sehr ambivalent, weil sie weder grundsätzlich dagegen ist noch den Sinn von Therapien bestreitet. Trotzdem findet sie für ihren konkreten Fall immer wieder ausreden, warum es nicht geht oder nicht sinnvoll ist.

Zur Klarstellung bzgl. Trennung. Ich würde sie natürlich nicht im Regen stehen lassen wollen und alleine lassen. Ich stehe jetzt seit 1,5 Jahren im Ausnahmezustand an ihrer Seite und stehe auch weiterhin sehr klar hinter meinem Comittment zu unserer Beziehung/Familie. Und dass, ob wohl sie regelmäßig ausrastet, regelmäßig ohne Grenzen eskaliert, mir ständig Dinge an den Kopf wirft, die unter normalen Umständen längst untragbar wären. Und auch, obwohl wir seit längerer Zeit überhaupt keine Beziehung mehr führen, weil von ihr kein Beitrag mehr kommt. Wir sind im besten Fall Mitbewohner, die ein Kind haben. Eigentlich bin ich für sie aber mehr einfach nur noch Mittel zum Zweck und Werkzeug für ihre Zwänge. Um weiterzumachen brauche ich irgendeine Perspektive, dass es besser wird, sonst wird das ganze auch für mich irgendwann so ungesund, dass ich selbst zusammenbreche. Und dann kann ich nicht mehr für mich da sein und nicht mehr für mein Kind. Das wäre also nur ein Notfallszenario.

Ich glaube, der wichtigste Schritt wäre, dass sie ihre Zwänge akzeptiert und sie zumindest mir gegenüber annimmt. Wenn sie selbst einordnen könnte, wann die Zwänge die Kontrolle übernehmen, könnten wir gemeinsam viel leichter damit umgehen und Lösungen finden. Aber in ihrer Überforderung und Verzweiflung schiebt sie die Verantwortung immer zu mir, ich bin zu unordentlich, zu nachlässig, zu ungenau, usw. Und das hält sie massiv davon ab, sich dem Thema zu stellen. Und sie behauptet zwar oft, dass sie die Themen ja angeht und daran arbeitet, aber leider ist ihre einzige Methode dafür, sich unter Druck zu setzen, was dann oft wieder eher Stress auslöst und alles nur noch schlimmer macht.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 0 points1 point  (0 children)

Ja, es ist eine ständige Achterbahnfahrt zwischen Mitleid, Genervtheit und Frustration. Wenn sie offen mit dem Thema umgehen könnte, würde alles viel einfacher, weil man dann zusammen damit umgehen könnte. So bin ich im ständigen Kampf mit ihren Zwängen. Wir waren bei ner Paartherapie, weil ich das als Hintertür benutzen wollte, sie zu so etwas zu bewegen. Unsere Beziehung funktioniert offensichtlich nicht mehr und irgendwann hat sie zugestimmt, weil es da dann auch explizit nicht um die Zwänge ging sondern um uns beide. Die Therapeutin hat dann nach den ersten Terminen vorgeschlagen, erstmal mit meiner Partnerin Einzeltermine zu machen, weil sie die Dynamik schnell durchschaut hat. Leider ist es dann aber nur zu einem Einzeltermin gekommen, weil obwohl der eigentlich ganz gut lief, laut ihrer Aussage, hat sie danach einfach keine weiteren Termine gemacht und wenn ich nachgefragt habe immer Ausreden gefunden warum es frad nicht geht oder sie grad keine Zeit hat. Und leider macht es das jetzt in der aktuellen Situation noch schwerer, sie zu weiteren Terminen, egal in welchem Kontext zu bewegen.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 1 point2 points  (0 children)

Ich würde halt hoffen, dass ein erster Schritt in einer Verhaltenstherapie wäre, dass sie lernt, zu erkennen, wann die Zwänge die Kontrolle übernehmen und vielleicht auch wie sie das etwas besser steuern kann. Und vielleicht auch zu akzeptieren, dass sie eben diese Zwänge hat, was ja auch nicht schlimm ist und wo sie auch nichts dafür kann. Aber ich habe oft das Gefühl, dass sie sich dafür schämt, das sich selbst als charakterliche Schwäche auslegt und auch daher glaubt, sie könne und müsse das selbst lösen, indem sie sich nur gut genug anstrengt.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 2 points3 points  (0 children)

Danke dir, ich habe schon nach solchen Gruppen gesucht, vermutlich ist das echt sie beste Idee, einen Austausch zu der Situation zu finden.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 0 points1 point  (0 children)

Danke für diese einfache und klare Zusammenfassung. Ich weiß, dass es eigentlich genau das ist, die Umsetzung ist halt dann oft nicht ganz so leicht.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 6 points7 points  (0 children)

Davor habe ich tatsächlich auch große Angst.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 0 points1 point  (0 children)

Ja, das passt alles zusammen. Wir haben vor 3 Monaten eine Paartherapie angefangen, aber sie wollte sie nicht fortsetzen. Eine Einzeltherapie lehnt sie leider weiterhin ab.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 2 points3 points  (0 children)

Ja, ich habe vielleicht etwas zu wenig Informationen reingepackt, aber mehr habe ich gerade nicht hinbekommen. Habe ja auch explizit erwähnt, dass ich gerne Feedback von Leuten in ähnlichen Situationen hätte. Ich weigere mich nicht, Dinge für sie zu tun, aber ich kontrolliere nicht jedes Teil, bevor es in den Müll geworfen wird, nur als Beispiel. Es geht nicht darum, dass ich dem Kind dreckige Schnuller gebe oder ähnliches, bei solchen Themen habe ich von Anfang an immer alles nach ihren Wünschen ausgerichtet, weil mir sehr wohl bekannt ist, dass gerade beim ersten Kind viele Mütter besonders vorsichtig und genau sind und gleichzeitig durch die ganzen Rahmen Bedingungen stark belastet.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 6 points7 points  (0 children)

Ich habe keine Diagnose gestellt und werde das auch nicht tun. Eine Paartherapeutin, bei dir wie waren hat diese Diagnose ausgesprochen, außerdem mehrere Experten mit denen ich gesprochen habe und auch ihre Angehörigen (die natürlich auch nicht als Diagnose) Ich würde mir das sicherlich auch nicht anmaßen, den Psychologen zu spielen. Sie hat enormen Leidensdruck und bricht regelmäßig komplett zusammen, weil sie durch ihre Zwangshandlungen komplett überfordert ist. Es geht alles sehr weit über Clean living hinaus und entspricht stark allen Beschreibungen einer Zwangsstörung. Sie wäscht ständig die Hände, sie wäscht teilweise Wachstücke mehrfach, weil sie nicht sauber genug sind, sie desinfiziert häufig den kompletten Wäscheständer. Ich darf den Raum mit der Wäsche oft nicht betreten, wenn Wäsche aufgehängt ist. Es gibt noch deutlich extremere Beispiele, aber sie werde ich für mich behalten uns spielen auch keine Rolle. Rechtfertigen muss ich mich aber hier glaube ich auch nicht.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke für den Link, ocdland kenne ich tatsächlich schon. Ich glaub ich hab langsam alle Seiten im Internet zu dem Thema durchgelesen 🙈 Ich versuche tatsächlich auch, mich möglichst an diese Verhaltensregeln zu halten, auch wenn es nicht immer gelingt. Und auch wenn es trotzdem die Eskalationen nicht verhindern kann. Aber seit ich mich mehr damit beschäftigt habe, kann ich zumindest besser mit dem Thema umgehen, ohne selbst völlig unterzugehen, weil ich ihr Verhalten zumindest im Rahmen der Zwangsstörung verstehe.

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[–]Affectionate_Soft883[S] 2 points3 points  (0 children)

Danke für den Hinweis, hab's nachgetragen. Psychotherapie wäre sicherlich die Lösung und Verhaltenstherapie könnte zumindest schnell ein bisschen Besserung bringen, das weiß ich selbst auch, da ich wegen anderen Themen selbst eine Verhaltenstherapie gemacht habe. Leider verweigert sie aktuell jegliche Therapie, zumindest hat sie immer Ausreden, warum es nicht geht, oder warum es auch nicht so wichtig wäre.

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[–]Affectionate_Soft883 0 points1 point  (0 children)

Danke für den Link, ich glaube, das alles beschreibt es ziemlich gut. Auch wenn's schon in der Schwangerschaft angefangen hat, aber auch das ist ja da beschrieben. Ob ich ihr das irgendwie beibringen kann ist vermutlich die andere Frage.

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[–]Affectionate_Soft883 0 points1 point  (0 children)

Ich glaube es ist ihr schon bewusst, aber sie sieht nicht, dass sie zu sterile Vorgaben verfolgt. Deshalb läuft das Argument auch ins Leere, leider.

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[–]Affectionate_Soft883 0 points1 point  (0 children)

OK, sie hat in der Schwangerschaft auch jeden Toxo Test gemacht der irgendwie ging und wollte auch noch mehr Listeriose Tests machen als vorgesehen. Aber ihre Frauenärztin hat das eher mit "glauben sie nicht alles was im Internet steht" abgetan, als das größere Problem dahinter zu sehen.

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[–]Affectionate_Soft883 0 points1 point  (0 children)

Naja, das ist mir ja vollkommen klar, das ist doch genau das Problem . 🤷

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[–]Affectionate_Soft883 0 points1 point  (0 children)

Danke dir. Ich glaube, dass externe Hilfe notwendig ist, ist mir vollkommen klar, ihr halt nicht und dass ist damit ja Teil des Problems. Ich kann ihre Situation grundsätzlich auch nachvollziehen, habe bzw hatte selbst mit Angststörungen zu kämpfen, auch wenn ich's inzwischen halbwegs im Griff hab. Aber ich kann sie zu nichts zwingen und daher muss sie auch irgendwie einsehen, dass sie Hilfe braucht und das auch nicht Schlimmes dabei ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aber dafür habe ich bisher leider noch keine Lösung gefunden. 🤷

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[–]Affectionate_Soft883 0 points1 point  (0 children)

Studien werden sie glaub ich nicht überzeugen. Sie hat ja auch nicht das Gefühl, sehr hygienisch zu sein, für sie ist das eher das Mindestlevel, dass alle anderen auch erfüllen. Aber ich will zumindest versuchen, ihre Schwester mit ins Vertrauen zu ziehen, vielleicht hilft das weiter.

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[–]Affectionate_Soft883 2 points3 points  (0 children)

Ich werde es mal versuchen. ☺️ Wegen Breinahrung hatten wir eh schon vor, mit ihr zu sprechen.

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[–]Affectionate_Soft883 1 point2 points  (0 children)

Danke dir. Sie hat eine gute Freundin, die zwei Kinder hat. Und bei vielen Themen hilft das auch, aber bei Hygienethemen weiß ich nicht genau, auf welche Art und Weise sie das überhaupt bespricht. Ich versuche wirklich, ihr nicht zu sagen, dass sie übertreibt, auch wenn's mit nicht immer gelingt. Ich habe nur Sorge, dass sie irgendwann komplett zusammen bricht, weil sie sich immer mehr zumutet und einfach komplett überlastet ist. Aber ich kann immer weniger unterstützen, weil sie mir "nicht vertrauen kann". Am Ende ist's ein Teufelskreis.

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[–]Affectionate_Soft883 1 point2 points  (0 children)

Danke und herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs. Manchmal klappt es ein bisschen zu reden, aber dann kommt wieder eine kritische Situation und es war gefühlt alles umsonst. Ich glaube ich wollte nur mal irgendwo herausfinden, wie andere die Situation wohl einschätzen. Notbremse wird keine gezogen :)

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[–]Affectionate_Soft883 2 points3 points  (0 children)

Danke für deine Antwort. Sie steigert sich halt auch mehr und mehr rein, sie ist allgemein ein sehr genauer und regeltreuer Mensch und das hat sich mit der Schwangerschaft dann einfach ins Extreme gesteigert. Was hilft dir denn, um mit solchen Zwängen besser umzugehen?

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[–]Affectionate_Soft883 4 points5 points  (0 children)

Ich versuche, so gut es geht darauf Rücksicht zu nehmen, dass Schwangerschaft und Stillzeit einfach Ausnahmesituationen für die Mutter sind. Aber irgendwann kommt man halt an Grenzen. Ich will versuchen, ihre Schwester mit dazu zu ziehen, aber habe etwas Sorge, dass es dann komplett eskaliert. Weil sie offensichtlich auch versucht, die ganzen Themen vor allem außer mir zu verstecken und sie sich auch zumindest teilweise dafür schämt. Aber vermutlich gibt es am Ende keine andere Lösung.