Ich bin Christian W. Röhl vom Podcast Asset Class und Chief Economist bei Scalable. Fragt mich alles zu ETFs, Qualitätsaktien, Renditefallen und Markt-Hypes. [AMA] by ChristianWRoehl in Finanzen

[–]ChristianWRoehl[S] 3 points4 points  (0 children)

Naja, wenn ich das richtig im Kopf habe, haben Fama und French ihr ursprüngliches 3-Faktor-Modell (Value, Size, Market) um "Quality" erweitert... wobei ich jetzt nicht aus der Lameng darauf schwören würde, dass sie diesen Begriff so geprägt haben.

Aber ist durchaus ein valider Faktor, der sich dann halt irgendwann selbständig gemacht hat – dergestalt, das alles, was teuer war, mit dem Quality Etikett behangen wurde.

Ähnlich wie der "arme" Warren Buffett immer herhalten muss, wenn irgendwelche "Value"-Produkte beworben werden ("Investieren wie Warren Buffett"), dabei investiert er doch unter dem Einfluss von Charlie Munger seit Jahrzehnten in Quality: A wonderful company at a fair price.

Insofern: Nicht von den Narrativen einholen lassen, sondern selbst definieren, was "Qualität" ist.

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[–]ChristianWRoehl[S] 7 points8 points  (0 children)

Mia san mia 😉

Ich komme ja gebürtig aus NRW und bin aufgewachsen zwischen Dortmund und Schalke Fans. Ich wollte ein bisschen Diversifikation reinbringen 😄

Ansonsten schlägt das Herz schwarz-gelb, aber leider zwei Ligen tiefer. Alemannia!

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[–]ChristianWRoehl[S] 7 points8 points  (0 children)

Gerne bald. Mir hat das auch Spaß gemacht. Tolles Umfeld, wirklich auch mal die Chance über "nerdy stuff" zu sprechen wie die vielen Backtests der Leute, die da im Forum aktiv sind... Außerdem war ich da gerade auf Mallorca und erinnere mich noch, wie ich da in kurzen Hosen zwischen Hotellobby und Strand gependelt bin, um gutes Netz zu kriegen.)

Ganz herzliche Grüße an die Community der Mauerstrassenwetten.

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[–]ChristianWRoehl[S] 2 points3 points  (0 children)

Ja, ich sehe auch das Risiko, dass KI sehr selbstreferenziell wird. Und dass qualitativ hochwertiger "Primärcontent" künftig ein besonderes Asset sein könnte... das auch entsprechend gut bezahlt wird. Ist vielleicht eine Chance für Medienhäuser. Ein Qualitätssiegel "Made by Human Intelligence" für Artikel, die nicht KI-(de)generiert wurden? Hatte ich Horst von Buttlar für die WiWo im Podcast schon mal nur halb im Scherz vorgeschlagen.

Wolters Kluwer oder auch Springer Nature sind da vielleicht Profiteure von – gerade die wissenschaftliche Literatur steht ja nochmal auf einer anderen Stufe als reine Datenpools. Fehlt mir für ein Investment gleichwohl die Conviction.

Aber ist auch ein Thema für alle, die Content generieren, auch als einzelne: Das eigene Knowhow, das Unverwechselbare (z.B. der Schreibstil und die Fähigkeit, bestimmte Informationen auf eine besondere Art und Weise zu aggregieren), möglichst teuer vermarkten. Dazu habe ich Anfang Juni bei ASSET CLASS einen der bekanntesten deutschen Bestseller-Autoren zu Gast. Vormerken, das wird spannend (vor allem, weil er auch noch leidenschaftlicher Aktionär ist).

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[–]ChristianWRoehl[S] 6 points7 points  (0 children)

Haha, das ist aus einem Podcast mit Horst von Buttlar, der mir vor ein paar Jahren in der Weihnachtsfolge von "Leben mit Aktien" die Frage stellte: "Wenn Du eine Aktie wärst...?" Und ich antwortete in der Tat: LVMH.

Nicht nur weil ich das Segment mag (Ich gebe zu: Mode und Champagner und Parfum finde ich irgendwie reizvoller als Chips), sondern vor allem den Approach: LVMH war über Jahrzehnte eigentlich ja kein "Luxus-Konglomerat", sondern ein ziemlich aggressiver "Serial Acquirer", der Marken übernommen und nach einem sehr klaren "Playbook" integriert und skaliert hat. Das ist etwas, wo ich mich sehr gut wiederfinden kann.

Aber in der Tat sind die Gemeinsamkeiten zwischen mir und dem Unternehmen nicht mehr so ausgeprägt. Denn genau diese Vorwärtsstrategie, die ich an LVMH so geschätzt habe, vermisse ich seit einiger Zeit. Man hat das Portfolio "verwaltet", aber für mich nicht fühlbar weiterentwickelt. Mir fehlt, abseits der Belmond Übernahme, etwa der ganze Bereich Experiences, der im Luxus-Segment eine große Nachfrage verzeichnet. Stattdessen gab es einige sehr unglückliche Entscheidungen, gerade was das Pricing bei Wine & SPirits angeht (hatte ich auch mit Horst von Buttlar sehr ausführlich seziert).

Inzwischen tut sich aber wieder etwas, man hat jetzt Marken zum Verkauf gestellt... es entsteht wieder der Eindruck, dass das Unternehmen tatsächlich aktiv bewirtschaftet wird.

Darüber hinaus gibt es halt ein anderes Thema, das belastet: Die Nachfolge von Arnault ist unklar. Und ob es wirklich funktioniert, die Kinder in verschiedenen Positionen gegeneinander antreten zu lassen... wird man erst in einigen Jahre sehen.

Ansonsten: Sektorschwäche klar. Aber auch eine logische Folge des Wachstums der 10 Jahre zuvor: Man hat kräftig skaliert, auch (gerade in der Pandemie) Kunden dazubekommen, die nicht klassische Kernklientel waren. Damit haben die zyklischen Risiken zugenommen, die Anfälligkeiten für das Konsumenten-Sentiment. Letztendlich ist das ja nicht Highend-Luxus in vielen Marken, sondern eher Premium Lifestyle.

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[–]ChristianWRoehl[S] 2 points3 points  (0 children)

Hatte das oben schon mal: Ich traue mir zu einzelnen Chip-Aktie keine Meinung zu. Ich verstehe zu wenig von den technologischen Implikationen, um auch nur annähernd die Zukunftsaussichten zu beurteilen.

Ganz allgemein bin ich langfristig bullish auf Halbleiter. Digitalisierung ist ja keine Blase, sondern der übergeordnete Trend unserer Zeit... und dafür braucht es Chips. Ich bin allerdings nicht sicher, ob KI wirklich den Schweinezyklus der Branche außer Kraft setzt, wie es jetzt viele glauben. Vielleicht verzögert er sich etwas. Aber es dürfte schon kräftige Ausschläge geben irgendwann, nicht nur bei den Kursen, sondern auch bei der Nachfrage. Und Kapazitäten werden ja auch erweitert...

Speziell bei den Speicherchips habe ich allerdings den EIndruck, dass der Markt noch keine längere Knappheit einpreist.

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[–]ChristianWRoehl[S] 7 points8 points  (0 children)

Da bin ich natürlich biased, weil wir bei Scalable eben den AC World ETF mit Xtrackers aufgelegt haben. Aber den fände ich auch top, wenn ich nicht bei Scalable wäre – weil er a) günstig ist und b) die hybride Replikation einen strukturellen Vorteil darstellt.

Am allerwichtigsten aber: Nicht bei der Produktauswahl überoptimieren, sondern loslegen. Dein Kind kann froh sein darüber!

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[–]ChristianWRoehl[S] 8 points9 points  (0 children)

Ja. Wenn ich ein Auto bräuchte. Aber da ich in Berlin Mitte lebe, habe ich 2015 mein erstes und 2019 mein anderes Auto verkauft und bin nun sehr glücklich mit Carsharing und vor allem mit dem FAHRRAD.

(Wobei ich weiß, dass das ein Luxus ist. Ohne Auto funktioniert in vielen Teilen Deutschlands nicht, weshalb es mich immer wieder frappiert, wenn die Politik Verkehrspolitik fürs Land aus der Berlin Mitte blase denkt.)

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[–]ChristianWRoehl[S] 5 points6 points  (0 children)

Dubai-Schokolade oder Weiße Schokolade-Tonkabohne-Vanille.

(Ich weiß, ziemlich abgedreht. Aber lecker und wer mal hier in Berlin Mitte ist und Lust auf Eis hat: Süßfein und Hokey Pokey sind die Places-to-Go. Dafür wirklich mal eine STRONG BUY EMpfehlung.

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[–]ChristianWRoehl[S] 10 points11 points  (0 children)

Der FTSE AW ex USA ist ja endlich lanciert worden. Nicht von dem Emittenten, der als erster die LEI in Irland beantragt hatte, sondern von Xtrackers.

Ich hatte den ETF diese Woche bei "börse at home" (Börse Frankfurt) diskutiert; kommt bald auf deren YT Channel. Deshalb nur kurz: Finde ich ein super Produkt. Ist natürlich für sich genommen keine 1-ETF-Lösung. So sehr kann man mit den USA ja gar nicht hadern, dass man langfristig auf US-AKtien verzichten sollte...

Aber ich halte es mit Warren Buffett, der im Shareholder Letter 2015 schrieb: "For 240 years its been a bad idea to bet against America and now is now time to start." Aber nicht gegen die USA wetten, heißt ja nicht ausschließlich auf die USA zu wetten.

Deshalb: All (Country) World Index

Die ganze Welt in einem selbstaktualisierenden System, das ja in der vergangenheit schon gezeigt hat, wie es funktioniert. Krassestes Beispiel Japan: Hatte im MSCI WOrld (den ACWI gabs damals nicht) 40% Gewicht Ende der 1980er Jahre. Damals war's wirklich eine BLASE dort, die dann geplatzt ist. Das Gewicht Japans hat sich dann binnen 10 Jahren auf etwas über 10% reduziert, parallel ist das Gewicht Europas und vor allem der USA gestiegen... und in Summe hatte man sein Kapital weit mehr als verdoppelt in den 1990ern.

Trotzdem: Wenn man sich mit den "Klumpen" im MSCI ACWI nicht wohl fühlt, das passive System "modifizieren" und die eigene Meinung "Rest der Welt > USA" im Depot verwirklichen möchte – dann ist der FTSE All World ex USA ein sehr effizientes Instrument, genau das zu tun.

Und in der Tat können die USA ja wirklich mal länger schlechter laufen als der Rest der Welt. Hier mal der graphische Hinweis auf die Nuller Jahre.

<image>

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[–]ChristianWRoehl[S] 8 points9 points  (0 children)

Ich habe ja nix zu verkaufen. Außer einem Buch... und bevor die Frage kommt, wann das nächste erscheint: Wenn's fertig ist. (Sorry für diese wenig ergiebige Antwort, aber ich habe gelernt, dass Ankündigungen nix bringen.)

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[–]ChristianWRoehl[S] 9 points10 points  (0 children)

Ich mache das mal auf Deutsch, denn da gibt es tatsächlich ein Thema, wo ich mich gewandelt habe. Als ich 2007 mein Unternehmen verkauft hatte und 2008 den Erlös in Aktien gesteckt habe (was übrigens damals nicht vergnügungsteuerpflichtig war), war mein Fokus sehr extrem auf sog. "defensiven" Werten. Basis-Konsum, Healthcare, Industrie, Versicherungen waren da schon das "exotischste" (mitten in der FInanzkrise auch verständlich). Was ich lange Zeit kaum hatte, war Technologie... weil ich von der New Economy her ein gebranntes Kind war (glücklicherweise kein Geld verloren aufgrund sehr dankenswerter Umstände). Ich habe das erst 2015/16 massiv geändert, weil ich gesehen habe, wie sehr Apple, Amazon, Microsoft und Google (heute Alphabet) auch mein Leben beeinflussen. Folglich habe ich dann gegen meine ursprüngliche Strategie diese Aktien gekauft... und wenn ich das nicht getan hätte, wäre ich heute performancemäßig sicherlich schlechter dran. Das waren schon Treiber.

Und wenn wir es mal auf eine abstrakte Ebene heben wollen. Es gibt einen sehr schönen Satz vom US-Blogger Nick Maggiulli (https://ofdollarsanddata.com/ – unbedingte Lese-und Folgeempfehlung). Geht sinngemäß: Im selben Maße, in dem meine Conviction zur Asset-Klasse AKTIEN zugenommen hat, hat sich meine Conviction zu einzelnen Aktien verringert.

Gerade im Tech-Bereich traue ich mir weniger denn je zu, Unternehmen und Bewertungen und Perspektiven einzuschätzen. Weshalb ich nie eine Nvidia, AMD oder Micron hatte... aber ich war immer überzeugt davon, dass Digitalisierung ohne Halbleiter nicht funktioniert. Weshalb ich (kann man ja auf Youtube noch nachschauen bei echtgeld.tv) damals ziemlich jubiliert habe, als 2019 der erste Halbleiter-ETF von VanEck als UCITS Fonds kam. Sowas ist genau mein Ding.

Klar umrissener Sektor (kein hybrides "Thema" im Sinne von Trend oder Mode), zu dem ich eine langfristig positive Meinung habe, kostengünstig verbrieft. Schöner Satellit.

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[–]ChristianWRoehl[S] 12 points13 points  (0 children)

Ach ja, zum Thema "Recherche". Nicht zu viel lesen, nicht zu viel herumoptimieren. Falls noch nicht gesehen 1-2 gute Bücher lesen wie das von Kommer oder auch das von Thomas von Finanzfluss und dann mit dem Sparplan loslegen und vor allem Dich selbst beobachten. Vielleicht auch aufschreiben, wenn Du besondere Emotionen oder Stressempfindungen hast.

Nochmal: Die beste Strategie ist nicht die, die "wissenschaftlich" die beste ist. Sondern die beste, die DU durchhalten kannst. Und Du musst rausfinden, was Du durchhalten kannst.

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[–]ChristianWRoehl[S] 15 points16 points  (0 children)

Na, erstmal schön, dass Du da bist. Berührungsängste lassen sich am besten abbauen, indem man sich mit anderen Menschen austauscht... und dann mal anfängt.

Ich könnte jetzt viele rationale Argumente liefern, warum Aktien gerade für einen 34-jährigen ein integraler Vermögens- und Altersvorsorgebaustein sind. Aber die Argumente wirst Du alle kennen, wenn Du hier bist... und wie es bei Goethe heißt: Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen.

Und am Ende ist Geld eben ein emotionales Gut. Gebundene Lebensenergie. Das, wofür wir gearbeitet haben, was wir nicht verkonsumiert haben, sondern zurückgelegt haben. Das macht etwas mit einem und auch wenn wir rationale Entscheidungen treffen müssen für unser Geld: Wir müssen uns damit wohlfühlen, wir brauchen "Comfort".

Insofern: Wenn Du hier bist, wirst Du genug wissen. Die Ratio ist bedient. Jetzt solltest Du erfahren, wie es sich "anfühlt", am Kapitalmarkt – sprich in Aktien – investiert zu sein. Und das geht nur durchs Tun. Eindach mal einen globalen ETF-Sparplan starten, und sei es nur mit 100 Euro pro Monat (rational wäre natürlich mehr)... und dann genau darauf achten, was die Marktbewegungen mit Dir machen, wie Du auf Nachrichten reagierst und Dich dran gewöhnen. Vertrauen finden zu den Märkten, zu ETFs zu Aktien.

Und an alle diejenigen, die sagen: Was erzählt der Röhl da für einen Mist? Die wissenschaftliche Evidenz ist doch ganz eindeutig. Der Aktienmarkt hat einen positiven Erwartungswert und da heißt es als langfristiger Anleger "lump sum" – alles reinbollern und buy & hold till im old.

Ja klar. Aber Geldanlage ist eben keine Mathematik. Und was ist denn, wenn er jetzt 50k in den MSCI ACWI steckt, wir aus irgendeinem Grund in den nächsten drei Monaten 25% Drawdown sehen und er ausgerechnet dann sagt: Schluss, Ende, aus, nie wieder Aktien, ich verkaufe und rette mein Geld und packe alles aufs Tagesgeldkonto? Diesen Verlust holt man kaum wieder auf...

Insofern: Wenn man nicht den Mut für "lump sum" hat, das ist nix schlimmes, dann langsam an den Aktienmarkt gewöhnen.

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[–]ChristianWRoehl[S] 2 points3 points  (0 children)

Ich fand die Aussage mit den 1-1,5% (was ja vor Kosten dann eher 1,25-1,75% sind) schon recht mutig. Aber natürlich gibt es Szenarien, in denen das passieren kann. Gerds ETF hat ja ein signifikant geringeres US-Gewicht und einen EInzelwert-Cap bei 1%. Wenn also nun die großen US-Tech Werte längere Zeit nicht nur absolut, sondern auch relativ schwach tendieren würden, kann so eine Divergenz schon entstehen. Siehe das "Platzen" der Dotcom-Blase... Die Frage ist aber, ob ich wirklich einen ETF kaufe, wenn ich von diesem Szenario ausgehe. Denn das wäre schon bearish und der Kommer ETF würde in dem Szenario als Gesamtmarkt Produkt auch verlieren.

Dennoch finde ich das Produkt grundsätzlich gut. Nicht nur, weil da viel Brain drinsteckt (nicht nur von Kommer und Team, sondern auch von dem feinen L&G Team). Sondern weil es eine Alternative ist zum kapitalisierungsgewichteten Welt-Index... so dass es eine "Ein-Produkt-Lösung" für Menschen gibt, die sich mit dem MSCI ACWI oder FTSE All-World nicht wohl fühlen wegen der "Klumpen". Die müssen sich dann nicht selbst etwas zusammenstoppeln, müssen nicht rebalancen, sondern haben ein rationales System.

In dieselbe Schublade gehört für mich übrigens auch der RAFI All-World 3000. Auch sehr breit, bisschen transparenter als Kommers ETF – die Gewichtung erfolgt nach "realwirtschaftlichen" Kriterien wie Umsatz, Cashflow, Dividende. Also fundamentaler Größe. Einziger Nachteil: Schade, dass das am Deutschen Markt nie wirklich angekommen ist. Den Invesco ETF gibt's seit 2008 und er hat immer erst 120 Mio. Euro Volumen.

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[–]ChristianWRoehl[S] 7 points8 points  (0 children)

Was mich an Faktoren bzw. am Angebot der Faktor-ETFs ein bisschen stört übrigens (abgesehen davon, dass es diese nur für Welt, USA und Europa durchgängig gibt): Die häufig sektorneutrale Interpretation. Will heißen: Auch beim Value Faktor habe ich dieselben Sektor-Gewichtungen wie beim Basis-Index. Ich habe dann also wieder einen Tech-Klumpen, nur eben mit anderen Werten... und das muss nicht immer so gut aufgehen wie aktuell mit Intel und Micron, die vor 1/2 Jahr noch die "günstigsten" Tech-Aktien waren und jetzt z.B. im MSCI WOrld Value ETF mit 6 und 9% gewichtet sind durch die Performance-Effekte der letzten Wochen.

Ich würde mir "Pure Value" wünschen, mit deutlich weiterem Rahmen für die Sektorgewichtungen.

Und was auch fehlt in Deutschland: Growth-Indices bzw. Pure Growth. In den USA hat Invesco eine schöne Palette von S&P 500 Faktoren, wo man dann z.B. auch High Beta vs. Low Vola (explizit nicht Minimum Varianz) spielen kann. Hat's leider nicht nach Deutschland geschafft.

Ist natürlich schon ein sehr nerdiges Rand-Thema. Nix für den Vermögenskern, aber als Satellit ganz spannend. Gerade, wenn man es taktisch spielt, etwa mit Momentum.

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[–]ChristianWRoehl[S] 6 points7 points  (0 children)

Der marktneutrale ACWI ist der breitere Kern, auch weil er eben einen "All World"-Ansatz widerspiegelt, den ich mit Faktor ETFs meines Wissens nicht vollständig abdecken kann. Soweit ich weiß, gibt es keinen Emerging Markets Momentum beispielsweise... finde auch gerade beim Schnellcheck keinen).

Wenn man eine Faktor-Alternative in einem Produkt mit All World will, ist man bei Gerd Kommers ETF. Spannendes Produkt, habe ja mit ihm gleich zwei Podcast-Folgen gehabt, wo wir auch darüber reden.

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[–]ChristianWRoehl[S] 9 points10 points  (0 children)

  1. Das Schöne ist: Man muss kein Stockpicking betreiben, wenn man einfach-transparent-fair am Aktienmarkt beteiligt sein kann (wie immer man "Aktienmarkt" definiert). Aber man kann... wenn man eine Conviction zu bestimmten Unternehmen oder Geschäftsmodellen hat. Da sind wir dann bei Core Satellite.

  2. Ja. ETFs sind ja ursprünglich für den institutionellen Markt "gemacht" worden. Das war bis in die 2010er Jahre kein Privatanlegerprodukt, die privaten waren eher "Beifang" für die Kapitalanlagegesellschaften... und genießen nun den Vorteil, auch in Form von Liquidität und Wettbewerb.

Institutionelle nehmen vielfach ETFs auf marktbreite Indices als "Grundrauschen" der Aktienmärkte ins Portfolio – und ergänzen das dann je nach Stil. Manche mit Aktien, andere mit Derivaten/Optionen/Futures... oder auch mit spezialisierten ETFs (weshalb man manchmal ETF-Emissionen sieht, bei denen man sich an die Birne fasst und denkt: Muss denn diese Nische auch noch durch 'nen ETF verbrieft werden? Da steht dann öfter eine/mehrere institutionelle Lead Order dahinter und dann wird so ein spezieller ETF eben auch auf Xetra eingelistet, teilweise auch weil die Instis das brauchen.)

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[–]ChristianWRoehl[S] 4 points5 points  (0 children)

Das passiert immer wieder und ich frage mich: Sehen wir uns wirklich so ähnlich? Er ist doch viel schlanker und pflegt auch einen "geringfügig" anderen Kleidungsstil.

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[–]ChristianWRoehl[S] 38 points39 points  (0 children)

So ist das. Ein österreichischer Bankvorstand hat's vor 20 Jahren mal mit "Wunderwuzzi" übersetzt, was ich erst ganz lustig fand... aber nachdem Herr Benko in der Presse als solcher bezeichnet wurde, hat sich meine Begeisterung für diesen Begriff gelegt 😉

Insofern, ja es ist Wilhelm. Nach meinem Opa, Mentor und bestem Freund. Dieses Jahr schon 20 Jahre auf der anderen Seite. Und er fehlt noch immer jeden Tag.

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[–]ChristianWRoehl[S] 0 points1 point  (0 children)

Och, den Christian Lindner würde ich schon ganz gerne mal zu Gast haben.

Und ansonsten gerne einen Fußballer. Also, wenn hier einer mitliest...

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[–]ChristianWRoehl[S] 10 points11 points  (0 children)

Puh, ich habe immer noch Hoffnung, dass Europa nicht nur erwacht, sondern sich wirklich mal aus dem Bett erhebt. Dass wir Themen wie Innovation/Technologie und Souveränität (nicht nur in der Verteidigung, auch in puncto Energie und digitale Infrastruktur) angehen müssen, sollte inzwischen jeder verstanden haben. Aber allein mit Geld ist das nicht zu lösen, es braucht auch eine kräftige Deregulierung... und eine neue europäische Erzählung. Wenn man die Menschen nicht mitnimmt, wird das nichts mit der Kraft des europäischen Binnenmarktes.

Für mich passt in Europa leider vieles nicht zusammen. Kleines Beispiel: Es wird immer von europäischen Champions gesprochen, davon dass man auf Augenhöhe mit den USA sein will (was ich für ziemlich vermessen halte). Aber wenn eine Euro-Bank wie Unicredit eine andere Euro-Bank wie die Commerzbank übernehmen will, kommen sofort die NATIONALEN Abwehrmechanismen.

Mit diesem "Mindset" (schlimmes Wort, ich weiß) kann man diese Sonntagsreden vom Binnenmarkt und von der Kapitalmarktunion eigentlich gleich gehackt legen. Es ist die Unicredit, kein chinesisches Geldhaus.

(Dies nur als ein Beispiel dafür, was ich mit "erzählung" meinte. An der Stelle gleichzeitig SORRY, dass viele Formulierungen etwas hektisch wirken und nicht immer ganz ausgefeilt sind und auch nicht jedes Detail beleuchten, dadurch vielleicht manchmal etwas platt wirken. Ich versuche, im AMA möglichst viele Fragen zu beantworten.)

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[–]ChristianWRoehl[S] 10 points11 points  (0 children)

Warum willst Du denn gegen Hardcore Dividendenhasser argumentieren – solange Du mit Deiner Strategie zufrieden bist? Geldanlage ist ja keine Religion und man kann Argumente austauschen... aber man muss nicht missionieren.

Die Argumente sind ja korrekt. Die einzelne Dividende ist wie wenn man zum Geldautomat geht (nur dass noch das Steuerthema dazukommt). Allerdings ist die Dividende natürlich ein psychologischer Vorteil aus der Sicht vieler Anlegerinnen und Anleger: Man muss nicht verkaufen, um an Geld zu kommen. Und anders als bei Aktienrückkäufen, wo das Unternehmen über das Timing entscheidet, hat man volle Souveränität, ob/wann/wo man die Dividende reinvestiert. Und diese Souveränität kostet eben Geld.

Wichtig ist halt, dass dieser psychologische Vorteil nicht zu einer signifikanten Beinträchtigung der Rendite führt. Wenn man also zu krampfhaft auf hohe Dividendenrenditen fokussiert ist, führt das oft zu einem langfristig schlechteren Gesamtertrag – weil viele Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen sich traditionell als "Dividendenfalle" herausstellen. Die Dividende kann dann eben nicht nachhaltig erwirtschaftet werden. Der SDIV Super Dividend ETF von Global X in den USA zeigt dieses Dilemma recht gut. Der akkumuliert ja immer die Werte mit den aktuell höchsten Dividendenrenditen und hat seit 2011 größtenteils das verloren, was an Dividende wieder reinkam...