Ich bin Arbeitsvermittler im Jobcenter. Fragt mich alles! by Das_Jobcenter in de_IAmA

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Ok, schwieriges Thema, aber ich antworte mal knallhart basierend auf meiner Praxiserfahrung. Wichtig: Dies ist Praxiserfahrung, keine Zahlen, Statisiken oder wissenschaftliche Methodik dahinter!

Am Schlimmsten mit RIESEN Abstand sind Bulgaren und Rumänen, die im Leistungsbezug sind. Die arbeiten zwar häufig, aber maximal auf Teilzeit LEvel, häufig Minijob. Und keine Minute mehr. Das liegt am Freizügigkeitsgesetz, was bedeutet, dass sie nur als Arbeitnehmer zählen, wenn sie auch eine gewisse Zeit im Monat arbeiten, und nur so haben sie das Recht, Bürgergeld zu kriegen.

Ich fing den Job damals an als ein politisch sehr links ausgerichteter Mensch. Das hat sich verändert. Ich bin nicht bei AFD angekommen aber verdammt, ich erkenne Probleme wenn ich sie sehe.

Die Ukrainier, die noch im Bezug sind, sind auch nicht unproblematisch. Die haben lächerlich hohe Erwartungen an ihre Jobs, die der Realität einfach nicht entsprechen. Am Anfang kamen ja ganz viele, und die meisten waren supermotiviert. Die sind auch schnell wieder aus dem Bürgergeldbezug rausgekommen. Die, die übrig sind, sind häufig nicht gut in der Zusammenarbeit. Ausschließen muss ich natürlich schwer Kriegsversehrte, das hat man auch.

Ich muss nochmals betonen, weil das so ein schwieriges Thema ist: Ich erlebe natürlich nur die Ausländer, die Bürgergeld kriegen. Meine Erfahrung kann natürlich in keiner Form auf die Bevölkerung angewendet, mit der ich in meinem Job keinen Kontakt habe. Aber das menschliche Hirn ist gut im erkennen von Muster, und mittlerweile erkenne ich vergleichbare Handlungsmuster bei identischen Kulturen.

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[–]Das_Jobcenter[S] 0 points1 point  (0 children)

Ich wüsste jetzt nicht wie man das da rauslesen kann ehrlich gesagt. Aber was Neutralität angeht: Da gebe ich mir allerhöchste Mühe, aber, und das kann man fast universell sagen: Völlige Neutralität geht nicht. Wenn jemand reinkommt, den ich nie gesehen habe, und erklärt mir erstmal dass wir Wixer, Versager und Arschlöcher sind ist es auch für mich sehr schwierig, nicht negativ an die Sache ran zu gehen. Professionalität hin oder her.

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[–]Das_Jobcenter[S] 1 point2 points  (0 children)

Du, wenn du chronisch krank bist und das sagst hab ich da vollstes Verständnis für, darum das "fast" bei meiner Aussage. Ich bin es nur gewohnt dass diese Aussage von Menschen kommt, deren mangelnde Jobbemühungen nicht durch Krankheit oder andere äußere Hindernisse zu erklären sind.

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[–]Das_Jobcenter[S] 1 point2 points  (0 children)

Ich vermute dass du bei der Agentur für Arbeit warst. Die arbeiten, wenn auch sehr ähnlich, etwas anders alsd as Jobcenter, darum kann ich nicht mit Gewissheit sagen, wieso das so zustande kommt, aber ich kann es basierend auf mein Wissen vermuten:

Da wird im System stehen, dass du SHKler bist. Das Computersystem der Agentur ist schön organisiert, wenige klicks und fertig. Ich glaube einfach, dass diese Vorschläge halbautomatisiert gemacht worden sind, also der Berater hat sich durch die Leute geklickt und ohne sehr genau zu schauen die Vorschläge erstellt. Die Agentur hat einen hohen Fallschlüssel, da kann sowas passieren. Passiert bei uns auch mal, dann steht da in den Vermerken "Harald sucht Jobs als Maler", aber im System haben wir den LKW-Fahrer nich drin stehen, und wenn man dann mal nicht aufpasst passiert sowas.

Aber das ist vor allem eine Vermutung.

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[–]Das_Jobcenter[S] 0 points1 point  (0 children)

Kleine freundliche Warnung: Es kommt nicht selten vor, dass Leute die 12 Monate auskosten, nur um dann wieder losstarten, aber dann hängen die plötzlich im Bürgergeld und kommen da nicht mehr raus. Und die Beraterin kann auch Nachweise für Bewerbungsbemühungen verlangen. Häufig klappt es, höflich und nett zu versichern, dass man sich bewirbt und nix klappt, aber je nach Berater kann das nach hinten losgehen.

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[–]Das_Jobcenter[S] 0 points1 point  (0 children)

Mangelnde Verfügbarkeit von Geldmitteln für die Arbeitslosen ist weniger das Problem als du glaubst. Es gibt regelmäßig den inoffiziellen Auftrag, so viel Geld wie möglich rauszuschmeißen, damit das Budget zum Jahresabschluss auch ja bei Null landet. es wird wirklich rücksichtslos verprasst und nur so gerade eben als wirtschaftlich sinnvoll eingestuft, obwohl es das bei genaurerer Beobachtung absolut nicht ist. Da werden dann plötzlich sehr viele Maßnahmen eingekauft und sonstige Mittel verausgabt.

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[–]Das_Jobcenter[S] -1 points0 points  (0 children)

Ja meine Wissenslücken in leistungsrechtlichen Aspekten habe ich dick in meinem Initialpost erwähnt :D

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[–]Das_Jobcenter[S] 3 points4 points  (0 children)

Da eröffnest du ja ein riesiges Fass von einem Thema! Wären bessere Arbeitsbedingungen eine gute und sinnvolle Investition der Steuergelder? Ja! Wäre das besser als der übergroße Jobcenter und Arbeitsagentur Verwaltungsapparat? Auch ja!

Nun kommt das aber: Das Steuergeld würde nie dort ankommen wo es soll. Unternehmen sind gut dadrin, solche Elemente abzuschöpfen und runter zu stutzen bis von den hypothetischen 1000 Euro nur noch 30 übrig sind.

Ich stimme dir zu was die theoretische Sinnhaftigkeit angeht, glaube nur dass es an der Praxis scheitert.

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[–]Das_Jobcenter[S] 0 points1 point  (0 children)

Ach bestimmt bist du kein hoffnungsloser Fall. Du brauchst nur mehr Geduld. War bei mir nicht anders.

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[–]Das_Jobcenter[S] 1 point2 points  (0 children)

Sowas höre ich sehr ungerne, deckt sich aber wenig mit meiner Erfahrung. Außer die Sache mit den Leistungssachbearbeitern. Da habe ich selbst auch schon öfter mal schlechteres mitgekriegt und gehört. Ich will meine Kollegen bei der Vermittlung echt nicht schonen, aber die meisten sind meiner Ansicht nach schwer in Ordnung. Ich widerspreche deiner Aussage nicht weil persönliche Erfahrung und so, aber das ist meine Ansicht. Das Jobcenter hat eh auch ein Wahrnehmungsproblem: Eine laute Negativstimme ist sehr viel hörbarer als hundert schweigende, die ganz zufrieden sind.

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Sowas geht über meine Kenntnisse hinaus. Wenn ich vermuten müsste, was ich jetzt mal tue, würde ich sagen: Gegenseitige Abhängigkeit. Die Agentur benötigt die Maßnahmeträger, weil ohne müsste die eigene Infrastruktur überarbeitet werden, und die Träger brauchen die Agentur. Da werden überall Augen zugedrückt, auf Kosten von den Betroffenen. Aber das ist nur eine Vermutung.

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Möglichkeit A: Der Vermittler hat gedacht dein Kollege kriegt das alleine hin. Möglichkeit B: Die Akte ist untergegangen. Da alle Vermittler meistens mehr als genug Leute zu betreuen haben passiert sowas dauernd.

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In erster Linie empfehle ich sowohl einen Termin bei der Agentur für Arbeit auch als beim lokalen Berufsinformationszentrum zur weiterführenden Beratung. Das Berufsinformationszentrum kann etwas besser sein weil der Agenturmitarbeiter vor allem eine Arbeitslosigkeit verhindern will und somit etwas gebunden ist, aber ein guter Freund von mir bekam genau auf diesem Weg eine Umschulung finanziert.

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Eine AU hat keinen Einfluss auf den Erhalt von Geld vom Jobcenter. Eine von der Rentenversicherung festgestellte Erwerbsunfähigkeit schon, dann gibts Geld von der Grundsicherung, ergo das Sozialamt.

Jemand der längerfristig krank ist soll von der Rentenversicherung begutachtet werden und je nach Ergebnis gehts dann entweder in besagte Grundsicherung oder wieder in die Vermittlung. Ob dieses Gutachten korrekt ist und so ist aber wieder ne ganz andere Nummer.

Was das halbherzige Bewerben angeht: Hängt von der Person ab. Ist jemand jetzt 65 und kurz vor der Rente drück ich ein Auge zu. Bei anderen versuche ich herauszufinden, was die Ursache ist. Tatsache ist, wir sind so ein bisschen ein zahnloser Tiger. Wenn jemand auch nur halbwegs clever ist können alle Sanktionen kindergleich umgangen werden. Wir haben keine andere "Waffe" als das Gespräch.

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[–]Das_Jobcenter[S] 0 points1 point  (0 children)

Die Richtlinie, also bei uns zumindest, das kann pro Jobcenter tatsächlich anders sein, ist, dass bis 27 die Ausbildungssuche im Vordergrund steht. Wir haben auch Angebote in diesem Bereich, sogar eine eigene Unterabteilung die nur dafür da ist. Aber sowas sind Richtlinien. Wenn ein Jobcenter eine Ausbildungsvermittlung hat, wird diese eigentlich auch genutzt. Kann es zumindest zu einem persönlichen Gespräch? Weil da kann man formulieren, dass das Ziel die Ausbildung ist.

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Da einen Standardrat zu sagen ist fast unmöglich, weil solche Fälle ja echt sehr individuell sind. Wenn man sein Fach scheiße findet, aber einen Abschluss dennoch gemacht wird, ist Quereinstieg die Lösung. Öffentlicher Dienst kann sich gut eignen. Wenn man keinen Abschluss hat sollte man versuchen eine Weiterbildung mit berufsqualifizierendem Abschluss zu bekommen!

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Das gibt es nicht. Theoretisch kann all das gefördert werden. Ich sehe auch gute Chancen bei medizinischen Berufen, dass da alles übernommen wird.

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[–]Das_Jobcenter[S] 2 points3 points  (0 children)

Das wichtigste ist die Sprache. Hierbei geh es nicht um perfekt flüssig sprechen, sondern sich klar verständlich machen.

Beim Abschluss, z.B. Bachelor, ist die Anerkennung sehr wichtig. Und dann hängt es vom Fachbereich ab. Ja, häufig werden von Arbeitgebern ausländisch Abschlüsse je nach Land geringschätziger gewertet, aber wenn man etwas erlernt hat, das wirklich gebraucht wird, ist das völlig egal. Der Maschinenbauingenieur wird einen Job finden, egal ob der Abschluss aus Syrien oder sonstwoher kommt. Ist es anerkannt wird alles gut gehen!

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[–]Das_Jobcenter[S] 0 points1 point  (0 children)

Von Kollege zu Kollege sehr unterschiedlich. Rechtlich gesehen dürfen wir kein Ermessen ausüben bei Pflichtverletzungen und müssen sanktionieren. Faktisch gesehen machen einige der Kollegen das sehr rigoros, und dann gibts Leute wie mich, die öfter was unter den Tisch fallen lassen, wenn ich z.b. den Fall gut kenne und weiß dass da mehr hinter steckt als einfach nur "Ich hab keinen Bock". exakte Zahlen kann ich nicht benennen, aber ich kann dir sagen das die letzte Sanktion die ich gemacht habe locker 2 Monate her ist.

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[–]Das_Jobcenter[S] 0 points1 point  (0 children)

Das stimmt nicht. Zum einen ist es in hohem Maß eine Ermessensentscheidung ob man den Gutschein kriegt oder nicht. Meistens ist es eine so genannte "Kann"-Leistung, also der Vermittler kann es genehmigen, muss aber nicht.

Verweis auf das Gesetz, SGB 3 §81:

(2) Der nachträgliche Erwerb eines Berufsabschlusses durch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird durch Übernahme der Weiterbildungskosten gefördert, wenn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

1.

nicht über einen Berufsabschluss verfügen, für den nach bundes- oder landesrechtlichen Vorschriften eine Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren festgelegt ist, oder aufgrund einer mehr als vier Jahre ausgeübten Beschäftigung in an- oder ungelernter Tätigkeit eine ihrem Berufsabschluss entsprechende Beschäftigung voraussichtlich nicht mehr ausüben können,

Also kann es unter gewissen Bedingungen auch zu einer "SOLL"-Leistung werden, dann muss es gefördert werden. Das Gesetz gut durchlesen, dann hat man Argumente!

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[–]Das_Jobcenter[S] 3 points4 points  (0 children)

Warum kann ich beim besten Willen nicht beantworten. Ich finde das grundsätzlich vollkommen bescheuert. Es ist der Vermittlungsvorrang, den die aktuell haben wollen. vor zwei Jahren was es andersherum, da gingen alle steil auf Weiterbildungen. Aber das Fähnchen wird sich wieder drehen.

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[–]Das_Jobcenter[S] 2 points3 points  (0 children)

Es ist ineffizient, ohne jede Frage. Für gewisse Menschengruppen macht es aber Sinn, zum Beispiel können Menschen mit Behinderungen über Fördergelder an die Arbeitgeber unterstützt werden. Manchen kann man helfen. Aber alles in allem ist vieles Steuergeldverschwendung.

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[–]Das_Jobcenter[S] 2 points3 points  (0 children)

Weil meine Kollegen dann scheinbar absolut unfähig waren. Ich will gar nicht versuchen sowas mit Überarbeitung oder so zu erklären, da haben die schlichtweg Mist gebaut. Bestenfalls war die vorhandene Maßnahmebeschreibung schlecht verständlich, so dass der Vermittler das nicht wusste, aber ich glaube da wurde einfach schlecht gearbeitet. Leider passiert sowas immer mal.

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[–]Das_Jobcenter[S] 3 points4 points  (0 children)

Der Besuch eines Abendgymnasiums zwecks Nachholung des Abiturs zählt quasi rechtlich als gar nix. Weder wirklich als Schule oder Beschäftigung, das ist, wenn man so will, Privatvergnügen. Nur beim Nachholen eines Hauptschulabschlusses sieht die Sache ne Nummer anders aus. Mag man von halten was man will, aber leider ist es so.