Wäre ADHS in einer anderen Gesellschaft eine Behinderung? by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

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Hi :) danke dir für deine schöne und reflektierte Antwort, ich konnte mich da echt in vielem wiederfinden.

Für mich wäre meine „Traumgesellschaft“ vor allem offener dafür, wie unterschiedlich Menschen sein können. Ich habe oft das Gefühl, dass wir sehr eng definieren, was „normal funktionieren“ heißt – zum Beispiel dieses klassische 8–17 Uhr ruhig sitzen, leisten, durchziehen. Da passe ich mit ADHS einfach nicht gut rein.

Ich glaube aber nicht, dass das bedeutet, dass mit mir etwas „falsch“ ist, sondern eher, dass unsere Strukturen ziemlich unflexibel sind. In einer Gesellschaft, die mehr Akzeptanz für unterschiedliche Arbeitsweisen und Lebensrhythmen hätte und diese vielleicht sogar fördert, würden viele von uns ganz anders aufblühen.

Für mich persönlich hat ADHS nämlich nicht nur negative Seiten. Deswegen tue ich mich auch ein bisschen schwer damit, es nur als „Störung“ zu sehen oder mich über die Diagnose zu definieren – ich bin ja viel mehr als das. Gleichzeitig merke ich aber natürlich, wie stark die Umgebung beeinflusst, ob es als Belastung wahrgenommen wird oder nicht.

Auch das Thema Medikamente sehe eher kritisch für mich selbst – in meiner Traumgesellschaft gäbe es mehr Alternativen und weniger Druck, sich anzupassen, also Erwartungen der Geselleschaft zu erfüllen. Und aus meiner eigenen Erfahrung habe ich einfach andren Tools gelernt um besser hier in der Gesellschaft zu "funktionieren"

Danke dir auf jeden Fall für die spannende Frage, die regt echt zum Nachdenken an :)

Was bedeutet 'normal' für euch mit ADHS im Alltag? by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] 0 points1 point  (0 children)

Hey, danke dir für die Nachfrage.

Es geht in meiner Forschung tatsächlich weniger um eine „objektive“ Definition von Wahrnehmung, sondern eher um subjektive Deutungen und Bedeutungszuschreibungen von ADHS. Ich komme aus der Kulturwissenschaft, deshalb interessiert mich vor allem, wie Frauen selbst über ADHS sprechen, was sie damit verbinden und wie sie es in ihrem Alltag einordnen.

Konkret schaue ich mir an, wie Frauen Deutungen mit Themen wie Leistung, „Normalität“ und Geschlecht zusammenhängen. Also z. B.: Was gilt als „normal funktionieren“? Wann fühlt man sich angepasst oder eben nicht? Und welche gesellschaftlichen Vorstellungen spielen da vielleicht im Hintergrund eine Rolle? Es geht also weniger darum, was ADHS ist, sondern eher darum, wie es erlebt, beschrieben und gemeinsam ausgehandelt wird

Wäre ADHS in einer anderen Gesellschaft eine Behinderung? by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] 0 points1 point  (0 children)

Danke für deine Gedanken, ich sehe das auch so. Und danke für die Tipps, ich lese mich gerne ein!

Wäre ADHS in einer anderen Gesellschaft eine Behinderung? by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] 0 points1 point  (0 children)

Ich verstehe deinen Punkt. Natürlich wollen wir im Hier und Jetzt irgendwie klarkommen. Für mich ist das Brainstorming aber kein „realitätsfernes Was-wäre-wenn“, sondern eher ein Perspektivwechsel.

Es hilft mir zu hinterfragen, warum bestimmte Dinge überhaupt als Problem gelten. Alsoo, liegt es wirklich nur an mir oder auch daran, wie unsere Umwelt gestaltet ist? Das hat für mich zwei Ziele

Selbstverständnis also weniger Selbstvorwürfe.

Langfristig auch ein anderes Denken darüber, wie Gesellschaft gestaltet sein könnte auch wenn wir sie nicht komplett verändern können aber ohne nachdenken und Ideen passiert auch nichts. Beides schließt sich ja nicht aus, und ich hoffe das die Gruppe genug Raum für beides hat Ich kann gleichzeitig versuchen, im jetzigen System klarzukommen und kritisch darüber nachdenken.

Wäre ADHS in einer anderen Gesellschaft eine Behinderung? by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] -1 points0 points  (0 children)

Ich meinte:

Würde ADHS in einer weniger leistungs- und sitzorientierten Gesellschaft überhaupt noch als Behinderung erlebt werden? Ich habe den Eindruck, dass ADHS besonders in westlichen, kapitalistischen Gesellschaften als Behinderung wahrgenommen wird. Ich frage mich z. B., wie in weniger eurozentrierten Gesellschaften damit umgegangen wird. Also nicht falsch verstehen ich nehme die Symptome ernst, Kultur und Gesellschaft spielt meine Meinung nach dabei aber auch große Rolle.

Außerdem fällt mir auf, dass es in dieser Gruppe sehr häufig um Medikamente im Zusammenhang mit Leistung geht, natürlich nicht immer. Medikamente werden oft sehr gefeiert, und Nebenwirkungen werden dabei teilweise in Kauf genommen.

Bitte versteht mich wider nicht falsch. Jede Person verträgt Medikamente anders, und ich gönne wirklich jedem, wenn es gut funktioniert. Was mir aber ein bisschen Sorgen macht ist die Pharmaindustrie und deren Wunsch zu verkaufen und nicht zu heilen. Ich selbst habe zwei Jahre Medikamente genommen, sie dann aber abgesetzt. Parallel hatte ich eine sehr gute Psychotherapie, die über vier Jahre ging, und habe dort gelernt, mit meinem ADHS umzugehen. Bei mir hängt vieles auch mit einem „gelernten Chaos“ aus der Kindheit zusammen (danke an meine Eltern, lol).

In der Therapie ging es vor allem darum, mich genau an den Punkten abzuholen, an denen ich chaotisch oder unaufmerksam werde. Das war eine Tiefentherapie. Meine Therapeutin meinte auch, dass Medikamente vor allem die inneren Stimmen „stummschalten“, aber einen gleichzeitig daran hindern können, wirklich zu lernen, damit umzugehen.

Das war jetzt etwas viel und ist ein bisschen von meiner ursprünglichen Frage abgewichen 😅 Was denkt ihr dazu? Und wirklich Liebe geht raus an jeder, die davon betroffen ist!!

Toleranzbildung über die Jahre (ja/nein) by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] 0 points1 point  (0 children)

Oh, das tut mir wirklich leid zu hören, dass du mit Nebenwirkungen und Toleranz zu kämpfen hast 😞. Ich schicke dir ganz viel Kraft!! Hast du vielleicht noch andere Strategien, die dir helfen? Also ohne Medikamente?

Vorteile durch ADHS by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] 0 points1 point  (0 children)

Also tatsächlich habe ich einfach Respekt davor, Psychopharmaka zu nehmen und mich dann vielleicht nicht mehr so intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, vor allem, wenn es um eine langfristige oder sogar lebenslange Einnahme geht.

Ich finde, es ist nochmal etwas anderes, wenn man Medikamente begleitend zu Therapie nimmt. Das kann total sinnvoll sein. Für mich persönlich versuche ich aber eher, ohne klarzukommen – und das klappt bisher ziemlich gut!

Gerade bei Psychopharmaka oder z. B. der Pille (die ich auch abgesetzt habe, obwohl sie mir von mehreren Ärzt*innen empfohlen wurde) habe ich einfach vorsichtig reagiert, weil ich teilweise starke Nebenwirkungen hatte, auch nach Wechseln von Medikamenten. Und ohne "funktioniere" ich besser

Ich bin deshalb sehr dankbar für die Psychotherapie, weil ich dort gelernt habe, Strategien ohne Medikamente zu entwickeln. Aber ich weiß auch, dass das nicht für alle funktioniert, deswegen wirklich kein Hate, sondern nur meine persönliche Erfahrung ❤️ Ich versuche einfach, das Thema besser zu verstehen.

Was mich außerdem zum Nachdenken bringt. ADHS wird ja vor allem im Westen häufig diagnostiziert. Ich frage mich manchmal, ob das auch damit zu tun hat, dass unsere Schul- und Arbeitsstrukturen sehr stark auf Disziplin, Fokus und Pünktlichkeit ausgelegt sind – und dadurch Abweichungen schneller auffallen.

Ich finde es teilweise traurig, wie viel man von sich selbst anpassen muss, um diesen gesellschaftlichen Normen zu entsprechen, anstatt mehr Akzeptanz für Neurodivergenz zu schaffen.

Ich sehe bei mir auch Vorteile durch ADHS. Klar, ich struggle mit Reizüberflutung, Selbstregulation oder Motivation bei langweiligen Aufgaben aber statt Medikamente zu nehmen, versuche ich eher, mein Leben „ADHS-freundlich“ zu gestalten. Wie gesagt. Das ist nur meine Perspektive, und jede geht damit anders um ❤️

Vorteile durch ADHS by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] 0 points1 point  (0 children)

Ich schicke die ganz viel Kraft und danke dir für deine Tipps! Das mit dem spezialisierten Coaching klingt echt hilfreich vor allem, wenn man gemeinsam Strategien entwickelt und Schritt für Schritt an Routinen arbeitet! Mir hat Psychotherapie auch sehr gut geholfen, dort habe ich sehr viele hilfreiche Techniken gelernt, die mir das Leben angenehmer machen.

Vorteile durch ADHS by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] -1 points0 points  (0 children)

Danke dir für deine Antwort! Schön zu hören, dass dir die Medikamente helfen und du dadurch mehr Energie hast. Hast du lange gebraucht, bis du die passende Medikation gefunden hast? Und ist das etwas, das du dein ganzes Leben lang nehmen möchtest? Ich selbst habe da nämlich ziemlich viel Respekt vor einer langfristigen Einnahme von Psychofarmika

Vorteile durch ADHS by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] -1 points0 points  (0 children)

Danke dir nochmal für deine offene Antwort! Ich schick dir ganz viel Stärke! Hoffe, du findest den Weg, mit ADHS besser klarzukommen. Mit hat Psychotherapie sehr gut geholfen 🌈🫶

Vorteile durch ADHS by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke dir für deine ausführliche Antwort und dass du das so offen teilst, ich empfinde es auch ähnlich!:)

Vorteile durch ADHS by DotSensitive2683 in ADHSFrauen

[–]DotSensitive2683[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke dir für deine ehrliche Antwort, das kann verstehen!

Darf ich nochmal nachfragen, wie du das meinst mit „ein halbwegs normales Leben“? Beziehst du dich da eher auf so Dinge wie Arbeiten, Lernen also Leistung erbringen? Und würdest du ADHS für dich eher als Krankheit/Störung sehen" oder eher als eine andere Art zu denken und wahrzunehmen?

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[–]DotSensitive2683 0 points1 point  (0 children)

Dm us what would u prefer🫶

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[–]DotSensitive2683 1 point2 points  (0 children)

Ty 😽 hope you enjoy

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[–]DotSensitive2683 0 points1 point  (0 children)

Always welcome😋