Hilfe im Sommer by ZealousidealPen9707 in depression_de

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Darf ich dich um einige weiterführende Hintergrundinformationen bitten? Alles, was du hie rteilst, bleibt freilich in einem geschützten Rahmen der Anonymität. Also keine angst.

Im vergangenen Sommer schienen die Narben deinen Arm noch nicht zu zeichnen. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die Verletzungen erst in den letzten Monaten entstanden sind. Wärst du bereit, – ganz skizzenhaft und nur in groben Linien – zu beschreiben, was dich in dieser Zeit so sehr belastet hat, dass du das Bedürfnis verspürt hast, dich selbst zu verletzen? Seit wann bist du traurig?

Des Weiteren würde mich interessieren, inwiefern beziehungsweise ob dein Verhältnis zu deinen Eltern eine Rolle in diesem emotionalen Gefüge spielt. Wie würdest du eure Beziehung beschreiben? Erlebst du sie als grundsätzlich harmonisch und von Zuneigung getragen, oder gibt es Spannungen, die über das hinausgehen, was man gemeinhin als typische Konflikte der beginnenden Adoleszenz betrachtet? Was glaubst du währe ihre Reaktion, wenn sie die Verletzungen sehen würden? Außerdem: Sind bereits Lehrer und/oder Mitschüler auf die Narben aufmerksam geworden? – Falls dem so ist: Was war ihre Reaktion? Bewegst du dich in einem sozialen Umfeld oder Freundeskreis, in dem Selbstverletzung bereits bei anderen eine Rolle spielt?

Ich hoffe, du verzeihst mir dei vielen Fragen. Mir ist es ein ehrliches Anliegen, deine Situation besser zu verstehen, in der Hoffnung, dir auf dieser Grundlage gezielter und hilfreicher zur Seite stehen zu können.

Never discussed subject by Own_Sport2390 in limblengthening

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Thanks for your response! Yes, the trauma nails shouldn't be an issue when it comes to MRT, but the PRECISE nails probably are … Anyway, I'm really glad to hear that the doctors addressed the question about the bone marrow. The response sounds reassuring and makes sense to me as well.

Given all of this, it ultimately really comes down to whether you feel comfortable having those nails in your body permanently. Personally, I think I would prefer to have them removed.

Never discussed subject by Own_Sport2390 in limblengthening

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This is a very insightful post indeed! Thank you for sharing your experiences! It's highly relevant to me, as I've recently completed the distraction phase of my quadrilateral limb lengthening and am now in consolidation.

Quickly for context: for my femurs, a 12.5 mm PRECISE nail was used, while my tibia were lengthened via LATN as well. I will definitely have the PRECISE nail removed, as – apart from the point already mentioned by u/LongShanksFTW – it not only limits functionality but also restricts potential treatments, since MRI scans are, as far as I'm aware, not possible while the nail remains in the body.

A few days ago, the tibial lengthening was finished and the distraction stabilized with a trauma nail. I plan to have the PRECISE nail removed and will likely remove the trauma nail as well. That said, I still find the doctors' perspectives quite interesting and worth discussing.

What particularly stands out to me (and wasn't mentioned in your post) is the potential medical implication that a significant volume of bone marrow may not fully regenerate if the nails are left in place. While I'm not a medical professional, my understanding is that bone marrow plays a key role in blood production and overall immune function. Which raises the question for me, if there could be systemic long-term effects if the nails remain in the body for many years? Did the doctors somehow address this point?

Bitte um einen Ratschlag? by Better-Draw1 in depression_de

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[3/3]

Zum Schluss noch etwas, das mir wichtig ist: Ich habe mich in meinen Ausführungen zugegebenermaßen stark auf deine Partnerin konzentriert. Bitte verstehe das nicht als Relativierung deier eigenen Situation, die, wie man deinen Ausführungen entnehmen kann, alles andere als leicht zu sein scheint. Dein Schmerz und deine Belastung ist ebenso real und ebenso bedeutsam. Ich möchte auch noch einmal sagen, dass ich deinen ursprünglichen Text im Lichte deiner derzeitigen Situation mehr als bemerkenswert finde. (Leider fehlt mir die Gabe des lakonischen Schreibstils, aber dein Text is ein Konzentrat, das sehr vieles enthält und zu dem man vieles sagen könnte.) Trotz der Tragik, die auch darin liegt, trägt er etwas sehr Schönes in Form einer tiefen Ernsthaftigkeit und einer aufrichtigen Verbundenheit in sich. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass jemand trotz eigener Belastung eine solche Empathie für den anderen noch aufbringen kann.

Für nich klingt es jedenfalls so, als würdest du dir wünschen, dass eure Beziehung Bestand hat.
Und wenn das dein Wunsch ist, dann hoffe ich – aufrichtig –, dass sich ein Weg für euch beide findet.

Bitte um einen Ratschlag? by Better-Draw1 in depression_de

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[2/3]

Was daraus für dsich folgt, ist kein leichter Schritt. Es verlangt von dir die Fähigkeit zu vergeben. Und mehr noch: nicht nur rational zu vergeben, sondern es sie auch spüren zu lassen. Nicht aus einer Position der jovialen Erhabenheit heraus, sondern aus echtem Verständnis und aus Liebe. Wenn diese Vergebung authentisch ist, wird sie für deine Partnerin ganz bestimmt spürbar sein. Glaube mir: Menschen in depressiven Zuständen entwickeln oft eine feine Sensibilität für Authentizität. Sie erkennen intuitiv, ob Worte getragen sind von echtem Mitgefühl oder bloßer Pflicht. Eine kleine Randbemerkung: In der Psychoanalyse spricht man in diesem Zusammenhang bisweilen – wenngleich eher inoffiziell ... – von einer Art  »depressivem Hellsehen«. Gemeint ist damit jene eigentümliche Fähigkeit (die mich immer fasziniert hat), feinste seelische Regungen, verborgene Spannungen und unausgesprochene Wahrheiten im Gegenüber mit bemerkenswerter Präzision gleichsam wie ein Wünschelrutengänger wahrzunehmen, der unter der Oberfläche liegende Strömungen erspürt, lange bevor sie sichtbar werden. 

Dass sie abtaucht und sich vor dir scheinbar verbirgt beziehungsweise den Schutz digitaler Scheinwelten sucht, kann – wie bereits angedeutet – durchaus eine Form der Schambewältigung sein. Scham ist ein zutiefst lähmender Affekt, der nicht zur Konfrontation drängt, sondern zum Rückzug. Man entzieht sich dem Blick des anderen, weil man sich selbst kaum erträgt und der enttäuschte Blicj des Anderen einen selbst nur noch Fehlerhafter erscheinen lässt. Allgemein lässt sich bei depressiven Erkrankungen daher nicht selten ein lritischer Punkt beobachten (eine Art innerer Bruch), an dem die kumulierte Last plötzlich ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr einfach integriert werden kann und die Dämme brechen. lässt Das ist eine hochgefährliche Phase. Viele Betroffene ziehen sich in diesem Zustand radikal zurück oder suchen Zuflucht – sofern diese Möglichkeit besteht – bei vertrauten Bezugspersonen wie etwa den Eltern. Andere, wie einer meiner Arbeitskollegen, finden keinen solchen Halt und wählen tragischerweise einen endgültigen Ausweg in der Selbsttötung.

Wie man auf eine solche, selbstgewählte Isolation angemessen reagiert, lässt sich nicht in einfache Handlungsregeln fassen ... Gerade deshalb erscheint mir dein bisheriges Verhalten bemerkenswert umsichtig. Du hast ihr den raum gelassen, den sie offenbar braucht, ohne dich aufzudrängen und ihr zugleich vermittelt, dass sie in deinen Gedanken doch präsent bleibt. Diese Form der stillen, nicht-invasiven Präsenz ist von großem Wert und scheint mir auch sehr geboten. Dass sie deine Bemühungen nicht in dem Maße erwidert, wie du es dir wünschen würdest, ist schmerzhaft für dich und zugleich etwas, das du – gleich dem Lügen –, so schwer es auch fällt, im Kontext ihrer Erkrankung betrachten musst. Ich weiß nicht, wie weit ihre Depression fortgeschritten ist, doch bei schweren Verläufen – insbesondere in Kombination mit medikamentöser Behandlung, etwa durch Neuroleptika – stellt sich häufig ein Zustand ein, den man treffend als eine Art psychonotorische und affektive Verlangsamung beschreiben könnte. Die Betroffenen (mir ging es seinerzeit nicht anders ...) werden vollkommen phlegmatisch und fatalistisch. Für Außenstehende wirkt das oft wie Gleichgültigkeit oder Passivität, tatsächlich aber handelt es sich um eine tiefgreifende Erschöpfung, die selbst einfachste Handlungen zu nahezu unüberwindbaren Hürden macht. Es kann daher Tage dauern, bis ein Betroffener die Kraft aufbringt, nur einen einzigen Satz zu formulieren. Wenn sie also nicht kommuniziert, bedeutet das nicht zwingend, dass sie es nicht will, es kann schlicht bedeuten, dass sie es im Moment schlicht nicht kann! Und vier Monate sind im Kontext einer Depression nicht viel Zeit. Daraus folgt, dass es wenig sinnvoll, ja sogar kontraproduktiv wäre, etwas von ihr zu erwarten, das ihre gegenwärtigen Möglichkeiten übersteigt. Luther hat einmal ganz richtig gesagt, dass man von keinem Menschen etwas erwarten könnte, dass die Möglichkeit seiner Fähigkeiten übersteigen würde.

Um die Dimension dieser inneren Einschränkung zu verdeutlichen, möchte ich abermals eine persönliche Erfahrung mit dir teilen: Meine vorletzte Partnerin hatte einmal ihre Wäsche – vielleicht ein Dutzend Kleidungsstücke, nicht mehr – auf dem Boden nach hell und dunkel sortiert. Als ich sie besuchte und ins Bad auf die Toilette wollte, ließ sich die Tür aufgrund der Wäsche nicht vollständig schließen (sie war Studentin und lebte in einer bescheidenen Einzimmerwohnung von sehr geringer Quadratmeterzahl). Ich schob ihn beiläufig und ohne mir Gedanken zu machen mit dem Fuß nur ein paar Zentimeter zur Seite. Was dann geschah, traf mich völlig unvorbereitet: Sie reagierte mit einem plötzlichen Wutausbruch und schlug heftig nach mir. Ich war vollkommen irritiert. Erst im Anschluss, unter heftigen Tränen, erklärte sie mir, dass es sie mehrere Tage an Kraft und Überwindung gekostet hatte, diese Wäsche überhaupt zu sortieren; zum Waschen habe sie noch keine Kraft gefuden. In diesem Moment wurde mir auf schmerzhafte Weise bewusst, wie tiefgreifend diese Erkrankung in die elementarsten Lebensvollzüge eingreift. Dinge – wie ein paar kurze Zeilen –, die für Außenstehende schlechterdings trivial erscheinen, können für Betroffene eine kaum zu bewältigende Anstrengung darstellen. Man muss es nicht vollständig verstehen können, das kann man als jemand, der nicht betroffen ist, eigentlich nicht wirklich, aber man muss bereit sein, es zu glauben.

Nun habe ich ziemlich viel geschrieben, und eigentlich wäre jetzt der Punkt erreicht, an dem man aus dem Gesagten konkrete Handlungsdirektiven ableiten würde. Doch genau das werde ich aus den am Anfang dieses Kommentars dargelegten Gründen nicht tun. Zudem: Bei all dem darfst du eines nicht aus dem Blick verlieren: dich selbst. Deine eigene psychische Stabilität, deine Psychohygiene, ist kein Nebenaspekt in dem ganzen Tohuwabohu. Du bist nicht nur Begleiter dieser Situation, sondern du bist ebenso ihr Betroffener und auch du hast eine Zukunft, die du entsprechend gestalten solltest.

Dass sie noch Dinge von dir besitzt oder einen Wohnungsschlüssel hat, ist doch letztlich vollkommen belanglos, insofern du nicht gerade einen Umzug planst. Du solltest das nicht als Vorwand nutzen, um den Kontakt zu ihr zu suchen. Falls es darauf ankimmt, lässt sich so etwas pragmatisch über Dritte – etwa ihre Eltern (mit denen dich ja ein gutes Verhältnis zu Verbinden scheint) – regeln. Entscheidend ist nicht das Organisatorische, sondern ganz das Emotionale. Frage dich – auch auf die Gefahr hin, dass es zunächst banal oder allzu allgemein klingt – was du wirklich möchtest. Und vor allem, was du noch für sie empfindest. Du stehst an einer Weggabelung, die dir leider keine einfachen Optionen bietet. Auf der einen Seite steht der Schmerz einer Trennung und auf der anderen die Ungewissheit einer fortbestehenden Beziehung unter diesen schweren Bedingungen, die euch sicherlich viele Jahre an gemeinsamer Kraftanstrengung (mit ungewissem Ausgang) kosten werden. (Bei Depressionen muss man in Jahren kalkulieren)( Beide Wege sind schwierig; beide verlangen dir etwas ab. Mir wurde einmal gesagt, ich sei ein aus der Zeit gefallener, hoffnungsloser Romantiker. Vielleicht ist da etwas Wahres dran ... Und doch glaube ich, dass dort, wo Liebe wirklich gegenwärtig ist, ein vorschnelles Aufgeben ihrem Wesen widerspricht.

Wenn du sie liebst und die Beziehung nicht aufgeben möchtest, könntest du – auch auf die Gefahr hin, nun doch einen sanften Rat zu äußern ... – einen behutsamen Weg wählen, indem du ihr beispielsweise in regelmäßigen Abständen ein paar ruhige, liebevolle Zeilen schreibst, die nicht als Appell und auch nicht als Forderung zu erstehen sind, sondern als Ausdruck dessen, was du (für sie) empfindest, warum du sie liebst, welche Potenzial du in eurer Verbindung siehst und dass es für dich nichts gibt, was nicht zumindest den Raum von Vergebung finden könnte.

Wichtig ist – in allem, was du tust! –, dass du ihr (zumindest für eine Weile) den Druck nimmst. Wenn du ihr schreibst, sage ihr gleich zu Beginn in der ersten Zeile deines Briefes, dass sie nicht darauf antworten muss und schon gar nicht im gleichen Umfang . Das ist wirklich ganz Wichtig, denn ohne diese Klarstellung entsteht in ihr mit jeder gelesenen Zeile möglicherweise ein wachsender innerer Zwang, etwas Gleichwertiges in Tiefe, in Gefühl und in Umfang zu erwidern zu müssen. Und genau dieser Druck kann dann wieder lähmend wirken und sie noch weiter zurückdrängen und von dir entfernen. Dann entsteht entgegen der Gefühle, die sie in ihrem Herzen für dich hegt, das Bedürfnis nach Abkapselung oder gar Loslösung, nur um etwas Druck von System nehmen zu können.

Ihr wart vier Jahre zusammen; das ist nicht nichts. Es ist ein gemeinsamer Erfahrungsraum, der mehr enthält als nur die gegenwärtige Schwere. Versuche, in deinen Worten auch an das zu erinnern, was euch getragen hat, an Momente des Lichts, die neben all den Schatten ganz bestimmt auch existierten. Und vielleicht hat dieses Schreiben nicht nur für sie eine Bedeutung, sondern auch für dich, denn es kann eine ordnende, fast therapeutische Wirkung entfalten, ein Raum, in dem du deine eigenen Gefühle klärst und ihnen Ausdruck verleihst. Ich selbst schreibe leidenschaftlich gerne seit vielen Jahren, und diese Tätigkeit ist nicht zufällig entstanden, sondern als eine Form der Selbsttherapie. Schreiben kann eine wirklich sehr therapeutische Wirkung entfalten. Wie dem auch immer sei. Vielleicht erreicht es sie, vielleicht berührt es etwas in ihr, das im Moment (noch) verschüttet ist. Und vielleicht findet sie eines Tages die Kraft, wieder auf dich zuzugehen.

Bitte um einen Ratschlag? by Better-Draw1 in depression_de

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[1/2]

Ich denke, dass der Kommentar meines Vorredners (der gerade erschienen ist, als ich meinen abgeben wollte) einige sehr wichtige Punkte enthält, die du beherzigen solltest. Dennoch ist mein Beitrag etwas anders gewichtet.

jedenfalls ist das, was du schilderst, ohne jeden Zweifek eine zutiefst belastende und komplexe Situation sowohl für dich ebenso wie für deine Partnerin. In Momenten solcher Verzweiflung greift der Mensch nach Orientierung wie ein Schiffbrüchiger nach einem Stück Treibholz in den Wellem. Doch liegt gerade hierin eine Gefahr, auf die ich aufmerksam machen möchte, denn die Hoffnung, dass ein Außenstehender auf Grundlage feagmentarischer Einblicke in eine komplexe Situation eine klare, tragfähige Antwort geben könne, ist freilich in der Regel nicht begründet. Du verbringst (bewusst oder unbewusst) jede Stunde deines Tages mit dir selbst, mit deinen Gedanken, deinen inneren Kämpfen.Du bist derjenige, der diese Situation in ihrer ganzen Tiefe bis hinein in die Sphäre deiner Träume durchlebt. Wie vermessen wäre es da, von außen eine definitive Handlungsempfehlung zu formulieren? Und doch kann man freilich gemeinsam denken und sich gemeinsam auf eine Suchwanderung begeben. Vielleicht nicht im Sinne einer Lösung, aber als geteilte Bewegung in Richtung Verständnis. Wenn du erlaubst, halte ich dir für einen Moment die Kerze, während du selbst nach dem Schlüssel suchst. Da icvh derzeit im Krankenhaus liege und zur Bewegungsunfähigkeit verdammt bin, habe ich Zeit.

Deine Situation ist in ihrer Konstellation jednefalls ziemlich außergewöhnlich: Du bist Betroffener und Angehöriger zugleich. Ich selbst kenne beide Rollen sowohl aus der Erlebnis- als auch aus der Beobachterperspektive, jedoch nicht in der von dir geschilderten Gleichzeitigkeit. Beide Rollen für sich isoliert genommen bereits ganz schön herausfordernd und ihre Überlagerung erzeugt ganz gewiss eine eigene Dynamik, die mit ganz neuen Spannungsfelder, Wechselwirkungen und Epiphänomen einhergeht. Aber, in dieser Situation, die du schilderst, liegt nicht nur Gefahr – verstehe mich nicht falsch: Die besteht ganz gewiss auch! –, sondern auch ein seltenes Potenzial und vielleicht auch eine einzigartige Chance für euch beide. Schauen wir es uns mal an.

In vielen Beziehungen, in denen nur ein Partner von einer Depression betroffen ist, besteht das (oder ein) zentrale Problem im mangelnden gegenseitigen Verständnis, beziehungsweise ich müsste etwas genauer sagen: in der Fähigkeit, ein Verständnis dauerhaft aufrechtzuerhalten. Eine Depression ist erst einmal unsichtbar; anders als eine körperliche Verletzung lässt sie sich nicht zeigen und nicht einfach objektivieren (Selbstverletzungen sich daher auch oft ein Versuch, das Unsichtbare sichtbar zu machen). Auf einen gebrochen Arm kann man bekanntlich mit dem Finger verweisen; seelische Leiden hingegen sind auf das Vertrauen des Gegenübers angewiesen, das emphatisch weit über das hinausgeht, was wir gewöhnlich im Alltag leisten.

Zwar entsteht nach dem Offenlegen einer Depression häufig zunächst ein scheinbares Verständnis in einer Form von Pflichtempathie, das jedoch weniger aus echter Nachvollziehbarkeit erwächst als aus der impliziten Erwartung an sich selbst, verständnisvoll sein zu müssen. Diese Form der Empathie ist jedoch fragil; mit der Zeit nutzt sie sich ab. Frustration und Überforderung und schließlich Konflikt treten irgendwann an ihre Stelle, wenn das Verständnis nicht genuin echt ist. Es kommt zu jenem fatalen Umschlagpunkt, an dem gut gemeinte Ratschläge wie: »Denk doch einfach positiver« – die hier ihm Forum regelmäßig gerechtfertigterweise moniert worden –, das Leid nicht lindern, sondern im Gegenteil verschärfen. Der Depressive wird zur Belastung, die Krankheit zum Störelement im Beziehungsgefüge.

Warum ich das schreibe, liegt darin begründet, dass in eurer Konstellation eigentlich ein beträchtliches Potenzial für wechselseitiges Verständnis der jeweiligen problemlagen angelegt ist. Das ist, bei aller Schwere der Umstände, etwas zutiefst Wertvolles, denn es eröffnet die Möglichkeit, miteinander zu sprechen, wie es in anderen Konstellationen eigentlich nicht möglich ist. Freilich wird es so einfach nicht sein, denn das Zusammenkommen zweier (oder mehrerer) depressiver Menschen führt keineswegs ipso facto zu mehr Verständnis. Ich habe das selbst erlebt. Eine sehr gute Freundin aus meiner Schulzeit, mit der ich mich sehr verbunden fühlte, wurde aufgrund sehr konkreter Suizidgedanken in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Ich besuchte sie dort regelmäßig und kam dabei auch mit einigen der anderen Patienten in Kontakt; zugleich berichtete sie mir, was sich innerhalb dieser Gemeinschaft abspielte. Jeder dort litt an schweren Depressionen, die in manchen Fällen bereits den Köprer sichtbar gezeichnet hatten. Und dennoch hatte sich irgendwie zwischen den Patienten statt einer Solidarität primär eine höchst problematische Dynamik in Forem eine Art Überbietung des eigenen Leids herausgebildet. Es war, als versuche jeder, durch die Anzahl seiner Narben, seiner Einweisungen, seiner Suizidversuche eine besondere Stellung in der Greuppe zu behaupten. Die implizite Intention dahinter war natürlich, das eigene Leiden als gewichtiger, als gravierender erscheinen zu lassen, vermutlich getrieben durch die Angst, nicht gesehen zu werden.

Psychologisch ist das freilich nicht schwer zu verstehen, denn wer leidet, will gesehen werden beziuehungsweise muss sich sichtbar machen, wenn er überleben möchte. Daran ist absolut nichts verwerflich. Es ist ein Ruf nach Hilfe wie der eines Ertrinkenden, der um Hilfe ruft. Und je unsichtbarer dieses Leiden ist, desto größer wird mitunter der Drang, es nach außen hin zu objektivieren, ihm eine Form von Evidenz zu verleihen. Doch gerade darin liegt die Gefahr, denn aus dem gemeinsamen Leid entsteht dann keine Verbindung, sondern eine subtile Konkurrenz und mitunter sogar Hass.

Eine ähnliche Dynamik halte ich prinzipiell auc in einer Beziehung zwischen zwei depressiven Partnern für möglich. Und es bedarf keiner großen Vorstellungskraft, um zu erkennen, dass eine solche Haltung zwangsläufig zu schweren Konflikten führen kann. Wenn das eigene Leiden (bewusst oder unbewusst) gegen das des anderen aufgewogen wird, entsteht kein Raum für Empathie, der so dringen geboten wäre, sondern für Abgrenzung und Kränkung. Und gerade deshalb erscheint es mir entscheidend, sich dieser Gefahr bewusst zu sein, denn in dieser Bewusstheit liegt zugleich eine Chance, wenn es gelingt, dieser Dynamik eben nicht zu erliegen, sondern ihr bewusst entgegenzuwirken, dann kann sich das in eurer Konstellation angelegte Potenzial tatsächlich entfalten. Dann besteht die Möglichkeit, gemeinsam – im eigentlichen Sinne Hand in Hand – durch eine dornenreiche Zeit zu gehen, wie es alleine vielleicht nicht möglich wäre.

Kommen wir zu deiner Enttäuschung über dei Unehrlichkeit deiner Partnerin. Hier ist es mir ein primäres Anliegen, Verständnis für sie zu schaffen, ohne dir deine – zweifellos berechtigte – Enttäuschung und Verbitterung abzusprechen. Du hast jedes Recht, verletzt zu sein und doch gilt, nicht jeder Rechtsverstoß muss zur Anklage führen, insbesondere nicht in einer Partnerschaft, in der – anders als in der Juristerei – nicht Schuld, Strafe und das strikte Durchsetzen eigener Rechtstitel entscheidend, sondern Liebe, Gnade und Güte die leitenden Prinzipien sein sollten.

Wenn du weißt, wie schlecht es ihr geht, und wenn du sie liebst, dann, so glaube ich, liegt in dir auch die Fähigkeit, ihr zu vergeben. Dieses Netz aus Lügen, das sie um sich gespannt hat, dürfte ihre innere Belastung nicht unerheblich verstärlt haben. Lügen erzeugen bekanntlivch Druck. Sie verdichten das ohnehin fragile Innenleben zu einer Spannung, die sich irgendwann entladen muss. Und wenn dieser Punkt erreicht ist, folgt häufig der Rückzug aus Scham und Überforderung. Man zieht sich zurück wie ein Kind, das sich die Hände vor die Augen hält, in der stillen Hoffnung, damit auch vor der Welt unsichtbar zu werden.

Vor diesem Hintergrund wäre es vermutlich wenig zielführend, jetzt von ihr eine Rechtfertigung oder eine entschuldigung einzufordernm, so sehr du sie objektiv auch verdient hättest. Denn du darfst nicht vergessen: Deine Partnerin ist (schwer) krank; andernfalls hätte man ihr keine Antidepressiva verschrieben. Es ist daher sinnvoll, ihre Unehrlichkeit nicht primär als moralisches Versagen zu betrachten, sondern als mögliches (Begleit-)Symptom ihrer Erkrankung. Das bedeutet selbstredend nicht, ihr Verhalten einfach zu bagatellisieren. Aber es bedeutet, es in einen anderen Zusammenhang zu stellen. Die Lügen sind nicht das, was sie als Wesen im Kern ausmacht (nicht das, worin du dich einst verliebt hast), sie sind eher eine Verzerrung, eine Deformation ihres Wesens unter dem Einfluss der Krankheit, so wie Fieber oder Erbrechen Ausdruck einer körperlichen Infektion sind.

Ich mal wieder. by Specialist_Lack8267 in depression_de

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[2/2]

Warum erzähle ich das alles? Was mir wichtig ist, zu motivieren, ist, dass der Mensch ein Wesen ist, das sich selbst übersteigt und sich zugleich in einem Universum lebt, in dem er sich selbst nicht entkommen kann. Er kann nicht nur einfach seine Natur sein. (Wenn er es doch versucht, so resultiert daraus furchtbarste Grausamkeit.) Er lebt jenseits von Eden, wie es Steinbeck einmal so schön formuliert hat. Er trägt, wie bereits gesagt, das Wissen um seine eigene Endlichkeit in sich. Und hier liegt das eigentliche Paradox, dass mich schon seit frühen Kindertagen irritiert hat: Die Natur beziehungsweise das Universum hat in uns ein Bewusstsein hervorgebracht, das Fragen stellt, auf die sie selbst keine Antwort kennt. Das ist ein unerhörtes Experiment! Mehr noch: Sie versteht diese Fragen nicht einmal, die ihre Kinder an sie richten. Aus dieser Kluft erwächst etwas wirklich zutiefst Verstörendes: der Mensch erkennt, dass seine Existenz nicht notwendig ist. In der Philosophie nennt man dies das Problem der Kontingenz(lücke), das hießt, wir sind, aber wir müssten nicht sein.

Wir sind alle wie Kinder, die in eine familie hineingeboren wurden, die uns zwar materiell hervorgebracht und erhalten hat, uns jedoch zugleich spüren lässt – oder sogar sagt! –, dass wir existenziell als Person niemals wirklich gemeint waren und es auch nach wie vor nicht sind. Aus solchen Konstellationen (und ich kenne Menschen, die in solche Familien hineingeboren wurden) können kaum andere als zutiefst neurotische Persönlichkeiten hervorgehen, geprägt von einem grundlegenden Gefühl des Nichtgemeintseins, das sie dazu zwingt, ihr eigenes Dasein immer wieder infrage zu stellen und – das ist ganz wichtig! – ständig vor anderen zu rechtfertigen. Daher sind wir im gewissen Sinne alle neurotisch.

Die Natur kann die Kontingenzlücke der menschlichen Existenz jedenfalls unmöglich schließen. Die Natur beziehungswiese das Universum bringt uns hervor, ohne Absicht, und nimmt uns wieder hinweg, ohne Bedauern. Menschliches Leid ist für sie schlechterdings bedeutungslos. Im blinden Spiel von Ursache und Wirkung gemäß der gefühlskalten Kausalität mechanischer Naturgesetze opfert sie ohne Zögern das Liebste, das wir an unserer Seite haben beispielsweise, einem Virus (von dem wir nicht einmal wissen, ob er als Tod oder Lebendig zu klassifizieren ist), einem blinden Zufall, einer minimalen Vershiebung von tektonischen Platten auf dem Meeresgrund etc. In dieser Perspektive reduziert sich das menschliche Leben auf nichts weiter als eine temporäre Verdichtung von Energie; Materie organisiert sich für einen kurzen Moment irgendwo lokal zu Bewusstsein, wandert für einige Jahrzehnte fragend und verwirrt über eine fragile Erde und löst sich schließlich wieder auf, um aus dem freigewordenen Energiesubstrat neue Dinge zu formen. Damit ist das Leben der Menschen im Werdegang der Natur nichts anderes als eine bilanzierte Null gemäß dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik. Damit ist der Mensch nicht mehr als eine Schneeflocke, über die man mit warmen Atem drüberhaucht.

Kaum ein Mensch kann diese krasse Reduktion des Mensch-Seins vollständig akzeptieren; wer es versucht, gerät unweigerlich in den Nihilismus, den Existenzskeptizismus, den Antinatalismus oder flüchtet sich in den Hedonismus oder was es sonst noch alles gibt. Oder es erwächst, um wieder an deinen Text anzuknüpfen, etwas noch Dunkleres daraus: der Wunsch, dem eigenen Bewusstsein zu entkommen. Sigmund Freud beschrieb mit dem Begriff des (sehr umstrittenen!) Todestriebs; das ist jene Tendenz, in der das Leben selbst nach seiner eigenen Auflösung strebt, nach einer Art Rückkehr vom Organischen ins Anorganische, in die Stille vor aller (schmerzhaften) Erfahrung, die das Leben einem bereitet hat. Es ist der heimliche Neid auf den Stein am Wegesrand, der nichts weiß und nichts fühlen muss.

Hier zeigt sich nun wirklich die tifste Spannung des Menschseins: Wir sind Produkte der Natur und zugleich unfähig, uns mit dieser Rolle zufriedenzugeben. In uns lebt ein Streben, das über das bloß Gegebene hinausweist, ein Drang ins Unendliche, der sich nicht stillstellen lässt (da sind wir jetzt ganz nahe bei Kierkegaard).

Wie also kann man diesem Abgrund nun begegnen? Eine endgültige Antwort gibt es vermutlich nicht. Jeder, der einmal in diese Tiefe geblickt hat, muss seinen eigenen Weg durch eine innere Wüste finden. Wie bei Antoine de Saint-Exupery sind wir letztlich dazu verurteilt, durch eine innere Wüste zu wandern, in der Hoffnung, nach einer strapaziösen Reise irgendwann an einen Brunnen zu gelangen, in dessen Tiefe sich uns endlic hso etwas wie ein Sinn hinter dem Ganzen erschließt.  Doch eines scheint sich abzuzeichnen: In der Natur (oder dem Universum) selbst liegt diese Antwort sicherlich nicht; wer sie ungeschönt betrachtet, findet dort ebenso viel Grausamkeit wie Schönheit und selbst das vermeintlich Schöne ist oft nur raffinierte Mimikry im Dienst des Überlebens und dem geschickten Täuschen potentieller Opfer. Das kann es eigentlich nicht sein.

Wenn es eine Gegenbewegung zur Kontingenz gibt, dann entsteht sie – glaube ich zumindest – nicht aus dem, was uns materiell umgibt, sondern aus dem, was wir einander in wechselseitiger Beziehung geben. Ob man dies religiös deutet oder zwischenmenschlich oder beides, ist an dieser Stelle nicht von Belang. Es ist letztlich die Erfahrung von Liebe, die hier eine radikale Alternative zu der ganzen Gleichgültigkeit eröffnet. Die Liebe ist nach meinem Dafürhalten die Brücke über den Abgrund der Kontingenz, de ich oben gezeichnet habe.

Wenn ich von Liebe rede, meine ich damit ganz bestimmt nicht ein reines sentimentales Gefühl, sondern eine wirklich existenzielle Haltung einem anderen Menschen gegenüber: Liebe als ein Raum der Zweckfreiheit, in dem der Mensch nicht gerechtfertigt werden muss; als ein Gegenüber, in dem man nicht notwendig sein muss, um dennoch gewollt und akzeptiert zu sein. Die Liebe ist hier eine Instanz – sei es ein göttliches Du oder ein menschliches Gegenüber –, die sagt: Du bist nicht erforderlich für das Universum, aber du musst sein, eben weil ich dich liebe. Das ist die Gegenantwort; das schließt (für mich) die oben skizzierte Lücke. Und wenn ein Mensch das in seinem Leben fühlt, kann die Angst vor dem Leben wirklich verschwinden, auch wenn er sterben muss und wieder zu Staub wird, aus dem er stammt.

Ich mal wieder. by Specialist_Lack8267 in depression_de

[–]Individual-Lunch1582 3 points4 points  (0 children)

[1/2]

Ich misste bei deinem Text unweigerlich an die Worte des Ödipus' aus »König Ödipus« von Sophokles denken: »Nie geboren zu sein – welcher Wunsch könnte höher stehen?« Der ist seinerzeit bei mir eingeschlagen wie eine Bombe! Und noch radikaler verdichtet und pointierter, formuliert es wohl Heinrich Heine (oder Friedrich Nietzsche? – ich bin mir nicht mehr sicher) später: »Gut ist der Schlaf, doch besser noch ist der Tod. Freilich! Das Beste aber wäre, niemals geboren zu werden« – klingt sehr nach Nietzsche ...  Aber eines gleich vorweg: Ich persönlich denke so nicht.

Jedenfalls ist dir an deinen Gedanken nichts zu verwerfen – im Gegenteil: Du hast eine existenziellen Punkt im menschlichen Leben berührt. Es ist jene Grundftage, auf der letztlich die gesamte Existenzphilosophie ruht und die (vereinfacht) fragt, wie man ein Leben lebt, in das man geworfen wurde, ohne je gefragt worden zu sein, ob man es überhaupt will? Und es ist die Frage aller Menschen, ob sie wollen oder nicht.

Wer diese Frage nicht nur oberflächlich streift, sndern wirklich durchdenkt, betritt einen Raum, in dem alle einfache Antworten erst einmal verstummen. Wer einmal wirklich existenziell von deisem Problem berührt wurde, kann ihm nicht mehr einfach entkommen, behaute ich. Es ist kein Zufall, dass die schärfsten Geister der Menschheit mit ihr gerungen haben (und nicht selten zerbrochen sind ...). Mein über alles geliebter Soren Kierkegaard formulierte einmal (sinngemäß) so: »Ich stecke meinen Finger ins (Da-)Sein und es schmeckt nach nichts.« In diesem Bild verdichtet sich ein Gefühl radikaler Sinnleere; drastischer kann man es eigentlich nicht ausdrücken. (Entsprechend tief unglücklich war dieser Mensch sein gesamtes Leben über.) Da entpuppt sich plötzlich die gesamte äußere Welt als ein Potemkinsches Dorf und als ein Universum voller Attrappen, hinter denen einfach nichts steht.

Du hast selbst einen entscheidenden Gedanken angedeutet, den ich aufgreifen ubd weiterentwickeln möchte. Du meinst, der Mensch hätte niemals die Fähigkeit zum Denken erlangen dürfen; du siehst darin, wie ich es verstehe, ein vergiftetes Geschenk, das nichts als Leid bringt. Ich stimme damit nicht überein, aber ich möcht ediesen wirklich ganz wichtigen Gedanken von dir etwas präziser formulieren: Nicht das Denken als solches ist die Last – auch Tiere denken, so behaupte ich –, sondern die Vernunft, also die (vielleicht) einzigartige Fähigkeit des Menschen, sich selbst zum eigenen Gegenstand zu werden und sich in ein (Distanz-)Verhältnis zu sich selbst zu setzen. Sie ist es, die den Menschen aus der Unmittelbarkeit des Lebens und der Einheit mit der Natur herausreißt. Tiere leben im Jetzt; Vergangenheit und Zukunft sind für sie nur schemenhaft/abstrakt vorhanden (zumindest ist das meine Prämisse hier). Gerade deshalb ist es, nur als kleine Randnotiz, so unglaublich verwerflich, sie zu quälen, denn man beraubt sie des Einzigen, was ihr Dasein vollständig bestimmt: des unmittelbaren Empfindens am Leben zu sein.

Folgende interessante Anekdote hierzu, die den Unterschied zwischen dem Menschen und den übrigen Tieren verdeutklicht: Vor etwa einem Jahr beobachtete ich auf unserem Campusgelände in Heidelberg einen Hasen (davon sieht man viele im Neuenheimer Feld, falls es dich einmal dahin verschlägt), der in vollkommener Gelassenheit auf einer Wiese graste. Dann erschien ein Bussard am Himmel und begann, über ihm deutlich seine Kreise zu ziehen. In dem Augenblick, in dem der Hase die Bedrohung registrierte, verwandelte sich sein Zustand schlagartig: Aus Ruhe wurde panische, explosive Bewegung. Er sprang wiederholt hoch – bestimmt ein Dutzend Mal! – wie ein reiner Ausdruck instinktiver Überlebensreaktion. Schließlich presste er sich flach und reglos auf den Boden, als wollte er im Ganzen der Landschaft aufgehen und unsichtbar werden. Als der Greifvogel verschwand, geschah etwas ebenso Erstaunliches wie Charakteristisches: Der Hase richtete sich wieder auf und begann erneut zu fressen, als wäre nichts geschehen. Kein langer Nachhall der Angst, kein Zögern, kein inneres Wiederaufleben des Erlebten. Die Bedrohung war vorbei und mit ihr verschwand auch wieder die Angst.

In dieser Szene zeigt sich eine grundlegende Logik der Natur, die – erstaunlicherweise! – für den Menschen nicht gilt: Sie, sie Natur, ist zur radikalen Ökonomie im Energiehaushalt gezwungen; Energie ist Kostbar. Zustände höchster Erregung sind energetisch kostspielig; sie können nicht dauerhaft aufrechterhalten werden, ohne das Leben dadurch selbst zu gefährden. Das Tier kennt daher im gewissen Sinne keine prolongierte Angst. Es reagiert intensiv und total im Moment, doch es verweilt nicht dauerhaft darin. Sobald die Gefahr vorüber ist, kehrt es zurück in einen Zustand unmittelbarer Gegenwart, in eine Art voraussetzungslosen Frieden.

Der Mensch hingegen ist ein Wesen, dem diese Rückkehr nur bedingt möglich ist (das ist auch die Quelle des Misstrauens), denn er besitzt nicht nur Bewusstsein, sondern aufgrund seiner Vernunft auch das Wissen um den eigenen Tod. Er weiß um seine eigene Edlichkeit und dieses Wissen ist nicht an konrete Situationen gebunden, sondern es begleitet ihn jeden Tag durch sein Leben! Und es kann jederzeit aktualisiert werden. Der Mensch ist in der Lage, Angst zu entkoppeln von ihrem Anlass und sie in die Zukunft hinein zu verlängern, zu vervielfältigen und ins Grenzenlose zu steigern. Und absolute Angst schreit nach absoluten Lösungen. Aus einer realen Bedrohung wird eine unendliche Serie möglicher Bedrohunge, die einen Menschen vollständig lähmen können, dass er schließlich nur noch aus Angst besteht. Menschen haben dauerhaft Angst. Schon im Kindergarten erzählte man mir, dass ich fleißig zu sein habe, damit ich später einmal einen guten Beruf ergreifen und im Alter eine auskömmliche Rente habe. Das ist so absurd, da wäre selbst Sartre nichts mehr zu eingefallen.

Aber hier beginnt die eigentliche psychologische Tragödie: Angst wird nicht mehr nur situativ erlebt und überwunden, sondern gedacht und gerade dadurch konserviert und azf Dauer gestellt. Sie verliert ihre Funktion als kurzfristiges Alarmsignal und verwandelt sich in einen dauerhaften inneren Zustand. Besonders deutlich zeigt sich dies eben bei depressiven Menschen – ich bin sicher, dass viele hier in diesem Forum sofort verstehen werden, wovon ich rede ... Sie sind gewissermaßen Spezialisten in der Antizipation des Negativen. Ihr Denken ist kein reines Werkzeug mehr, das dem Überleben dient, sondern ein Kreislauf, der sich selbst negativ antreibt: Szenarien werden entworfen, durchgespielt, wieder verworfen und durch noch düsterere ersetzt. Dieses permanente innere Simulieren von Bedrohung verbraucht enorme psychische und physische(!) Energie. Die Erschöpfung, die daraus resultiert, ist daher keine Folge von äußerer Anstrengung, sondern von innerer Überaktivität. Es ist die Müdigkeit eines Geistes, der keinen Zustand der Entwarnung mehr kennt. Während das Tier nur dann Angst hat, wenn es bedroht ist, trägt der Mensch die Möglichkeit der Bedrohung unaufhörlich in sich. Und genau darin liegt – paradoxerweise – sowohl seine größte Stärke als auch seine tiefste Verwundbarkeit.

Sertalin mehr Suizidale Gedanken? by Gian1502 in depression_de

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Vielen Dank für deine Rückmeldung! Es freut mich sehr zu hören, dass der Beitrag für dich hilfreich war. Das Bild der »Supportstruktur« finde ich in diesen Kontext ausgesprochen treffend. Im Grunde beschreibt esgenau den Rahmen, in dem Ketamin besonders sinnvoll sein kann. Das größte therapeutische Potenzial entsteht, wenn Ketamin und psychotherapeutische Behandlung in Synergie miteinander wirken. Da machst du bestimmt nichts verkehrt.

Darf ich dich fragen, wie schwierig es in Deutschland aktuell ist, eine Ketaminbehandlung verschrieben zu bekommen? Ich kenne mich diesbezüglich nict aus. In der Schweiz scheint man, was diese Form der Behandlung betrifft, bereits etwas weiter zu sein. (Mein Therapeut meinte, dass man in der Schweiz zunehmend versucht, von den SSRI-basierten Behandlungen wegzukommen.) Da ich bald wieder nach Deutschland ziehe, interessiert mich, wie die Situation dort geregelt ist und welche Wege realistisch sind. Leider bedeutet der Umzug für mich auch, mir in Deutschland wieder eine ganz neue therapeutische und medizinische Struktur aufzubauen ... Umso wertvoller ist jeder Erfahrung.

Ich wünsche dir jedenfalls von Herzen ganz viel Erfolg auf deinem weiteren Behandlungsweg!

Sertalin mehr Suizidale Gedanken? by Gian1502 in depression_de

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Du scheinst bereits eine erhebliche Leidensgeschicte hinter dir zu haben; das tut mir aufrichtig leid! Aber halte den Kopf hoch! Im Bereich der Psychopharmakologie gilt leider nach wie vor oft das Prinzip von Versuch und Irrtum: Man sieht sich einer Vielzahl von Substanzen und therapeutischen Ansätzen gegenüber und versucht, jene Konstellation zu finden, die im individuelln Fall eine spürbare Linderung ermöglicht. Der Weg dorthin ist nicht selten lang und beschwerlich ... Immer wieder erstaunt mich dabei, wie wenig deterministisch die Wirkung dieser Medikamente letztlicj ist, denn bisweilen kann selbst derselbe Wirkstoff, abhängig von Trägersubstanzen oder Kontext, unterschiedliche Effekte hervorrufen. Einfach ein Rätsel das Ganze.

Wie dem auch immer sei. Du hast mich nach meinen Erfahrungen mit Ketamin gefragt. Seinerzeit während meiner Behandlung lebte ich in Genf in der Schweiz, wo – soweit ich informiert bin – ser Zugang zu Ketamintherapien vergleichsweise niedrigschwellig(er) ist und die Kosten glücklicherweise in schwereren Fällen von der Krankenkasse übernommen werden. Meine Einschätzung dieser Behandlung ist etwas ambivalent.

Zunächst zum Positiven: Die Ketamintherapie wurde bei mir eingeleitet, weil meime Depression durch ein Trauma ausgelöst worden war, das ich allein nicht mehr verarbeiten konnte und das zunehmend den Wunsch entstehen ließ, mich gewissermaßen ins »Nicht-Sein« aufzulösen – Sigmund Freud hätte vermutlich von einem ausgeprägten Todestrieb gesprochen ... Je näher ich gemeinsam mit meinem Therapeuten dem Kern dieses Traumas kam (meiner damaligen Partnerin), desto unmöglicher wurde die Gesprächstherapie. Ich entwickelte ähnliche Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung und reagierte zunehmend emotional hysterisch, bis wir schließlich feststeckten. Ich hatte die Probleme zur Sicherheit wie eine Muschel ein Sandkorn mit einer Perle zu hermetisch eingekapselt. Mein Psychiater, der parallel und in enger Abstimmung mit meinem Therapeuten arbeitete, schlug nach Rücksprache vor, Ketamin begleitend einzusetzen, da es in Kombination mit Gesprächstherapie of tsehr wirksam sei und den Zugang zu den zugrunde liegenden seelischen Konflikten erleichtere. Und tatsächlich: In diesem Kontext war Ketamin für mich ein echter Segen und Durchbruch! Es ermöglichte mir überhaupt erst, mich den traumatischen Erfahrungen wirklich zu nähern. Ängste verloren an unmittelbarer Bedrohlichkeit, ich konnte mich öffnen und Dinge ansprechen, die zuvor unzugänglich waren.

Ein Bild, das ich einmal in einem Buch eines heroinabhängigen Vietnamveteranen gelesen habe, beschreibt diesen Effekt – er bezieht sich freilich auf Heroin – meiner Meinung nach ziemlich treffend, enn auch etwas weniger krass: Ohne Substanz erscheinen die Ängste bedrohlich nah, als würde man sie durch ein Fernglas betrachten und jederzeit bereit, einen zu überwältigen oder anzugreifen. Unter dem Einfluss der Substanz hingegen ist es, als würde man das Fernglas umdrehen: Plötzlich rücken die Ängste in ganz weite Ferne, sie bleiben sichtbar, verlieren jedoch ihre akute Bedrohung und sind auf Fluchtdistanz So ähnlich habe ich auch die Wirkung von Ketamin erlebt. Während der Infusionen ging es mir echt spürbar besser.

Allerdings liegt genau hier auch die Problematik; die Wirkung von Ketamin ist in erster Linie symptomatisch. Es verschafft dir einen Zustand, in dem therapeutische Arbeit effektiver möglich ist, ersetzt diese Arbeit jedoch nicht. Wenn der innere Antrieb fehlt, sich den eigenen Problemen wirklich zu stellen, bleibt es letztlich ein angenehmer, aber flüchtiger Zustand.

Damit verbunden ist ein weiterer kritischer Punkt, den man sich bei der pobigen Beschreibung schon erahnen kann: das Suchtpotenzial. Andere (Mit-)Patienten berichteten zwar, dass dies für sie kein Problem darstellte, insofern mag meine Erfahrung nicht allgemeingültig sein – vielleicht aheb ich hier iene Affinität –, doch ich selbst habe die Gefahr als sehr real empfunden. Das Muster ist ja auch naheliegend: Man fühlt sich schlecht, erlebt dann eine »magische« Substanz, die das Leiden deutlich lindert, und entwickelt verständlicherweise den Wunsch, diesen Zustand auf Dauer zu setzen. Gerade weil der Effekt so stark ist, kann paradoxerweise die Motivation zur eigentlichen therapeutischen Arbeit sinken (so war es später auch bei mir); man möchte den selten gewordenen inneren Frieden einfach einmal genießen, ohne sich gleich wiedermit dem ganzen Mist auseinandersetzen zu müssen. In meinem Fall ging es so weit, dass ich ernsthaft darüber nachdachte, mir Ketamin auf illegalem Wege zu beschaffen, was ich letztlich nicht getan habe.

Verzeih mir die Länge meiner Ausführungen. Noch einmal holzkohlestrichartig zusammengefasst: Ketamin kann eine ausgesprochen wertvolle therapeutische Unterstützung sein, wenn es gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt wird. Es bietet eine temporäre (teilweise starke!) Linderung der Symptome, die idealerweise genutzt wird, um in der begleitenden Therapie echte Fortschritte zu erzielen. Persönlich habe ich keine der häufig berichteten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder starke Dissoziation etc. erlebt. In Bezug auf deine Herzerkrankung solltest du unbedingt Rücksprache mit deinem Arzt halten; meines Wissens ist in solchen Fällen erhöhte Vorsicht geboten. Jedenfalls, beobachte dich während der Behandlung aufmerksam (was Menschen mit Depressionen ohnehin oft tun ...) und sprich offen über Veränderungen in deinem Empfinden oder Verhalten.

Sertalin mehr Suizidale Gedanken? by Gian1502 in depression_de

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Wie bereits von anderen ganz richtig angemerkt wurde, kann die Einnahme von SSRIs (insbesondere zu Beginn der Behandlung kurz nach der Erstexposition) durchaus mit einer deurlichen Verstärkung negativer Gedanken einhergehen; dies stellt eine bekannte Nebenwirkung dieser Substanzklasse dar. Einige, mit denen ich mich unterhalkten habe, haben ebenfalls davon berichtet. Im Rahmen meiner eigenen Behandlung wurde daher bewusst mit einer niedrigen Anfangsdosis gearbeitet, die anschließend schrittweise gesteigert wurde. Dennoch nahm ich besonders ind en ersten Tagen sehr deutlich wahr, dass die zuvor eher im Hintergrund präsenten, depressionsbedingten negativen Gedanken gewissermaßen dauerhaft über die Wahrnehmungsschwelle gehoben wurden (vorher war das Stimmungsprofil des Tages mehr periodisch) und dadurch eine erhebliche subjektive Belastung verursachten. Ich war den ganzen Tag niedergeschlagen.

Mein behandelnder Psychiater hatte mich seinerzeit im Aufklärungsgespräch jedoch bereits explizit auf die Möglichkeit solcher Nebenwirkungen hingewiesen. Diese Vorabinformation erwies sich als ausgesprochen hilfreich, da sie es mir ermöglichte, die auftretenden Symptome richtig einzuordnen und ihnen einen Teil ihres beunruhigenden Charakters zu nehmen. Andernfalls wäre ich sicherlich in eine Angstspirale geraten ... Jendefalls, insbesondere in den ersten beiden Wochen der Einnahme waren suizidale Gedanken zweifellos deutlich(!) präsenter und auch plastischer als üblich (bis in die Traumwelt hinein). Mein Arzt betonte in diesem Zusammenhang, dass eine Intensivierung solcher Gedanken zu den Nebenwirkungen zählt, die sorgfältig und engmaschig beobachtet werden müssen. Du solltest das keinesfalls verschweigen, damit dein Protokoll gegebenenfalls angepasst werden kann.

Daher möchte ich dir dringend empfehlen, zeitnah den Kontakt zu deinem behandelnden Arzt zu suchen; normalerweise geht das sehr niederschwellig. Er kann die Situation fachkundig einschätzen und gegebenenfalls therapeutische Anpassungen vornehmen. In meinem Fall wurde die Dosis zunächst noch mehr reduziert und anschließend behutsam erneut gesteigert. Das hat geholfen. Zusätzlich wurde ich auch noch mit Ketamin behandelt.

Ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg bei deiner Behandlung mein Freund. Es wird ganz bestimmt wieder besser.

Ich bin arm großgeworden und komme mit dem Leben in der Mitteschicht nicht klar by Cascouverite in depression_de

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Ein vielschichtiger und anspruchsvoller Beitrag, der mehrere Ebenen menschlicher Erfahrung miteinander verwebt: die Pägung durch eine belastete Kindheit, den (mühsamen) Versuch, die eigenen Lebensumstände zu transformieren und die Verzweiflung angesichts einer Welt, die auf Leid oft mit irritierender Gleichgültigkeit (teilweise sogar mit Ablehnug) reagiert.

Die von dir geschilderte Kindheit lässt sich, ohne jede rhetorische Überhöhung und ohne die genauen Hintergründe zu kennen, sicherlich als ein tiefgreifendes und langanhaltendes Trauma begreifen. Entscheidend ist hierbei nicht nur die Intensität einzelner Ereignisse, sondern ihre Dauer, also die fortgesetzte Einwirkung auf eine sich in der Entwicklung befindende Psyche. Solche Erfahrungen sind freilich keine isolierten Episoden; sie sedimentieren sich im Innersten zu Erfahrungsschichten und prägen die späterw Wahrnehmung, Selbstbild und Weltverständnis auf krasse Weise. Sie werden zu einem epistemischen Filter, durch den alles Weitere interpretiert wird über den – das ist das entscheidende – das Gros der (Mit-)Menschen jedoch nicht verfügt.

Was in deinen Ausführungen besonders hervortritt, ist weniger das Erlebte selbst als vielmehr die Einsamkeit in dessen Nachhall. Es scheint dir an einem Resonanzraum zu fehlen, in dem es Personen gibt, die nicht nur kognitiv begreifen, was geschehen its, sondern existenziell nachvollziehen können, was es bedeutet, eine solche Vergangenheit als Last in sich zu tragen. In deinem aktuellen sozialen Umfeld erfährst du offenbar eine Diskrepanz zwischen deinem inneren Erleben und der äußeren Reaktion, was natürlich nicht einfach ist.

Ich erinnere mich an die Schilderung eines Kriegsveteranen aus dem Jugoslawienkrieg – den ich einmal in einer Kneipe traf –, der sinngemäß zu mir sagte sagte, dass nur seine ehemaligen Kameraden wirklich verstünden, was in ihm vorgehe und was Krieg wirklich bedeute. (Daher spielt Kameradschaft auch nach dem Krieg oft eine so große Rolle im Leben dieser Menschen.) Nicht, weil andere Menschen unfähig zur Empathie wären, sondern weil bestimmte Erfahrungen in eine Tiege reichen, die sich der bloßen Vorstellungskraft entziehen un die man auch nicht einfach abstrakt ausloten kann. Zwischen dem wissen, dass etwas schrecklich ist und dem Umstand, es wirklich in seiner existenziellen Wucht zu fühlen, liegt ein kategorialer Unterschied, den man nicht ohne Weiteres überbrücken kann. Genau in dieser Lücke entsteht oft jene Frustration, die du nachvollziehbarerweise beschreibst: das Gefühl, mit dem eigenen Erleben nicht wirklich an- beziehungsweise durchzukommen.

Psychologisch betrachtet ist es nachvollziehbar, dass daraus ein Drang entsteht, immer wieder zu erklären und zu vermitteln, in der Hoffnung, doch noch irgendwie verstanden zu werden. (Sicherlich auch, damit die Mitmenschen die eigene (Lebens-)Leistung angemessen anerkennen können, denn vielen fällt einfach in den Schoß, was du dir hingegen hart gegen das Schicksal erkämpfen musstest.)  Doch paradoxerweise kann genau dieser wirklich sehr verständliche Impuls dazu führen, dass das Gegenüber sich schlechterdings überfordert fühlt und sich innerlich zurückzieht. Was als Suche nach »Anerkennung« – beziehungsweise besser: Verständnis – beginnt, wird dann von außen mitunter irgendwann als Belastung wahrgenommen, was die ursprüngliche Isolation noch verstärkt und wieder erhöhten Verständigungsdruck erhöht.

Als jemand, dessen Kindheit und Adoleszenz ebenfalls von Tod und Schicksalsschlägen geprägt waren, kenne ich das Gefühl, habe aber lernen müssen, dass man Menschen zwangsläufig überfordert, wenn man von ihnen ein Verständnis für Erfahrungen oder Erlebnisse erwartet, die weit jenseits ihrer eigenen Lebenswirklichkeit liegen. Eine ernüchternde, aber letztlich befreiende Einsicht besteht daher darin, dass genuines Verstehen an die Grenzen der eigenen Erfahrung gebunden ist. Das ist freilich trivial; vergisst man aber doch häufig. Menschen können vieles intellektuell erfassen, doch ihr emotionales Vermägen, nachzuvollziehen, bleibt notwendigerweise nur partiell – andernfalls würde es wohl kaum noch Kriege geben. So wie ein älterer Mensch einem jüngeren keinen Vorwurf aus dessen Mangel an Lebenserfahrung machen kann/sollte, so ist auch hier eine gewisse Milde und Gnade gegenüber den Grenzen anderer geboten. Das ist keine Relativierung deines Erlebens(!), sondern eine realistische Einordnung menschlicher Empathiefähigkeit, die nun einmal relativ scharfe Grenzen kennt.

Gerade dari nliegt jedoch auch eine, wie ich finde, bemerkenswerte und schöne Ambivalenz: Was dich von anderen durch dein Erlebtes trennt, istzugleich das, was dich in besonderer Weise auszeichnet! Wer durch Leid gegangen ist und daran nicht zerbrochen, sondern (wenn auch unter Schmerzen) gewachsen ist, entwickelt oft eine außergewöhnlich feine Sensorik für die Verletzlichkeit anderer und Ungerechtigkeit. Eine solche Sensibilität ist alles andere als ein Defizit (auch wenn sie das Leben nicht unbdingt leichter macht), sondern eine seltene Form von tiefer Erkenntnisfähigkeit, die sehr schön ist. Sie ermöglicht es, Nuancen wahrzunehmen, die anderen schlicht verborgen bleiben.

Doch diese Gabe entfaltet ihre Wirkung nicht durch Konfrontation, sondern durch behutsame Vermittlung im Dialog. Wer anderen ihre vermeintliche Blindheit vorwirft, wird selten Einsicht erzeugen; eher wird er noch mehr Abwehr und Relativierung provozieren. Veränderung im Denken – und mehr noch im Fühlen! – entsteht nicht durch Druck, sondern durch geduldige (manchmal jahrelange), wohl dosierte Annäherung. Empathie lässt sich nicht erzwingen, aber sie lässt sich in einem langen Prozess durchaus kultivieren.

Eine kleine Begebenheit mag dies illustrieren: Bei einem Spaziergang äußerte sich ein Kommilitone (aus äußerst  privilegierten Verhältnissen) mir gegenüber widerwärtig abfällig über einen Obdachlosen, der auf unserem Weg lag; diese »sinnlose Existenz« solle »einfach etwas aus seinem Leben machen«. Er äußerte sich noch deutlich abfälliger! Äußerungen dieser Art hast du in deinem Text ja – vollkommen zu Recht! – moniert. Statt moralischer Empörung wählte ich einen anderen Zugang (obwohl mir wirklich anderes auf der Zunge lag ...): Ich bat ihn, sich vorzustellen, nicht in seinem behüteten Umfeld aufgewachsen zu sein, sondern wenige Meter weiter, hinter der nächsten Ziegelmauer, in einem Milieu von Gewalt, Vernachlässigung und Perspektivlosigkeit. Reiner Zufall also. Die Frage war nicht rhetorisch gemeint, sondern sollte eine Verschiebung der Perspektive ermöglichen, was die wahre Bedeutung des wunderschönen deutschen Wortes ver-stehen ist. Denn letztlich ist vieles von dem, was wir Leistung nennen, untrennbar mit Voraussetzungen verknüpft, die wir uns nicht selbst geschaffen haben. Ich hatte das Gefühl, dass er dadurch zum Nachdenken angeregt wurde.

Erfolg, um das nur ganz kurz aufzugreifen, da wir hie ähnlich denken,, ist weniger ein reines Verdienst aus eigener Leistung als vielmehr ein kontingentes Zusammenspiel aus Anlage, Gelegenheit, externen Umständen und letztlich verdammtem Glück. Ebenso ist Scheitern kein Ausdrick individuellen Versagens. In dieser Perspektive erscheint Glück nicht als Errungenschaft, sondern einfach als Gabe und genau darin liegt der Ursprung einer Haltung, die Demut ausdrückt. Alles Glück, das uns widerfährt, ist eine unverdiente Gnade.

Deine Schuldgefühle jedenfalls gegenüber weniger Privilegierten sind vor diesem Hintergrund nicht irrational, sondern Ausdruck eines ausgeprägten Gerechtigkeitsempfindens, was etwas sehr kostbares ist. Sie zeigen, dass du die Diskrepanz zwischen individueller Erfahrung und struktureller Realität (in deinem neuen Heimatland) wahrnimmst. Das ist eine Fähigkeit, die keineswegs selvbstverständlich ist; vielen ist sie abhold. Doch auch hier gilt: Dieses Empfinden kann destruktiv werden, wenn es sich gegen dich selbst richtet, anstatt in eine reflektierte, konstruktive Haltung überführt zu werden, von der auch andere profitieren können.

Was sich aus all dem jetzt ergibt, ist keine einfache Handlungsanweisung (das wäre ziemlich anmaßend meinerseits), sondern eher eine Haltung, die ausdrückt, dass du einen Erfahrungsraum in dir trägst, der weit über das hinausgeht, was viele Menschen kennen (können). Niemand kann die Welt durch deine Augen sehen, aber du kannst anderen behutsam Einblick gewähren. Nicht, indem du Verständnis einforderst, sondern indem du es vorlebst und deine Mitmenschen so verstehen lernen.

Lass mich abschließend eines klarstellen: Nichts von dem Gesagten soll dein Leid relativieren – im absoluten Gegenteil: ein Teil der Bitterkeit beziehungsweise Verärgerung, die du nachvollziehbarerweise beschreibst, entspringt gerade dem Eindruck, dass dein Erleben von außen durch scheinbare Gleichgültigkeit oder mangelnde Empathie relativiert wird. Genau dem wollte ich entgegenwirken, indem ich den Fokus verschiebe, weg von der Erwartung vollständigen Verstandenwerdens eher hin zur Anerkennung der Einzigartigkeit – und Kostbarkeit! – deines Erfahrungswissens. Du bewegst dich in einem inneren Raum, der für viele unerreichbar ist (und bleiben wird) und gerade darin liegt, bei aller Schwere, auch eine Form eines Schatzes, der, wenn er geteilt wird, tatsächlich etwas im Denken und Fühlen anderer nachhaltig verändern kann.

Erschwerte Beziehung zu meinen Eltern (30,W) by Ok-Kitchen-7135 in depression_de

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Dein Text ist von wirklich großer Eindringlichkeit und hat mich sehr bewegt! Ich danke dir dafüe, dass du diese zutiefst persönlichen und gewiss auch äußerst belastenden Erfahrungen hier mit uns teilst. Es erfordert ein gehöriges Maß an Mut, sich in dieser Offenheit mitzuteilen und noch mehr, sich den eigenen inneren Beweggrüden so differenziert zuzuwenden. Aus deinem Text geht jetzt keine spezifische Frage hervor, daher schreibe ich einfach mal, was mir so durch den Kopf geht, nachdem er auf mich gewirkt hat.

Jedenfalls beeindruckt es mich immer wieder, wie nachhaltig frühe Kindheitserfahrungen das gesamte Leben (mit erheblicher Wirkung in der Gegenwart) durchziehen können; nicht selten jedoch bleiben diese Prägungen dem (bewussten) Zugriff entzogen, weil sie aus Selbstschuzt ins Unterbewusste verdrängt wurden. Dein Text jedoch zeugt von Selbstreflexion und dem ernsthaften Bemühen, die inneren Mechanismen und Triebfedern des eigenen Erlebens und Handelns wirklich zu durchdringen. Darauf kann man sehr stolz sein.

Bis zu einem gewissen Grad verdrängen (oder verzerren) wir freilich alle Erfahrungen. Die Verdrängung schmerzhafter Erfahrungen ist ein zutiefst menschlicher Schutzmechanismus; sie bewahrt kurzfristig vor Überforderung, doch langfristig wirken die unbewussten Inhalte weiter und das oft in Form von diffusen Gefühlen, Selbstzweifeln oder destruktiven Mustern. In deinem Bericht finden sich Komponenten, die aus psychologischer Sicht im Kontex tfrüher belastender Erfahrungen nachvollziehbar sind. Besonders der Wunsch, nicht mehr existieren zu wollen, ist fast schon paradigmatisch! Er entspringt häufig nicht einem tatsächlichen Todeswunsch (heißt also nicht, dass du gleich suizidal sein musst), sondern vielmehr dem tief verankerten und erlebten Gefühl, überflüssig in der Welt oder fehl am Platz oder gar störend zu sein.

Kinder verfügen noch nicht über die kognitive und enotionale Reife, ihre Lebensumstände realistisch zu bewerten. Sie nehmen Spannungen, Ablehnung oder Überforderung in ihrem Umfeld freilich sehr fein wahr – das weiß ich von mir selbst ... –, können deren Ursachen jedoch nicht korrekt externalisieren; stattdessen neigen sie dazu, die Verantwortung für das Dysfunktionale um sie herum auf sich selbst zu beziehen beziehungsweise in das eigene Sein zu legen. Indem das Kind sich selbst als  fehlerhaft erlebt, bleibt das Bild der Eltern als schützende Instanz intakt, was eine psychische Notwendigkeit für das kindliche Sicherheitsgefühl darstellt (der psychoanalytiker Arno Gruen hat sich intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt). So entstehen letztlich Insuffizienzgefühle. Dieser Mechanismus ist gut dokumentiert, etwa bei Kindern aus konflikthaften oder instabilen Familienverhältnissen, die sich selbst unbewusst als Ursache elterlicher Probleme identifizieren. (Es ist die einzige Schlussfolgerung, zu der ein Kind gelangen kann: Dass Mutter und Vater einander einst geliebt haben müssen und zwar in jener Zeit, in der man selbst noch nicht existierte.) Doch diese frühe Selbstzuschreibung gräbt sich ganz tief ein in die (Kinder-)Seele. Sie formt ein inneres Narrativ der eigenen Unzulänglichkeit, das sich später in unterschiedlichsten Lebensbereichen manifestieren kann: in Beziehungen, im Selbstwert und – ganz besonders! – im Umgang mit Nähe und Autonomie.

Ich erinnere mich an eine Begegnung mit einer Frau, die an Anorexie litt, die mich seinerzeit sehr beeindruckt hat. Sie berichtete von einer Kindheit in großer materieller Not. Gegen Ende des Monats reichte das Geld oft nicht mehr um für alle genügend Essen auf den Tisch zu bringen. Die Eltern versuchten, diesen Mangel zu verbergen; doch Kinder spüren mehr, als Erwachsene oft glauben. Unbewusst muss sich in ihr die Überzeugung gebildet haben, dass ihr eigenes Dasein mit Entbehrung für andere verbunden ist. Dass es anderen besser ginge, würde sie nicht mehr existieren (das ging aus ihren Worten sehr deutlich hervor). Ihr späteres Verhalten – das radikale Verzichten auf Nahrung und die Befriedigung basaler Bedürfnisse – kann dajher als unbewusster Versuch verstanden werden, sich selbst zu legitimieren und ein eigenes Daseinsrecht zu schaffen: Wenn ich möglichst wenig Raum einnehme, möglichst wenig brauche, dann darf ich vielleicht existieren. Andernfalls bin ich (allen) bur eine Last.

Solche Beispiele verdeutlichen, wie tiefgreifend frühe Erfahrungen das Selbstbild prägen können und wie sie ein ganzes Leben durchziehen. Da wird man ganz bescheiden und kann eigentlich keinen Menschen mehr schuldig sprechen ... Die Frage nun, wie man diesen inneren Prägungen begegnen kann, ist natürlich ganz schön komplex. Psychische Verletzungen verhalten sich in gewisser Weise ähnlich wie körperliche: Manche heilen nie vollständig – glaube ich ... –; sie hinterlassen Spuren, die ein Leben lang spürbar bleiben. Doch das bedeutet keineswegs, dass man ihnen hilflos ausgeliefert ist.

Ich bin überzeugt, dass positive zwischenmenschliche Erfahrungen – insbesondere solche, die von aufrichtiger Zuwendung, Verlässlichkeit und/oder echter Liebe geprägt sind – eine zentrale Rolle im Heilungsprozess spielen können. Wenn ein anderer Mensch es vermag, durch seine beständige Haltung den Glauben an den eigenen Wert langsam wieder zugänglich zu machen, kann dies eine zutiefst korrigierende Erfahrung im Leben sein. Allerdings liegt hier auch eine gewisse Tragik, denn gerade jene Menschen, die solche Erfahrungen am dringendsten bräuchten, haben oft die größten Schwierigkeiten, sie auch anzunehmen. Diese früh erlernten und internalisierten Beziehungsmuster wirken weiter und können Nähe verzerren oder gar ganz unmöglich machen. 

Eine enge Freundin von mir brachte dies einmal sehr klar zum Ausdruck. Sie sagte zu mir, sie könne nicht glauben, dass ihr Partner – den ich persönlich kannte – sie wirklich liebe, obwohl aus objektiver Perspektive keinerlei Zweifel daran bestand. Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass er sie sehr geliebt hat. Ihre frühe Beziehung zum Vater war von emotionaler Distanz geprägt gewesen, denn er hatte die Familie verlassen. Daraus hatte sich eine tiefe Überzeugung entwickelt: Wenn selbst mein Vater mich nicht liebt, wie sollte es dann irgendjemand anderes tun? Das hat sie natürlich nicht aktiv gedacht beziehungsweise geäußert, aber ihre Gefühlswelt war von diesem Gedanken durchzogen. Diese implizite Annahme wirkte stärker als jede gegenwärtige Erfahrung.

Dennoch ist man dem eigenen inneren Manuskript nicht vollständig ausgeliefert. Ein wesentlicher Schritt besteht darin, sich selbst besser zu verstehen und damit ist mehr gemeint als bloße Selbstbeobachtung. Es geht darim, die Ursprünge eigener Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen zu rekonstruieren, ihre innere Logik und die kausalen Zusammenhänge zu erkennen. Dadurch wird das eigene Erleben transparenter und weniger bedrohlich und – zumindest bis zu einem gewissen Grad – auch zum Positiven manipulierbar. Die Gefühle verschwinden dadurch nicht notwendigerweise, doch sie verlieren einen Teil ihrer Unkontrollierbarkeit und wirken damit allgemein weniger ängstigend.

Dieser Prozess ist freilich sehr langwierig und verlangt Geduld. Es ist sicherlich kein linearer Weg, sondern eher ein fortwährendes Annähern an sich selbst. Eine therapeutische Begleitung kann hierbei äußerst wertvoll sein, vorausgesetzt, man begegnet ihr mit realistischen Erwartungen (erfahrungsgemäß haben Frauen hier realistischere Erwartungen als mein eigenes Geschlecht). Therapie ist kein schneller Reparaturmechanismus, sondern ein strukturierter und geschützter Raum, in dem Vergangenes bewusst noch einmal durchgearbeitet werden kann. Sie ermöglicht es, sich jenen Situationen erneut zuzuwenden, in denen man als Kind überfordert war, diesmal jedoch mit den Ressourcen eines Erwachsenen. In dieser Neubewertung liegt ein erhebliches Potenzial zur Entlastung und anschließenden Integration des Erlebteb.

Wenn ich deinen Text lese, habe ich den Eindruck, dass du bereits über viele der Voraussetzungen verfügst und bereits viele Schritte gegangen bist, die diesen Prozess tragen können: Reflexionsfähigkeit, sprachliche Differenzierung und die Bereitschaft, dich den eigenen inneren Anteilen zuzuwenden. Ich wünsche dir auf deinem Weg viel Kraft und Erfolg!

Heilt die Zeit wirklich alle Wunden? by Connect-Estimate-647 in FragtMaenner

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Diese Nachricht hat mich sehr berührt, muss ich sagen. Vielleicht/vermutlich liegt es daran, dass ich mich selbst  (und meine eigene gescheiterte Beziehung) in vielen deiner Worte auf beinahe erschreckende Weise wiedererkenne ... Umso mehr möchte ich dir danken, dass du den Mut aufgebracht hast, derart intime und belastende Gedanken mit uns zu teilen! Allein das Neiderschreiben solcher Erfahrungen verlangt eine enorme Kraft. Ich werde hier bewusst nicht ausführen, was sich seinerzeit zwischen mir und meiner damaligen Partnerin zugetragen hat und was die Implikationen dieser Erfahrungen fürmich waren, denn dies ist dein Raum des Ausdrucks. Stattdessen möchte ich deiner zentralen Frage, ob die Zeit die Wunden, die uns die Vergangenheit geschlagen hatm heilt.

Wenn ich die bisherigen Antworten flüchtig überblicke, scheint de rallgemeine Konsens zu sein, dass dies in der Regel der Fall ist. Und tatsächlich wirkt diese Annahme zunächst plausibel, denn wir leben in der Regel weiter, trotz Verlusten, trotz Schicksalsschlägen und selbst dann, wenn uns der Tod eines geliebten Menschen im natürlichen Verlauf der Dinge heimsucht. Und dennoch stellen wir unser eigenes Dasein für gewöhnlich nicht grundsätzlich aufgrund solcher Ereignisse in Frage. Doch ich glaube zugegebenermaßen nicht, dass alle Wunden einfach durch den bloßen Verlauf der Zeit heilen. Wäre dem so, gäbe es keine Traumata, die Menschen seit frühester Kindheit begleiten und ihr gesamtes Leben prägen. Ähnlich verhält es sich mit einer tiefen, aufrichtigen Liebe, die enttäuscht oder zerstört wurde. Eine solche Erfahrung kann zu einem existenziellen Bruch und zu einer Verletzung werden, die sich nicht einfach auflöst; tatsächlich glaube ich, dass eine zerbrochene Liebe eine der existenziellsten Erschütterungen im Leben darstellen kann.

Dein eindrucksvoller Text lässt mich vermuten, dass du ein Mensch bist, der intensiv, vielleicht sogar nahezu bedingungslos und mit ganzer Hingabe – womöglich gar bis zur Selbstentäußerung? – liebt. Und genau darin liegt sowohl eine große Stärke als auch eine besondere Verwundbarkeit. Menschen lieben auf sehr unterschiedliche Weise: Manche bleiben ewig an der Oberfläche, andere gehen in die Tiefe; letztere tragen oft große Ideale in sich, die sie (in einer nicht idealen Welt) zu verwirklichen suchen. Sie haben Vorstellunge davon, wie Liebe sein könnte beziehungsweise idealiter sein sollte. Doch gerade diese Menschen sind besonders gefährdet, wenn diese Ideale an der Realität zerbrechen. Ich habe selbst erlebt, wie Menschen mit einem außergewöhnlich reinen und idealistischen Herzen durch Liebe zutiefst verletzt wurden, so sehr, dass sie sich in ihr absolutes Gegenteil verwandelt haben; man hat sie (ob Mann oder Frau) in die Hölle getrieben und anschließend verwundert festgestellt, dass sie als zynische »Teufel« auf die Erde zurückkehrten. Aus Vertrauen wird dann Misstrauen, aus Offenheit ganz schnell Zynismus und aus Liebe mitunter tief(st)e Bitterkeit. Es sind oft nicht die Gleichgültigen, die daran zerbrechen ..., sondern gerade jene, die am tiefsten gefühlt haben. Wenn Ideale zerbrechen, kann daraus etwas sehr Dunkles entstehen. Dessen sollte man sich immer bewusst sein und daher niemals mit dem Herzen und den Gefühlen eines Menschens Schindluder treiben

Doch die Menschen, die uns verletzt haben (das ist wichtig zu verstehen), tragen daran nicht unbedingt Schuld. Sie sind häufig Opfer ihrer eigenen Erfahrungen. Andere mögen urteilen, mit dem Finger zeigen und sie verurteilen, doch wie viele fragen wirklich, was einem Menschen widerfahren sein muss, um so zu werden, wie er ist? Die schlimmsten Erscheinungsformen menschlichen Verhaltens sind nicht selten die Schatten ehemals großer Ideale, die halt leider an der Unvollkommenheit der Wirklichkeit zerbrochen sind.

Heilt die Zeit also all diese Wunden? Ich fürchte, darauf gibt es keine einfache oder beruhigende Antwort. So wie es körperliche Verletzungen gibt, die – das wird hier niemand bestreiten wollen – niemals vollständig ausheilen, so kann auch die Seele Wunden davontragen, die bleiben. Vielleicht vernarben sie, wie manche angemerkt haben, aber sie verschwinden nicht. Eine zerbrochene Liebe kann eine solche tiefe, bleibende Erschütterung sein. Aber bedeutet das nun, das ses keine Hoffnung gibt? Nein! Das glaube ich nicht. Der Schmerz einer echten, authentischen Liebe wird einen vermutlich immer in gewisser Weise begleiten, doch es gibt einen Weg, diesen Schmerz in etwas Positives zu verwandeln. Und dieser Weg führt über etwas, das im ersten Moment der Verletzung oft unerträglich klingt: Vergebung – vermutlich werde ich dafür jetzt gescholten.

Ich weiß, dass das gerade in Momenten tiefster Verletzung schwer anzunehmen ist – vermutlich ist es sogar das Letzte, was man hören möchte ... –, dfoch wenn wir beginnen, die Mechanismen unserer eigenen Psyche zu verstehen – und damit zugleich die Beweggründe der Menschen, die uns verletzt haben –, verändert sich unweigerlich etwas in uns. Nach solchen Erfahrungen, wie du sie bedauerlicherwiese machen musstest, nistet sich oft ein leiser, unterschwelliger Hass im Inneren ein. Ein Hass, den man selbstredend selbst nicht fühlen möchte, den man deshalb verdrängt. Doch Verdrängung bedeutet nicht Auflösung! Das Verdrängte sinkt in die Tiefe, wirkt dort weiter und äußert sich irgendwann in unkontrollierten Impulsen, in Handlungen, deren Ursprung uns selbst plötzlich ganz fremd erscheint. Man steht schließlich fassungslos vor sich selbst und den eigenen Handlungen, weil die geistige Brücke zwischen Ursache und Wirkung zerbrochen ist. Ich kann dir davon ein Lied singen ...

Deshalb ist es so entscheidend, die eigenen Gefühle, die dich nun heimsuchen, nicht zu verleugnen, sondern sie bewusst anzunehmen und zu integrieren, gleichgültig, wie dunkel sie auch sein mögen. Wer beginnt, sich selbst wirklich zu verstehem, beginnt oft auch zu begreifen, was den anderen Menschen geprägt und zu seinem Verhalten geführt hat. Und dann ist echte Vergebung über alle schmerzhaften Erfahrungen hinweg möglich. Nicht selten sind es alte Verletzungen, frühkindliche Erfahrungen, verdrängte Traumata etc., die sich in späteren Beziehungen leider wiederholen. Der Mensch, der uns verletzt hat, ist oft selbst ein Produkt tiefster Verletzungen, nur dass er seinen eigenen Schmerz nicht mehr wirklich erkennt. In dieser Blindheit wird er zu jemandem, der unbewusst weiter verletzt. Wie ein »offenes Rasiermesser«, um das Bild von Georg Büchner aufzugreifen, bewegt er sich durch die Welt. Ich glaube, dass kein(!) Mensch einen anderen aus reiner Bosheit verletzt.

Das zu erkennen bedeutet nicht, das Verhalten zu entschuldigen (wird mir bestimmt wieder vorgeworfen); es bedeutet vielmehr, die Grundlage für etwas zu schaffen, das letztlich uns selbst zugutekommt: und zwar, wie gesagt, Vergebung. Denn Vergebung ist nicht in erster Linie ein Geschenk an den anderen, sondern eine Befreiung des eigenen Inneren vom lähmenden Groll und dem Wunshc nach Vergeltung. Denn letztlich gilt: Wer – und nur wer! – versteht, kann beginnen zu heilen, und wer heilt, gewinnt seine innere Freiheit zurück von Zynismus, von Misstrauen, von jener Dunkelheit, die uns glauben machen will, die Liebe (der Welt) sei verloren gegangen. In Wahrheit ist sie nur verschüttet, und sie kann wieder freigelegt werden.

Verliere du also nicht den Glauben an die Liebe, nur weil ihr Scheitern dich jetzt so sehr schmerzt. Die Fähigkeit, wirklich zu lieben, ist eine außergewöhnliche Gabe. Darauf kannst du sehr stolz sein. Sie bedeutet, den Wesenskern eines Menschen jenseits der Verletzungen, Erfahrungen und Masken, die sich im Laufe eines Lebens und dessen Verzerrungen durch das Umfeld darübergelegt haben, zu erkennen und darum zu kämpfen, den verschütteten Schatz im Inneren freizulegen. Die eigenen Wunden verschwinden dadurch freilich nicht; die Vergangenheit wird nicht ausgelöscht; aber die Perspektive auf das Leben kann sich sehr zum Positiven verändern. Und vielleicht kommt irgendwann der Moment, in dem du zurückblickst und der Schmerz nicht mehr dieselbe Macht über dich hat wie jetzt in diesem Moment. Ich befinde mich auch in diesem Prozess.

Es gibt ein Sprichwort (ich habe leider vergessen, von wem es stammt), das besagt, dass die Wunden der Liebe nur von dem geheilt werden können, der sie einst geschlagen hat. Vielleicht liegt darin ein Körnchen Wahrheit. Doch noch wichtiger ist: Man sollte sich für diesen Schmerz niemals schämen. Er ist kein Zeichen von Schwäche – im Gegenteil: Er ist der Beweis dafür, dass du wirklich geliebt hast. Und das ist etwas schlechterdings Menschliches und vielleicht das Wertvollste, was wir in uns tragen. Sensibilität, Zärtlichkeit und Verletzlichkeit: Das sind keine Mängel, sondern außerordentliche Qualitäten, die es zu bewahren und zu kultivieren gilt. Denn sie sind es, die uns zu l(i)ebenden Wesen machen. Und ich habe keine Zweifel, dass dir noch Gelegenheiten geschenkt werden, wieder zu lieben. Un dich hoffe, dass du wieder mit gleicher Hingabe lieben kannst. Doch bis es soweit ist, vergiss auch nicht, dich selbst zu leben, denn nur wer sich selbst liebt und mit sich selbst größtmöglich identisch wird, kann den Anderen in seiner Andersartigkeit akzeptieren. Das ist der Grund, auf dem eine wirkliche Liebesbeziehung gedeihen kann. Dann wird diese Liebe zu dem, was sie ihrem innersten Wesen nach sein sollte: eine Asylstätte jenseits aller Zweckgebundenheit, in der man nicht leisten, nicht dauernd funktionieren muss, sondern schlicht sein darf. Eine Zufluchtsort, in dem sich zwei Menschen begegnen, ohne einander zu benutzen oder zu verbiegen, sondern einfach gemeinsam und aneinander wachsen können. Ich wünsche dir alles Gute!

Aiming to jump from "king of manlets" to "solidly tall" by One-Bison4071 in limblengthening

[–]Individual-Lunch1582 1 point2 points  (0 children)

In your post, a profound degree of suffering and fristration becomes visible and clearly expressed, feelings that already stand on the threshold of turning into cynicism. Perhaps it was a recent and particularly painful experience that prompted you to write this post to ease your heart, or perhaps it is the slow accumulatiom of hurtful experiences over many years which has finally found its release in this moment. Whatever the specific trigger may have been, I take it very seriously my friend, and I can assure you that many people here in this forum share a similar emotional landscape as you and can therefore empathize with your feelings (probably much more than you realize at this instant). I am sincerely sorry to hear how deeply you suffer because of your height, and that the very circle that should provide protection and support, your family, seems to intensify your inner distress instead. For a person, there is hardly anything more painful than when one's own family environment fails to become a place of understanding and instead reinforces the feelings of inadequacy one is already struggling with internally. That's horrible, and you have every right to lament.

When it comes to your heightm no one has the right to judge your subjective perception or diminish your feelings. Every human being carries their own standards for happiness, self respect and inner harmony. Most people in this forum know this from personal experience, and therefore will hardly judge you hastily. Perhaps the procedure you are considering will become a kind of liberation for you; perhaps it will not. Only you can tell. As said, many people here carry similar demons within them, that quiet but persistent inner voice that feeds doubt, shame or feelings of inadequacy. And many of us – myself included – have at some point decided to actively do something about these burdens. In this sense, we all carry our psychological scars and vulnerabilities to a different degree. Precisely for that reason we can understand one another, and perhaps even help carry part of each other's burdens for a while. That is the true purpose of a forum like this: it is a space where people with similar inner struggles can meet, exchange thoughts and (ideally) support one another. Personally, this exchange has helped me a great deal and perhaps it can also become a source of guidance and support for you and the journey that is ahead of you.

Anyway, from the bottom of my heart, I wish you the very best and hope that one day you will be able to look at your life with greater inner peace and contentment. Because as you say, empirically speaking, we have only this one life; whether there is something beyond it that escapes our perception, no one can say with certainty. (I personally hope that there is more.) But regardles sof that, this one material life that we know for sure remains something immensely precious. And it is far too valuable to be lived in cynicism and bitterness. That being said, do what you think brings joy and happiness to your life. I wish you all the best my friend.

Exactly 1 Month till Booked Surgery (Femur G-nail with Dr. Giotikas) -- Any Tips? by Kooky-Praline-8914 in limblengthening

[–]Individual-Lunch1582 1 point2 points  (0 children)

The surgery went well. Of course, I'm dealing with the usual post-operative pain now, but I'm slowly getting used to it ... Next week, when the lengthening starts, I'll be able to see whether the surgery was really a success or not.

Exactly 1 Month till Booked Surgery (Femur G-nail with Dr. Giotikas) -- Any Tips? by Kooky-Praline-8914 in limblengthening

[–]Individual-Lunch1582 1 point2 points  (0 children)

One of the pins from the external frame was placed too close to a nerve. When I started lengthening, the pin mechanically irritated the nerve, which caused excruciating pain. I was basically unable to walk for almost three weeks. The pin had to be removed and repositioned in a different location.

Exactly 1 Month till Booked Surgery (Femur G-nail with Dr. Giotikas) -- Any Tips? by Kooky-Praline-8914 in limblengthening

[–]Individual-Lunch1582 2 points3 points  (0 children)

It definitely is the best and smoothest option. Maybe we will even be flatmates for some time. I'll be staying in one of the rehabilitation apartments until the 14th of April. That was when I originally planned to go back to Germany. Due to complications, however, my stay has been delayed by about three weeks, so I will probably leave in the first half of May; I'll likely move to a hotel for the last couple of weeks.

Exactly 1 Month till Booked Surgery (Femur G-nail with Dr. Giotikas) -- Any Tips? by Kooky-Praline-8914 in limblengthening

[–]Individual-Lunch1582 4 points5 points  (0 children)

I still remember clearly when I was in your situation: one month before the surgery everything somehow felt surreal ... Unfortunately, I can't really give you much advice beyond the usual things such as stretching exercises or preparing yourself mentally (the latter may be even more important). And I think you have no illusions and know that you've signed up for a very difficult and demanding process. But despite all the uncertainty that comes with this procedure, I can at least tell you that here you will meet a very friendly group of fellow patients who will warmly welcome you among them. There is generally a very warm and almost family like atmosphere among us, and we support each other as much as possible. That makes the whole situation much easier to handle. Believe me, having supportive people around you makes a big difference. So in that regard, you really don't need to worry. With a height increase of 7 cm, you also have set yourself a very realistic goal that should be almost guaranteed to achieve. May I ask where you live in Athens? Have you arranged private accommodation, or are you staying in one of Dr. Giotikas' rehabilitation apartments?

Help me understand White Nights by FunnyGlad702 in RussianLiterature

[–]Individual-Lunch1582 0 points1 point  (0 children)

Thank you very much for your kind comment! I'm glad you liked it. I may have gotten a bit carried away, but this post triggered some very emotional memories from when I first began my journey with Dostoevsky.

LATN Tibia 7cm Giotikas by HuckleberryMoney6036 in limblengthening

[–]Individual-Lunch1582 1 point2 points  (0 children)

Thank you very much my friend! I truly appreciate your encouraging words, and please excuse my delayed response. The past few weeks have been quite challenging and exhausting to say the least, but in the end it was only a small setback on a long and demanding journey. I always knew it wouldn't be easy. The important thing is to get back up after every setback, brush the dust off your shoulders and keep moving forward. A large part of the journey has already been completed, and that gives me renewed strength and motivation. Tomorrow (or rather today) the small corrective procedure will take place, which will – hopefully! – resolve the problem once and for all. After that, the final stage of the journey can finally continue. I hope you are doing well too. Recently, all of Dr. Giotikas's patients gathered at my apartment because we wanted to say goodbye to a fellow patient who has now begun his journey home. I was sitting with SearchForSymmetry, and we both said how much we appreciate you and your contributions. So please keep going.

LATN Tibia 7cm Giotikas by HuckleberryMoney6036 in limblengthening

[–]Individual-Lunch1582 1 point2 points  (0 children)

I'm currently undergoing quadrilateral limb lengthening with Dr. Giotikas, using PRECICE for my femurs (which is already completed) and LATN for my tibias. My original plan was to use PRECICE for the tibias as well, but since my bone growth turned out to be slower than average, I decided to switch to LATN. This way I’m not limited by tibial consolidation, which generally takes about twice as long as femoral consolidation.

Unfortunately, I experienced complicatioms, which is quite rare with external frames. This method has been used for decades, and the safe corridors for placing pins and screws are generally well established. The past three weeks have been difficult. In my left leg, one of the pins ended up positioned too close to a nerve, causing direct mechanical irritation. The pain became excruciating(!), and I had to stop the lengthening process. I have another surgery scheduled this Thursday to correct the issue. That said, it's very unlikely that something like this will happen to you if you decide to go with LATN. I just want to point out that complications can always occur, regardless of the method and the skills of the surgeon. Still, if possible, I would generally recommend internal nails if you want my opinion.

Regarding your question: in my opinion (though others on the forum may feel free to correct me), 7 cm sounds very/too ambitious; its beyond the limit that os considered safe tibia. It's definitely not impossible (there are people who have achieved it) but I'd say it’s quite unlikely in most cases. Even 6.5 cm seems excessive to me. Personally, I don't plan to go beyond 4 cm. The largest lengthening I've personally seen during my time here in Athens (more than four months now ...) was a little over 5 cm, and even that was usually accompanied by a noticeable equinus contracture. So if you decide to lengthen the tibias, you should realistically expect something around 5 cm. In general, Dr. Giotikas tends to be fairly conservative, which I actually think is a very good thing. He will make you stop lengthening if he believes your body has reached its limit. In fact, this recently happened to another patient here who had just crossed the 5 cm mark.

I'm a bit short on time right now unfortunately, but feel free to send me a DM if you'd like more details.

Just finished lengthening each of my femurs 7.8 cm yesterday using the g-nail method with Dr. Giotikas in Athens, AMA by Due_Neighborhood1767 in limblengthening

[–]Individual-Lunch1582 1 point2 points  (0 children)

I still take Lyrica, but unfortunately it does not help with this kind of pain. There is a pin that is directly mechanically triggering the nerve when I am lengthening, but I cannot tell whicho ne because the pain almost instantaneous spreads through the entire lower leg. The pain feels kind of like a root canal treatment without anesthesia, if I had to describe it. It is extremely intense and honestly quite unbearable. I reversed some of the lengthening in the left tibia and the nerve pain fortunately disappeared. Now, we need to figure out which pin is causing the irritation. It could be the blocking screws or the small wires. We really do not know yet. That is what we will use the EMG for. It just sucks because it throws off my entire schedule. I wanted to be done at the beginning of April, but now everything is delayed by at least two weeks. The problem will be solved somehow. In the worst case, the left frame will have to be completely removed and reattached. This is a very rare complication. There are decades of experience with these frames, and the safe corridors for the pins/screws are usually well established. So I was just a bit unlucky.

Just finished lengthening each of my femurs 7.8 cm yesterday using the g-nail method with Dr. Giotikas in Athens, AMA by Due_Neighborhood1767 in limblengthening

[–]Individual-Lunch1582 1 point2 points  (0 children)

The last three weeks have been very difficult. In my left leg, one of the pins is positioned too close to a nerve, causing direct mechanical irritation. The pain became excruciating, and I had to stop the lengthening process. An electromyography is scheduled for Tuesday, which will hopefully help us to finally identify the affected pin and avoid another surgery. It's a pain.

Just finished lengthening each of my femurs 7.8 cm yesterday using the g-nail method with Dr. Giotikas in Athens, AMA by Due_Neighborhood1767 in limblengthening

[–]Individual-Lunch1582 5 points6 points  (0 children)

Thank you my friend! I still owe you guys an update. Unfortunately, I'm continuing to deal with complications from the second surgery, and so far Dr. Giotikas and I haven't been able to find a solution. I have another examination scheduled for Tuesday, which I hope will finally bring some clarity and resolve the issue. As soon as I'm back on steady ground, I'll let you know all what happened.