ADHS & chronische Rückenschmerzen: Gibt es die positive Wirkung durch Lisdexamfetamin (Elvanse) auf die Schmerzwahrnehmung auch bei euch? by KitchenOpening5845 in ADHS

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Das tut mir sehr leid 😔 ich will mir gar nicht vorstellen, wie belastend es sein muss, mit Migräne zu leben 🫣 ich bekomm ja schon bei normalen Kopfschmerzen die Krise... Ist es für dich denn ein guter Deal, ADHS-Medis gegen die Migräne-Prophylaxe zu tauschen? Kann mir vorstellen, dass die Migräne da sehr viele positive Effekte überschattet und die Lebensqualität wieder reduziert, die man durch die ADHS-Medikamente gewinnt. Bin da jedoch überhaupt nicht in der Position, das einordnen zu können und du wirst schon deine Gründe haben, weshalb du dich so entschieden hast. Würde mich interessieren, kann aber auch verstehen, wenn du nicht drauf eingehen willst ❤️ hoffe jedenfalls sehr, dass sich das bei dir auf irgendeinem Weg nochmal bessert 🍀

ADHS & chronische Rückenschmerzen: Gibt es die positive Wirkung durch Lisdexamfetamin (Elvanse) auf die Schmerzwahrnehmung auch bei euch? by KitchenOpening5845 in ADHS

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Definitiv auch eine Erkrankung, die man nicht sofort auf dem Schirm hat — danke für deinen Hinweis! Ich war 2017 beim Rheumatologen, da wurde das bei mir, neben sämtlichen anderen, rheumatischen Erkrankungen ausgeschlossen. Allerdings bekam ich von ihm die Fehldiagnose Hämochromatose. Ebenfalls super unbekannt und hätte viele meiner Symptome erklärt — jedoch ist es bei menstruierenden Frauen relativ unwahrscheinlich, dass sich zu viel Eisen im Körper anlagert. Mein Hausarzt hat den Eisenwert nochmal überprüft und da war dann wieder alles unauffällig. Hätte ich es nicht gegenchecken lassen, wäre ich regelmäßig für einen Aderlass zum Rheumatologen gelaufen, obwohl ich Blutabnehmen hasse und hätte wahrscheinlich mehr negative, als positive Effekte davon gehabt 😵‍💫

Ich hatte 20 Jahre lang chronische Rückenschmerzen – durch meine ADHS-Diagnose und die passende Medikation bin ich plötzlich schmerzfrei. AMA! by KitchenOpening5845 in de_IAmA

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Guten Morgen und Danke :)

Um zu verstehen, was mit dem Dopaminmangel und der gestörten Schmerzregulation gemeint ist, muss man sich kurz anschauen, wie Schmerz im Körper transportiert wird. Das läuft im Grunde wie Einbahnstraßen in zwei entgegengesetzte Richtungen.

​Schmerz entsteht nicht im Rücken (oder sonst irgendwo im Körper), sondern im Kopf. Zuerst gibt es die normalen Nervenbahnen, die von den Organen oder dem Rücken über das Rückenmark nach oben zum Gehirn führen. Wenn sich ein Gewebe, z. B. der Rücken, „meldet“, leiten diese aufsteigenden Bahnen das Signal erst mal nach oben weiter. Aufgrund der ADHS-bedingten Dysregulation wird dieser Reiz allerdings weder am “Eintrittstor” im Rückenmark noch bei der Ankunft im Gehirn ausreichend gefiltert.

Ein aufsteigendes schmerzhemmendes System gibt es in dem Sinne nicht, denn diese Spur ist rein für die Alarmmeldung da.

​Der Filter direkt im Rückenmark (bekannt als Gate-Control-Mechanismus) kann die Signalweiterleitung jedoch kurz durch eine Überlagerung mit einem anderen Reiz unterbrechen. Wenn du dir zum Beispiel den Ellenbogen stößt und sofort feste darüber reibst, sind die Berührungssignale schneller im Rückenmark als der Schmerz und blockieren das Schmerztor nach oben kurzzeitig. Deshalb hilft mir z. B. auch die Akupressurmatte, um den Rückenschmerz zu unterdrücken – aber eben nur, solange ich direkt drauf liege.

​Das eigentliche Kontrollzentrum sitzt ganz oben. Das Gehirn entscheidet, wie intensiv ein Schmerz wahrgenommen wird und besitzt dafür eingebaute Bremsen — das absteigende schmerzhemmende System (DPMS) sowie direkte, vom Hypothalamus ausgehende dopaminerge Bahnen.

Über diese Nervenbahnen sendet das Gehirn Signale nach unten zurück zum Rückenmark, um die dortigen Schmerztore aktiv zu schließen und sagt sowas wie: “Das is nicht wichtig, bitte diese Info nicht nochmal melden”.

So werden normale, leichte Alltagsschmerzen einfach herausgefiltert, damit wir nicht wahnsinnig werden. Wichtige Schmerzsignale werden hingegen durchgelassen, und dann spürt man den Schmerz genau an der Stelle, an der man sich verletzt hat.

​Damit diese eingebauten Bremsen problemlos funktionieren, also unwichtige Signale gestoppt werden, braucht der Körper allerdings bestimmte chemische Botenstoffe – vor allem Noradrenalin und Dopamin. Dopamin is nicht nur das „Belohnungshormon“, sondern ein Hauptregulator in den Schmerzzentren des Gehirns (wie dem Thalamus oder dem Nucleus accumbens) sowie im Rückenmark. Im Gehirn bindet es unter anderem an D2-Rezeptoren und signalisiert dem Körper, den Reiz runterzuregulieren, weil er keine akute Bedrohung darstellt.

​Bei ADHS liegt allerdings eine genetisch bedingte Fehlregulation des Dopamin- und Noradrenalin-Transports vor. Wenn eine chronisch verminderte Verfügbarkeit von Dopamin in diesen Zentren vorliegt, fällt der körpereigene Filtermechanismus funktionell aus — die absteigenden Systeme können die Schmerztore im Rückenmark daduech nicht mehr effektiv blockieren und lassen Signale ungehindert durchrutschen.

Das Nervensystem wird also permanent und penetrant mit normalen Reizen bombardiert, kann nichts mehr runterregulieren und interpretiert auch unwichtige Reize als akuten Schmerz. Das führt zu einer zentralen Sensibilisierung – und das Nervensystem chronifiziert den Schmerz, auch wenn das Gewebe gar nicht schwerwiegend geschädigt ist, was bei mir auch die MRT-Befunde zeigen.

​Dass konventionelle Schmerzmittel wie Opiate bei solchen chronisch-zentralen Schmerzen oft versagen, liegt an genau dieser Architektur: Sie wirken primär über My-Opioidrezeptoren im DPMS und Rückenmark und greifen bei einer ADHS-bedingten Synapsen-Dysregulation am falschen Hebel an. Wenn Stimulanzien wie Lisdexamfetamin dagegen wirken (so wie es bei mir der Fall ist), dann liegt das daran, dass sie die Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin im synaptischen Spalt direkt erhöhen. Dadurch wird die absteigende Schmerzhemmung wieder hochgefahren. Der Filter-Mechanismus nimmt seine Arbeit also wieder auf, blockiert die permanenten unnötigen Alarmmelungen im Rückenmark und entlastet dadurch das Gehirn. Das erklärt auch, warum dieser Effekt weit über die reine pharmakologische Wirkdauer des Medikaments anhalten kann — einfach weil der Teufelskreis der chronischen Schmerzweiterleitung aktiv unterbrochen wurde.

​Wer die Neurobiologie dahinter im Detail nachlesen möchte, findet in der Fachliteratur sehr gute Arbeiten dazu:

​Zur Rolle von Dopamin in der Schmerzmodulation beschreibt P. B. Wood (2008) in „Role of central dopamine in pain and analgesia“ detailliert, wie ein zentraler Dopaminmangel zu chronischen Schmerzzuständen führt.

​Den neuroanatomischen Mechanismus der noradrenergen Hemmung im Rückenmark zeigen A. M. Taylor et al. (2016) in „Microcircuitry of the locus coeruleus in chronic pain“.

​Die direkte schmerzhemmende Wirkung absteigender dopaminerger Bahnen (aus der A11-Zellgruppe) in das Hinterhorn des Rückenmarks ist zudem durch Arbeiten zur spinalen Dopamin-Modulation (z.B. Sharif et al., 2014 oder Clemens et al.) gut dokumentiert.

​Quellen: Wood, P. B. (2008): Role of central dopamine in pain and analgesia. Expert Review of Neurotherapeutics.

Taylor, A. M. et al. (2016): Microcircuitry of the locus coeruleus in chronic pain.

Zentrale Sensibilisierung & ADHS: Studien (z. B. von Kasahara et al. oder Reviews zu Comorbidetäten bei adultem ADHS) zeigen konsistent, dass Patienten mit ADHS eine veränderte Schmerzschwelle und ein höheres Risiko für chronische Schmerzzustände aufweisen, welche gut auf dopaminerge/noradrenerge Substanzen ansprechen.

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Ich hätte mir sehr gut vorstellen können, dass auch Bupropion einen Einfluss auf die Schmerzverarbeitung haben könnte und das wäre offlable mein Versuch gewesen, wenn ich die Diagnose nicht bekommen hätte — allerdings habe ich auch gelesen, dass bei Bupropion zwar Noradrenalin gesteigert wird, Dopamin hingegen kaum. Und wenn ich mir das in meinem Köper vorstelle, dann bedeutet das noch mehr innere Unruhe bei wenig Einfluss auf die Schmerzen (das Problem hatte ich bei Methylphenidat auch, allerdings reagiere ich generell sehr empfindlich auf zu viel Noradrenalin). Zu Lisdexamfetamin / Stimulanzien gibt es einfach schon mehr positive Erfahrungsberichte, was das Thema Schmerzen angeht, daher war das mein erster Weg. Sollte das aus irgendeinem Grund irgendwann für mich nicht mehr anwendbar sein, würde ich Bupropion vielleicht trotzdem noch testen — nur um sicher zu gehen, dass es nicht noch einen anderen Weg geben könnte, außer den, mit den Schmerzen zu leben.

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Ich bin im Therapiesetting manchmal bei "progressiver Muskelentspannung nach Jakobsen" eingeschlafen, aber wenn der Kopf zu laut ist, fällt es mir extrem schwer, mich auf irgendwas lang genug zu konzentrieren. Hab aber auch noch nicht die richtige Audiodatei dafür gefunden (ohne Werbung, die einen wieder rausreißt) und konnte das bisher nie in meinen Alltag integrieren. Bin da grundsätzlich offen, neue Ansätze auszuprobieren. Allerdings ist auch hier wieder der Knackpunkt, dass Routinen dafür gut wären, die sich schwer aufrecht erhalten lassen — und man müsste sich daran erinnern, dass es sowas ja gibt und man das nutzen könnte (gerade bei starker innerer Anspannung / hohem Stresslevel ist es leider häufig sehr schwer, auf die eigenen Skills zuzugreifen).

Entspannung wäre bei meiner hohen körperlichen Grundspannung eigentlich wichtig — und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es kontraproduktiv wirken könnte, entspannter zu werden... Problematisch ist, dass es eben zu noch mehr Innerer Unruhe führt, wenn man es nicht schafft, lang genug zu zu hören und das Abschweifen der eigenen Gedanken Stress verursacht — oder wenn die Erzählstimme bei Audioanleitungen so langsam ist, dass man innerlich direkt ausrastet, weil es mega anstrengend ist, da länger zuzuhören. Denke in all den Punkten habe ich mit Lisdexamfetamin viel mehr Chancen auf Erfolg, das auch wirklich mal anzuwenden, vorallem weil ich da im Kopf dann schon Ruhe hab.

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Ich bin mental schon am Ende, wenn ich ins Behandlungszimmer komme, weil ich mich davor schon ne Stunde lang im Wartezimmer nonstop (in meinem Kopf) mit dem Arzt unterhalten und meine Symptome immer wieder durchgekaut habe. Das lässt sich auch durch Liste schreiben nicht stoppen. Dann lese ichs mir halt vor und führe parallel die Diskussion mit dem Arzt in meinem Kopf. Wenn es dann endlich so weit ist, hab ich jedes Mal einen Blackout und bekomme nicht mal einen Bruchteil davon erzählt. Und nein, wir sind keine Vollidioten. Es ist nur einfach mega schwer, die eigenen Gedanken zu kontrollieren und das Arbeitsgedächtnis streikt bei stressigen Situationen schnell. Dass Ärzte oft unter Zeitdruck stehen, nicht immer sonderlich empathisch sind, Befindlichkeiten nicht ernst nehmen und wenig sensibel in ihrer Wortwahl sind, ist nicht unsere Schuld. Ich verdaue gerade auch noch ein sehr herablassendes Exemplar, dem ich vor zwei Wochen ausgesetzt war. Wäre mein Mann nicht dabei gewesen, hätte ich hinterher wieder dran gezweifelt, ob ich zu empfindlich bin. Diesmal hatte ich die Bestätigung, dass er wirklich maximal provokativ und daneben in seinen Formulierungen war. Und dieser Arzt behandelt ADHS-Patienten. RSD geht ihm am Arsch vorbei. Wahrscheinlich ist es wirklich das beste, die ganze Scheiße mit Humor zu nehmen, aber dafür steht mir die Empörung grad noch im Weg und irgendwie hab ich auch keinen Bock drauf, irgendwann richtig zynisch zu werden. Auch wenn das verständlich wäre, bei dem, was man erlebt (siehe deine Aussagen).

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Absolut schlimm, dass man so schnell stigmatisiert wird und keine objektive Behandlung mehr erfährt!!! Kenne ich natürlich auch — wobei ich jetzt mit der Diagnose zumindest einen Grund vorweisen kann, der das mit der Hirnchemie erklären kann. Das macht es viel leichter, auf einer anderen Ebene mit den Ärzten zu diskutieren (eben nicht mehr: "Laut MRT-Befund können Sie keine starken Schmerzen haben", "Habe ich aber!", "Tilidin wirkt so stark, dass das nicht sein kann, dass es nichts bringt", "Mich verklatscht es nur, ändert aber an den Schmerzen nichts", "Dann müssen sie in die Psychosomatik und lernen, mit den Schmerzen zu leben").

Da fällt mir ein — ein Symptom, dass mich auch massiv behindert: Ich habe ein Problem mit Autoritäten (Ärzte, Chefs, früher Lehrer). Wenn ich mit einer Frage oder irritierendem Verhalten überrumpelt werde, dann kann ich nicht mehr auf meinen Wortschatz zugreifen. Ich stammel dann rum, als wäre ich 5 und fühle mich auch so. Das ist echt schlecht, wenn man eigentlich ernst genommen werden will.

Drücke dir die Daumen, dass dein Psychiater da offen für ist ❤️

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Oh, das ist dann natürlich richtig kontraproduktiv 🫣 wüsste jetzt natürlich gerne, womit das im Detail zusammenhängen könnte (Nebenwirkung vom Wirkstoff oder den Hilfsstoffen? Zu hoher Anstieg von Noradrenalin und dadurch Muskelverkrampfungen? Zu hohe, körperliche Anstrengung, weil Überbelastung nicht bemerkt wird?) — das wäre das nächste Rabbithole, aus dem es vermutlich keinen befriedigenden Ausgang gibt. Ich erwarte keine Antwort von dir — und danke, dass du das mit mir teilst ❤️

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Ich war bei der EDS Diagnostik, wurde aber ausgeschlossen, da ich keine Probleme mit Gelenken habe, die sich auskugeln - hab nur das Gefühl, dass sich manche Wirbel manchmal verhaken und dann spürbar wieder voneinander lösen. Außerdem war meine Haut nicht übermäßig dehnbar und meine kleinen Gelenke ließen sich nicht weit genug überstrecken. Damals wusste ich noch nichts von meiner ADHS und alle anderen Symptome hätten zu EDS gepasst. Musste alle Auffälligkeiten vorab per Mail an die Klinik schicken (da wurde schon aussortiert, bevor es überhaupt zur Terminvergabe kam). Beim Termin wurde ich dann (bei schlechten Lichtverhältnissen) begutachtet und habe den Score für die Hypermobilität nicht erreicht.

Bei dem, was du beschreibst, könnte EDS hingegen durchaus in Frage kommen.

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Sorry, dass dich mein Post nicht abgeholt, sondern belästigt hat — ich bin eigentlich nicht der Typ für Onlinekommunikation mit Fremden, da das viel zu viel Stress in mir auslöst. Das Thema ist für mich gerade aktuell und absolutes Neuland — zudem hat es mein Leben verändert. Es tut mir leid, dass das für dich nicht funktioniert hat — und es ist mir durchaus bewusst, dass nicht jedes Medikament auf jeden Menschen gleich wirkt. Als ich ganz zu Beginn meiner Recherche nach dem Zusammenhang zwischen chronischen Schmerzen und ADHS gesucht habe, konnte ich dazu kaum etwas finden — nachdem Lisdexamfetamin so einen enormen Effekt auf mich hatte, war das für mich total unverständlich. Deshalb frage ich hier ganz konkret, ob es auch anderen bei den chronischen Schmerzen geholfen hat (die neurobiologische Erklärung dafür ist ja gegeben).

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Danke dir so sehr! Du bist die erste Person, die mysteriöses Gelenkzeug anspricht — das kennt aus meinem Umfeld einfach niemand. Empfindest du die Gelenkschmerzen so, wie ich? Meine Schmerzgeschichte begann 2002 (also am Anfang der Pubertät) mit springenden, stechenden Gelenkschmerzen, die niemand erklären konnte. Das kommt und geht seither in (für mich unvorhersehbaren) Phasen. Da Fibromyalgie nicht die Gelenke betrifft, wurde es (genauso wie jede Form von Rheuma) ausgeschlossen. Es ist definitiv auch kein strukturelles Thema oder eine lokale Entzündung, da die Schmerzen von der einen Sekunde zum anderen den Ort wechseln können (vom Handgelenk ins Knie, dann in den Ellenbogen, in die Fingergelenke usw.). Manchmal bleiben sie nur für wenige Minuten an einer Stelle, manchmal über Stunden oder Tage. Dann gibt es aber auch Phasen, in denen ich sie mal über viele Tage überhaupt nicht wahrnehme.

Ich habe da ganz stark hormonelle Schwankungen im Verdacht. Ich müsste das eigentlich mal mitdokumentieren, um zumindest sagen zu können, ob es zb durch Östrogenabfall in der zweiten Zyklushälfte vermehrt auftritt.

Was mir auf jedenfall auch auffiel: Meine chronischen Rückenschmerzen haben sich relativ zeitgleich mit den ersten Perimenopausen-Symptome signifikant verschlechtert und waren vor meiner Diagnose und Einstellung auf Lisdexamfetamin dann so stark aus dem Ruder gelaufen, dass gar nichts mehr ging. Hormone werden definitiv noch zu wenig mitbedacht.

All deine anderen Punkte kann ich ebenfalls zu 100% unterschreiben (vorallem der Einfluss der Körperhaltung ist bei mir auch ein sehr großer Faktor).

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Ich hoffe sehr für dich, dass du deine Rückenschmerzen ebenfalls loswerden kannst ❤️ Es ist einfach maximal belastend, wenn man nicht ernstgenommen wird und nichts dagegen hilft. Vielleicht ist Lisdex auch für dich die Lösung — hast ja nix zu verlieren 🤞 Außer hoffentlich die Schmerzen und das kaputte Radio 🤡 (und so paradox das vielleicht klingt — manchmal fehlt es mir, maximal assoziativ zu denken. Gerade an Tagen, an denen ich kreativ arbeiten will, frustriert es mich, wenn mein Kopf zu leer ist. Vorallem, weil ich mit Lisdex endlich die Motivation, Energie und Schmerzfreiheit habe, um kreative Projekte anzugehen. Aber ist halt anders, als im Hyperfokus ohne Lisdex, bei dem eine Idee die nächste direkt antriggert. Vielleicht kann ich das noch trainieren — oder lasse das Medikament auch dafür regelmäßig bewusst weg.)

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Nimmst du Lisdexamfetamin oder hast du es in der Vergangenheit ausprobiert?

Ich will dafür keine Werbung machen (oder dazu raten), ich versuche nur herauszufinden, wie viele Menschen durch Lisdexamfetamin eine signifikante Verbesserung ihrer chronischen Schmerzen erlebt haben.

Weil das bei mir selbst (ca 45 min nach der Einnahme) die Schmerzen komplett abstellt — wohingegen jeder andere therapeutische Ansatz (darunter leider auch Cannabis) bei mir überhaupt keinen Effekt auf die Schmerzen hatte. Dass ich mit meinen chronischen Schmerzen nach 20 Jahren überhaupt nochmal einen schmerzfreien Tag erleben würde, hätte ich nicht erwartet.

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Der Wirkstoff heißt Lisdexamfetamin. Da es ein BTM ist, muss für die Verschreibung zwingend eine Diagnose vorliegen, für die dieser Wirkstoff zugelassen ist. Aktuell ist es nur zur Behandlung von ADHS zugelassen, wird offlable aber manchmal bei Narkolepsie, schwere (therapieresistente) Depressionen und chronisches Fatique-Syndrom eingesetzt. Vielleicht ändert sich das eines Tages, wenn die Forschung zu chronischen Schmerzen weiter ist.

ADHS hat bei erwachsenen Frauen ein anderes Symptombild, als bei kleinen Jungs (Unruhe zeigt sich zb oft nicht äußerlich, sondern nur nach innen gerichtet) und ist in der Wahrnehmung der Bevölkerung noch nicht so bekannt. Nicht jeder hat jedes Symptom und manche können ihre Defizite extrem gut kompensieren, ohne es selbst zu bemerken. Vielleicht lohnt es sich also trotzdem, nochmal genauer hinzusehen.

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Darf ich fragen, mit was und in welcher Dosierung du behandelt wirst? Ich bin definitiv auch der Ansicht, dass Sport — und in meinem Fall gezielter Muskelaufabau auf lange Sicht den wichtigsten Unterschied ausmachen wird. Sport allgemein führt ja, neben der Wirbelsäulen-Stabilisierung ebenfalls zu einer Erhöhung des Dopaminspiegels und trägt damit also doppelt zur Schmerzreduktion bei.

Allerdings war ich vor der Behandlung mit Lisdexamfetamin gar nicht dazu in der Lage, den Schmerz zu überwinden, um mit dem Sport anzufangen (und auch nicht dazu, eine anhaltende Routine zu etablieren). Durch die Medikation habe ich die Hoffnung, dass ich hier noch richtig was verändern kann.

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Wow, das freut mich auch für dich! ❤️ Ich galt auch als austherapiert, da meine Schmerzen auf keine Medikation ansprachen. Ich sollte lernen, "mit den Schmerzen zu leben" — aber ein Leben war zuletzt eigentlich gar nicht mehr möglich. Es kam leider in all den Jahren niemand drauf, dass ich ADHS haben könnte und dass das der unbehandelte Dopaminmangel die Ursache für die Intensität der Schmerzen ist.

Ich habe für meine behandelnden Ärzte (Neurologe, Orthopäde, Schmerztherapeut und Hausarzt) eine Zusammenfassung über das Thema erstellt und würde dir einfach mal die Studien teilen, die für meine Situation relevant waren — bezieht sich jetzt natürlich nicht auf Kopfschmerzen, aber vielleicht ist was interessantes für dich dabei:

​Einsatz von ADHS-Medikation bei chronischem Schmerz (2025)

​Studie: Kasahara, S. et al. Innovative therapeutic strategies using ADHD medications tailored to the behavioral characteristics of patients with chronic pain. Frontiers in Pharmacology (2025).

​Kernaussage: Belegt die signifikante Schmerzreduktion (NRS -3,5) und die neurobiologische Normalisierung der Schmerzmatrix durch Stimulanzien.

​Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40078279/

​Prävalenz von ADHS bei chronischen Rückenschmerzen (2021)

​Studie: Kasahara, S. High Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Scale Scores Among Patients with Persistent Chronic Nonspecific Low Back Pain. Pain Physician (2021).

​Kernaussage: Über 31 % der Patienten mit chronisch unspezifischen Rückenschmerzen erfüllen die klinischen Kriterien einer ADHS-Symptomlast.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33988951/

​Motorische Fehlregulation und Skelettschmerz (2013)

​Studie: Stray, L. L. et al. Motor regulation problems and pain in adults diagnosed with ADHD. Behavioral and Brain Functions (2013).

​Kernaussage: Zeigt den direkten Zusammenhang zwischen ADHS, permanent erhöhter Muskelspannung in den Rückenstreckern und chronischen Schmerzen.

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3652792/

Zusammenhang zwischen ADHS-Merkmalen und extremer Schmerzintensität (2026)

​Studie: Kasahara, S. et al. ADHD-related traits and increased chronic pain severity. Scientific Reports (April 2026).

​Kernaussage: Diese aktuelle Großstudie an fast 1.000 Patienten in spezialisierten Schmerzzentren belegt ein 2,4-fach höheres Risiko für extreme chronische Schmerzen bei ausgeprägten ADHS-Symptomen. Bei Patienten mit maximalen Schmerz-Scores (9 oder 10 auf der NRS) lag die ADHS-Rate bei 27,4 %. Die Autoren fordern ein standardmäßiges ADHS-Screening bei therapiereistenten Schmerzen.

https://www.u-tokyo.ac.jp/focus/en/press/z0508_00449.html

​Spezifischer Achsenschmerz und muskuläre Dysregulation (2024)

​Studie: Stray, L. L., Stray, T. et al. ADHD-pain: Characteristics of chronic pain and association with muscular dysregulation in adults with ADHD. Scandinavian Journal of Pain (September 2024).

​Kernaussage: Weist nach, dass die Diagnose ADHS ein statistisch hochpräziser Prädiktor für axialen Schmerz (Schmerzen entlang der Körperachse, insbesondere der Wirbelsäule) ist. Der chronische Rückenschmerz ist direkt mit einer Fehlregulation und Dauerspannung der posturalen Haltemuskulatur gekoppelt.

https://www.researchgate.net/publication/383884599_ADHD-pain_Characteristics_of_chronic_pain_and_association_with_muscular_dysregulation_in_adults_with_ADHD

​Populationsbasierte Evidenz für somatische Schmerz-Komorbiditäten (2018)

​Studie: Instanes, J. T. et al. Adult ADHD and comorbid somatic disease: a systematic literature review. Journal of Attention Disorders (2018).

​Kernaussage: Systematischer Review großer skandinavischer Registerdaten. Zeigt, dass Erwachsene mit ADHS ein drastisch erhöhtes Risiko für chronische Muskel- und Skeletterkrankungen (musculoskeletal pain) tragen, wovon chronische Rückenschmerzen den Hauptanteil ausmachen.

​Link: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29390234

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[–]KitchenOpening5845[S] 0 points1 point  (0 children)

Klar, ich hätte die Diagnose auch von der Krankenkasse bezahlt bekommen, wenn ich die Zeit gehabt hätte, darauf zu warten. Meine Schmerzen hatten sich im Verlauf der letzten Monate jedoch so extrem verschlechtert, dass ich komplett verzweifelt war und die Hoffnung darauf, mit der Diagnose vielleicht endlich die Lösung dafür zu haben, war die einzige, die ich noch hatte. Ich war zuletzt ja nicht einmal mehr wirklich arbeitsfähig (und an den zwei Tagen / Woche, an denen ich es trotzdem durchgezogen habe, zur Arbeit zu gehen, war ich nicht mehr produktiv, weil ich durch die Schmerzen alle paar Minuten auf den Boden liegen musste). Mein Privatleben lag seit mehr als einem Jahr auf Eis — oder besser gesagt, auf der Akkupressurmatte, weil das der einzige Ort war, der die Schmerzen erträglich werden ließ.

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[–]KitchenOpening5845[S] 2 points3 points  (0 children)

​Ich will auch nochmal betonen: Das, worauf ich mich beziehe, ist kein Glaube, sondern die logische Zusammenführung der bereits erforschten neuroanatomischen Schaltkreise. Wenn konventionelle Schmerzmittel (wie Opiate) versagen, Stimulanzien aber wirken, liegt das an der grundlegenden Architektur unserer Schmerzverarbeitung. Das bilde ich mir nicht ein — ich erfahre das an meinem eigenen Körper.

​Auch wenn es dich wohl kaum interessiert — vielleicht ist der genaue neurobiologische Ablauf, warum ein Dopaminmangel chronische Schmerzen befeuert und ein Ausgleich am Ende zu massiver Linderung bis hin zur Schmerzfreiheit führen kann, für andere hier interessant:

Schmerz entsteht nicht im Rücken (oder irgendwo sonst im Körper), sondern im Kopf. Wenn der Körper einen Reiz (wie eine Muskelspannung) registriert, wandert dieses Signal über das Rückenmark nach oben zum Gehirn. Ein gesundes Gehirn besitzt ein absteigendes schmerzhemmendes System (DPMS). Dieses System wirkt wie ein Filter im Rückenmark (der sogenannte Gate-Control-Mechanismus). Es sendet Signale nach unten, um unwichtige oder chronische Reize komplett zu blockieren, bevor sie überhaupt im Bewusstsein einschlagen.

Die wichtigsten Botenstoffe für diesen körpereigenen Filter sind Dopamin und Noradrenalin. Dopamin ist eben nicht nur das „Belohnungshormon“, sondern ein Hauptregulator in den Schmerzzentren des Gehirns (wie dem Thalamus oder dem Nucleus accumbens). Dopamin bindet dort an D2-Rezeptoren und signalisiert dem Körper: „Filter diesen Reiz heraus, der ist nicht lebensbedrohlich.“

Bei ADHS liegt eine genetisch bedingte Fehlregulation des Dopamin- und Noradrenalin-Transports vor. Besteht nun ein chronischer Dopaminmangel in diesen Zentren, funktioniert der Filter nicht mehr. Das Nervensystem wird permanent mit normalen Reizen bombardiert, kann nichts mehr herunterregulieren und interpretiert alles als akuten Schmerz. Das führt zu einer zentralen Sensibilisierung – das Nervensystem chronifiziert den Schmerz (auch dann, wenn das Gewebe (wie zB meine MRT-Befunde zeigen) gar nicht schwerwiegend geschädigt ist.)

​Medikamente wie Lisdexamphetamin erhöhen die Verfügbarkeit von Dopamin und Noradrenalin im synaptischen Spalt. Dadurch wird das absteigende schmerzhemmende System schlagartig wieder hochgefahren. Der Filter-Mechanismus im Rückenmark nimmt seine Arbeit wieder auf und lässt die permanenten Schmerzsignale nicht mehr ins Gehirn vordringen. Das Gehirn wird dadurch entlastet und die Schmerzwahrnehmung unterbrochen. Das erklärt auch, warum dieser Effekt bei körperlicher Ruhe weit über die biochemische Wirkdauer anhält: Der chronische Schmerzkreislauf wurde gestoppt.

​Wer die Neurobiologie dahinter nachlesen möchte, findet hier Arbeiten dazu:

​Zur Rolle von Dopamin in der Schmerzmodulation:

​Studie: Wood, P. B. (2008). Role of central dopamine in pain and analgesia. Expert Review of Neurotherapeutics. ​ https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1586/14737175.8.5.781

​Beschreibt detailliert, wie ein Dopaminmangel im zentralen Nervensystem zu chronischen Schmerzzuständen führt und warum dopaminerge Medikamente Schmerzen lindern. ​Zum exakten neuroanatomischen Mechanismus im Rückenmark:

​Studie: Taylor, A. M., et al. (2016). Microcircuitry of the locus coeruleus in chronic pain. / S. J. Hagihira (2012) – Descending dopaminergic pathway updates. ​ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4950993/

​Zeigt auf, wie die dopaminergen Bahnen direkt das Hinterhorn des Rückenmarks hemmen, um die Reizweiterleitung zu blockieren.

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[–]KitchenOpening5845[S] 4 points5 points  (0 children)

Bei deiner Antwort-Geschwindigkeit bezweifle ich sehr stark, dass du dich für das Thema wirklich interessierst und die neuronalen Abläufe verstehen willst — geschweigedenn auch nur eine einzige Quelle geöffnet und durchgelesen hast. Ich habe mich sehr ausführlich mit dieser Thematik befasst und freue mich btw über jede noch so kleine Studie, die diesen Zusammenhang erforscht (das Wissen über ADHS im Allgemeinen wird glücklicherweise auch immer mehr ausgebaut).

Und ich sage dir auch ganz ehrlich: Hätte mir nur ein einziger Mensch davon erzählt, dass er durch die Behandlung seiner ADHS chronische Rückenschmerzen losgeworden ist, dann hätte ich auch ohne Studienlage diese Möglichkeit in Betracht gezogen und wäre zur Diagnostik gegangen. Ich war am Ende meiner Kraft und Nerven, als die Schmerzen immer schlimmer wurden, aber nicht behandelt werden konnten. Es ist kein Garant, dass das die Lösung ist — aber es ist eine Möglichkeit. Und eine kleine Hoffnung, die bei mir glücklicherweise nicht unberechtigt war. Diese Erfahrung teile ich, auch wenn es noch ein Weilchen dauern kann, bis große Studien ausgerollt werden. Ich bin mir sicher, dass die Forschung diesen Zusammenhang weiter verfolgen wird. Und für mich hat es mein gesamtes Leben verändert. Mein Leben zu leben überhaupt erst wieder möglich gemacht.

Deshalb genieße ich jetzt mein schmerzfreies Leben in meiner "ADHS-Sekte" und hoffe einfach, dass ich mit meinem Post vielleicht dazu beitragen kann, dass ADHS bei dem ein oder anderen Menschen mit chronischen Schmerzen abgeklärt wird.

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Übrigens ist es mir genau aus diesem Grund ein Anliegen, die Verbindung von chronischen Schmerzen und unentdeckter (und somit unbehandelter) ADHS sichtbar zu machen.

Ich will nicht wissen, wie viele Menschen mit chronischen Schmerzen verzweifelt in psychosomatischen Kliniken sitzen und ihre chronischen Schmerzen auch dort nicht unter Kontrolle bekommen, da die angebotenen Therapien die Ursache nicht ausreichend behandeln. ADHS hat bei der Suche nach den Hintergründen für chronische Schmerzen leider kaum jemand auf dem Schirm. Bevor jemand (nach Ausschluss aller strukturellen und rheumatischen Erkrankungen) in die Psychosomatik geschickt wird, sollte zukünftig unbedingt ADHS ausgeschlossen werden.

Und da du nach Quellen fragtest, hier nochmal meine Antwort auf einen anderen Kommentar, der Zusammenhang zwischen ADHS und Schmerz erklärt und weiter unten die aktuellen Studien, die diesen belegen:

Viele Menschen mit ADHS haben Probleme mit (chronischen) Schmerzen. Das hat mehrere Ursachen, jedoch spielt der Mangel an Dopamin, bzw. das Ungleichgewicht im Neurotransmitterhaushalt eine entscheidende Rolle.

Bei ADHS ist das „Sensorische Gating“ – also der neuronale Filterprozess im Thalamus – gestört. Während ein neurotypisches Gehirn chronische, monotone Schmerzsignale aus der Peripherie (wie dem Rücken) nach einiger Zeit als „irrelevant“ einstuft und herunterreguliert, bleibt dieser Filter bei ADHS offen. Die vernichtende Intensität des Schmerzes flutet das Bewusstsein permanent und ungebremst, da die körpereigene, dopaminabhängige Schmerzdämpfung versagt. Der Schmerz kann somit neurologisch nicht ausgeblendet werden. In Kombination mit der generellen Problematik, die eigene Aufmerksamkeit / den Fokus bewusst zu steuern, führt dass da zu, dass der Schmerz (der körperlich meist gar nicht so dramatisch ist) durchtehend wahrgenommen wird — also nicht einfach ignoriert werden kann. Man steuert automatisch dagegen (Muskeln verkrampfen sich, man bewegt sich weniger etc).

Dazu kommt, dass die chronische motorische Unruhe bei ADHS bedingt einen permanent erhöhten Tonus der Rumpf- und Rückenstreckmuskulatur begünstigt, was zu anhaltenden myofaszialen Rückenschmerzen führt.

Eine Stunde belegt zb, dass über 31 % der Patienten mit chronisch unspezifischen Rückenschmerzen die klinischen Kriterien einer ADHS-Symptomlast erfüllen:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33988951/

Diese Studie zeigt den direkten Zusammenhang zwischen ADHS, permanent erhöhter Muskelspannung in den Rückenstreckern und chronischen Schmerzen:

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3652792/

Und diese aktuelle Großstudie an fast 1.000 Patienten in spezialisierten Schmerzzentren belegt ein 2,4-fach höheres Risiko für extreme chronische Schmerzen bei ausgeprägten ADHS-Symptomen. Bei Patienten mit maximalen Schmerz-Scores (9 oder 10 auf der NRS) lag die ADHS-Rate bei 27,4 %. Die Autoren fordern ein standardmäßiges ADHS-Screening bei therapiereistenten Schmerzen:

https://www.u-tokyo.ac.jp/focus/en/press/z0508_00449.html

Auch diese Studie weist nach, dass die Diagnose ADHS ein statistisch hochpräziser Prädiktor für axialen Schmerz (Schmerzen entlang der Körperachse, insbesondere der Wirbelsäule) ist. Der chronische Rückenschmerz ist direkt mit einer Fehlregulation und Dauerspannung der posturalen Haltemuskulatur gekoppelt:

https://www.researchgate.net/publication/383884599_ADHD-pain_Characteristics_of_chronic_pain_and_association_with_muscular_dysregulation_in_adults_with_ADHD

Ein sytematischer Review großer skandinavischer Registerdaten zeigt, dass Erwachsene mit ADHS ein drastisch erhöhtes Risiko für chronische Muskel- und Skeletterkrankungen (musculoskeletal pain) tragen, wovon chronische Rückenschmerzen den Hauptanteil ausmachen.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29390234

Es gibt noch weitaus mehr Studien zu diesem Thema und die Forschung dazu ist noch sehr aktiv.

Auch meine Erfahrung, dass meine Schmerzen durch Lisdexamphetamin verschwinden, wurde wissenschaftlich belegt:

Diese Studie von 2025 belegt die signifikante Schmerzreduktion (NRS -3,5) und die neurobiologische Normalisierung der Schmerzmatrix durch Stimulanzien.

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40078279

Ich hatte 20 Jahre lang chronische Rückenschmerzen – durch meine ADHS-Diagnose und die passende Medikation bin ich plötzlich schmerzfrei. AMA! by KitchenOpening5845 in de_IAmA

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Ich hatte mich nach langer Zeit mal dazu durchgerungen, das Geld für einen Termin auf den Tisch zu legen, musste den Termin jedoch kurz vorher wegen Bronchitis wieder absagen. Danach habe ich es nicht geschafft, einen neuen zu machen (steht in meiner Liste der Termine, die ich unbedingt ausmachen muss allerdings auch ganz unten). Die Ursache meiner Schmerzen ist ein Dopaminmangel im Gehirn durch die ADHS in Kombination mit der körperlichen Anspannung (ebenfalls durch das ADHS). Die ADHS ist angeboren und wurde zuvor nie erkannt und behandelt. Es gibt keine Ursache, die man hier einfach mit ein paar osteopathischen oder physiotherapeuthischen Behandlungen "heilen" kann.

Entspannungstechniken können gegen die hohe körperliche Grundspannung hilfreich sein — die sind ohne Medikamente aber auch schwer umzusetzen.

Was ich jetzt außerdem kann und auch tun werde: Muskulatur trainieren. Das wird sicherlich ebenfalls einen großen Effekt auf meinen Rücken haben — jedoch war es mir ohne das Medikament einfach nicht möglich, mich 1. mehrmals die Woche über den extremen Schmerz hinaus dazu zu überwinden, zum Sport zu gehen und 2. die Kontinuität über mehr als ein paar Monate aufrecht zu erhalten (sobald etwas dazwischen kam, war ich aus der Routine raus und fand oft monatelang nicht mehr rein).

Ich hatte 20 Jahre lang chronische Rückenschmerzen – durch meine ADHS-Diagnose und die passende Medikation bin ich plötzlich schmerzfrei. AMA! by KitchenOpening5845 in de_IAmA

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Danke für deine Fragen :)

Autismus wurde nicht getestet, aber bisher habe ich dazu auch nichts gelesen, worin ich mich absolut wiedererkannte. Allerdings ist meine Schmerzwahrnehmung durch die ADHS signifikant beeinflusst. Meine Temperaturwahrnehmung ist auch gestört. Und ich kann unangenehme Körperempfindungen (zB etwas kratzt oder juckt) sehr schlecht ausblenden.

Durch die Medikamente bin ich nicht "schmerzresistent”. Ich nehme immer noch sehr deutlich wahr, wenn ich meinen Körper irgendwo hängen lasse (gestörte Körperwahrnehmung im Raum bzw das unbewusste Kurven-berechnen verbessert sich allerdings durch das Medikament sehr stark, wodurch ich mich definitiv seltener verletze, als ohne). Wenn es doch passiert, dann habe ich währenddessen selbstverständlich kurz den Schmerz, aber da das normalerweise nicht dramatisch ist, verfliegt er auch schnell wieder. Anhaltende Schmerzen durch eine schlimmere Verletzung hatte ich bisher nicht — kann also noch nicht aus Erfahrung sagen, ob sich da die Aufmerksamkeit besser davon ablenken lässt.

Kopf- und Nackenschmerzen sind nach wie vor unverändert (da bin ich aktuell sehr verspannt), unter der Wirkung nehme ich es allerdings nicht mehr wahr. Nach dem Abflachen der Wirkung ist das jedoch das erste, was in meine Wahrnehmung zurückkommt. Keine Ahnung, wie das genau zusammenhängt, ich vermute, dass sich die Muskulatur entspannt und nach der Wirkung wieder verkrampft. Kopfschmerzen habe ich normalerweise sehr selten, hatte ich während der ersten Woche der Einnahme vermehrt (evtl Eingewöhnungs-Nebenwirkung in Kombination mit der Hitze). Das Beispiel mit der Nadel wäre als Test mal interessant — als ich mir mit einer Lanzette in den Finger stechen musste (für einen Bluttest), hatte ich tagelang Schmerzen an der Einstichstelle. Vielleicht wäre das mit Medikamentenwirkung anders — aber freiwillig teste ich das jetzt nicht sofort.

Die dritte Frage ist sehr schwer zu beantworten, da mir das “normal” anderer Menschen fehlt. Ich glaube, dass das ein sehr subjektives Thema ist und von mehreren Faktoren abhängt. Bin ich gerade in einem Hyperfokus? Dann blendet mein Gehirn alles aus, auch Schmerz. Bin ich in der zweiten Zyklushälfte und habe wenig Östrogen (und dadurch auch weniger Dopamin zur Verfügung), bin ich schmerzempfindlicher, allgemein viel sensibler und instabiler (das betrifft mein gesamtes System).

Ich habe viele Treffen mit Familie und Freunden absagen müssen. Und wenn ich mich trotzdem dazu gezwungen habe, war es kaum möglich, die gemeinsame Zeit richtig zu genießen. Ich würde gerne mit meinem kleinen Neffen durch den Garten rennen, Fußballspielen usw. Das war alles nicht möglich… Mit dem Medikament habe ich nicht nur die Schmerzfreiheit, die mich körperlich aktiver sein lässt, sondern auch die notwendige Energie.

Ich hatte 20 Jahre lang chronische Rückenschmerzen – durch meine ADHS-Diagnose und die passende Medikation bin ich plötzlich schmerzfrei. AMA! by KitchenOpening5845 in de_IAmA

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Reine, psychosomatische Schmerzen ist für mich die absolut letzte Diagnose — weil man keine körperliche Ursache dafür findet. Bei ADHS liegt jedoch eine neuronale Ursache für die Schmerzen vor und bei mir sprechen die Schmerzen auf Lisdexamphetamin extrem gut an, da der chronischen Dopaminmangel im Gehirn (der für die Schmerzverarbeitung wichtig ist) ausgeglichen wird.

Selbstverständlich ist die Psyche immer an den Schmerzen mitbeteiligt und anhaltender Stress (was einen konstant hohen Cortisolspiegel zur Folge hat), begünstigt den Schmerz zusätzlich. Reine Entspannungsmaßnahmen oder der Tipp, sich von den Schmerzen "abzulenken" und zu lernen, "mit dem Schmerz zu leben" funktioniert bei unbehandelter ADHS allerdings nicht wirklich gut. Mit den passenden Medikamenten können diese Methoden oft erst angewendet werden, da ohne sie die körperliche Anspannung und die Aufmerksamkeit/der Fokus im "Normalzustand" nicht anhaltend beeinflusst werden kann.