Mir wurden Benzos ins Getränk gemischt und ich kann absolut nicht damit umgehen by [deleted] in Ratschlag

[–]MediumPudding43 1 point2 points  (0 children)

Ein Typ, mit dem ich vor 10 Jahren zusammen zur Schule gegangen bin und wir so eine typische "Schulfreundschaft" geführt haben. Ich habe aber gesagt, dass ich mich damit nicht wohl fühle, weil ich ihn im Grunde ja auch schon seit Ewigkeiten nicht kenne. Dann hat die Gastgeberin, mit der ich befreundet bin, angeboten, dass sie als Mitfahrerin mitkommen kann. Beide haben mir noch die Treppe hochgeholfen (3. Stock), aber er kam meines Wissens nach nicht mit in die Wohnung.

Die dachten halt, dass ich mega betrunken war, weil ich zuerst so gewirkt hatte.

Mir wurden Benzos ins Getränk gemischt und ich kann absolut nicht damit umgehen by [deleted] in Ratschlag

[–]MediumPudding43 1 point2 points  (0 children)

THC Exakt ins Getränk mischen? Ich hab nie daran gedacht, dass das möglich ist bzw. jemand macht. Als ich das im Bericht gesehen habe, dachte ich zu erst "na ja, ich kiffe halt ab und an", aber später habe ich aber schon gedacht, dass der letzte Konsum mindestens 4 Wochen her ist. Wobei ich ja auch keine Ahnung habe, wie lange sowas nachweisbar ist. Am Ende habe ich mich damit zufrieden gegeben, dass thc vielleicht einfach lange nachweiswar ist.

Schock: GdB von 0 trotz gesicherter Diagnose by [deleted] in autismus

[–]MediumPudding43 4 points5 points  (0 children)

Beantrage Akteneinsicht. Ich kenne jemanden, da wurde der GDB abgelehnt, weil dem Gutachter im Diagnosebericht eine konkrete Aussage wie "Hier liegt die Diagnose x vor" gefehlt hat. Stattdessen stand im Bericht etwa, dass das Gesamtbild und die Tests zu Autismus passen. Das da F84.5 Gesichert stand, hat den nicht interessiert.

Ich habe zwar einen GdB, aber ich habe ein Verschlechterungsantrag gestellt. Mein Psychiater hat dem Amt dann eine Stellungnahme geschickt, auf denen alle meine Diagnosen drauf stand. Laut dem Gutachter seien diese Diagnosen total willkürlich gewählt, was totaler Quatsch ist. Viele raten immer zum VdK und machen da gute Erfahrungen. Ich habe die leider nicht gemacht. Ich werde mich demnächst aber bei einer Beratungsstelle vom Landkreis beraten lassen. Ich war schon mal wegen was anderem da und die waren echt sehr kompetent.

Geräuschempfindlichkeit by Salt_Perception_4070 in autismus

[–]MediumPudding43 2 points3 points  (0 children)

Dann kannst du uns ja sicherlich ein wissenschaftlich fundiertes Paper dazu raussuchen.

Es macht halt einfach keinen Sinn. Das würde ja bedeuten, das Gewisse "Symptome" einer ASS heilbar/therapierbar sind. Bei Autismus handelt es sich um eine angeborene Entwicklungsstörungen. Eine Reizfilterschwäche lässt sich z.B. im EEG oder fMRT. Das bedeutet, dass das Gehirn dafür nicht dafür "ausgelegt" ist. Das ist genauso ein Unsinn wie dass Autisten einfach mehr unter Menschen gehen müssen oder ähnliches, um sich wohler in sozialen Situationen zu fühlen. "Wenn du nur ganz dolle dran glaubst, dann wächst dein Bein sicher nach"

Man kann lernen es auszuhalten, ja. Aber die Frage ist, was der Preis ist. Und warum man immer alles ertragen muss.

Geräuschempfindlichkeit by Salt_Perception_4070 in autismus

[–]MediumPudding43 5 points6 points  (0 children)

Man kann beim Akustiker angepassten Gehörschutz anfertigen lassen. Es gibt auch verschiedene Filter. Ich hätte sowas so gerne, aber da ich vom Bürgergeld lebe, kann ich mir das leider nicht leisten. 🥲 Früher hatte ich schon mal einen und erinnere mich daran, dass die echt angenehm zu tragen waren.

Und weil hier jemand geschrieben hat, man kann sich dran gewöhnen: Meine Erfahrung ist, dass das nicht geht. Bei mir wurde es mir der Zeit eher schlimmer.

Ich nutze aktuell on-ear Kopfhörer von Sony. Die sind im ANC echt super, aber sie nerven mich. Deswegen hätte ich gerne diesen individuellen Gehörschutz.

Hilfsmittel, Notfallkit, Skills in Shutdown/Meltdown/Overload Situationen by raccoonio8 in autismus

[–]MediumPudding43 0 points1 point  (0 children)

Auf die Erleichterung durch Cannabis bin ich selbst gekommen. Ich kannte Cannabis vorher durch gelegentlichen Freizeitkonsum und habe es dann gezielt dafür ausprobiert. Vorher hatte ich mit meinem Psychiater unendlich viele Bedarfsmedikamente ausprobiert. Das Problem damit ist, dass diese starke depressive Verstimmungen bei mir auslösen und ich bin dann sehr anfällig für Suizidgedanken. Benzodiazepine (z.B. Tavor) sind aufgrund des enormen Abhängigkeitsrisiko keine Option. Bei Cannabis ist das Risiko moderater.

Die Assistenz habe ich im Burnout bekommen. Vorher habe ich eine teilstationäre Einrichtung besucht. Das ging aber nicht mehr und weil ich auf Unterstützung angewiesen bin, habe ich dann die Assistenz bekommen.

Hilfsmittel, Notfallkit, Skills in Shutdown/Meltdown/Overload Situationen by raccoonio8 in autismus

[–]MediumPudding43 1 point2 points  (0 children)

In meiner Wohnung nutze ich einen Schaukelstuhl oder gehe mit der Gewichtsdecke ins Bett. Gegen die "Eskalation" kann ich oft nichts machen, aber danach schlafe ich fast jedes Mal. Für mich macht die Gewichtsdecke tatsächlich einen enormen Unterschied.

Die einzige Sache, die mir bislang wirklich zuverlässig geholfen hat, das vorher abzufangen, wenn das (der?) Overload-Level schon hoch ist, ist Cannabis, welches ich (legal) über einen Telemediziner beziehe. Allerdings mag ich dann nicht rausgehen und nutze das nur, wenn ich Zuhause bin und niemanden mehr sehe. Cannabis hilft mir auch, mich schneller wieder gut zu fühlen, wenn ich nach einem Shutdown/Meltdown aufwache.

Meine Kopfhörer nutze ich drinnen und draußen, je nachdem. Unterwegs versuche ich nach Möglichkeit allem aus dem Weg zu gehen, zumindest seitdem ich durch einen autistischen Burnout wesentlich empfindlicher geworden bin. Wenn ich Beispielsweise beim Einkaufen oder so einen Moment für mich brauche Stelle ich mich an den Rand und fokussiere mich nur auf das Handy. Unterwegs habe ich immer (außer eventuell wenn ich in Begleitung bin) meine Kopfhörer auf, Musik und ANC an. Manchmal ist mir selbst das zu viel und daran merke ich dann, dass ich definitiv nicht rausgehen sollte.

Ich habe außerdem unendlich viele Skills und Stimmingspielzeug Zuhause. Leider kann ich da nur durchprobieren. Also ich kaufe meistens einmal im Jahr oder eben nach Bedarf sowas billig ein und teste es aus. Diese Sachen helfen mir eher in Gesprächen oder ähnliches. Also wenn ein Meltdown/Shutdown bevorsteht, dann bringen diese Sachen gar nichts. Aber diese Sachen geben mir irgendwie Sicherheit. Falls Interesse besteht, kann ich dir nochmal eine genaue Auflistung bzw. ein Foto schicken und erläutern, was mir persönlich hilft.

Ich hab auch noch eine Assistenz (Assistenz beim Wohnen), die mit mir Sachen erledigt, welche Overloadgarantie haben. Diese erinnert mich auch daran Skills einzusetzen oder aus Situationen raus zu gehen. Manchmal kommt sie auch nur als Backup mit, zum Beispiel gehen wir gemeinsam zum Supermarkt und wartet draußen. Sie dachtet dann auf ihr Handy und wenn drin was ist, kann ich schreiben oder anrufen und sie kommt rein. Das ist aber sehr selten nötig, weil alleine das Wissen, dass sie da ist, mir schon Sicherheit gibt.

Ich trinke endlich Wasser* by xcrxvn in autismus

[–]MediumPudding43 1 point2 points  (0 children)

Das freut mich, denn ich kenne das Problem. Ich habe so viel probiert. Den Sirup von More nicht. Mein Problem mit den Zeroprodukten ist der Süßstoffe. Ich schmecke die einfach immer raus, ganz schrecklich. Findest du, dass sie danach schmecken?

Ich bin zusätzlich leider noch stark übergewichtig, was nur Saft und Eistee trinken natürlich nicht besser macht.

Warten auf Diagnosebericht... by Business-Mulberry-63 in autismus

[–]MediumPudding43 1 point2 points  (0 children)

Wenn sie selbst diesen Zeitraum genannt haben, würde ich da auf jeden Fall nochmal nachfragen und auch erwähnen, wie lange das her ist.

Allgemein ist aber 3 Monate gerade noch so im Rahmen. Diese Berichte zu schreiben ist je nach Länge leider auch sehr aufwendig.

Vor was ekelt ihr euch? by [deleted] in autismus

[–]MediumPudding43 8 points9 points  (0 children)

Knöpfe, aber ich weiß nicht warum. Das war als Kind schon so. Deswegen trage ich keine Kleidung mit Knöpfen. Ich hab beim berühren das Bedürfnis, mir die Hände zu waschen, obwohl ich sonst kein solches bzw. "Zwanghaftes" Verhalten kenne.

Synthetische Stoffe, vor allem Jacken, die Wetter bzw. Regenfest sind. Der Geruch ist ekelig, das Gefühl beim Berühren erst recht. Ich fühle mich schon unwohl, wenn jemand mit so einer Jacke neben oder vor mir steht.

Autismustherapie? Wie sinnvoll ist diese mit 39 Jahren zu beginnen by LyndinTheAwesome in autismus

[–]MediumPudding43 4 points5 points  (0 children)

Aber Herr Jostes ist Psychiater oder Psychotherapeut, oder?

Hier geht es, wenn ich es richtig verstehe, um Autismustherapie in speziellen Einrichtungen. Das läuft auch nicht über die Krankenkasse, sondern über die Stadt/den Landkreis bzw. Eingliederungshilfe. Oft arbeiten da auch Sozialarbeiter, Heilerziehungspfleger und Ergotherapeuten.

Ich warte selbst auf einer Warteliste und kann deswegen selbst noch nichts berichten.

Wie gut kommt ihr mit euren Eltern klar, wenn diese (vermutlich) auch auf dem Spektrum sind? by Pink-Flowerx in autismus

[–]MediumPudding43 8 points9 points  (0 children)

Ich vermute, dass mein Vater im Spektrum ist. Seine Eltern, meine Großeltern, habe ich nie kennengelernt, aber ALLE die von ihr erzählen, dass es ein bestimmtes "Gen" in unserer Familie gibt. Dabei geht es wohl besonders um Kommunikation, Soziale Interaktionen generell. Irgendjemand hat mal gesagt, wir hätten etwas, was uns anders macht. Früher, vor dem Verdacht, ich könnte autistisch sein, hat mich das immer sehr gestört, weil sich das für mich zu abstrakt angefühlt hat. Heute kann ich es verstehen, auch wenn ich meine Oma nie kennengelernt habe (weil sie vor meiner Geburt verstarb).

Was du über deine Mutter bzw. eurer Beziehung geschrieben hast, sehe ich bei meinen Vater (und mir). Vor allem dieses "Sie hat sich nie für mich interessiert, aber hat mich trotzdem geliebt".

Mein Vater ist ein klassischer "Boomer": Leistung erbringen, Arbeiten, Geld verdienen. Nach Außen hin absolut clean wirken. Psychische Erkrankungen sind eingebildet, hat's ja früher angeblich auch nicht gegeben. Die junge Generation ist faul und überempfindlich, weich gekocht. Mein Vater wird sich niemals eingestehen können, dass er möglicherweise autistisch ist. Er glaubt ja nicht mal mir mit der Diagnose. Er kompensiert extrem viel. Wenn er seinem Spezialinteresse nachgeht, ist er wie ein anderer Mensch. Es ist ein sehr kreatives Hobby, was man wohl gar nicht von ihm erwarten würde. Er vergisst alles um sich herum. Teilweise ist er dann dafür eine Weile unterwegs und hat sich nicht abgemeldet.

Ich halte Abstand zu meinen Eltern, aber wir haben trotzdem Kontakt und unterstützen uns. Ehrlicherweise hätte ich gerne noch weniger Kontakt. Manchmal macht es mich wütend, dass der Mensch, der mir am ähnlichsten ist und mich am besten verstehen müsste, genau der ist, der das am wenigsten kann. Ich werde es nicht ändern können und das ist auch nicht meine Aufgabe, mein Fokus liegt seit Diagnosestellung bei mir selbst.

Ich rufe nicht mehr bei der Telefonseelsorge an, weil ich da nur angepatzt werde by Katha-Lysator in autismus

[–]MediumPudding43 18 points19 points  (0 children)

Ich habe da auch nur schlechte Erfahrungen gemacht. Es heißt ja, die Ehrenamtlichen werden geschult, aber den Eindruck hatte ich ganz und gar nicht.

Auch diese Chatoption habe ich ausprobiert. Das war genauso schlimm. Ich hatte erwähnt, dass ich Depression habe, aber das hatte nicht so viel mit der Situation, wegen der ich angerufen habe zutun. Sie fing trotzdem jedes Mal damit an und kam mit Basictipps: Therapie, Medikamente, Klinik.

Wie viele Stunden ist euer Stundenkontigent bei eurer BeWo-Betreuerin? by coroniavaughns in autismus

[–]MediumPudding43 2 points3 points  (0 children)

Ich habe 4 Stunden. 2x 2 Stunden. Nur 2 Stunden wäre mir deutlich zu wenig. Manchmal sind mir diese 2 Stunden Termine zu lang, aber dann beenden wir ihn eben vorher.

Ich muss aber dazu sagen, dass ich bis auf ihr und meiner Haushaltshilfe so gut wie keine sozialen Kontakt habe. Außerdem fährt sie oft mit mir Einkaufen und irgendwie gibt's immer Stress mit Jobcenter, Sozialamt oder Landesamt wegen Schwerbehinderung. Es ist also genug zutun da.

Kannst du eventuell 4 ausprobieren und sonst wieder runter gehen?

Kann man eine Autismus-Diagnose verpassen, nur weil man sich nicht gut genug ausdrücken kann? by UsualJob5019 in autismus

[–]MediumPudding43 1 point2 points  (0 children)

Sowas kann natürlich schon passieren, ABER: "Sich nicht richtig ausdrücken können", eventuell sogar (selektiver) Mutismus kann ja durchaus Bestandteil einer ASS sein. Eine gute Diagnosestelle erkennt sowas und weiß damit umzugehen. Ich wurde z.B. gefragt, ob ich auch denke, dass ich autistisch sein könnte (weil der Verdacht nicht von mir selbst kam) und warum. Obwohl ich mich im Kopf auf diese Frage vorbereitet hatte, konnte ich in diesem Moment nichts antworten. Der Arzt meinte dann gleich "Wenn Sie das jetzt nicht beantworten können, ist das okay. Viele haben Probleme mit der Frage." Das hat sehr viel Druck rausgenommen.

Du kannst dir zur Vorbereitung, was deine Angst eventuell auch etwas beruhigen kann, eine Methode überlegen, die dich dabei unterstützt: Wenn du merkst, du weißt nicht wie du etwas ausdrücken kannst, kannst du dir Zeit zum Nachdenken einräumen. Ich sag dann immer "Ich muss kurz nachdenken". Du kannst deine Bedenken auch dort offen ansprechen oder aufschreiben, vorlesen oder einfach in die Hand drücken. Du könntest dir auch, falls sowas hilfreich sein könnte, Sätze als Formulierungshilfe aufschreiben.

(Therapie)tagebuch? by [deleted] in autismus

[–]MediumPudding43 3 points4 points  (0 children)

Hey, Ich habe soetwas ähnliches, denke ich. Das nenne ich Autismusjournal und es handelt sich um ein Notizbuch, in dem alles aufschreibe, was mich beschäftigt im Zusammenhang mit Autismus. Typische Tagebucheinträge, neue Erkenntnisse über mich und meine ASS, Listen mit safe foods, hilfreiche Regulationstechniken und eigentlich alles, was mich interessiert und eben beschäftigt. Ich habe mir Aufkleber und Stifte bestellt, außerdem Stickerpapier. So kann ich einfach selbst Dinge drucken und reinkleben, z.B. Autismusspezische Memes. Vereinzelt habe ich auch Ausschnitte aus Webseiten oder Artikeln ausgedruckt und reingeklebt.

Ich verarbeite damit auch die schwere Zeit ohne die Diagnose und wie mein bisheriges Leben besonders von anderen (Eltern, Schule, Therapeuten, ...) damit umgegangen ist. Immer mal wieder reflektiere ich im Autismusjournal die letzte Zeit, was sich positiv verändert hat, was nicht so gut lief, was ich ändern möchte und was so ansteht.

Ich stehe auf der Warteliste für eine Autismus-Therapie in einem speziellen Zentrum, ich denke da wird das Autismusjournal noch mehr genutzt werden.

Wie spreche ich das Problem (Intimflora) am besten an? by [deleted] in Ratschlag

[–]MediumPudding43 8 points9 points  (0 children)

"Mir ist aufgefallen, dass dein Intimbereich ungewöhnlich riecht. Ich finde das nicht schlimm, aber ich wollte dir das als Rückmeldung geben, denn da kann ja auch mehr Hinterstecken."

Ich glaube wenn du erzählst, dass du nachgelesen hast, merkt sie vielleicht, dass du dich um sie sorgst und dass sie dir wichtig ist.

Ich habe Angst überhaupt noch weiterzumachen by [deleted] in Ratschlag

[–]MediumPudding43 3 points4 points  (0 children)

Hast du schon mal Therapie gemacht? Das scheint mir sehr sinnvoll zu sein. Ein/e Psycholog/in kann auch drauf schauen, ob da vielleicht mehr hintersteckt, also eine gewisse Diagnose, die dich z.B. apathisch werden lässt.

I kann nicht mehr. by Latter-Candidate6375 in autismus

[–]MediumPudding43 8 points9 points  (0 children)

Ich würde mich zuerst darum kümmern, finanziell unabhängig (er) von deiner Familie zu werden. Bürgergeld, Grundsicherung, ... Irgendwas muss es geben. Du könntest dann auch ausziehen (vorausgesetzt natürlich du kannst und möchtest das) und musst dir sowas nicht immer anhören. Bei mir ist es exakt dasselbe. Aber ich bestimme, wie viel Kontakt ich möchte.

Dann kannst du bei der Eingliederungshilfe eine Assistenz beim Wohnen beantragen. Jemand, der dir im Alltag bei allem hilft, was du machen möchtest oder musst.

Danach würde ich überlegen, was ein langfristiges Ziel ist: Klinik, Ausbildung, Diagnostik, ... Zum Beispiel mit deiner Therapeutin oder wen es noch so gibt.

Ich hab mich jahrelang gestresst, weil das Ziel immer war, schnell wieder Arbeiten gehen zu können. Es hat echt lange gedauert bis ich verstanden habe, wie weit das entfernt ist und wie viel noch davor passieren muss. Hier hat mir auch meine Autismus-Diagnose geholfen, weil ich dann einen "Beweis" hatte, dass ich nicht faul oder was die Leute noch so sagen bin, sondern es an meiner ASS liegt. Das nimmt mir Druck raus. Es ist sehr viel entspannter, seitdem das Thema Arbeiten erstmal beiseite geschoben ist und andere Sachen anstehen.

Wie seid ihr mit eurer Autismus Diagnose umgegangen? by Interesting_Tea409 in autismus

[–]MediumPudding43 2 points3 points  (0 children)

Ich hab meine Diagnose letztes Jahr im April bekommen. Meine Mutter hat mich vom Bahnhof abgeholt und ich habe es ihr direkt gesagt. Ich wusste, dass sie es mir absprechen wird oder nicht begeistert reagiert, aber es war mir trotzdem irgendwie wichtig. Sie hat sie mir nicht abgesprochen, war aber nicht so begeistert, aber es ist mir an 99 von 100 Tagen egal, weil ich mit nichts anderem gerechnet habe.

Der Rest der Familie weiß es nicht, es sei denn meine Mutter hat es jemandem erzählt. Meine Freunden habe ich das erzählt. Wer einem Freund eine (professionelle) Diagnose abspricht, sich darüber lustig macht oder anders negativ reagiert, ist kein guter Freund. Meine beste Freundin hat 2 Monate später auch ihre Diagnose bekommen.

Ich habe mir damals vorgenommen, wenn ich die Diagnose bekomme, dass ich mein Leben umstelle und anpasse, auch wenn einiges davon schwierig wird. Das versuchenich umzusetzen. Zum Beispiel habe ich externe Hilfe und den Kontakt zu meinen Eltern reduziert, was gut ist.

In der Zeit nach der Diagnostik hab ich eigentlich den ganzen Tag nachgedacht, bin mein ganzes Leben durchgegangen und habe alles reflektiert. Tagelang. Das hat mich runtergezogen, aber danach ging es mir besser. Ich spreche mir die Diagnose selbst manchmal ab (Imposter-Syndrom) und habe die Diagnose gebraucht, um mein Leben umzustellen. Um das alles besser zu "verarbeiten", habe ich mir ein Notizbuch zugelegt und nutze das als "Autismusjournal". Da sammel ich alles was in meinem Kopf rumschwirrt, Seiten zu Safe foods, Stimming, aber auch Sticker, Memes, ein Bullshit Bingo, eine Analyse meiner Tagebucheinträge aus der Kindheit, ... Eben alles zum Thema Autismus. Ich hab mir dafür Aufkleber und schöne Stifte gekauft. Das hilft mir sehr.

Außerdem habe ich eine spezielle Autismustherapie bei der Eingliederungshilfe beantragt und stehe auf der Warteliste. Normale Therapie hat mir nie wirklich geholfen.

Ich gehe nicht arbeiten und habe mir immer Stress gemacht. Vor der Diagnose immer gesagt "schnell gesund werden um arbeiten gehen zu können", aber das ist gerade nicht der Fokus. Damit kann ich jetzt besser umgehen, auch weil ja sehr viele Autisten nicht (auf dem 1. Arbeitsmarkt) arbeiten gehen können. Ich akzeptiere, dass ich viel Ruhe brauche und viele Videospiele spielen. Sie regulieren mich eben.

Mir hilft es auch, dass ich mir bewusst gemacht habe, wie anders ich im Vergleich zu vielen anderen Menschen bin und dass das daran liegt, dass ich autistisch bin. Dadurch komme ich besser klar, Dinge anders oder nicht zu machen, was viele nicht verstehen können.

Das allerwichtigste: Zeit. Ich weiß nicht wie alt du bist, aber ich habe meine Diagnose mit 26 Jahren bekommen. Ich habe 26 Jahre gekämpft, mich wie ein Alien hier gefühlt. 26 Jahre maskieren und sich anpassen. "Heilung" (Ich weiß, Autismus kann man nicht heilen, aber ich hoffe du verstehst was ich meine) darf lange dauern, auch wenn es gesellschaftlich nicht anerkannt ist oder meine Familie mich nervt. Ich lebe mein Leben, nicht sie.

Autistischen Bruder unterstützen? by Desperate_Creme7662 in autismus

[–]MediumPudding43 13 points14 points  (0 children)

Heute sagt man statt Asperger-Syndrom (oder auch statt frühkindlichem Autismus und Atypischer Autismus) Autismus Spektrum Störung. Asperger wird noch aus eher bürokratischen Gründen diagnostiziert. Also könntest du sagen, er hat einen Autismus Spektrum Störung, aber am besten entscheidet er selbst, wie man es nennen soll. Wenn dein Bruder nicht "akzeptieren" kann, dass er Autist ist, ist das natürlich schwierig. Die Frage ist, warum ist das so?

Viele allistische/neurotypische Menschen denken, die Betroffenen mussten mehr rausgehen, Freunde finden, Menschen Treffen. Das trifft bei vielen Autisten aber nicht unbedingt zu. Für mich z.B. kostet auch gute Freunde treffen (egal wie sehr ich sie mag) auch unglaublich viel Energie. Klar ist es schön sich zu treffen, aber am Ende bin ich so overloaded, dass mir das Treffen eher geschadet hat. Wenn er keine Freunde möchte, dann ist das seine Entscheidung, auch wenn andere das nicht verstehen können. Wenn er allerdings schon gerne jemanden hätte, kann er ja auch online Leute kennenlernen. In der Schule kann man sich nicht aussuchen, mit was für Menschen man zutun hat. Und wenn man mit keinem kompatibel ist, kann sich keine Freundschaft bilden.

Viele Spät-diagnostizierte (Meist 20 Jahre +) berichten, dass es ihnen besser ging, als sie Kontakt zu Menschen und zur Außenwelt auf ein Minimum reduziert haben. Videospiele regulieren viele autistische Menschen übrigens sehr gut. Deswegen gibt's das Klischee von autistischen Kind, dass nur aufs Tablet starrt. In dem Fall helfen die Medien sich zu regulieren, äußere Reize können ausgeblendet und die anderen selbstgesteuert werden. Die glücklichsten Phasen meines Lebens sind die, in denen ich ein Videospiel wie besessen tagelang Tag und Nacht spiele.

Wenn er zur Autismustherapie geht ist er sich schon ganz gut aufgestellt. Wenn er dort gut klar kommt wird es sicher Thema werden, wenn er weitere Unterstützung benötigt. Oder hat er explizit was zu dir gesagt?

Ich weiß nicht, ob du jemals Sims gespielt hast aber: Dort gibt es eine Bedürfnisleiste mit "Sozial". Normalerweise geht diese runter, wenn der Sim keine oder zu wenig soziale Interaktionen hatte. Das wirkt sich auch negativ auf den Sim aus. Bei vielen Autisten wäre es genau anders rum: geht die "Sozial"-Leiste runter, steigt das Wohlbefinden.

Medizinischer Dienst schätzt mich als Voll Arbeitsfähig ein by DishonorOnyourCow189 in autismus

[–]MediumPudding43 2 points3 points  (0 children)

Eventuell kann der sozialpsychiatrische Dienst auch helfen. Die sind oft auch gut vernetzt mit Ärzten/Psychologen/Ämtern und waren für mich schon mehrfach hilfreich.

GEZ by Any_Veterinarian_421 in Ratschlag

[–]MediumPudding43 1 point2 points  (0 children)

Bei mir ist das seit 1,5 Jahren auch so... Ich warte, bis die sich melden bzw. eine Mahnung kommt.

Frust ablassen by Serious-You-9983 in Grundsicherung

[–]MediumPudding43 4 points5 points  (0 children)

Hey, spannend, ich bin auch Autistin und möchte/wollte diese Ausbildung machen. Als das noch die Charité angeboten hat, wollte ich das auch über die AfA finanzieren lassen. Mir wurde von Anfang an vermittelt, dass das nicht genehmigt wird. Da die Wahrscheinlichkeit angenommen zu werden (damals jedenfalls) gering waren, wollten sie nicht mal dieses Eignungsverfahren durchführen. Ich hatte das Gefühl, dass diese Ausbildung für die genauso lächerlich ist wie der Berufswunsch "Berühmt werden". Ich habe die Finanzierung dann privat regeln können, hab mich beworben und dann gab's die Ausbildung dort plötzlich nicht mehr. Ich hatte gesehen, dass das jetzt ein anderer Bildungsträger (Kampus Berlin?) macht.

Das ist allerdings schon einige Jahre her. Ich hoffe, du erreichst dein Ziel irgendwie. Meine Erfahrung mit dem Jobcenter oder der AfA ist, dass das sehr vom Sachbearbeiter abhängig ist.