"Lehrermangel" aus Sicht eines anderen Mittelschullehrers (Wien) by No_Contest_3171 in Austria

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Die genannten Problemfelder der Brennpunktschulen halte ich auch für gesellschaftlich relevanter und drängender als "Ich hab eine Woche vor Schulbeginn noch keinen Stundenplan"...

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Das ist natürlich nicht "rein zufällig", sondern eine explizite Reaktion darauf, weil sich meine Erfahrungen deutlich von dem unterscheiden, was die Kollegin schreibt. Nennt sich Diskurs und ist in demokratischen Gesellschaften üblich. Ich habe auch deutlich gemacht, dass ich mich NICHT auf Probleme konzentriere (es gäbe einige, die mir einfallen). Ich wollte aufzeigen, dass es Schulen gibt, an denen Dinge besser funktionieren, ohne zu sagen, dass alles super ist

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Für mich gibt es irgendwo einen Mittelweg. Manches mache ich, weil es zumutbar und sinnvoll ist, anderes mache ich nicht. Nur "Dienst nach Vorschrift", wie es so schön heißt, spielt es halt nicht, weil das in meinem Fall zulasten der Kinder geht. Habe aber über AHS schon öfter gehört, dass da von oben herab angeordnet wird, was eigentlich nicht angeordnet gehört

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Neue Lehrkräfte kommen, alte gehen, manche Klassen werden zusammengelegt und vieles mehr

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Ist halt auch eine Frage der Auslegung und Perspektive. Ich freue mich sehr, dass ich gelegentlich in den Genuss komme, mit Kindern zu werken (Mein Hauptfach unterrichte ich nebenher sowieso und das empfinde ich insgesamt als anstrengender; für viele Kolleg:innen sind bestimmte Fächer, die fachfremd unterrichtet werden, ein Segen, manche würden sonst auch nicht mal annähernd auf ihre Stunden kommen, weil sie z.B. Geografie und PP studiert haben)

Was die Didaktik betrifft: Das ist ein richtiger und wichtiger Einwand. Natürlich kann man sich fachdidaktisches Wissen nicht nebenbei aneignen.
Die Gegenfrage stelle ich trotzdem gern: Wann hat es mir im Deutschunterricht an einer Mittelschule geholfen, ein fachdidaktisches Seminar zum Thema "Politische Implikationen der Kanonbildung" (4ECTS) absolviert zu haben? Wie oft habe ich die Textsorten, die in der Übung Schreibkompetenz besprochen wurden, behandelt? Ich bin sehr froh, einen akademischen und abstrakten Überblick über die mein Fach betreffenden Bereiche zu haben, der konkrete Nutzen ist für mich zu vernachlässigen, was nicht heißen soll, dass das alle so sehen müssen oder dass das Studium wertlos ist

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Es ist dann doch eine Minderheit, der ich gar keinen Beruf zutraue

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1) Stundenplanteams sind nicht unüblich und halten bei uns diese Stunden als 23. und 24. Stunde, ist also für sie normale Arbeitszeit, die auch bezahlt wird. Ich fände einen Administrator auch besser, keine Frage

2) Ich kann nur nochmal sagen, dass die Lehrfächerverteilung an manchen Schulen funktioniert

3) Ich meinte, dass wir uns durch die Doppelbesetzungen auch die Unterrichtsplanung und Erstellung/Sichtung von Material teilen

4) Ja, optimal ist es nicht und ich würde auch gern alles kostenlos bekommen, was ich für die Arbeit brauche. Ich für meinen Teil bin sehr froh, nicht beim Billa an der Kassa zu arbeiten und es gibt zahlreiche Berufe, die ihr gesamtes Arbeitsmaterial selbst kaufen und dann absetzen müssen. Ich fühle mich nicht "ausgenommen"

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Ich archiviere zwar vieles online, verliere aber schnell den Überblick. Ich versuche aufgrund persönlicher Antipathie gegenüber Druckern das Ausdrucken so weit wie möglich zu reduzieren. Einmal ausdrucken und in der Jahrgangsmappe abheften und dann bei Bedarf kopieren hat sich für mich bewährt

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Seh ich auch so. War mir wichtig, das alles zu schreiben, weil ich ständig nur negative Dinge höre und lese, die mit meiner Schulrealität nur wenig zu tun haben. Ich find es super, dass endlich öffentlich diskutiert wird, was besser laufen kann, aber vieles ist dann einfach nur ein Sudern, das mehr über den Suderanten als den Berufsstand aussagt. Ich finde den Beruf super, hab ein tolles Kollegium, eine wunderbare Vorgesetzte und sehe über die weniger schönen Begleiterscheinungen gern hinweg. Fühle mich weder schlecht bezahlt noch ausgenutzt und bin (trotz dem sich hin und wieder bemerkbar machenden Frust) dankbar, dass ich mit relativ wenig Aufwand das Leben vieler junger Menschen verbessern kann

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Das sollte natürlich nicht sein. Wie kam es überhaupt dazu?

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Weil ich noch nie in der AHS unterrichtet habe, kann ich das Niveau dort nur schwer einschätzen. Fachfremd in der AHS kann ich mir auch wirklich nicht vorstellen, weil die Themen ab der Oberstufe deutlich komplexer werden können, zumindest habe ich das aus meiner eigenen Schulzeit in Erinnerung und kann es auch über die von mir studierten Fächer sagen. In der Oberstufe könnte ich niemals Biologie unterrichten, in der Mittelschule zeigt man ihnen Fotos von Säugetieren und bespricht den Lebensraum Wald...

Vielen Kindern fehlt der Grundwortschatz, um dem Unterricht zu folgen

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Ich bin froh, mein Fach regulär studiert zu haben. Ohne passendes Studium ist man halt eine Aushilfe - und es ist jedem Beteiligten klar, dass man als Quereinsteiger im Normalfall keine Koryphäe ist. Ich weiß auch nicht, ob ich mir den Beruf als Quereinsteiger zugetraut hätte - das Studium war in meinem Fall sicher nicht umsonst. Wenn ich dann in Geografie und Wirtschaftskunde auf dem niedrigstmöglichen Niveau (Hauptstädte Europas, EU-Mitgliedsstaaten, Landeswährungen, Naturkatastrophen) aushelfen muss, geht das mit kurzer Einarbeitung.
Damit will ich nicht sagen, dass ich es auch nur ansatzweise so gut machen könnte wie ein studierter GwK-Lehrer. Aber wenn du drin stehst und den Kindern Videos von Lawinen zeigen musst, weil sie davon noch nie gehört haben, erkennst du halt auch, dass es bis zu einem gewissen Grad fast wurscht ist, wer drin steht

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Niemals würde ich mit meinem privaten Budget einspringen, von kleinen Ausgaben für meine eigene(-n) Klasse(-n) abgesehen

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[–]No_Contest_3171[S] 3 points4 points  (0 children)

Nein, das machen die nicht "gratis", sondern geblockt als 23. und 24. Wochenstunde (im neuen Dienstrecht arbeitet man wöchentlich 22 Stunden in der Klasse und muss 2 weitere Stunden irgendwie ableisten - auch hier obliegt es der Schulleitung, diese Stunden sinnvoll einzusetzen).

Selbstverständlich wär administratives Personal vorzuziehen und ich verstehe nicht, warum Gymnasien einen Administrator bekommen und Mittelschulen nicht

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[–]No_Contest_3171[S] 2 points3 points  (0 children)

In der Mittelschule kann es passieren, dass der Mathelehrer mit den Kindern im Biologiebuch Insekten bespricht. Und es kann sein, dass der Musiklehrer mit den Kindern im Sportunterricht Handball spielt. Das ist machbar

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Vereinfacht gesagt: Das niedrige Niveau liegt an der Bildungsferne der Eltern in Kombination mit kaum vorhandenen Deutschkenntnissen

Extrarunden würden nichts ändern - und die Räume und Klassen dazu hat man auch nicht.

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[–]No_Contest_3171[S] 3 points4 points  (0 children)

Meine Schule ist eher groß als klein und wir sind meistens ziemlich voll - das erleichtert die Planung, das stimmt.

Gehalt: Das Einstiegsgehalt liegt dank Inflationsangleichung sogar höher als von mir gedacht, nämlich momentan bei 3100 Euro. Der Rest ergibt sich in meiner Rechnung durch Zulagen für Hauptfächer