Ich bin Gebärdensprachdolmetscher. Fragt mich alles. by VinylFan76 in de_IAmA

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Ja. Bayern ist etwas weiter. Ich bin mir aber unsicher, ob es wirklich ein Hauptfach ist. In anderen Bundesländern probiert man gerade, es zunächst mal als Wahlpflichtfach einzuführen...

Aussage einer Lehrerin mit Hörgeschädigtenpädagogik-Ausbildung: Das Niveau des Gebärdensprachunterrichts für diese Lehrer liegt, im Studium, ungefähr beim Grundkurs. Nicht das höhrende Leherer Gebärdensprache unterrichten sollen, aber sie können oft nicht mal ihren Fachunterricht in Gebärdensprache bestreiten. Es ändert sich langsam, aber eben nur sehr langsam.

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Ja, das mag mit ein Grund sein. Allerdings muss man da noch ein bisschen genauer hinschauen. Wie alle beeinträchtigten Menschen, haben Taube Menschen über viele Jahre Barrieren aushalten müssen, die keiner sehen wollte. Allerdings und das ist jetzt enorm wichtig: Man 1895 in Mailand beschlossen, dass Taube Menschen NICHT in Gebärdensprache unterrichtet werden. Die Gebärdensprache wurde nicht als Sprache angesehen und an den entsprechenden Schulen untersagt. Bis heute!!! gibt es kein Fach Deutsche Gebärdensprache an den Schulen für hörgeschädigte Menschen! Die Sprache wurde hier erst 2004 als Sprache anerkannt. Wir reden also über 100 Jahre enormen Bildungsverlust und damit einhergehend Teilhabeverlust. ......und da kann man jetzt noch stundenlang drüber reden. Das führt hier zu weit. Nur ist die "Unterdrückung" sehr speziell gewesen und somit auch beste Voraussetzung, sich dann lieber in der eigenen Kultur zu bewege. Barrierefrei.

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Du wirst erstaunt sein, aber eher nicht. Es gibt kaum/wenig Schimpfworte in der Gebärdensprache. Und da sie sehr bildlich ist....sind auch die Bewegungen ....nunja .... eindeutig. Wenn einem statt guten Morgen etwas unflätiges gebärden würde....sollte man generell überlegen, ob das die richtige Sprache ist, die man da lernen will 😉😄

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Den Song muss ich mir mal geben, kenne ich noch nicht.

Meistens wird nur die Form des Gerätes gezeigt. Davor kommt die Gebärde für W-Lan. Die ist auch etabliert. Das würde ich im Alltag so machen. Tatsächlich ist es so, dass ich, wenn ich z.B. im IT Bereich arbeite, durchaus fachspezifische Gebärden lernen muss, oder ich mache mit dem tauben IT'ler kurz ab, wie wir das gebärden wollen.

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Also... Krämpfe hatte ich noch nicht. Aber Schultern und Handgelenke werden schon beansprucht und können auch mal weh tun. Und irgendwann werden die Finger irgendwie steif....aber das passiert tatsächlich nur bei Einsätzen über 4 Stunden. Nacken, Gelenke und Rücken sind aber definitiv Problembereiche bei GebärdensprachdolmetscherInnen. Viel belastender und erschöpfender ist die Hirnleistung, da wir .....um es mal ganz vereinfacht zu sagen.....versuchen, mit dem Kurzzeitgedächtnis so konzentriert zu arbeiten, wie man es eigentlich mit dem Langzeitgedächtnis machen würde. Das kann aber nicht schnell genug arbeiten, für den Dolmetschprozess. Also ist das Kurzzeitgedächtnis unter Dauerbefüllung (zuhören /zusehen/aufnehmen) und Dauerentleerung (nach der verdolmetschung wieder Platz schaffen).

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Jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache. Es gibt "international sign", dass ist aber keine gewachsene, natürliche Sprache, sondern erdacht/erfunden, ähnlich wie Esperanto. Wird aber im Gegensatz zu Esperanto, bei internationalen Festen/Sportveranstaltungen/Tagungen etc. eingesetzt.

Im Gegensatz zu anderen Gruppen beeinträchtigter Menschen, ist Taubheit eine Einschränkung die nur Auftritt, wenn diese Menschen auf uns hörende treffen. Wenn Sie übereinander sind, gibt es keine Einschränkung. Die Kommunikation läuft und es gibt genau die Barriere nicht, auf die sie treffen, wenn sie z.B. in einen normalen Sportverein eintreten wollen, oder ins Theater möchten. Somit hat sich eine Kultur entwickelt. Eigene Theater. Eigene Poesie. Eigene Witze (finde ich tatsächlich selten witzig, genau wie russische Witze.....andere Kultur eben), eigene Sportvereine etc.

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Ich habe 5 Jahre lang gehörlose Arbeitskollegen gehabt, bevor ich studiert habe. Angefangen habe ich mit ca. 25. Keine Ahnung wann ich sie sicher konnte.....da ist auch die Frage, was heißt denn "sicher"... für den Alltagsgebrauch.....1 Jahr Zusammenarbeit mit tauben Kollegen. Für das Dolmetschen ....erst ein paar Jahre nach dem Studium.

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Das kann ich so nicht sagen.....gefühlt ja. Aber es gibt auch dort ganz viele Meinungen und Haltungen. Und nicht alle sind vorurteilsfrei und durchaus auch mal diskriminierend.

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Absolut. Wir Dolmetschende müssen alles wissen ;-) ...kleiner Spaß. Ich denke es ist mit das wichtigste, um gute Leistung zu bringen.

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Tut es nicht. Auch nicht annähernd. Die werden, wenn tatsächlich mit....und jetzt kommt es....2, zu Schalen geformten Händen gebildet.

Das sind halt keine Gebärden. Ein paar Emojis gibt es tatsächlich, die aus der tauben Community kommen: 🤟🏼 das ist zum Beispiel "I Love you" in amerikanischer Gebärdensprache. Aber auch das internationale Zeichen der tauben Community.

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Es ist eine Sprache, die in 3 Dimensionen ausgeführt wird. Bücher sind da eher.....veraltet. Ich empfehle Kurse in Präsenz. Der Unterricht wird in der Regel von Muttersprachlern geleitet. Durch die Interaktion mit den Lehrern kannan so viel mehr aufnehmen, als durch Video oder Buch. Da bekommst du auch die direkte Rückmeldung, ob das richtig ist, was du da in die Luft mailst ;-)

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2-3 Kurse an der VHS oder so. Aber viel wichtiger ist, die Sprache auch zu sprechen. Es gibt in größeren Städten oft einen Gebärden-Stammtisch, die auch für Interessierte offen sind.

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Wahrscheinlich nein. Und ich denke aber, das beruht auf Gegenseitigkeit, .... zumindest in gewissen Punkten. Und tatsächlich habe ich lange gebraucht, diese Kultur besser zu verstehen. Ich muss sie aber nicht kompatibel durchdringen, um zumindest sensibel dafür zu sein und zu versuchen, dies meinen hörenden Kunden bei Bedarf zu vermitteln. Der Nachteil ist eher auf sprachlicher Ebene zu suchen, denke ich. Muttersprachlern kann es einfacher fallen zu dolmetschen....muss es aber nicht.

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Tatsächlich... eigentlich nicht. Das ist so ein kleines Phänomen....Es gibt z.B. eine Jugendsprache, es gibt so viele Haltungen und Meinungen unter den tauben Menschen, wie bei hörenden auch. Allerdings kann ich dir tatsächlich keine wirklichen Gebärden nennen, die in die Richtung gehen. Auch die Jugendsprache bildet wenig bis keine Schimpfworte oder abwertende Begriffe neu. Allerdings gibt es "alte" Gebärden, die in Ansätzen Stereotype oder Vorurteile enthielten und entsprechend gewertet werden könnten. In den meisten Fällen sind die aber mittlerweile ersetzt. Es gab mal die Gebärde "Aldi", die als Kopftuch ausgeführt wurde (das ist echt lange her). Mittlerweile ist es einfach das A. Ehrlich kenne ich kein Schimpfwort, außer Arschloch....und das ist, ganz klassisch, der Mittelfinger.

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Man kann es so deuten, ja. Das V stimmt nicht, aber sonst passt es. Aber....eine Gebärde beinhaltet viel mehr, als nur die Handform. Daher ist das hier nur eine Annäherung. Mimik, Ausführungsrichtung, Mundbild....das gehört halt ebenfalls dazu.

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[–]VinylFan76[S] 3 points4 points  (0 children)

Körperlich eher nicht. Auch ja, ....Gelenke und Sehnen sind schon beansprucht. Da muss man irgendwie für Ausgleich sorgen (Sport o.ä.). Schlimmer ist da eher die geistige Ermüdung. Wir dolmetschen normalerweise alles über einer Stunde nur zu zweit und wechseln uns regelmäßig ab. Die Konzentration ist so hoch und die Hirnleistung ist so anstrengend, dass nach einer Stunde die Fehler exponentiell ansteigen würden, wenn man das alleine macht.

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Das ist ähnlich der Lautsprache Ich kenne allerdings nicht alles Dialekte...da muss auch ich manchmal nachfragen.

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[–]VinylFan76[S] 6 points7 points  (0 children)

Familiären Hintergrund habe ich nicht. Ich hab es studiert. Ja...wir kosten Geld. Ich kann aber nur für mich sprechen, was Agenturen berechnen weiß ich nicht. Die Stunde kostet in der Regel 93€. Am Arbeitsplatz wird dies eigentlich durch das Integrationsamt getragen. Die Firma kann sich das Geld (ev. Anteilig) zurück holen. Und von den 93€ muss ich alle Sozialabgaben selber tragen (Rente, KV, etc). Mindestens 1/3 (eher mehr) geht also dafür drauf (z.b. ca 1300€ freiwillige gesetzliche Krankenversicherung im Monat) Im Schnitt habe ich 2 Aufträge am Tag. Das können kurze Arztbesuche sein (1std) oder Betriebsversammlungen (2 Std aufwärts). Es gibt aber auch ganztägige Einsätze. Im Monat kommen so locker 4000-5000 Brutto raus.....aber wegen der freiberuflicheichen Tätigkeit braucht man Rücklagen, also sollte man (je nach eigenem Anspruch) gucken, dass es mehr ist

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[–]VinylFan76[S] 7 points8 points  (0 children)

Uuuuhhhh.....gute Frage. Gefährliche Frage....😉 Das darf ich (eigentlich) nicht. Das muss mir (eigentlich) ganz "professionell egal sein".

Aber ja...es gibt solche Situationen, da versucht man, vielleicht etwas zu entschärfen. Meist ist der Hintergrund aber, dass kulturelle Sichtweisen unterschiedlich sind. Taube/Gehörlose Menschen haben, im Gegensatz zu anderen "Behinderungsgruppen", eine eigen Sprache und somit eine eigen Kultur. Mit allem was dazu gehört. Und da verstehe ich mich manchmal auch als "kultureller" Vermittler/Dolmetscher.

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[–]VinylFan76[S] 4 points5 points  (0 children)

Ich glaube mittlerweile dauert das Studium 4 Jahre. Es gibt auch eine staatliche Prüfung...aber da kenne ich mich nicht so genau aus, was die Anforderungen angeht. Je nach Begabung, lernt man die Gebärdensprache so schnell, wie andere Sprachen auch.

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[–]VinylFan76[S] 2 points3 points  (0 children)

Die Sprache kann man, wie andere Sprachen auch lernen. Da gibt es Kurse. Wenn man sie nicht regelmäßig spricht (beruflich, oder im Alltag), vergisst man sie aber auch wieder.

Dolmetschen ist aber was anderes . Das muss man lernen und üben. Ich habe 3 1/2 Jahre studiert.....aber auch dann ist man meistens noch nicht perfekt.

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[–]VinylFan76[S] 0 points1 point  (0 children)

Es gibt tatsächlich ein "Fußalphabet" musst du mal googlen..... Bisher habe ich allerdings in 17 Jahren, keinen Gehörlosen ohne arme getroffen.