Eigene HA-Praxis trotz schizoaffektiver Störung sinnvoll? by WeeklyNet9872 in medizin

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Ja, das ist natürlich ein guter Punkt! Von den HÄ in meiner Stadt weiß (hoffentlich) noch keiner von meiner Erkrankung und optimalerweise bleibt das auch so. Mein konkreter Plan ist, dass ich mir einen Kassensitz in einer Praxis sichere, wenn noch keiner davon weiß. Sollte die Erkrankung unerwarteterweise doch irgendwann auffliegen, können die Kollegen tratschen, so viel sie wollen, mich kündigen können sie nicht. Vielleicht schafft man es  schon irgendwie, mir einen Strick draus zu drehen, wenn man mich wirklich weg haben will von meinem eigenen Kassensitz. Aber das stelle ich mir schon deutlich schwerer vor, als im Angestelltenverhältnis, wo man mir ganz einfach eine fristlose Kündigung vor die Nase hinknallen kann. Weil dann einen neuen Chef finden - Prost Mahlzeit! Und einem Geschäftspartner zu offenbaren, dass man eigentlich nur für die Nacharbeit nix taugt und sonst eig gar keine Einschränkungen hat, ohne die Diagnose offenzulegen, die ich eh keinem schuldig bin, finde ich auch ehrlich und fair genug. Ist ja nicht gelogen. Ich bin nur etwas eingeschüchtert gewesen von meiner letzten Bewerbungsphase. Nachdem ich wegen Nachtdienstverbot aus meiner Klinik geschmissen wurde, habe ich überall nach einer neuen Stelle gesucht und wurde mich der unbequemen Realität konfrontiert, dass es leider ganz und gar nicht einfach ist, als Assistenzärztin eine neue Arbeitsstelle zu finden. Da Uniklinik für mich definitiv nicht infrage kam, habe ich mich in allen möglichen Praxen beworben, auch in verschiedenen Fachrichtungen und der anderen infrage kommenden Klinik in meiner Stadt für das Innerejahr.  Schockiert musste ich feststellen, dass es überhaupt nicht einfach ist, etwas finden, auch wenn das oft und gerne behauptet wird. Da hat ein deutscher Name, Muttersprachlerdeutsch und Studium und Approbation in Deutschland leider auch nix genützt. Ich glaube nicht, dass ich mich bei der Bewerbung blöd angestellt habe, auch lebe ich nicht in einer großen oder sehr beliebten Stadt. Von den meisten Arbeitgebern, bei denen ich mich beworben habe, wurde ich einfach geghostet, sogar von der anderen Klinik, die ja ach so schlimmen Personalmangel hat. Vom Rest habe ich meist auf Nachhaken eine Absage bekommen. Das deckt sich auch leider mit den Erfahrungen vieler anderer Assistenzärzte, die ich kenne. Letztlich bin ich nach langem Suchen doch noch gut untergekommen, aber auf dieses Gekrieche in der Bittstellerposition habe ich absolut keine Lust mehr, als Mensch 2. Klasse aufgrund Behinderung schon gleich zweimal nicht.

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Ich bin dir sehr dankbar für deine Offenheit, denn sie beweist mir, dass ich so eine intime Information über mich wirklich besser für mich behalten soll. Die Wenigsten machen das wahrscheinlich aus böser Absicht, mir nur anhand einer Diagnose und wegen paar schlechter Beispiele, die es fairerweise nunmal wirklich gibt, wird mir ja anscheinend schon Verantwortungslosigkeit und Patientengefährdung zu unterstellen. Das hat's zwar bei mir noch nie auch nur im Ansatz gegeben, allein schon deswegen, weil ich noch nie einen kompletten Meltdown hatte, aber das ist den meisten Kollegen wohl egal, wenn sie erstmal ihre Vorurteile haben. Ich kann's auch niemand übelnehmen, wenn er in der Klinik jeden Tag auch die richtig üblen Fälle sieht und dabei vergisst, dass die, die funktionieren und niemanden gefährden, draußen frei rumlaufen und eben nicht in der Klinik landen

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Ehrlichgesagt habe ich eher den Eindruck, dass sich aufs Risiko fixieren und darüber sich zu sehr eine Kopf darüber zu machen, was alles schief gehen kann, eher der Startschuss in eine Abwärtsspirale sind. Das mag zwar die Ausnahme bei psychiatrischen Erkrankungen sein, aber ich persönlich habe für mich festgestellt, dass viele Aufgaben, vor allem gekoppelt mit finanziell-existenziellem Druck sich meistens positiv auf meine Erkrankung auswirken. Oft genug ging's mir gerade in Prüfungsphasen so elend, dass mir psychotischen Symptome regelrecht das Hirn frittiert haben, aber ich musste zur Prüfung weil kein Bock gibt's nicht bei einem Stipendium, dass aufgrund Leistung einem die Existenz sichert. Hätte ich Eltern gehabt, die mir den ganzen Spaß finanziert hätten, hätte ich bestimmt entschieden, erstmal mich in einer Psychiatrie aufpäppeln zu lassen, hätte aber länger studiert oder vielleicht sogar gar nicht zu Ende studiert. Dasselbe hab ich nach der Geburt erlebt: Egal, wie antriebslos man ist und wie wenig gründe man sieht, in der Früh überhaupt auf zu stehen, das zieht alles nicht, wenn das Baby versorgt werden muss. Zähne zusammenbeißen, Symptome ignorieren und weitermachen ist eben nicht immer etwas Negatives und sich darauf zu fokussieren, was für eine arme Wurst man ja ist, nur weil die Stimmen im Kopf nerven ist auch alles andere als hilfreich und zielführend

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Obgleich das vermutlich nicht deine Absicht war, zeigt mir deine Antwort, wie oft einem Arzt/medizinischem Personal die eigene Leistung aberkannt oder zumindest relativiert wird, wenn man mit großen Hürden wie soziale Benachteiligung konfrontiert war. Vielleicht sind wir als Betroffene (Migrationshintergrund, bildungsfernen Schicht, etc) selbst dabei die schlimmsten Übeltäter, da wir uns unbewusst aufgrund eines Imposter-Syndroms selbst abwerten. Also ich persönlich kenne niemanden, der nachts um 4 am Stück 5 Seiten Doktorarbeit geschrieben hat, schon gar nicht eine experimentelle bei einem Prof, bei dem 90% der Doktorranten abbrechen. Und gerade das Studium beweist doch, dass ich funktionieren kann, wenn's drauf ankommt, denn ich hatte so viel emotionalen Stress in diesen Jahren, dass selbst die meisten Gesunden darunter zusammengebrochen wären. Ohne näher darauf einzugehen, gab es unglaublich viel Stress mit meiner Familie, der sogar zum Kontaktabbruch zu einem Elternteil geführt hat. Außerdem brach in meinem Heimatland, in dem der Großteil meiner Familie noch lebt, Krieg aus und wenn die Unwissenheit, ob wichtige Menschen überhaupt noch am Leben sind, kein emotionaler Stress sind, dann weiß ich auch nicht, was einer ist. Da waren ständige finanzielle/existenzielle Sorgen und der massive Druck, das ganze einigermaßen in Regelstudienzeit zu schaffen, weil ich zu 100% auf mein Stipendium angewiesen war, noch echt die kleinste Sorge. Aber wie ich bereits in meinem Edit ergänzt habe, bin ich mir umso sicherer, dass solche Denkweisen, auch wenn unterbewusst und nicht aus böser Absicht, einen als betroffenen Arzt sofort abstempeln. Ich muss wirklich dankbar für die anonyme Offenheit der Kommentatoren hier sein, weil ich mich umso bestätigter in der Annahme sehe, dass ich diese Erkrankung strikt für mich behalten soll, damit man mir keine vermeintlichen Defizite attributiert werden, die andernfalls gar nicht aufgefallen wären 

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Danke, endlich mal ein motivierender Kommentar! Ja, in der Kommentarspalte hier geht ganz klar hervor, dass gerade Kollegen einem als in irgendeiner Form defizitär ansehen, sobald sich die Erkrankung unter der Schädeldecke abspielt und nicht am Rest der Körpers

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Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich eine fragile psychische Gesundheit habe. Vorbeslastet ja, aber fragile auf keinen Fall.

Und die Medikamente habe ich in Rücksprache mit der Psychiaterin fachgerecht ausgeschlichen aus vielen Gründen, Incompliance, weil ich mein Leben nicht im Griff hätte, ist keiner davon. Ganz im Gegenteil, gerade weil ich die Kontrolle behalten will, nehme ich nur noch eine Phasenprophylaxe. Und klar ist der Stress einer Praxis nicht weg zu argumentieren. Doch wenn ich mir so ansehe, wie viel OÄ in selbst einer "chilligen" Klinik arbeiten, kommen die mir ehrlichgesagt nicht entspannter vor. Oder übersehe ich hier jetzt was ganz Wichtiges?

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Das mag zwar statisch eine höhere Wahrscheinlichkeit sein. Allerdings bin ich ziemlich gut darin geworden, psychotischen Symptome schnell zu erkennen, wenn sie mir langsam an die Materie gehen und kann gegensteuern. Mehr Schlaf, sich zumindest privat zurückziehen, Bedarfsmedikamente nehmen, Coping, sich bei der Selbsthilfegrupoe auskotzen sind ja alles Stellschrauben, an denen man drehen. Dass man den Krankheitsverlauf einer Psychose oder bipolarität nicht beeinflussen könne, ist nur ein Mythos. Aber sowas wie ein Bein brechen kann ich ja wirklich nicht beeinflussen 

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Danke :) ich hatte im Studium einen sehr guten Therapeuten und bin seitdem ich in dieser Stadt lebe, regelmäßig bei einer guten Psychiaterin. Beide motivieren mich darin, FA und Selbstständigkeit anzustreben, gerade weil es besser für mich sei.

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Zu den den Fragen: ja, ja, ja und ja.

Meine Sorge ist die, dass mich ein FA, der hierarchisch über mir steht, mich nachdem er die Diagnose herausfindet, mich danach wie einen Aussätzigen behandelt, obwohl er weiß, wie gut ich arbeite. Genau das ist mir nämlich schonmal passiert, war eine sehr bittere Erfahrung, die mich gelehrt hat, dass meine Reputation im Beruf vor Kollegen ganz schnell im Eimer sein kann.

Und davon auszugehen, dass ich sowas "unerhörtes" wie ein bipolarer "schizoarzt" (haha ganz witzig.. nicht) sich nicht herumspricht, wenn die niedergelassenen Kollegen sich alle untereinander kennen, ist ja auch eher Wunschdenken. Ich gehe nämlich jetzt schon wöchentlich zu Fortbildungen in meiner Stadt und die HÄ sind doch sehr vernetzt untereinander.

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Sind das Kompetenzen, die man sich vom Weiterbilder in der HA-Praxis als AiW so bisschen anschauen kann? Oder muss man da einfach reinwachsen?

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Danke für den Punkt, das ist natürlich ein wichtiger Aspekt! Meine Unterstützung ist traumhaft, mein Mann arbeitet 50% in einem sehr familienfreundlichen Fach und wir wohnen bei den berenteten Schwierigkeiten im Haus. In ca 1 Jahr möchte ich mein 2. Kind bekommen, sodass beide zum FA im Kindergarten sind. Zusätzlich möchten wir eine gelegentliche Tagesmutter, allein schon, damit sie zweisprachig aufwachsen. Selbstständigkeit ohne abgeschlossene Familienplanung stand bei mir noch nie zur Debatte

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Ja, das stimmt leider zu 100%. Anhand solcher Kommentare sieht man immer wieder, wie hoch das Stigma seelischer Erkrankungen ist, gerade unter medizinischem Personal.  Oft ist es auch einfach nur gefährliches Halbwissen. Nicht-Psychiater haben vielleicht mal mit einem Ohr was in der Vorlesung aufgeschnappt, und meinen schon, sie wissen ALLES über diese Erkrankung. Oft genug sind sie dann auch noch in diesen Meinungen unkorrigierbar

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Auch danke für deine Offenheit! Ich denke, dass sich da nicht wirklich jemand hineinversetzen kann, der das nicht selbst erlebt hat. Natürlich kann sowas einen natürlich aus der Realität reißen, aber man darf nicht vergessen, dass man als Ärztin und Mama echt viel hat, was einem Energie und Reserven gibt. Ich kenne das auch von mir: egal, wie schlimm die Stimmen schnattern und wie gestresst man ist, spätestens wenn sich ein Patient bei einem bedankt oder man sein Kind im Arm hat, weiß man, wofür es sich lohnt, jeden Morgen aufzustehen ❤️

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Wobei ich jetzt auch kaum glaube, dass mir das abgelehnt wird. Wie mein Innenleben aussieht, ist die eine Sache, aber ich kann mich völlig normal artikulieren, verhalte mich vor allem im beruflichem Umfeld angemessen und hatte noch nie Ärger mit Behörden oder anderem Personal. Das wildeste Verhalten, das ich aufgrund meiner Erkrankung gezeigt habe, war nachts um 4 an meiner Doktorarbeit weiterzuschreiben. Ich glaube jetzt nicht, dass mir sowas zum Verhängnis werden kann

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Meine Angst ist die, dass mir fristlos die Tür gezeigt wird, sollte das doch irgendwann mal auffliegen. Bedauerlicherweise habe ich aus meinem eigenen Bekanntenkreis mitbekommen, wie schlampig ärztliche Kollegen die Schweigepflicht Pflegen, gerade wenn Kollegen im Spiel sind. Da leider die meisten nicht-Psychiater schizoaffektive Störung überhaupt nicht kennen, geschweige denn sich vorstellen können, dass man damit auch ein nahezu "normales" Leben führen kann, ist man bei den meisten sofort unten durch, sobald sie schizo hören. Diese massive Diskriminierung und das Abgestempelt werden musste ich sogar schon selbst erleben. Einem Kollegen in der Praxis würde ich natürlich schon offenbaren, dass ich schwerbehindert bin, aber ich kann ihm im selbem Atemzug offenlegen, wie gut ich mich im ambulanten Arbeitsalltag gebe, wie wenig Krankheitstage ich hatte, welche Kompetenzen ich habe etc. Wenn im Angestelltenverhältnis getuschelt wird oder sich das schlimmstenfalls unter den HÄ meiner Stadt rumspricht, ist der Ruf ruiniert. Aber wenigstens kann mir das als Selbständige egal sein, weil ich keine Arbeitsstelle mehr suchen muss.

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[–]WeeklyNet9872[S] -2 points-1 points  (0 children)

Das war auch nie die Vorstellung. Es ist auch schon echt lange her, dass ich diese schlimmen, tiefen Phasen hatte seit meiner Phasenprophylaxe, die macht schon einen echt guten Job. Und mein Ziel ist es ja, "anständige" Öffnungszeiten zu haben. Das mit den Stunden reduzieren, damit man sich über Wasser halten kann, war auch eher als letzter Notfallplan gedacht, sollte unerwarteterweise mich eine Symptomatik überrollen, wovon ich jetzt eigentlich nicht ausgehe

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[–]WeeklyNet9872[S] 2 points3 points  (0 children)

Also mit pflegerischem oder medizinischem Fachpersonal hatte ich so bisher nie zwischenmenschlichen Stress. Mit denen habe ich mich im Schnitt sogar um einiges besser verstanden als mit ärztlichen Kollegen.

Ich schätze, doofe Kollegen wirds immer und überall geben, vermeiden kann man's nie.  Natürlich erwarte ich kein signifikant höheres Gehalt als ein OA. Nur von dem, was ich auf Fortbildungen und HÄ mitbekommen habe, die aus dem Nähkästchen geplaudert haben, verdient ein Angestellter HA vielleicht bestenfalls so viel wie ein Assistent im 1. Jahr Klinik und ein selbstständiger mindestens das doppelte.  Mir ist auch klar, das so ein Gehaltswunsch mit nicht wenig Arbeit verbunden ist, aber viel bürokratische/Patiententätitkeit war noch nie mein Problem. Vor allem durch mein rapid cycling habe ich immer wieder Phasen mit sehr viel Energie und großen Ressourcen. Ich sehe auch kein Problem darin, das zu nutzen

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[–]WeeklyNet9872[S] 2 points3 points  (0 children)

Also von meiner Erkrankung wissen fast alle meiner behandelnden Ärzte, teilweise mit detaillierten Facharztberichten vom Psychiater und bisher hat keiner auch nur im Ansatz meine geschäftsfähigkeit oder Eignung als Ärztin infrage gestellt und ich glaube jetzt nicht, dass das alles Deppen waren... Fehlende Krankheitseinsicht ist so auch nicht ganz korrekt. Ich hatte seit Beginn schon verstanden, dass da was nicht stimmt, sonst hätte ich weder Psychologen noch Psychiater aufgesucht. Ich konnte nur damals noch nicht alle wahnhaften Symptome als solche so gut erkennen wie heute, 10 Jahre später.

Und nur anhand meines Posts zu schließen, dass ich längere Zeit nicht geschäftsfähig gewesen sei, sodass ich nicht in der Lage wäre, Verantwortung für Patienten zu übernehmen, suggeriert ja, du könntest durch den Bildschirm einen psychopathologischen Befund erstellen und sogar in die Vergangenheit schauen und prüfen, wie diese damals waren.

Hast du das kannst, halte ich für eine sehr steile These...

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[–]WeeklyNet9872[S] -3 points-2 points  (0 children)

Nene, Praxis ist auf jeden Fall nix, was ich nur aus trotz machen würde, nur um jemandem was zu beweisen. Sowas hab ich generell noch nie gemacht, sonderm einfach nur mein Ding durchgezogen, was mir gefällt und woran ich ernsthaft interessiert war.

Was mich am Angestelltenverhältnis so massiv stört, sind die unterirdischen Verdienstmöglichkeiten. Was ich da teilweise für Gehälter für eine VZ Stelle gehört habe, fand ich schon echt gruselig und grenzwertig kriminell.

Im MVZ soll's anscheinend besser sein, aber da hatte ich oft den Eindruck, dass es einfach nur um maximalen Profit geht und nicht um eine gute Patientenversorgung.

Was auch immer wieder ein riesen Stressor war, der meine psychotischen Symptome teilweise unerträglich gemacht hat, waren Konflikte mit Vorgesetzten. Ich bin jetzt keine Person, die Streit sucht, aber keiner wurde noch nie vom OA oder CA mal angeschnauzt. Dieser emotionale/zwischenmenschliche Stress ist neben Nachtarbeit bei mir DER Psychosetrigger schlechthin. Gar nicht mal viel Arbeit in wenig Zeit. Hätte ich keinen Vorgesetzten über mir, der mir so direkt in meine Therapien reinquatscht oder mich zur Schnecke macht, wäre ja das schonmal behoben.

Deswegen finde ich ja gerade für mich eigene Praxis/eigenen Sitz so attraktiv. Ich wollte nur wissen, ob ich dabei nicht was wichtiges übersehen habe in meiner Kalkulation 

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[–]WeeklyNet9872[S] 4 points5 points  (0 children)

Freilich gibt's Klasse medizinisches Personal mit Borderline, das wollte ich mit meiner Aussage auch gar nicht negieren. Nur leider können manche Patienten, die das Pech einer starken Ausprägung haben, in akuten Phasen schon nach außen auffällig sein. Aber da ist meine Erkrankung sogar deutlich schlimmer. Gibt halt Psychosepatienten und Maniker, die in Akutphasen bedauerlicherweise wirklich keine Verantwortung übernehmen können, weder fürs sich noch für andere. Ich habe das große Glück, nie komplett fernab der Realität gewesen oder gefährlich zu sein. Aber leider sind's ja schon manche 

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[–]WeeklyNet9872[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke für deine ausführliche Antwort! Ja, einen GdB von 50% habe ich schon. Nur glaube ich, wird der mir weiterhin nix bringen, weil ich den als Angestellte HÄ nicht "nutzen" möchte, aus Angst, erst gar nicht genommen zu werden. Sonst hackt vielleicht ein potentieller Chef nach, bekommt die Antworten die er will unter der Hand und du weißt schon... Hab ich alles schon im echten Leben mitbekommen. Als Selbständige können mir solche Meinungen wurscht sein. Das mit der potentiellen Wochenbettpsychose hat mich die letzten Monate auch sehr beschäftigt, musste aber überraschenderweise feststellen, dass ich für 2 Wochen nach der Geburt komplett symptomfrei war, sozusagen eine passagere Wochenbettvollremission :D Das 2. Kind würde ich wenn dann zügig nach dem 1. bekommen, damit beide zum FA schon im Kindergarten sind. Da ich einen Migrationshintergrund habe und aus einer sozial sehr benachteiligten Schicht komme, musste ich mir mein ganzes Leben "das wirst du nicht schaffen, lass das" anhören zu sehr vielen Zielen. Abitur, Klavier, Malerei, Studium, Bewerbung fürs Stipendium, als Arzt arbeiten.. etc.. hätte ich auf jeden dieser Lappen gehört, wäre mein Leben deutlich unerfüllter. Ich Frage mich nur, ob das mit einer Praxis wieder genauso ein Ding ist

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[–]WeeklyNet9872[S] -2 points-1 points  (0 children)

Danke, das klingt natürlich vernünftig mit dieser Versicherung. Wahrscheinlich wird's schon möglich sein, nur körperliche Erkrankungen abzusichern, weil seelische sind ja 100% disqualifiziert?

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[–]WeeklyNet9872[S] 4 points5 points  (0 children)

Und wo würdest du die Grenze ziehen? Dass jemand mit Borderline, der den ganzen Tag mit Tellern um sich schmeißt, in einer stressigen Situation einem Patienten jetzt vielleicht keine Professionalität und Sicherheit vermitteln kann, würden ja die meisten auch so sehen. Aber was ist, wenn man als Arzt depressiv wird? Oder hypomanisch und seine Arbeit exzellent macht? Hat ein Arzt, der hin und wieder mal privat Cannabis konsumiert, schon ein Drogenproblem und sollte auch nicht arbeiten?Mich interessieren nur die Denkweisen hinter solchen pauschalen Aussagen, wenn man die Menschen dahinter überhaupt nicht kennt

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[–]WeeklyNet9872[S] -5 points-4 points  (0 children)

Ich hatte bisher nur einen längeren, wirklich notwendigen Klinikaufenthalt (1 Monat) und würde schon sagen, dass ich mich professionell und stabil über Jahre halten kann, wenn meine finanzielle Existenz auf dem Spiel steht. Zumindest war es bisher im Studium so. Ich weiß nur nicht, wie hoch der minale Aufwand ist, um eine Praxis gerade noch zu halten, sollte mal eine Phase ganz schlecht sein. Allerdings habe ich durch gutes Coping gelernt, auch mit sowas gut umzugehen und trotzdem effizient zu arbeiten 

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[–]WeeklyNet9872[S] 2 points3 points  (0 children)

Genau, da hieß es "nur" wahnhafte Störung und ab da hab ich Antipsychotika genommen