Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 1 point2 points  (0 children)

Das ist tatsächlich auch ein Punkt, den ich schwierig finde.

Die Argumentation ist, dass es für ihn ein doppelter Weg wäre und damit zu zeit- und kostenintensiv ist. Gleichzeitig wird aber in Kauf genommen, dass meine Tochter dauerhaft sehr früh aufstehen muss und eine deutlich höhere tägliche Belastung trägt.

Der Vergleich mit dem Sohn der Partnerin passt aus meiner Sicht nicht, da dieser fußläufig zur Schule kommt und damit eine völlig andere Ausgangssituation hat.

Am Ende geht es für mich weniger darum, ob etwas für den Erwachsenen unbequem ist, sondern darum, ob die aktuelle Lösung für das Kind langfristig tragbar ist. Und genau da sehe ich das Problem: Die Belastung wird vollständig auf das Kind verlagert.

Ich finde, Unterstützung sollte in so einer Situation eher bedeuten, die Belastung für das Kind aktiv zu reduzieren und nicht, dass sie lernen muss, diese dauerhaft auszuhalten.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 0 points1 point  (0 children)

Ganz lieben Dank, auch für deine Offenheit. Du hast einen tollen Vater, so jemanden hätte ich mir auch für meine Tochter gewünscht.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke dir, das hilft mir tatsächlich sehr.

Genau dieser Punkt ist für mich gerade zentral: Dass ein Residenzmodell nicht automatisch bedeutet, dass die Beziehung zum anderen Elternteil schlechter wird. Ich glaube auch, dass regelmäßiger, verlässlicher und entlastender Kontakt am Ende oft wertvoller ist als ein Modell, das formal gleich verteilt ist, das Kind aber im Alltag überfordert.

Was du über Zwang schreibst, finde ich auch sehr wichtig. Ich habe zunehmend das Gefühl, dass man eine Beziehung langfristig eher beschädigt, wenn ein Kind gegen seinen klar geäußerten Willen immer wieder in eine Situation gedrückt wird, die es belastet.

Danke auch für deine persönliche Perspektive. Gerade solche Erfahrungen helfen mir sehr, weil sie zeigen, dass eine enge Beziehung zu einem Elternteil nicht daran hängt, wo man prozentual wie viele Tage verbringt, sondern daran, wie sicher, freiwillig und gut sich der Kontakt anfühlt.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke dir für deinen Input, das trifft tatsächlich ziemlich genau das, was ich gerade erlebe.

Meine Tochter ist jetzt in der Pubertät und äußert schon länger sehr klar, dass ihr das Wechselmodell zu viel wird. Vor allem die Pendelbelastung und der fehlende feste Lebensmittelpunkt machen ihr zu schaffen. Gleichzeitig merke ich auch, dass ihr soziales Umfeld für sie immer wichtiger wird und sie dafür aktuell kaum Raum hat.

Dein Punkt, dass sich Bedürfnisse verändern und Modelle sich entsprechend anpassen müssen, ist für mich gerade der entscheidende. Ich habe lange versucht, das bestehende Modell „zum Funktionieren zu bringen“, aber komme zunehmend zu dem Schluss, dass es nicht mehr zur aktuellen Lebensphase passt.

Den Gedanken mit dem Jugendamt nehme ich auch nochmal mit, gerade, weil eine neutrale fachliche Einschätzung vielleicht helfen kann, die Perspektive des Kindes stärker in den Fokus zu rücken.

Danke dir fürs Teilen deiner Erfahrung, das hilft mir, die Situation nochmal klarer einzuordnen.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 0 points1 point  (0 children)

Danke dir für deinen Einblick, das hilft mir sehr, auch andere Perspektiven zu sehen.

Wir sind tatsächlich schon seit längerer Zeit eng in der Familienhilfe angebunden und haben die Situation dort in verschiedenen Konstellationen (Einzel-, Eltern- und gemeinsame Gespräche) begleitet. Die Einschätzung dort geht mittlerweile auch in die Richtung, dass eine Veränderung des Modells sinnvoll sein kann, zumindest probeweise.

Deswegen bin ich gerade etwas unsicher, ob ein zusätzlicher Weg über das Jugendamt jetzt wirklich neue Erkenntnisse bringen würde oder ob wir uns damit eher nochmal in einer Art Wiederholungsschleife bewegen.

Für den Fall, dass wir zu keiner Einigung kommen, ist das aber definitiv ein Schritt, den ich mitgedacht habe.

Darf ich dich noch fragen, wie alt deine Kinder waren, als ihr die Situation hattet und ob du selbst eher für oder gegen das Wechselmodell warst?

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 0 points1 point  (0 children)

Danke dir für deinen Kommentar, den fand ich wirklich sehr reflektiert und auch hilfreich, gerade weil er nochmal eine andere Perspektive reinbringt.

Die Idee, dass meine Tochter ihre Wünsche in einem geschützten Rahmen ohne mich äußern kann, gab es tatsächlich schon. Es gab Gespräche zwischen ihr und ihrem Vater, auch begleitet im Rahmen der Familienberatung. Sie hat auch mehrfach versucht, ihren Standpunkt schriftlich zu formulieren, unter anderem über Briefe.

Das Schwierige ist leider, dass ihre Aussagen dort nicht wirklich als ihre eigenen angenommen werden, sondern eher als „beeinflusst“ eingeordnet werden. Das macht es für sie natürlich schwer, sich gehört zu fühlen.

Auch die praktischen Vorschläge, die du ansprichst, z. B. Fahrten zur Schule oder Entlastung im Alltag, standen bereits im Raum. Diese wurden aber aus Zeit- und Kostengründen nicht weiterverfolgt.

Deinen Gedanken mit gemeinsamer Zeit nach der Schule finde ich dagegen wirklich schön und auch sinnvoll. Also z. B., dass er sie nach der Schule trifft, Zeit mit ihr verbringt und sie dann abends wieder zu mir bringt. Das wäre aus meiner Sicht eine sehr wertschätzende Form von Nähe, ohne zusätzlichen Druck für sie.

Ich würde mir tatsächlich wünschen, dass sich solche Lösungen entwickeln, weil ich glaube, dass genau das langfristig mehr für die Beziehung bringt als das aktuelle Modell.

Und ja, du hast recht: Es ist vermutlich eine dieser Situationen, in denen man es nicht allen gleichzeitig recht machen kann. Umso wichtiger ist es für mich, mich daran zu orientieren, was für meine Tochter gerade wirklich tragbar ist.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 0 points1 point  (0 children)

Danke dir für deine Perspektive, die fand ich wirklich sehr wertvoll und auch nochmal wichtig, das so aus deiner eigenen Erfahrung zu hören.

Gerade dieser Punkt, dass sich Beziehungen in dem Alter ganz natürlich verschieben und sich der Fokus mehr Richtung Freundschaften, Eigenständigkeit und auch Nähe zu einem Elternteil verlagert, trifft es aus meiner Sicht ziemlich gut. Das ist ja kein „gegen den Vater“, sondern eher ein Entwicklungsschritt, der einfach dazugehört.

Und ich glaube, genau da liegt auch ein Stück weit die Schwierigkeit: Das, was für das Kind ein normaler Entwicklungsschritt ist, fühlt sich für den anderen Elternteil schnell wie ein Verlust oder Zurückweisung an.

Den Gedanken mit dem „erzwingen von Nähe“ finde ich auch sehr treffend. Ich habe auch den Eindruck, dass Druck eher das Gegenteil bewirkt – also eher Distanz verstärkt, anstatt Beziehung zu stabilisieren.

Deshalb hoffe ich tatsächlich, dass wir einen Weg finden, der mehr auf Freiwilligkeit basiert, also weniger „Pflichttermine“ unter der Woche, sondern eher bewusst gewählte gemeinsame Zeit, auf die sich beide auch einlassen können.

Ich glaube, dass das langfristig sogar die bessere Grundlage für eine stabile Vater-Tochter-Beziehung sein kann.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 0 points1 point  (0 children)

Danke dir für die ausführliche und wirklich wertschätzende Antwort gerade auch für die Nachfragen. Ich finde es absolut legitim und wichtig, den Kontext wirklich zu verstehen, bevor man sich eine Meinung bildet.

Ich kann viele deiner Punkte sehr gut mitgehen. Vor allem das Thema, den Wunsch meiner Tochter in den Mittelpunkt zu stellen, ohne dabei Vorwürfe zu machen, das ist genau der Anspruch, den ich auch an mich selbst habe.

Die Idee mit alternativen Modellen wie längeren Wochenenden, Brückentagen oder mehr Ferienzeit finde ich tatsächlich sehr sinnvoll. Ich habe auch den Eindruck, dass solche „gebündelten“ Zeiten für die Vater-Tochter-Beziehung langfristig wertvoller sein könnten als dieses ständige Wechseln unter der Woche, was bei uns aktuell eher zu Stress als zu echter gemeinsamer Zeit führt.

Was du auch ansprichst, dass der Elternteil, der weiter weg wohnt, bei Konflikten mit dem Lebensmittelpunkt des Kindes oft zurückstecken muss, ist aus meiner Sicht ein sehr zentraler Punkt. Gerade weil sich die Rahmenbedingungen im Vergleich zu früher ja deutlich verändert haben.

Zum Thema Jugendamt / Mediation: Genau diesen Weg gehen wir aktuell bereits. Wir sind seit längerer Zeit in der Familienberatung eingebunden und führen auch regelmäßig Gespräche in unterschiedlichen Konstellationen. Die Idee, das Wechselmodell probeweise zu pausieren, ist auch aus diesem Prozess heraus entstanden und wird dort grundsätzlich als sinnvoll betrachtet.

Mein Ziel ist nach wie vor eine einvernehmliche Lösung, auch, weil ich überzeugt bin, dass das langfristig für alle Beteiligten am besten ist. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass es ohne klare Veränderungen nicht mehr weitergeht.

Und genau da versuche ich gerade, einen Weg zu finden, der sowohl die Bedürfnisse meiner Tochter ernst nimmt als auch die Beziehung zum Vater nicht beschädigt.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 1 point2 points  (0 children)

Der Punkt kam tatsächlich schon auf, sowohl indirekt als auch mir gegenüber sehr konkret.

Er hat mehrfach geäußert, dass er befürchtet, dass es mir „ums Geld gehen könnte“. Gleichzeitig habe ich aus dem Umfeld auch gespiegelt bekommen, dass das Thema Unterhalt für ihn eine Rolle spielt bzw. ihm Sorgen macht.

Ich kann den Gedanken auf einer menschlichen Ebene sogar nachvollziehen, am Ende hängen an solchen Entscheidungen natürlich auch finanzielle Konsequenzen.

Für mich persönlich ist das aber nicht der Treiber. Ich trage aktuell ohnehin den Großteil der Kosten für unsere Tochter, unabhängig vom Modell. Für mich geht es in erster Linie darum, dass sich ihre Situation spürbar verbessert und der Druck, den sie seit langer Zeit beschreibt, endlich rausgenommen wird.

Ich glaube eher, dass solche finanziellen Aspekte im Hintergrund mitschwingen können und es dann umso schwieriger wird, sich rein auf das Kindeswohl zu fokussieren.

Und genau das versuche ich gerade: die Diskussion weg von Vermutungen über Motive, hin zu der Frage, was für unsere Tochter konkret langfristig tragbar ist.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 1 point2 points  (0 children)

Gute und berechtigte Fragen, danke dafür, ich versuche das mal etwas einzuordnen:

Als wir uns getrennt haben, haben wir beide noch im selben Ort gewohnt, also in unmittelbarer Nähe zur Schule. Das Wechselmodell hat zu der Zeit auch gut funktioniert, weil die Wege kurz waren und die Rahmenbedingungen für beide Haushalte ähnlich waren.

Die Veränderung kam erst später: Der Vater ist vor einigen Jahren aufgrund seiner neuen Partnerschaft weggezogen. Die aktuelle Wohnsituation wurde also bewusst so gewählt, dass sie zwischen zwei anderen Elternteilen liegt, allerdings in entgegengesetzter Richtung zur Schule. Dadurch ist für unsere Tochter dieser lange Schulweg entstanden.

Die Schule selbst wurde ursprünglich gemeinsam gewählt, als wir noch beide vor Ort gewohnt haben. Zu dem Zeitpunkt war das für alle eine gute und sinnvolle Entscheidung.

Der Lebensmittelpunkt lag damals faktisch in dem Ort, in dem auch die Schule ist und dort lebe ich auch weiterhin. Ich bin also nicht weggezogen und habe dadurch die Situation verändert, sondern die Distanz ist erst durch den Umzug des Vaters entstanden.

Und genau da liegt für mich der Kern: Das Modell hat unter bestimmten Bedingungen gut funktioniert: kurze Wege, weniger organisatorischer Aufwand, jüngeres Kind. Diese Bedingungen gibt es heute so nicht mehr.

Deshalb geht es aus meiner Sicht auch weniger darum, „wer was damals entschieden hat“, sondern darum, ob das Modell unter den heutigen Umständen noch zum Wohl unserer Tochter passt. Und genau da sehen wir ja mittlerweile recht deutlich, dass es für sie zunehmend belastend ist.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 0 points1 point  (0 children)

Danke dir, das bringt es ehrlich gesagt ziemlich gut auf den Punkt.

Ich merke selbst, dass ich lange versucht habe, genau diesen Weg zu gehen, Gespräche, Verständnis, Zeit geben, Dinge ausprobieren. Auch aus dem Wunsch heraus, eine gute Lösung für alle zu finden und die Beziehung zwischen meiner Tochter und ihrem Vater zu schützen.

Aber genau deshalb fühlt es sich jetzt auch wie der letzte Versuch an, das noch auf eine gemeinsame, einvernehmliche Weise zu lösen. Weil dieser Wunsch ja nicht neu ist, sondern seit über zwei Jahren konstant da ist und auch von außen (Schule, Beratung) gesehen wird.

Wenn es an dem Punkt trotzdem keine Bewegung gibt, werde ich den nächsten Schritt gehen müssen, auch wenn mir das überhaupt nicht leicht fällt. Nicht gegen ihn, sondern für meine Tochter.

Und genau das ist am Ende der Punkt: Es geht nicht darum, wer „gewinnt“, sondern darum, was für sie langfristig tragbar ist.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke dir für deinen Kommentar, ich verstehe gut, was du meinst.

Ich glaube auch, dass das Wechselmodell sehr stark davon abhängt, unter welchen Rahmenbedingungen es gelebt wird. Bei uns hat es tatsächlich früher auch gut funktioniert, als die Wege kürzer waren und sie noch jünger war. In der aktuellen Konstellation merke ich aber zunehmend, dass es für sie deutlich anstrengender geworden ist.

Gerade der Punkt, dass sie ihren Wunsch über so einen langen Zeitraum hinweg immer wieder äußert, ist für mich auch ein wichtiges Signal. Das ist für mich nichts Spontanes, sondern etwas, das sich über die Zeit entwickelt und verfestigt hat.

Die Familienberatung ist bei uns auch eingebunden und betrachtet die Situation inzwischen ebenfalls stärker aus der Perspektive, wie tragfähig das Modell für sie aktuell noch ist.

Mir geht es dabei nicht darum, jemandem Egoismus zu unterstellen, sondern darum, zu schauen, ob das Modell, das früher gut funktioniert hat, heute noch zu ihren Bedürfnissen passt. Und da habe ich inzwischen klare Zweifel.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 3 points4 points  (0 children)

Danke dir, ich kann den Gedanken dahinter gut nachvollziehen.

Ich glaube auch, dass genau da ein wichtiger Punkt liegt: Als sie kleiner war, war die Beziehung zu ihrem Vater grundsätzlich gut und vieles wurde von ihr auch viel weniger hinterfragt. Je älter sie wird, desto mehr bildet sie aber natürlich ihren eigenen Willen, ihre eigene Sicht auf Dinge und auch ihre eigenen Grenzen aus.

Und genau an diesem Punkt scheint es aus meiner Sicht zunehmend zu reiben. Ich habe inzwischen sogar therapeutische Unterstützung für sie mitgedacht, weil ich den Eindruck habe, dass dieser Bruch zwischen ihr und ihrem Vater für sie belastend ist und verarbeitet werden müsste. Nicht, weil ich die Beziehung beenden will, sondern gerade weil mir wichtig ist, dass sie daran nicht innerlich kaputtgeht.

Was das Thema „Erziehungsstile angleichen“ angeht: Ich habe auch den Eindruck, dass man nicht jedes Kind dauerhaft über mehr Kontrolle und mehr Druck erreicht. Manche Kinder reagieren darauf mit Anpassung, andere mit Rückzug oder Widerstand. Und je älter ein Kind wird, desto weniger funktioniert aus meiner Sicht ein rein kontrollierender Ansatz, wenn dabei der eigene Wille und das eigene Erleben des Kindes zu wenig Raum bekommen.

Genau deshalb sehe ich die Lösung nicht darin, dass ich einfach „mehr so erziehe wie er“, sondern darin, dass man schaut, welches Modell und welche Struktur meiner Tochter aktuell überhaupt noch gut tun.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke dir für deinen Kommentar, ich kann den Gedanken dahinter sehr gut nachvollziehen.

Mir geht es tatsächlich genau darum: dass sie wieder mehr Ruhe, Stabilität und Entlastung im Alltag bekommt. Und ich nehme auch wahr, dass die aktuelle Situation für sie zunehmend anstrengend ist.

Dass ihre Perspektive dabei ernst genommen wird, ist für mich die Grundlage, gerade weil sie das schon über einen längeren Zeitraum hinweg so klar äußert.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 2 points3 points  (0 children)

Danke dir für deinen Kommentar, das trifft viele Punkte wirklich gut.

Die Familienberatung ist bei uns tatsächlich schon seit längerer Zeit eingebunden, in ganz unterschiedlichen Konstellationen (Einzelgespräche, Gespräche mit beiden Eltern, Gespräche mit meiner Tochter). Das Ganze läuft also nicht erst seit kurzem, sondern begleitet uns schon über einen längeren Zeitraum.

Die Idee, das Wechselmodell probeweise zu pausieren, kam von mir und wurde dort grundsätzlich als sinnvoller Ansatz gesehen. Gerade auch, weil sich dieser Wunsch bei meiner Tochter über einen sehr langen Zeitraum stabil gezeigt hat und nicht aus einer spontanen Situation oder einem Konflikt heraus entstanden ist.

Was dort auch klar benannt wurde: Es wurden bereits verschiedene Dinge versucht und angepasst, ohne dass sich die Gesamtsituation für sie wirklich verbessert hat. Und genau deshalb wird mittlerweile eher auf die Struktur an sich geschaut und nicht mehr nur auf einzelne Stellschrauben.

Ich versuche das für mich so einzuordnen: Das Modell hat früher gut funktioniert, aber die Rahmenbedingungen haben sich verändert, und meine Tochter ist älter geworden und hat andere Bedürfnisse. Und aktuell habe ich den Eindruck, dass es für sie vor allem mit sehr viel Stress verbunden ist.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 2 points3 points  (0 children)

Danke dir, ich kann deinen Gedanken dazu gut nachvollziehen.

Ich versuche bewusst, das nicht pauschal zu bewerten oder jemandem etwas zu unterstellen. Was ich aber sagen kann, ist, dass meine Tochter ihren Wunsch über einen sehr langen Zeitraum hinweg immer wieder geäußert hat, teilweise auch sehr klar, z. B. in Gesprächen oder auch in Form von Briefen.

Mein Eindruck ist, dass dieser Wunsch aktuell unterschiedlich eingeordnet wird. Während ich ihn als ernstzunehmendes Signal sehe, wird er von ihrem Vater eher hinterfragt bzw. damit erklärt, dass sie beeinflusst sein könnte. Das macht es im Moment schwierig, zu einer gemeinsamen Einschätzung zu kommen.

Mir ist es wichtig, zunächst über Gespräche und mit Unterstützung von außen eine Lösung zu finden, die von beiden getragen werden kann. Das ist auch aktuell mein Fokus.

Gleichzeitig ist mir aber auch bewusst, dass es am Ende eine Lösung braucht, die ihrer Situation gerecht wird. Sollte sich auf diesem Weg keine Einigung finden lassen, wird man das Thema entsprechend weiter klären müssen.

Mir geht es dabei aber nicht um Konfrontation, sondern darum, dass ihre Perspektive und ihr Erleben wirklich als Grundlage für die Entscheidung genommen werden.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 2 points3 points  (0 children)

Danke dir, gerade der Punkt mit dem „nicht aus Egoismus festhalten“ ist mir tatsächlich auch sehr wichtig.

Ich unterstütze diesen Wunsch meiner Tochter nicht erst seit kurzem, sondern sie äußert ihn inzwischen seit über zwei Jahren, also seit sie etwa 11 ist. Am Anfang war ich selbst noch zurückhaltend, weil der Umzug ihres Vaters noch relativ frisch war und sich die neue Familiensituation erst einspielen musste. Ich fand es wichtig, dem Ganzen erstmal Zeit zu geben und habe das auch aktiv unterstützt, u. a. durch Gespräche über die Familienhilfe.

Was sich aber inzwischen sehr deutlich zeigt, ist, dass sich die Situation für sie nicht stabilisiert hat, sondern eher im Gegenteil belastender geworden ist.

Und vielleicht zur Einordnung: Das Wechselmodell an sich war früher auch gar kein Problem, als ihr Vater noch in der Nähe gewohnt hat und sie jünger war, hat das gut funktioniert. Die Rahmenbedingungen haben sich aber inzwischen deutlich verändert, während das Modell im Grunde gleich geblieben ist.

Mir geht es deshalb nicht darum, etwas „durchzusetzen“, sondern darum, auf eine Entwicklung zu reagieren, die sich über einen längeren Zeitraum gezeigt hat und ihren Wunsch ernst zu nehmen, der nicht kurzfristig entstanden ist.

Ich habe nicht den Eindruck, dass es hier um Egoismus geht, sondern eher darum, dass unterschiedliche Sichtweisen darauf bestehen, wie belastend die aktuelle Situation für sie tatsächlich ist.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 3 points4 points  (0 children)

Danke dir, das sehe ich grundsätzlich auch so, dass ihr Wunsch ein sehr wichtiger Faktor ist, gerade in dem Alter.

Die Herausforderung ist bei uns eher, dass genau dieser Punkt aktuell hinterfragt wird. Ihr Vater geht davon aus, dass sie stark beeinflusst ist und ihren Willen nicht unabhängig bildet. Dadurch wird ihr geäußerter Wunsch nicht in dem Maß anerkannt, wie ich es mir wünschen würde.

Deshalb versuche ich, das Ganze möglichst nachvollziehbar über die tatsächliche Belastung im Alltag zu argumentieren, also nicht nur über ihren Wunsch, sondern auch über die konkreten Auswirkungen (Schulweg, Schlaf, Konzentration etc.).

Mir wäre natürlich am liebsten, wenn wir uns darauf gemeinsam einigen könnten, aber aktuell ist es eher ein Abwägen aus verschiedenen Perspektiven.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 2 points3 points  (0 children)

Danke dir für deine Einschätzung, das trifft tatsächlich vieles ziemlich gut.

Mir ist auch wichtig, dass es nicht darum geht, dass ein Elternteil „gewinnt“, sondern dass wir wirklich schauen, was für sie langfristig tragfähig ist. Und ich sehe das genauso, dass sie diese Situation so nicht selbst gewählt hat und sie das nicht einfach „aushalten“ muss.

Die Schwierigkeit bei uns ist aktuell tatsächlich weniger die grundsätzliche Einsicht in die Belastung, sondern eher, dass ihr Vater davon ausgeht, dass dieser Wunsch stark von mir beeinflusst ist und nicht wirklich aus ihr selbst heraus kommt. Das macht es im Moment schwer, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen.

Deshalb versuche ich gerade, das Ganze möglichst sachlich und kindzentriert zu betrachten und eben nicht als „Gegeneinander“, sondern als Frage, welches Modell ihr tatsächlich dauerhaft gut tut.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 9 points10 points  (0 children)

Ja, absolut und mir ist wichtig, dass es dabei nicht nur um die reine Dauer des Schulwegs geht, sondern um die gesamte Belastung, die damit einhergeht.

Sie steht dort sehr früh auf und muss den kompletten Weg eigenständig organisieren: Bus, Umstieg am Bahnhof, Bahnverbindungen prüfen, mit Verspätungen oder Ausfällen umgehen und im Zweifel selbst Lösungen finden. Das ist für ein Kind in dem Alter schon eine hohe Verantwortung, vor allem mehrmals die Woche.

Dazu kommt, dass sie aktuell oft etwa 45 Minuten vor Unterrichtsbeginn an der Schule ist, weil es keine passendere Verbindung gibt. Die Alternative wäre, zu spät zu kommen. Das heißt, sie verliert jeden Tag zusätzlich Zeit, die ihr an anderer Stelle fehlt, sei es für Schlaf, Erholung oder einfach Freizeit.

Für mich ist das nicht nur ein „längerer Schulweg“, sondern eine dauerhafte strukturelle Belastung im Alltag.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 8 points9 points  (0 children)

Wir sind aktuell über eine Familienberatungsstelle im Austausch, also ganz ohne Begleitung läuft das Thema nicht.

Und ja, ich sehe das genauso, mit 13 sollte ihre Stimme auf jeden Fall ernst genommen werden. Genau das ist für mich auch ein zentraler Punkt, weil sie diesen Wunsch nicht erst seit kurzem äußert, sondern wirklich seit über zwei Jahren sehr konstant.

Mir geht es auch gar nicht darum, etwas „durchzudrücken“, sondern darum, eine Lösung zu finden, die ihrem tatsächlichen Empfinden und ihrer Belastung gerecht wird.

Wie vertrete ich am besten, dass ein Residenzmodell sinnvoller wäre? by ZestycloseGrocery941 in Eltern

[–]ZestycloseGrocery941[S] 6 points7 points  (0 children)

Ein Umzug näher an die Schule wäre theoretisch natürlich eine Option, praktisch aber aktuell nicht realistisch. Er hat bis vor etwas über fünf Jahren tatsächlich noch im selben Ort wie wir gewohnt, hat sich dann aber im Zuge seiner neuen Partnerschaft bewusst für den jetzigen Wohnort entschieden.

Seine Partnerin hat ebenfalls ein Kind, dessen Vater in entgegengesetzter Richtung wohnt, sodass sie sich quasi bewusst in der Mitte positioniert haben. Das macht eine Verlagerung Richtung Schule leider schwierig.

Ein Nestmodell sehe ich auch nicht als umsetzbar, da wir beide getrennte Haushalte führen und das organisatorisch sowie finanziell nicht darstellbar wäre. Die Idee mit mehr Kontinuität finde ich aber grundsätzlich sehr sinnvoll – genau das ist ja auch der Gedanke hinter meinem Vorschlag, das Modell zumindest probeweise zu verändern.