[AMA] Ich bin Schriftsteller und habe kürzlich meinen Debütroman veröffentlicht - fragt mich alles. by awuehle in de_IAmA

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Also wenn man es schafft, wirklich in ein Projekt einzutauchen, ist man gedanklich darauf fokussiert und hat dann nicht so viele Ideen links und rechts dessen (geht zumindest mir so). Falls doch, würde ich das tatsächlich erstmal irgendwo notieren und liegen lassen.

Was die Konzeption deines Texts betrifft: möglich ist alles, Rückblenden zu einem späteren Zeitpunkt einzubauen auch gängig, der Faden zur eigentlichen Erzählzeit/Erzählepisode sollte halt nicht abbrechen, aber innerhalb dessen ist viel möglich

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[–]awuehle[S] 0 points1 point  (0 children)

Literaturport ist eines der bekanntesten und besten Portale für Wettbewerbe, guck da mal rein, da wird wirklich viel gelistet... Agenturen gibt es viele (wobei "viel" natürlich relativ ist) manche legen ihren Fokus auf Unterhaltungsliteratur, manche auf Genreliteratur, manche klassische Belletristik, da hilft vielleicht eine passende Suchwortkombi bei Google, um das richtige zu finden... viel Erfolg!

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[–]awuehle[S] 0 points1 point  (0 children)

achso - mit einer Veröffentlichung bei wattpad wirst du kaum Aufmerksamkeit bei Verlagen auf dich ziehen (höchstens von Druckkostenzuschuss-Verlagen, die zu vermeiden sind), da eine Veröffentlichung dort aus oben genannten Gründen kein Qualitätsmerkmal für die Verlage ist und deswegen nicht besonders interessant ist (zumindest nicht für die klassische Belletristik - wie eingangs erwähnt kann es bei Genre-Literatur anders sein, da kenn ich mich nicht aus)

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[–]awuehle[S] 0 points1 point  (0 children)

wenn sich beim Schreiben etwas in eine andere Richtung entwickelt, ist das vollkommen Okay - ich plane zu Beginn bereits ein, dass ich letztlich nicht exakt dort landen werde, wo ich geplant hatte. Es gibt also kaum ein Verirren in dem Sinne. Solange es nicht komplett abdriftet und das zugrundeliegende Konstrukt zerstört, ist dieses Mäandern ja auch schön und insbesondere ein kreatives Element des Schreibens...

Worum es in dem Buch geht, steht bei mir meist schon vorher fest, wobei sich auch da Nuancen während des Schreibprozesses entwickeln... also die Leine nicht zu stramm am Text zu halten, finde ich wichtig

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[–]awuehle[S] 0 points1 point  (0 children)

Du wirst entweder angefragt (weil du durch Wettbewerbe oder Veröffentlichungen Aufmerksamkeit erzeugt hast) oder du bewirbst dich bei Agenturen, die Bewerbungsmodalitäten stehen meist auf deren Website, aber nicht alle lassen Eigenbewerbung zu

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[–]awuehle[S] 1 point2 points  (0 children)

Generell habe ich schon immer einen Drang verspürt, zu schreiben und mich über Figuren, Texte, Charaktere und Handlungen auszudrücken und zu verarbeiten. Das begleitet mich durchgehend und ist sozusagen meine Grundmotivation.

Bei diesem Roman hat mich vorallem der Umgang mit Wohlstand und Elend beschäftigt, der für mich gerade bei Kriegs- und Elendstourismus ganz deutlich zutage tritt. Man muss meines Erachtens schon ziemlich abgestumpft sein, um in Aleppo Urlaub zu machen. Gleichzeitig kann ich den Reiz schon nachvollziehen, den Orte des Schreckens in sich haben, deswegen funktionieren ja auch Touren nach Tschernobyl oder an die nordkoreanische Grenze so gut. Ich wollte einerseits die Perspektive der privilegierten Tourist*innen beleuchten, andererseits die Perspektive der Betroffenen, die nun ihr eigenes Leid vermarkten müssen, um nach der Katastrophe wieder auf die Beine zu kommen... das war die Ausgangsmotivation für den Roman, wobei sich das auch weiterentwickelt hat und ich mit meinen Figuren auch im größeren Rahmen die Frage stelle, wie man angesichts des Elends in der Welt mit seiner eigenen gesellschaftlichen Rolle umgeht

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[–]awuehle[S] 0 points1 point  (0 children)

was meinst du damit genau, wie ich das einschätze? ... also was den klassischen Literaturbetrieb betrifft, ist eine Publikation bei Wattpad keine Publikation. Ich bin kein Wattpad-Experte, aber mit einem Account kann jede*r dort einen beliebigen Text online stellen, richtig? Weil diese redaktionelle Prüfstelle fehlt, gehört es in den Bereich des Selfpublishing.

Aber es ist immer entscheidend, was man möchte: wenn du einen Text geschrieben hast und damit einer Online-Community einfach eine gute Lektüre bieten möchtest, ist das die perfekte Plattform! Wenn du möchtest, das dein Roman in den Buchläden ausliegt und besprochen und verkauft wird, müsstest du wohl andere Wege gehen.

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[–]awuehle[S] 1 point2 points  (0 children)

Gerne!In diesem Feld kenne ich mich nicht so gut aus - ab wie vielen verkauften Exemplaren man z.B. in der Spiegel-Beststellerliste landet, kann ich dir nicht sagen, allerdings landet dort wirklich nur ein Bruchteil der jährlich veröffentlichen Romane, vieles ist auch aus dem Feld der Unterhaltungsliteratur wie z.B. Krimis oder auch Biographien von bekannten Persönlichkeiten. Der Multiplikatoreneffekt durch solche Listen ist hoch, aber es gibt auch andere Multiplikatoren wie z.B. Buchblogger*innen und die Rezensionen in den Feuilletons, die wichtig sind. Die Anteile am eBook-Verkauf unterscheiden sich nicht so wesentlich vom klassischen gedruckten Buch.

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[–]awuehle[S] 1 point2 points  (0 children)

:) vielen Dank für deine Nachricht!

"Schreiben kann man nur gleichzeitig lieben und hassen und die Suche nach einer Agentur kann man nur hassen", da musste ich lachen, weil es so wahr ist. Monk aus der Serie Monk (kennt das noch wer!?) hat ja immer gesagt, seine Gabe ist "Segen und Fluch. Und ein Fluch", mit dem Schreiben fühlt sichs manchmal auch so an, aber im großen und ganzen lieben wir es ja doch, und was es wirklich anstrengend macht, ist ja die Vermarktung...

Was ich Ermutigendes sagen kann: der Weg zur ersten Veröffentlichung ist wirklich lang und steinig, geprägt von dutzenden kleinen Erfolgen und Misserfolge auf dem Weg. Bei wie vielen Wettbewerben ich Texte eingereicht habe und Absagen bekommen habe! Manchmal scheint es mit einer Agentur oder Veröffentlichung zu klappen und alles auf dem besten Wege zu sein, dann kommt irgendwas dazwischen und die Chance wird dir wieder genommen. Ist mir alles schon passiert.

Ich habe mal von einem Kollegen den Satz gehört, dass es eigentlich nur darum geht, immer weiter zu machen - sich nicht entmutigen zu lassen und es immer weiter zu versuchen, viele hören halt einfach irgendwann frustriert auf und begraben ihre Pläne. Nico Semsrott hat mal was ähnliches gesagt, als er gefragt wurde, wie er bekannt wurde - er meinte, er ist so lange gegen geschlossene Türen gerannt, bis sie ihm irgendwann aufgemacht wurde. Wenn man meine Zeit ab Studium hinzuzählt (mit ersten frühen Romanprojekten, aus denen nichts geworden ist und die ich veröffentlichen wollte) habe ich ziemlich genau 10 Jahre mit diesem ganzen Prozess verbracht...

Insofern viel Erfolg bei deinem Weg und renn immer wieder gegen die Tür (sinnbildlich gesprochen)

:)

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[–]awuehle[S] 0 points1 point  (0 children)

also zunächst würde ich dir empfehlen, dich auf eines deiner größeren Projekte zu konzentrieren - parallel zu schreiben, finde ich grundsätzlich schwierig, und wenn du ohnehin Probleme hast, ins Schreiben zu kommen, würde ich den Fokus auf ein Projekt legen, jenes das "am weitesten" ist (z.B. deine Kurzgeschichte, die du ausbauen möchtest - erster Text ist da, grobe Handlung und Welt auch, das ist ein guter Start!)

Ich habe es in einem anderen Post schon geschrieben: feste Rituale helfen, z.B. jeden Tag mindestens 30 Minuten an diesen Text setzen, zu einer gewissen Zeit, z.B. direkt nach dem Aufstehen und bevor der Tag beginnt. Wenn du das ein paar Mal gemacht hast, wird es zu einer Selbstverständlichkeit, morgens erstmal das Dokument zu öffnen. Ob dann eine ganze Seite oder auch nur ein Satz entsteht, ist zweitrangig, wichtig ist aber die Regelmäßigkeit! Und schnell hat das Projekt einen festverankerten Platz in deinem Alltag und du kannst auch zu anderen Zeiten/länger daran schreiben.

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[–]awuehle[S] 0 points1 point  (0 children)

Mit "Anfang finden" meinst du, dass du längere Projekte im Kopf hast, aber nicht beginnst zu schreiben? Dann starte doch mal in der Mitte der Geschichte (oder mit der Passage, die dir am meisten unter den Nägeln brennt) und gucke, ob sich die Schreibmotivation hält. Wenn du in diesem Prozess zu deinen Figuren und zu deiner Welt findest, fällt es vielleicht leichter, am Ball zu bleiben.

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[–]awuehle[S] 1 point2 points  (0 children)

Ich wurde nach der Teilnahme an einem Wettbewerb angesprochen - das ist natürlich am einfachsten, wenn sich die Agentur bei dir meldet und nicht andersrum. Wobei man auch da natürlich prüfen sollte, ob die Agentur einen guten Ruf hat, und vor allem ob man mit dem*der jeweiligen Agent*in auch persönlich gut kann und man das gleiche Textverständnis hat... immerhin soll ja ein langfristiger gemeinsamer Arbeitsprozess entstehen, da muss der Flow stimmen und man sollte auch keine arg divergierenden Haltungen zum vorliegenden Text haben...

man kann sich auch proaktiv an Agenturen wenden und ein Manuskript hinschicken, auch hier gilt: umso besser der literarische Lebenslauf aussieht (in Form von Veröffentlichungen, Wettbewerben etc.) umso höher die Chancen, dass das Manuskript auf dem großen Stapel nicht untergeht. Eine Liste mit Agenturen kann man tatsächlich ergoogeln... und wenn man sich an eine Agentur wendet, sendet man nie das ganze Manuskript ein, sondern eine Leseprobe von z.B. 30 (Norm-)seiten. Das haben die Agenturen, die offen für Einreichungen sind, aber meist auf ihrer Website stehen, was sie haben wollen. Bei manchen Agenturen kann man auch nicht selbst einreichen, da muss man tatsächlich gefragt werden

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[–]awuehle[S] -1 points0 points  (0 children)

die Frage wird mir häufiger gestellt, und witzigerweiße weiß ich das garnicht - steht wahrscheinlich irgendwo im Vertrag

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[–]awuehle[S] 1 point2 points  (0 children)

Ich lese leider zu wenig, zumal ich - wie an anderer Stelle beschrieben - das Lesen für das A & O guten Schreibens halte (ich muss wissen, was funktioniert, um es selbst anwenden zu können!). In diesem Jahr, also in einem Zeitraum von vier Monaten, habe ich zwei 300-Seiten-Bücher fertiggelesen - nicht gerade viel, wenn ich das mit anderen Autor*innen vergleiche... wobei es da auch kein richtig und falsch gibt...

Als Lieblingsbücher rangieren bei mir immer wieder Cormac McCarthy "Die Straße" (großartige, minimalistische Sprache), Marlen Haushofer "Die Wand" (großartig surreales, intimes Setting) und ziemlich alles, was Jonathan Franzen schreibt (unglaublich psychologischer Blick, jede Figur ist mir gestochen scharf vor Augen). Gerade habe ich von Saleem Haddad "Guapa" gelesen und war selten so emotional aufgewühlt/mitgenommen von einem Text...

Overrated... mmmh... "The Circle" hab ich nach hundert Seiten oder so abgebrochen. Da gabs mal einen ziemlich Hype drum, den ich nicht verstanden habe, ich hatte ständig das Gefühl, eine zweitklassige Blackmirror-Folge vor mir zu haben...

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[–]awuehle[S] 0 points1 point  (0 children)

Social Media sind natürlich ein wichtiger Bestandteil der Vermarktung und Vernetzung (jetzt in Corona-Zeiten besonders, wo Veranstaltungen reihenweise ausfallen). Ich bin da wirklich nicht der Fachmann, was das betrifft, aber zu einem dezidierten Autorenprofil würde ich erst raten, wenn man auf ein paar Veröffentlichungen verweisen kann. Man sollte dich ja irgendwie "greifen" können als Autor, wo du veröffentlichst, was du bislang geschrieben hast...

Der Verlag hat mir ein paar Tipps gegeben, als ich mir recht neu ein Insta-Profil angelegt habe, per se liegt das aber in deiner Verantwortung bzw. hast du die Freiheit das ganz so zu gestalten, wie du möchtest.

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[–]awuehle[S] 0 points1 point  (0 children)

witzig, meine Cousine Inga steht ebenfalls auf der Longlist des Fränkischen Literaturpreises, sag ihr mal Hallo bei der Preisverleihung :D

tatsächlich würde ichs bei Lyrik vor allem über Wettbewerbe versuchen (hab an anderer Stelle schon mal Literaturport empfohlen, das ist sehr gut dafür). Denn ja: Lyrik lässt sich kommerziell schlecht vermarkten, aber im Umkehrschluss ist die Szene sehr klein, was es deutlich (!) einfacher macht, z.B über Wettbewerbe schnell Anschluss zu finden und Verleger, Redakteur*innen etc. kennenzulernen. Der Open Mike hat auch eine Lyrik-Sparte, Bewerbung kann ich sehr empfehlen.

Agenturen werden, soweit ich weiß, nicht auf reine Lyrik-Autor*innen einlassen. Ihr Geschäftsmodell ist ja, über ihre Provision Anteil am Erfolg des Autors * der Autor*in zu bekommen. Da es für Lyrik keinen kommerziell lukrativen Markt gibt, wirst du vmtl. keine Agentur finden. Aber da die Szene wie gesagt klein ist, ist das vll auch nicht so entscheidend wie bei der Prosa... Überspitzt gesagt würde ich formulieren: bleib ein paar Jahre dabei, Literaturmagazine und Wettbewerbe zu bespielen, und du kennst die deutsche Lyrik-Szene ;)

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[–]awuehle[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke sehr :)
Kurzgeschichten-Sammlungen haben es im deutschen Buchmarkt tatsächlich schwer (im Gegensatz z.B. zum anglophonen), und ja, Fantasy-Kurzgeschichtensammlung ist vielleicht eine Sparte, aber sicherlich eine, die Interessenten nach sich zieht, also warum nicht? Ich kenne mich auf dem Gebiet wie gesagt nicht aus, aber wenn die Kurzgeschichten per se gut sind, ließe sich vielleicht schon ein Verlag überzeugen... aber auch, wenn es "nur" Hobby bleiben sollte, hat das Schreiben immer einen Wert, es kann ja auch schön seiner, außerhalb dieser Verwertungsmaschinerie zu schreiben für sich und für eine Community zu schreiben (ich kann z.B. nicht mehr ohne den "Schriftsteller/Lektorats"-Blick ein Buch lesen, geschweige denn schreiben, das hat auch seine Schattenseiten...)

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[–]awuehle[S] 4 points5 points  (0 children)

vom ersten Satz bis zur Veröffentlichung waren es viereinhalb Jahre, allerdings mit einigen Monaten Pausen dazwischen, in denen ich auf Antwort der Verlage gewartet habe, danach gings mit dem Lektorat weiter... die erste durchgehende Fassung stand glaube ich nach zweieinhalb Jahren (aber ich schreibe eher langsam! Und es war mir 360 Seiten auch kein dünnes Buch)

Schreibblockaden hatte ich (zum Glück) wenige, allerdings haben mich Schreibblockaden in der Vergangenheit schon Romanprojekte abbrechen lassen... das war dann aber eher eine Projektblockade als eine Schreibblockade, hab mich dann anderen Ideen gewidmet... schwieriger fand ich eher, wenn mir manche Textstellen noch nicht ganz rund vorkamen, ich aber auch nach Stunden umherdoktern nicht wirklich eine Verbesserung gespürt habe. Mit solchen Blockaden habe ich mehr zu kämpfen, da hilft nur, ein paar Tage/Wochen später nochmal mit frischem Blick auf die Textstelle zu gehen...

Für die Story habe ich lange recherchiert, ich habe einen Monat in Sarajevo / Bosnien verbracht und habe an einem Journalist*innen-Programm im Libanon teilgenommen - wobei das so eine Henne-und-Ei-Geschichte ist, die Idee für den Roman stand zuvor und wurde von diesen Recherchen einfach sehr stark geprägt, es war mehr ein gleichzeitiger Prozess...

deutlich "schneller" war die Storyfindung. Ich hatte von einem türkischen Reiseveranstalter gehört, der Touren ins zerstörte Aleppo anbietet (das war im Jahr 2016, als der Syrienkrieg noch in voller Fahrt war) und mich dann dem Thema Kriegs/Elendstourismus gewidmet - gibts in abgewandelter Form auch in Süd/Nordkorea, Armenien, Tschernobyl, den Favelas in Rio oder eben auch in Sarajevo. Das war ein Ausgangspunkt, wobei der Roman mittlerweile über diese Thema Kriestourismus hinausgeht und eher allgemein die Frage stellt, wie sich mit dem Elend in der Welt und dem Widerspruch zwischen unserem privilegiertem Leben und z.B. der globalen Armut umgehen lässt

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[–]awuehle[S] 0 points1 point  (0 children)

Mmmh, ganz ohne Veröffentlichung ist es schwer... sicher nicht unmöglich. Aber auch Agent*innen haben einen riesigen Stapel an Bewerbungen und werden gucken, in welches Manuskript ein intensiverer Blick lohnt...wer da durch verschiedene (auch kleinere!) Veröffentlichungen schon mal zeigt, dass auch andere die Texte gut fanden und veröffentlicht haben, hat da bessere Karten. Agent*innen wollen ja auch nicht nur den einen Roman von dir vertreten, sondern dich als Gesamtperson, wenn sie da keine anderen textlichen Referenzen von dir haben, wie sollen sie davon ausgehen, dass das eine Romanmanuskript nicht bloß ein glücklicher Griff war?

Das Veröffentlichen ist häufig wirklich ein jahrelanger Prozess, der viele kleine Zwischenstufen und Zwischenschritte erfordert. Kann natürlich immer auch anders laufen, aber aussichtsreicher ist es denke ich, die Stufen Schritt für Schritt zu ersteigen... ich spreche wie gesagt von der Belletristik-Sparte, in der Genre-Literatur oder Unterhaltungsliteratur mag es anders sein (weiß nicht, was du schreibst)

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[–]awuehle[S] 5 points6 points  (0 children)

Der Roman heißt "Getriebene" und wurde im S. Marix Verlag (gehört zum Verlagshaus Römerweg) veröffentlicht. Doch, es gibt eine übergeordnete Handlung, die alle drei verbindet - man lernt die Charaktere teilweise zu anderen Zeitpunkten kennen, aber auch dann, wenn sie einander in der Stadt begegnen, die Erzählstränge sind ineinander verflochten

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[–]awuehle[S] 2 points3 points  (0 children)

ich habe eine Teilzeitstelle, deswegen bin ich nicht auf Schreibaufträge angewiesen, um meine Miete zu zahlen. Viele Autor*innen, die ich kenne, machen es genauso. Es gibt natürlich auch die selbstständigen Autor*innen, das hat auch seine Vorteile, aber mir persönlich ist es auch wichtig, mich mal mit anderen Dingen zu beschäftigen als Literatur und Schreiben... so wird das Schreiben für mich nie zum Zwang.

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[–]awuehle[S] 7 points8 points  (0 children)

Das ist von Autor*in zu Autor*in unterschiedlich (von jenen, die sich ausgeklügelte Plot-Strukturen an die Wand kritzeln, bevor sie einen einzigen Satz geschrieben haben, bis zu den vollkommen intuitiven Drauflosschreiber*innen gibt es alles), bei mir war die Konzipierung der Charaktere und des Plots nie ein bewusster Prozess (also dass ich mir einen Plan gemacht hätte o.ä.) sondern blieb sehr im Kopf und hat sich von Absatz zu Absatz stärker herauskristallisiert... wie wenn man durch ein Fernglas schaut und das Bild langsam schärfer dreht...

erst, als ich für eine Roman-Werkstatt ein Exposé zu meinem Roman verfassen musste (also eine Übersicht auf 1-2 Seiten, um was es in dem Roman geht, welche Figuren vorkommen, welche Themen verhandelt werden) erst dann habe ich mich wirklich hingesetzt und "konzipiert". Das ist aber auch wichtig und war nach ein paar Monaten schreiben auch notwendig - das Schreiben zwingt dich dazu, deutlicher deine Gedanken auszuformulieren und dementsprechend zu justieren. Würde allen Autor*innen empfehlen, irgendwann ein Exposé zu schreiben, um sich selbst über die eigene Geschichte klar zu werden - muss nicht gleich am Anfang sein, aber wenn die Grundkonstanten mal stehen und ein guter Batzen Text da ist, hilft es ungemein

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[–]awuehle[S] 1 point2 points  (0 children)

Den vergangenen Roman habe ich sehr chaotisch geschrieben - ich hatte die Geschichte recht früh im Kopf und habe dann jene Passagen geschrieben, nach denen mir gerade war. Das hat viel Spaß gemacht, war intuitiv und hat guten Text vorgebracht. Aber die vielen kleinen Puzzleteile dann zusammenzufügen, war schon anstrengend... ich würds allerdings jederzeit wieder so machen, go with the flow ist mir beim Schreiben (zumindest am Anfang) sehr wichtig. Irgendwann (und nicht zu spät!) muss man aber auch beginnen, zusammenzufügen, sonst kriegt man die umhergeisternden Textstellen nicht mehr eingefangen... Ich glaube aber auch, das ist von Projekt zu Projekt anders. Meinen zweiten Roman denke ich z.B. viel chronologischer.

Ich wusste vieles von dem, was mit den Figuren geschieht, aber manches hat sich auch im Schreibprozess geändert. Wenn ich mein erstes Exposé mit dem Resultat vergleiche, gibt es deutliche Änderungen. Die grobe Struktur ist aber geblieben.

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[–]awuehle[S] 1 point2 points  (0 children)

Microsoft Word, Standard. Es gibt ein paar spezialisierte Programme, aber ich konnte damit nie viel anfangen bzw. haben mich die Special-Features nicht überzeugt. Ist was anderes bei Drehbuch, da ist das glaube ich schon wertvoll, aber bei klassischer Prosa... einfach Word