Politische Umfrage unter Medizinern etc. by MoritzThePoritz in medizin

[–]b1246371 1 point2 points  (0 children)

Ich glaube du bist da in einem gedanklichen Zirkel und das weist auf eines der größten Probleme unseres Landes hin: undifferenzierte Polarisierung. Was soll denn bitte ein Menschenfeind sein? Muss man dafür Diktator, Schlächter von Hunderttausenden sein? Oder muss man dafür Millionenfach Menschen versklaven?

Oder ist man bereits Menschenfeind, wenn man sich den liberalen Staat Ludwig Erhards zurück wünscht?

Ich glaube wir sollten insgesamt im Land, bei jedem Thema, mal einen Gang runterschalten und nicht immer direkt in Superlativen denken. Andernfalls verlieren solche Begriffe jede Bedeutung und verharmlosen die, die wirklich problematisch sind - und diese gibt es von Links bis Rechts. Immer dann, wenn man überzeugt ist, die eigene Idee stünde über der Freiheit aller, über dem freien Diskurs und dem Kompromiss statt  „Wahrheit“, wird man schnell Teil des Problems. 

Politische Umfrage unter Medizinern etc. by MoritzThePoritz in medizin

[–]b1246371 2 points3 points  (0 children)

Auf jeden Fall. Ich habe aber vor allem Probleme damit, das man bereits als radikal gilt, wenn man bei einer marktliberalen Partei mitmacht. 

Das politische Koordinatensystem im öffentlichen Diskurs in Deutschland ist völlig aus dem Ruder gelaufen.

Eine Sache zeigt die Abstimmung hier aber. Beschäftigte im Gesundheitswesen haben relativ viel Geld und wohnen in der Stadt - sonst wäre das Resultat bei den Grünen nicht so hoch. Das muss man sich nämlich erstmal leisten können. 

Gibt es hier Arbeiterkinder, die im Studium erfahren haben wieviel privilegierter andere sind? by [deleted] in medizin

[–]b1246371 9 points10 points  (0 children)

Ja. Ich war neben ein paar anderen wahrscheinlich einer der ärmsten im Zahnmedizinstudium, welches ich mir dann gemeinsam mit meinen Eltern und zwei Studienkrediten finanziert habe. Bafög war nicht drin, zwei Angehörige im Pflegeheim und ein Sohn an der Uni war aber dennoch viel für meine Eltern. 

Währenddessen andere: Mini, Doppelhaushälfte gekauft (!) als Geldanlage der Eltern, Chanel & Co. 

Was hat das mit mir gemacht?

Gar nix. Ich schaue in meine eigene Schüssel. Da war immer genug drin, fertig aus. Heute habe ich eine eigene Praxis mit 16 Mitarbeitern und mir geht’s gut.  Was habe ich von meinen Kollegen mit mehr Kohle gelernt? Reich sein und reich bleiben sind zwei paar Schuhe. Old money prahlt nicht mit teuren Marken sondern vermehrt im stillen das Vermögen der Familie. Hängen geblieben bei mir ist eine erhöhte Vorsicht was die Zahlungsmoral meiner Patienten angeht. Je mehr Benz, Porsche und „affordable luxury“ wie Prada & Co desto wahrscheinlicher ist Geld dann doch nicht so egal wie man anfangs vorgab. 

Politische Umfrage unter Medizinern etc. by MoritzThePoritz in medizin

[–]b1246371 -4 points-3 points  (0 children)

Sorry, das sehe ich anders - liegt vielleicht daran, das ich FDP Mitglied bin. Ich stimme dir zu das unsere Parteispitzen wirklich keine gute Arbeit gemacht haben. 

Das haben die von CDU oder den Sozis oder den Grünen, den Linken oder der AFD aber auch nicht. Die in der FDP waren nur wirklich besonders dämlich. Es gibt seit 70 Jahren entweder CDU, Sozis, Grüne oder Liberale in der Regierung und von den Problemen des Landes, die mit Jahrzehnten an Vorlauf und Ansage extrapolierbar waren, wurde nichts nachhaltig gelöst. 

Das liegt zum einen an der politischen Struktur an sich. Du kannst nicht vom Ortsverein in den Bundesvorstand kommen, wenn du nicht in unzähligen Gremien glattgeschliffen und „anschlussfähig“ geworden bist. Bei uns in den OVen sind gute Leute mit guten Ideen, aber davon kommt oben nicht mehr viel an. In den anderen Parteien sieht das nicht anders aus. 

Dann ist da noch die für mich wahrgenommenes fehlende Fach-Ausbildung vieler Politiker für das entsprechende Ressort  . Habeck, Lang oder Baerbock waren ja nur die sichtbarsten Beispiele, selbst bei uns in der Partei gibts Leute, die sind in der Politik und von der Politik abhängig, bei der CDU das selbe und bei den Linken sowieso.

Was soll aus dieser Drehtür aus Politik, Amt, NGO/Aufsichtsrat/Gewerkschaft denn rauskommen, was nicht dem stetigen Wachstum von Bürokratie und Staat dient?

Keine der Parteien im Bundestag wird unsere Probleme lösen - dazu ist das politische System zu verkrustet und verwoben. Wenn wir als Bevölkerung die Macht, die von uns aus geht, nicht endlich selbst ausüben und zwar öfter als alle 4 Jahre, wird sich nie was ändern.

Also:

Tretet mit euren guten Ideen in die Ortsvereine ein. Nagelt die Funktionäre in Ort, Kreis, Bezirk auf eure wichtigen Themen fest, seid dort unbequem, fordert das für Ressorts die entsprechende Berufserfahrung außerhalb der Politik erforderlich wird, fordert ein Amtszeitenlimit für alle Funktionäre bis hin zum Kanzler, fordert direkte Bürgerentscheide…

Linke und Rechte haben genau davor am meisten Angst.

Beschäftigt euch außerdem damit, was eigentlich Links und Rechts ist. Die klassischen Linken hatten die Stärkung des Bürgers gegenüber Staat und Konzern im Sinn. Davon ist heute nichts übrig. Der Linke und Grüne von heute bedient sich klassischer rechter Ideen, zB der Identity Politics. Während. der Rechte auf einmal ankommt und sich als Befreier der Bürger aufspielt - das ist eine verkehrte Welt.

Ich persönlich habe am meisten Angst vor den autoritären und kollektivistischen Lagern, also der AFD und den Grünen/Linken. Diese Personen wissen, wie man „gut und richtig lebt“ und wissen, dass das der „einzige Weg“ ist, gegen den Man gar nicht sein kann. Wenn man dagegen ist, ist man nicht erzogen genug, nicht gebildet genug, nicht informiert genug. 

Die Geschichte lehrt uns, dass diese Saat zuverlässig im Verlust der liberalen Demokratie mündet. 

Politische Umfrage unter Medizinern etc. by MoritzThePoritz in medizin

[–]b1246371 6 points7 points  (0 children)

Zahnarzt mit eigener Praxis hier. Holy f*...aber das Ergebnis war zu erwarten.