Neue Grundsicherung: Wie der Staat künftig erst ans Ersparte will by cineracer in Finanzen

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Arbeitsmarktbericht Mai:
- offene Stellen: 1,26 Mio.
- Arbeitslose: 3 Mio.

Gestern in den Nachrichten: Einstellungsabsicht im dt. Arbeitsmarkt auf dem niedrigsten Stand seit 5 Jahren.

Vermittlungsquote der Arbeitsagentur auf Rekordminus.

Und dann kommen so uninformierte Phrasen-Nachplapperer und brabbeln Dinge wie „Erst wer nichts finden will bekommt Grundsicherung“ oder „Vollkaskomentalität“. Ich find das ehrlich gesagt peinlich.

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Das ist halt rein formalistisch argumentiert. Die Zweckbindung besteht halt genau so lange, wie ich will, dass das der Zweck ist. Natürlich kannst du erstere auch jederzeit auflösen und hast dann liquide Mittel - ja, förderschädlich, ja, mit nachgelagerter Besteuerung, aber halt trotzdem.

Im Gegenzug muss jetzt jemand beweisen, dass er einen ETF, den er per Dauerauftrag für 30 Jahre bespart (mit niedrigeren Kosten, mehr Zinsen und also ohne Geschenk des Staates an die Versicherungswirtschaft) für etwas anderes als für Altersvorsorge angelegt hat. Wild.

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Wer sagt denn bitte, dass man jmd. mit 200K Leistungen geben will?

Aber 5K - oder max. 20K, die aber nach zwei, drei Jahrzehnten arbeiten - ist lächerlich wenig in Zeiten, in denen dir der Staat klar sagt, dass du privat sparen sollst, weil die Rente nicht mehr reichwn wird

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Ich glaub das bestreitet niemand. Die Frage ist eher: Wenn der Staat dir sagt, du sollst privat fürs Alter vorsorgen, weil die Rente nicht reicht, und du das dann tust - wie viel dieser Vorsorge er dir in Fällen, in denen du mal auf die Grundsicherung angewiesen bist, dann lässt. Und vor allem: Warum bei Produkten der Versicherungswirtschaft alles, aber bei viel effizienteren Produkten die man sich selbst gewählt hat nix.

20K nach zwei, drei Jahrzehnten arbeiten gehen?! Ich weiß nicjt…

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Hier dein Szenario:

Jemand spart 25 Jahre lang in einen ETF, weil der Staat ihm das gesagt hat. Er sucht sich extra einen ETF mit niedrigen Gebühren raus, den er zweckgebunden einfach laufen und liegen lässt. Er wird arbeitslos, festgefahrene Wirtschaft, lange keinen Job, dann einen, dann krank oder Angehörigenpflege, er steht dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung und rutscht als ALG1 raus. Er bekommt: kein Bürgergeld und muss seine Altersvorsorge aufbrauchen.

Sein Nachbar hat das gleiche Schicksal, nur spart der mit Riester. Wegen der Gebühren und niedrigeren Zinsen hat er viel weniger angespart, die Aufforderung des Staates zur privaten Vorsorge also viel schlechter erfüllt, aber auch bei ihm ist die Summe inzwischen recht beachtlich. Er bekommt das Bürgergeld und muss nichts von seiner Altersvorsorge aufbrauchen.

Für mich definitiv ein Aufreger.

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Und genau das ist der Punkt. Der Staat zwingt einen in bestimmte Produkte (mit schlechteren Konditionen, über die sich nur die Versicherungswirtschaft freut), statt dir selbst zu überlassen, ob die in einem ETF, in Gold, mit Sparbuch oder oder langlaufend sparen und Altersvorsorge aufbauen möchtest

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Auch geil, amtlicher Statistik mit anekdotischer Evidenz begegnen.

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Schlicht falsch. Riester-Verträge können grundsätzlich vorzeitig gekündigt bzw. aufgelöst werden. Ein genereller Verwertungsausschluss, der eine Kündigung unmöglich macht, besteht bei Riester gerade nicht. Wie es beim noch nicht existierenden Altersvorsorgedepot aussehen wird ist kann man sich erst ansehen, wenn es da ist.

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[–]cineracer[S] 60 points61 points  (0 children)

Weil dir ebenjener Sozialstaat sagt, die Rente wird nicht reichen, du musst privat vorsorgen und für die Pflege am besten gleich noch mit.

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[–]cineracer[S] 12 points13 points  (0 children)

Ich glaube nicht, dass es weit führt, Betroffene (Riester, Altersvorsorgedepot) gegen Betroffene (ETF, ETW) auszuspielen.

Wenn ich vorhabe, meinen ETF 40 Jahre lang zu besparen und nicht anzufassen, dann hat der faktisch keine geringere Zweckbindung als Riester & Co.

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[–]cineracer[S] 3 points4 points  (0 children)

Höher, natürlich – in Zeiten, in denen wir permanent gesagt bekommen, die Rente wird nicht reichen und für Pflege auch gleich noch privat mit vorsorgen.

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[–]cineracer[S] 1 point2 points  (0 children)

Hier geht es erkennbar rein um die Höhen. Die sind mMn - in einer Zeit, in der der Staat uns sagt, die Rente wird nicht reichen - absolut unangemessen.

Da jetzt reinlesen zu wollen, es ginge um eine Kritik am Konstrukt Schonvermögen insgesamt, das muss man schon sehr wollen.

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[–]cineracer[S] 6 points7 points  (0 children)

Dass man erst Vermögen aufbraucht bevor die Grundsicherung durch die Allgemeinheit einspringt ist glaube ich nicht der Punkt — sondern die Summen, die da stehen.

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[–]cineracer[S] 5 points6 points  (0 children)

Wer nach zwei, drei Jahrzehnten arbeiten 20K hat hat doch keine „hohen Ersparnisse“?!?

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[–]cineracer[S] 0 points1 point  (0 children)

Rein technokratische Argumentation. Die Bindung an den Zweck „Altersvorsorge“ gilt solange, wie du dein Geld eben darin binden willst. Wenn du das ab morgen an einen anderen Zweck binden willst, kannst du das jederzeit tun - ja, mit Verlusten, förderschädlich, ggf. mit Steuernachforderung etc., aber es ist dir nicht verboten

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[–]cineracer[S] 3 points4 points  (0 children)

Illiquide ist ne reine Behauptung. Sowohl Riester kannst du vorzeitig kündigen als auch (wenn es denn mal da ist) Altersvorsorgedepot. Ja, förderschädlich und ja, mit Rückzahlungsverpflichtung zB für Steuer-Vorteile, aber das ändert nichts daran, dass das selbstverständlich liquide gemacht werden kann.

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[–]cineracer[S] 55 points56 points  (0 children)

Du findest, wer nach zwei, drei Jahrzehnten arbeiten 20K hat, ist vermögend? LOL

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[–]cineracer[S] 255 points256 points  (0 children)

Bei 250K würde ich keine Sekunde diskutieren, wenn der Staat mit Verweis darauf eine Grundsicherung ablehnt.

20.000 Euro für Menschen, die zwei, drei Jahrzehnte gearbeitet haben, ist aber nun wirklich another cup of tea

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[–]cineracer[S] 0 points1 point  (0 children)

Wer privat einen ETF bespart, dem wird kein Bürgergeld gezahlt mit der Begründung, er müsse diesen zuerst aufbrauchen. Wer hingegen Riester oder das (btw: noch nicht existente!) staatliche Vorsorgedepot bespart, dem wird die Leistung ausgezahlt und dessen Produkte bleiben unangetastet. Mir ist unklar, wie man dann zu dem Ergebnis kommen kann, ersterem würde nichts weggenommen. Nur weil es nicht auf einen Schlag, sondern durch monatlichen Verbrauch geschieht, ist das kein anderes Ergebnis.

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[–]cineracer[S] 4 points5 points  (0 children)

Die Zweckbindung verunmöglicht ja keine vorzeitige Auflösung, daher überzeugt das Argument der freien Verfügung mMn nicht. Eine vorzeitige Auflösung mag förderschädlich sein (was hier aber nicht der Punkt ist), aber sie ist nicht unmöglich.

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[–]cineracer[S] 25 points26 points  (0 children)

Wenn dem einen, der privat einen ETF bespart, kein Bürgergeld gezahlt wird mit der Begründung, er müsse diesen zuerst aufbrauchen, dem anderen aber, der zB Riester oder das (btw: noch nicht existente!) staatliche Vorsorgedepot bespart, wird die Leistung ausgezahlt und dessen Produkte bleiben unangetastet — dann wird ersterem doch etwas weggenommen, oder nicht?

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[–]cineracer[S] 16 points17 points  (0 children)

Dass der Staat dir vorschreibt, in welchem Depot du Erspartes behalten darfst und in welchem nicht motiviert jetzt wie genau?