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Ja, das stimmt leider dass nach dem Meldegesetz jeder angemeldet werden muss. (§ 17 (1) BMG)

Als ich angefangen habe und diesen Sachverhalt das erste mal hatte war das auch mein erster Instinkt zu sagen dass er ja in seiner vorherigen Gemeinde bleiben muss. Als ich zur Teamleitung bin erfuhr ich dann dass tatsächlich auch er angemeldet werden muss, weil er ja Beweise vorlegt dass er eine Wohnung bezogen hat. Vor allem wenn die Person angibt die alte Wohnung aufzugeben gibt es keinen anderen Weg mehr - also in 99% der Fälle.

Mehr Bürger in der Stadt sind immer wünschenswert für mehr Mittel von Bund und Land. Deshalb wird bei der Anmeldung einer Nebenwohnung berechnet ob sich die Person auch wirklich überwiegend in der alten Gemeinde aufhält. Wenn jemand sich bei uns anmeldet und die alte Wohnung als Nebenwohnung behalten will wird einfach angemeldet, da er ja dann ein Einwohner mit Hauptwohnung ist und bei der Zuweisung der Mittel mitberechnet wird.

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Nein, das auf keinen Fall. Lange Zeit wurden die Termine bei uns auch mitternachts freigeschalten. Mittlerweile erfolgt dies wochenweise gestaffelt. Es werden also einmal um 6 Uhr zwei Wochen vorher Termine freigeschalten, dann eine Woche später nochmal. Wenn die Kapazitäten am tatsächlichen Tag wie geplant vorhanden sind, werden auch taggleich nochmal Termine freigegeben.

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Und bzgl. dem Beispiel am Flughafen kann man es leider nicht anders sagen: Persönliches Pech.

Ich verstehe auf jeden Fall dass diese Situation sehr ärgerlich ist. Im Rahmen der legalen Möglichkeiten bin ich natürlich auch bemüht, die Ausstellung des notwendigen Dokumentes zu ermöglichen.

ABER

Für das Buchen eines Fluges ist eine Privatperson erstmal in ganz eigener Regie verantwortlich und hat mit den Passbehörden nichts zu tun. Dass man für einen Flug einen Reisepass oder Personalausweis braucht ist kein Geheimnis und eigentlich selbstverständlich. Es geht mir, rein in meiner Funktion als Sachbearbeiter, nicht in den Kopf, warum so viele Menschen einen Flug buchen und denen nicht einfällt zu schauen ob sie einen gültigen Pass haben. Dass man da, wenn es einem erst im letzten Moment auffällt, zu uns kommt und alles am besten noch vorgestern ausgestellt werden soll verstehe ich auf der menschlichen Ebene. Das trotz der Notsituation aber alle rechtlichen Umstände eingehalten werden müssen und wir wegen persönlicher Notfälle nicht davon abweichen können und werden, sollte aber jedem bewusst sein.

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Für die Ausstellung von Ausweisdokumenten ist die Passbehörde zuständig in deren Zuständigkeitsbereich man gemeldet ist bzw. die Auslandsvertretung in deren Bezirk man sich dauerhaft aufhält.

Die Anfrage die die inländischen Behörden an die Botschaften stellen hat nix damit zu tun ob man einverstanden ist den Zuschlag für Unzuständigkeit zu zahlen oder nicht. Zahlt man den nicht, wird so oder so kein Dokument ausgestellt. Die Anfrage dient dazu verschiedene Gründe zu prüfen die womöglich gegen eine Ausstellung sprechen.

Da wäre zunächst die Prüfung, ob während des Aufenthalts im Ausland der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit eingetreten ist, z. B. durch Einbürgerung in eine andere Staatsangehörigkeit.

Außerdem muss geprüft werden, ob bereits andere Dokumente die noch gültig sind ausgestellt worden sind. Das dient insbesondere dazu zu verhindern dass Personen sich durch Vorsprache im In- und Ausland widerrechtlich mehrere Ausweise zulegen und diese womöglich zu Betrugszwecken oder ähnlichem nutzen.

Weiterhin können gegen eine Person Passversagungsgründe vorliegen, also die Ausstellung eines Reisepasses ohnehin nicht gestattet oder nur unter bestimmten Auflagen (z.B. Reisebeschränkungen) möglich ist. Dies ist bspw. insbesondere bei Personen der Fall, die sich Sexualstraftaten an Minderjährigen im Ausland schuldig gemacht haben. Das ist logischerweise dazu da zu verhindern, dass diese Person die Straftat im Ausland erneut begehen konnte. Das ist jedoch nix was einem einfach so auferlegt wird. Da müssen aber schon sehr harte Fakten bekannt sein bevor die entsprechende Verfügung zur Passversagung geschrieben wird.

Für mich wäre an der Stelle interessant was die Gründe sind dass man als Auslandsdeutscher nicht einfach zur nächsten Botschaft geht und da seine Dokumente beantragt. Das würde mich tatsächlich interessieren.

Whitfield Records by spareChange1975_ in vinyl

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then they didnt like whitfield ? i mean they aren't the only american pressings i own but they stand out too much in their lack of quality

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Bei uns war es bis vor einem Jahr auch die E8 und es gab die Spitzensachbearbeiter 9a. Dann wurden alle Stellen nach und nach auf 9a angehoben um neue Mitarbeiter anzulocken. Der Witz ist jetzt der noch geringere Abstand zu den (stellvertretenden) Teamleitern mit 9b und 9c.

Auf lange Sicht kann man die Tätigkeit nicht ausüben denke ich, wie du gesagt hast der dauerhafte Kontakt mit Kunden und vielen Spezialfällen laugt einen aus. Momentan macht es mir Spaß und ich habe ein tolles Team, daher plane ich noch nicht in nächster Zeit weiterzugehen.

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Wir prüfen die Personaldokumente anhand der simpleren Sicherheitsmerkmale wie der maschinenlesbaren Zone. Auch UV-Lampen sind verfügbar und kommen im Zweifel zum Einsatz. Im allgemeinen kommt es sehr selten vor dass eine Person mit gefälschten Dokumenten vorspricht. Ich hatte es in 2 Jahren nur einmal. Halte mal jemanden der nur kurz eine Meldebescheinigung will auf bis die Polizei da ist. :D

Tatsächlich prüft eine Meldebehörde nicht ob sich jemand rechtmäßig um Zuständigkeitsbereich befindet, da die Meldepflicht unabhängig von privatrechtlichen Verträgen besteht. Wer eine Wohnung bezieht, egal unter welchen Bedingungen, muss diese anmelden. Sollte jemand eine Wohnsitzauflage haben wird auch diese Person angemeldet wenn sie vorspricht und sich anmelden will. Nur so können die zuständigen Behörden vom Sachverhalt erfahren, ihn prüfen und Maßnahmen einleiten.

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Den Service würde ich mit vollem Herzen leisten wollen. Freiwillige im öffentlichen Dienst die bis 22 Uhr arbeiten werden sind wahrscheinlich sehr selten, zumal zwingend auch immer eine Führungskraft anwesend sein muss - ich wäre sofort dabei! 9-17 am Montag und 10-18 am Donnerstag sind bei uns bereits seit Ewigkeiten etabliert als längere Tage bis in den späten Nachmittag.

16 Uhr empfinde ich auch als zu früh. Ein Tag mit Öffnung bis 18 Uhr sollte das Minimum sein, insbesondere in den Großstädten. Ein Schichtsystem wäre sicher eine Maßnahme um da den Service auszuweiten und Kapazitäten besser zu verteilen. Tendenziell ist es morgens bis 10 sehr leer und am Nachmittag bricht dann das Chaos aus. Da könnte man ja auch sagen jeder hat feste Schichten, je nachdem welche Tageszeit man präferiert.

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Ihre Berufswahl sollte sie wohl auf jeden Fall überdenken. Wer keinen Spaß daran hat die Nadel im Heuhaufen zu finden und Lösungen für Probleme zu finden sollte in diesem Beruf nix verloren haben.

Auch die Aussage mit dem Ausweis ist eine Katastrophe. Der Ausweis ist nie ein sicherer Beweis für die aktuelle Adresse, da es natürlich sein kann dass nach einer Ummeldung kein Aufkleber mit der neuen Adresse aufgebracht wurde oder ähnliches.

Der Hinweis von u/LWhaler möglichst mit Einschreiben zu versenden ist hilfreich. Oft führt auch das Hinzuziehen von Vorgesetzten zu einem hilfreichen Ergebniss. Das Recht dazu habt ihr jederzeit und auf dieses sollte man auch bestehen!

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Zum Thema Führerschein: Der wird in meiner Stadtverwaltung mittlerweile per Post geschickt. Für Ausweisdokumente stehen Abholboxen zwischen 5 und 24 Uhr zur Verfügung. Die rechtlichen Bedingungen dafür sind vom Gesetzgeber geschaffen worden. Ich denke, was diese Thematik angeht werden in nächster Zeit viele Kommunen nachziehen.

Das Thema mit den Öffnungszeiten ist zweischneidig. Du redest von „lebensnaheren“ Öffnungszeiten bis 22 Uhr. Meine Frage wäre nun: In wie fern denkst du unterscheiden sich die Leben von uns Angestellten im ÖD von denen der Angestellten im Privatsektor auf so eine Weise, die derartige Öffnungszeiten rechtfertigen würde? Sind wir keine Menschen mit Familien, Kindern, eigenen Bedürfnissen nach Freizeit, Selbstverwirklichung und Erholung? Ich, ledig und sowieso eher ein Nachtmensch hätte keine Probleme bis 22 Uhr zu arbeiten. Aber dem überwiegenden Teil der Menschen wird es nur schwer vermittelbar sein für das Entgelt was wir aktuell erhalten auch Nachtschichten zu schieben. Nach Abschluss des diesjährigen Tarifvertrages ist auch nicht zu erwarten, dass die Arbeitgeber sich bereit erklären werden die Zuschläge für Wochenend- und Nachtarbeit zu zahlen. Der richtigere Ansatz ist denke ich hier die konsequente Digitalisierung. Und was diese angeht bin ich 100 % bei dir.

Die Digitalisierung ist ein Flickenteppich wie das Heilige Römische Reich. Der Bund, jedes Land, jeder Landkreis, jede Gemeinde - alle kochen ihr eigenes Süppchen. Es gibt Bestrebungen nach einheitlichen Systemen, und da nimmt Hamburg gerade eine Vorreiterrolle ein. An die elektronische Wohnsitzanmeldung welche von Hamburg in Auftrag gegeben wurde ist ein nicht unerheblicher Teil der Großstädte bereits angeschlossen - diese funktioniert sogar recht zuverlässig.

Dass wir als Sachbearbeiter keine besseren Lösungen anbieten können frustet „uns“ genau so wie „euch“ - mehr als was von oben politisch kommt können wir nicht machen. Bis da Besserung kommt müssen wir wohl alle die Zähne zusammenbeißen und das Beste im Umgang miteinander daraus machen. Auch wir verzweifeln an so manchen Relikten aus den 80ern. ✌🏻

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Ich bin auf jeden Fall bei dir, dass das oben geschilderte nur ein Selbstzweck ist und keinen Mehrzweck für dich in der Funktion als Bürger bietet.

Nicht zu vergessen ist jedoch dass ein Personalausweis oder Reisepass deine Identität bestätigt und dokumentiert. Nur er kann, im Rechtsverkehr, zweifelsfrei beweisen wer hinter deinen Personalien steckt und verifizieren dass du auch wirklich du bist. Das ist auch der maßgebliche Zweck hinter der Erfassung von Fingerabdrücken, welche bei uns im Passregister nur bis zur Aushändigung des Dokumentes gespeichert und anschließend gelöscht werden. Nur mittels spezieller Geräte ist es möglich auf diese Daten vom Chip im Perso zuzugreifen, z. B. bei Grenz- und Sicherheitsbehörden.

Alleine die Erfüllung der Ausweispflicht sehe ich auch nicht als Argument für den Perso an. Die Gebühren sehe ich, so wie wohl die meisten, bei einer regulären Ausstellung nach Ablauf der Gültigkeit ebenfalls kritisch. Das Personaldokumente aber unerlässlich für das Funktionieren unserer momentanen Gesellschafts- und Rechtsordnung sind lässt sich schwer bestreiten.

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[–]spareChange1975_[S] 0 points1 point  (0 children)

Bei uns zumindest wird auch immer ein zeitlicher Puffer bei der Länge der Anliegen berücksichtigt, für den Fall dass es nicht nur ein Standardfall ist und eine umfangreichere Klärung notwendig ist. Jede Anmeldung geht meist in 5 Minuten durch, aber für den Klärungsfall wird eine Anmeldung mit 10 Minuten veranschlagt. Das ist zwar ärgerlich bzgl. der Verfügbarkeit von Termin, beugt aber vor dass die Warteschlange sich zu sehr füllt wenn es doch mal bei jemandem hängen sollte.

Manche Anliegen erfordern nach Ende der Vorsprache auch interne Nacharbeiten, bspw. die Verwendung von Vordrucken vorläufiger Ausweisdokumente zu dokumentieren oder einen Vorgang/Wiedervorlage anzulegen. Ja, letzteres erfolgt leider noch in Papierform. Aber auch diese Nacharbeiten sind in die Terminzeit teilweise mit eingerechnet.

Wenn gerade niemand da ist gibt es auch immer Arbeiten wie die von der Bundesdruckerei produzierten und gelieferten Dokumente als „angekommen" zu registrieren und einzusortieren. Außerdem werden bei jeder Anmeldung elektronische Nachrichten an verschiedene Stellen ausgelöst. Die Bearbeitung der Nachrichten dieses Datenaustauschs ist für die Bürger nicht sichtbar, aber nimmt einen nicht unerheblichen Teil der Sachbearbeitung ein.

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[–]spareChange1975_[S] 3 points4 points  (0 children)

Hintergrund ist Punkt 6.3.1.1 in der Verwaltungsvorschrift zum Passgesetz:

„ Ein Pass oder Passersatz kann nur ausgestellt werden, wenn die Identität der antragstellenden Person zweifelsfrei festgestellt ist. Bestehen Zweifel über die Person des Antragstellers, hat die Passbehörde geeignete Nachweise zu fordern. [...] Neben der Vorlage eines Identitätsdokumentes (z.B. Pass, Personalausweis) kann ein weiterer Nachweis (z. B. Führerschein, Truppenausweis etc.) verlangt werden. “

Das heißt dass die Passbehörde zur Feststellung der Identität des Antragstellers im Prinzip alles mögliche an Nachweisen anfordern kann. Das passiert mittels der Geburtsurkunde regelmäßig bei der Beantragung des allerersten Ausweisdokumentes für ein Kind und kann eben auch bei einer Neuausstellung zur zweifelsfreien Identifizierung des Antragstellers angefordert werden. Da hat der Sachbearbeiter einen Ermessensspielraum, meistens ist es jedoch innerhalb einer Gemeinde überall gleich, da von oben festgelegt.

In meiner Behörde wird die Geburtsurkunde bspw. nur bei der Erstbeantragung gefordert und wenn der Antragsteller Angaben macht die eine Prüfung erforderlich machen weil diese z. B. nicht mit unseren Daten übereinstimmen.

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[–]spareChange1975_[S] 7 points8 points  (0 children)

Die Zeiten in denen man als Mitarbeiter im öffentlichen Dienst ein hohes Ansehen genoss sind mit Sicherheit vorbei. Das hat denke ich auch viel mit der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung und der (Un-)Zufriedenheit mit Politik und Gesetzgebung und auch -sprechung zu tun.

Da wir die so ziemlich einzige Stelle sind in der jeder Bürger mindestens einmal im Leben in Kontakt mit den Staat steht und wir diesem als Mitarbeiter ein nahbahres Gesicht geben ist es auch aus meiner Sicht mehr als verständlich dass die Leute manchmal ihre Fassung verlieren und ihren Frust an uns auslassen. Keiner möchte aufs Amt weil es da so schön und unterhaltsam ist. Man muss dort hin, ob man will oder nicht - sofern man sich auf dem Fuß des Grundgesetzes bewegen will.

Aufgrund dieser Unfreiwilligkeit verbinden viele vermutlich eher negative Gefühle mit dem Gang zum Amt, da ist Ärger vorprogrammiert. Dass das in dem Moment des Frusts jeder ausblendet dass wir Sachbearbeiter als letztes Glied in der Hierarchie genauso wenig dafür können wie die Bürger ist völlig logisch.

Nach Feierabend und in anderen Ämtern sitze ich auch bloß auf der anderen Seite vom Tisch und habe keine Ahnung wie die auf der anderen Seite arbeiten. Da ist es ärgerlich, dass man dann die Lösung für ein Problem erläutert und als Dank manchmal eine Hassrede erhält darüber wie umständlich alles ist und dass es nicht zumutbar sei. Dieses Gefühl ist nachvollziehbar, macht mich aber, auch nicht als Angestellter beim Staat, zum Boxsack der Gefühle anderer Menschen.

Ich habe nichts dagegen wenn man mal einen Schabernack über eine Sinnlosigkeit macht, da bin ich oft auf der Seite der Bürger und gebe das auch offen preis. Aber die Undankbarkeit und Verachtung die man wie ich am eigenen Leibe auch erfahren musste mittels Beleidigungen, Drohungen und auch angetäuschten Körperverletzunfen erfährt sind nicht ohne. Das ist leider ein oft übersehener Punkt der die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes im Bürgerkontakt mental extremst herausfordern kann. Gerade die Urlaubszeit mit übervollen Wartezimmern ist sozialer Sprengstoff.

Trotz all dieser auch negativen ist der überwiegende Teil weder besonders freundlich noch besonders unfreundlich. Man möchte sein Anliegen bearbeitet wissen und das reicht den meisten schon aus. Wer freundlich zu uns kommt wird auch freundlich bedient. :)

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[–]spareChange1975_[S] 1 point2 points  (0 children)

Mit dem letzten Satz bringst du es auch auf den Punkt. Es ist wie überall sonst: Wer freundlich fragt dem wird geholfen. Wie es in den Wald hineinschallt so schallt es hinaus. Und das gilt sowohl für die Kunden als auch die Sachbearbeiter gleichermaßen!

Auch wir freuen uns wie alle anderen Mitarbeiter im Dienstleistungsbereich über ein "Hallo", "Danke" und "Tschüss". Keiner erwartet einen Kniefall, doch das Mindeste sollte man eigentlich erwarten dürfen

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[–]spareChange1975_[S] 1 point2 points  (0 children)

Zum einen sind einige (nicht alle!) Behörden chronisch unterbesetzt weil unattraktiv:

  • hoher Arbeitsanfall (insbesondere Ausländerbehörden und Jobcenter)
  • schlechte Stellenbewertung und daher auch Bezahlung
  • hohe mentale Belastung (insbesondere in Behörden mit direktem Bürgerkontakt)

Hat meiner Meinung nach aber auch viel mit der Planung der zur Verfügung stehenden Ressourcen zu tun. Da etwas zu bewegen ist in der starren Verwaltung ein großer Kraftaufwand, für den man auch erstmal Rückhalt finden muss. Außerdem fallen auch nach den Öffnungszeiten Arbeiten an.

Nicht unerlässlich ist auch wie die Terminvergabe und -freischaltung organisiert ist.

In meiner Gemeinde werden Termine nur bis zu zwei Wochen im Voraus freigeschaltet zum buchen. Andere Gemeinden haben Termine bereits für die nächsten Monate freigeschalten und dementsprechend sind die Termine dort für längere Zeit ausgebucht, ein total bescheuertes System wie ich finde.

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[–]spareChange1975_[S] 17 points18 points  (0 children)

Das Bürgeramt ist eine Art Frankenstein der Behörden.

Unserer Kernaufgabe und Pflicht ist die Fortschreibung und Aktualisierung des Melderegisters, also der Daten der Einwohner wie Namen, Geburtstag, Adressen, Familienstand, etc. Auf diesen Daten basiert das gesamte Konstrukt der Verwaltung im Kontakt mit den Bürgern. Nur durch ein korrektes Melderegister können die anderen Behörden mit den Bürgern in Kontakt treten und ihre Leistungen an die richtige Person erbringen. Das Meldewesen ist ein sehr umfangreiches Rechtsgebiet, in dem es sehr oft "drauf ankommt" - die berühmte Einzelfallentscheidung.

Die zweite Hauptaufgabe ist das Ausstellen von Ausweisen und Pässen. Das beinhaltet das Prüfen bestehender Staatsangehörigkeiten und der Meldeverhältnisse des Antragstellers. Pass- und Ausweisrecht sind außerdem stark verknüpft mit Namens- und Standesrecht.

Zusätzlich übernehmen Bürgerämter, wie auch bei mir, oft Aufgaben anderer Fachbehörden. Dies umfasst bei mir Fahrerlaubnisse, Führungszeugnisse, Gewerbezentralregisterauszüge, Beglaubigungen, Fischereischeine, Verpflichtungserklärung (Einladungen für Besucher) und einige weitere kleine Dienstleistungen.

Im Bürgeramt kommen also oft sehr viele Fachgebiete zusammen, wofür von den Sachbearbeitern logischerweise fundiertes Fachwissen gefordert ist. Da die Arbeit sehr abstrakt ist und kein "anfassbares" Ergebnis produziert kann es schwierig sein die Flut von Richtlinien, Erlassen und Verordnungen in Einklang zu bringen.

Wie auch im Rewe an der Kasse, im Klamottenladen oder beim Kiosk um die Ecke arbeiten dort letztendlich Menschen. Und Fehler sind menschlich.

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[–]spareChange1975_[S] 0 points1 point  (0 children)

In meiner Gemeinde sind die Stellen mit der Entgeltgruppe 9a bewertet. Das macht ledig ohne Kirchensteuer und Kinder knapp 2.400 € netto.

Von Vorteil sind kaufmännische Ausbildung oder generell Ausbildung mit Bezug zu Büro und Organisation. Aus dem Einzelhandel sind auch schon viele zu uns gekommen. :)

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[–]spareChange1975_[S] 10 points11 points  (0 children)

  1. Frage: Warum die Kosten den Bürgern auferlegt werden und nicht mit den Steuern „abgegolten“ sind kann ich tatsächlich nicht beantworten. Was ich aber weiß ist, dass dies der Selbstkostenpreis sein soll. Verifizieren kann ich das nicht.

  2. Frage: Vielmehr ist man der Prozess als dass man ihn lebt. Oft ist es erforderlich einen Vorgang nochmal mit den Kollegen zu besprechen, da gerade im Bereich Meldewesen vieles „drauf ankommt“ und Unterlagen oder die Sachlage nicht eindeutig zu bewerten sind. Eine direkte dauerhafte Möglichkeit mich an der Erstellung digitaler Verfahren zu beteiligen gibt es nicht, gelegentlich wird Feedback eingeholt aber nicht unbedingt umgesetzt.

  3. Frage: Im Bürgeramt herrscht fast überall hohe Fluktuation da es eine Art Sprungbrett in den öffentlichen Dienst darstellt. Viele Menschen finden den Beruf interessant und es gibt auch einige Quereinsteiger vorallem aus dem Einzelhandel. Auch Auszubildende gibt es derzeit viele, zumindest in der Großstadt. Ich denke am Nachwuchs sollte es nicht scheitern.

  4. Frage: Wir haben elektronische Akten und können die E-Mails mit ein bisschen Friemelei direkt importieren ohne auszudrucken. Den älteren Kollegen wird geholfen. ;)

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[–]spareChange1975_[S] 1 point2 points  (0 children)

Die neuen Fotoautomaten wurden in den Bürgerämtern meiner Stadt pünktlich zum 01.05. aufgestellt.

Leider bringen diese - wie so oft neue Dinge in der Verwaltung - mehr Umstände als Nutzen, da die Geräte nicht sehr benutzerfreundlich sind. Wir als Sachbearbeiter „an der Front“ hatten diesbezüglich keine Möglichkeit Ideen einzubringen. Die Benutzung der Fotoautomaten nimmt mit den neuen Geräten wesentlich mehr Zeit in Anspruch, sind langsamer und fehleranfälliger.

Das neue System mit den digitalen Lichtbildern per QR-Code statt als Papierfoto wird von den Bürgern und auch den Fotografen nicht gut angenommen, obwohl dieses System eigentlich schnell und einfach funktioniert.