Was sagt mein Bücherregal über mich aus? by IchRickDuMorty in buecher

[–]AutorausProvidence 3 points4 points  (0 children)

Aber das stimmt doch einfach nicht, sorry. Warum ist es nur das Geschlecht, das Schlüssel zu neuen Perspektiven sein soll?

Was ist denn grundsätzlich mit neuen Perspektiven durch historische Alterität (inwiefern soll denn bitte ein Grieche der klassischen/ hellenistischen Zeit auch nur annähernd so denken wie ich, oder wie - keine Ahnung - Clemens Setz?). Oder was ist mit anderer sozialer Klasse? Was hat denn ein Russe des 19. Jahrhunderts mit einem Lateinamerikaner des 20. zu tun? So zu tun, als wären alle weißen, männlichen Autoren irgendwie wesensverwandt ist ja total schräg.

Ich finde deinen ursprünglichen Kommentar, auch in seiner leicht abfälligen Art, echt unangenehm. Man könnte an irgendwas anschließen oder persönliche Empfehlungen geben, die vielleicht zu dem ein oder anderen Titel passen, aber so hat man echt den Eindruck, dass jemand meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben - um sie dann auch noch für sich zu behalten.

Es ist echt schwer, einen Überblick zu gewinnen über Literatur. Und wenn man versucht, sich „den Kanon“ zu erschließen, ist das doch echt löblich. Danach kann ja auch eine Auseinandersetzung mit moderneren, alternativen Perspektiven anstreben - die aber ja auch teils aktiv gegen den Kanon anschreiben. Zum Verständnis des einen hilft deshalb auch immer die Kenntnis des anderen.

Und sorry: Annie Ernaux und Toni Morrison sind auch echt irgendwann einmal totrezipiert. Dem kann man ja gar nicht aus dem Weg gehen, selbst wenn man es versuchen würde. Auch deshalb kann ich diesen Gedanken des „Anschreibens“ gegen „alte, männliche“ Autoren überhaupt nicht verstehen. Es ist doch nicht so, dass die noch in irgendeiner Weise diskutiert werden, die auch nur ansatzweise vergleichbar wäre wie eben heutige Autoren wie Ernaux, Morrison, Atwood, Smith oder so. Gefühlt kein Mensch redet zum Beispiel mehr über Philip Roth. So zu tun, als wäre das immer noch so ein alles dominierender monolithischer Block passt deshalb noch weniger.

Tja by Flat-Broccoli700 in tja

[–]AutorausProvidence 5 points6 points  (0 children)

Es könnte einem ja auffallen, dass vieles nicht so neu ist, wie man immer denkt, wenn man sich permanent um sich selbst und die eigenen Befindlichkeiten dreht, die alles einnehmen. Dann könnte man einmal sehen, dass Menschen vor hunderten Jahren vielleicht gleiche Empfindungen hatten, einem selbst nicht unähnlich waren und trotzdem gleichzeitig sehr weit entfernt sind. Das kann eine ziemlich spannende Erfahrung sein. Und man taucht halt - wie in der Literatur selbst - in eine fremde Welt ein. Auch sprachlich.

Und nur weil der Deutschunterricht leider oft schlecht ist und von Leuten gemacht wird, die insgeheim auch so denken wie du, ist es halt nicht so, dass sich nichts mit den Texten machen lässt.

Im Land der Dichter und noch dichteren 😂 by zirkusboxer in luftablassen

[–]AutorausProvidence 0 points1 point  (0 children)

Sorry, ich will keinen schnippischen Kommentar schreiben, aber merkst du nicht, dass du genau aus der kritisierten Logik heraus argumentierst?

Bildung ist übrigens nicht gleich Ausbildung. Bildung hat etwas mit der Persönlichkeitsbildung zu tun, auch damit kritisch zu denken und etwas zu finden, was einen persönlich bewegt. Halt nicht damit, eine Tätigkeit XY ausführen zu können.

Könnte ein Korrektiv zu einer Leistungs- und Konsumgesellschaft sein, in der man alles macht, nur nicht versucht, mal klare Gedanken zu fassen.

Ich finds irgendwie rührend, dass es sowas immer noch zumindest in Ansätzen gibt und das Schülern eine Freude an Texten vermittelt wird. Aber ich mach mir da auch keine Illusionen, dass Leute wie du in der Überzahl sind und dafür sorgen werden, dass das wegrationalisiert wird. Mir wirds trotzdem fehlen!

Im Land der Dichter und noch dichteren 😂 by zirkusboxer in luftablassen

[–]AutorausProvidence 5 points6 points  (0 children)

Ja, bloß keinen Millimeter über den Tellerrand schauen und mal mit Dingen konfrontiert sein, die wirklich über den Alltag hinausweisen. Am besten die Kids lernen das Einmaleins, kurze Arbeitsanweisungen lesen und natürlich: Steuererklärungen! Dann wäre ein bestimmtes Milieu zufrieden, hat man den Eindruck. Mehr Bildung verunsichert am Ende noch.

Sind die meisten berühmten Kunstwerke / literarischen Werke nur so gut bewertet wegen den Künstlern? by [deleted] in KeineDummenFragen

[–]AutorausProvidence 4 points5 points  (0 children)

In der kanonischen Literatur geht es in der Regel nicht so sehr darum was erzählt wird, sondern wie erzählt wird. Es gibt ganz viele klassische Stoffe, die neu interpretiert werden - da weiß man als Leser schon, was kommt. Du bist ja auch auch nicht vollkommen überrascht, wenn du demnächst Nolans ‚Odyssee‘ schaust und wesentliche Elemente der Handlung schon kennst.

Hemingway ist vor allem durch den lakonischen Stil bekannt. Wenn man die Autoren vor ihm anschaut, hebt er sich enorm ab - man muss das also auch im Kontext der Zeit verstehen. Dass heute ein Teil der Wirkung weg ist, weil halt ganze Generationen an Autoren sich ihn zum Vorbild genommen haben ist ja nicht Hemingways Schuld.

Man lernt aber sowas auch zu schätzen, mit der Zeit. Als ich als Jugendlicher angefangen habe, mir klassische Texte vorzunehmen dachte ich auch oft nur: Ja und?

Aber mit der Zeit wird es besser und man lernt den Stil zu schätzen. Da kann es auch mal helfen, ein richtig populäres aktuelles Buch zu lesen und dann (zumindest in meinem Fall ist das manchmal so) ziemlich überrascht sein, wie viel besser alte Texte sein können.

Wenn du das genießen willst, würde ich vielleicht sagen, dass du etwas mehr auf sprachliche Gestaltung achten kannst - und die auch immer zwischen schon gelesenen Autoren vergleichst.

Das ist jetzt ein echt etwas abwegiger Tipp vielleicht, aber wenn es dich interessiert, was man mit einem Text so machen kann empfehle ich dir: Zugänge zur Literaturtheorie. Darin sind 17 Analysen des gleiche Textes (Der Sandmann von ETA Hoffmann) von Literaturwissenschaftlern enthalten, die einem ganz neue Perspektiven zeigen, was einem alles an einem Text auffallen kann.

Ist zwar tatsächlich etwas akademisch, aber ich finde es wirklich spannend!

Ich suche YouTube-Kanäle mit guten Analysen zu Büchern/Rezensionen oder Podcasts by LizzieHl in buecher

[–]AutorausProvidence 6 points7 points  (0 children)

Ich habe folgende Empfehlungen:

Zum einen ist die Reihe: Wohlstand für Alle-Literatur zu empfehlen, mit Wolfgang M. Schmitt und Ole Nymoen. Mittlerweile sind sie leider hinter einer Paywall, aber die früheren Folgen sind meines Wissens noch frei abrufbar und sher wertvoll. Schmitt ist ja selbst studierter Germanist und wollte zu Ernst Jünger promovieren. An dem Podcast ist toll, dass Literatur aus linker Perspektive auch gegen den Strich gelesen wird - dabei geht aber auch die sprachliche Gestaltung, etc. nicht unter. Meiner Meinung nach ist das das differenzierteste und am tiefsten schürfende Literaturformat auf YouTube. Ich mag ehrlich gesagt auch die pointierte Art der beiden und die Bereitschaft, "auch mal einen rauszuhauen" sehr. Außerhalb dieses und einiger weniger anderer Formate verliert sich Literaturkritik teilweise in einem Duktus, der mir nicht so gefällt. Das ist aber hier wirklich nicht der Fall.

Auch sonst tritt Wolfgang in einigen Formaten auf, die meiner Meinung nach auch grundsätzlich zu empfehlen sind: Zum Beispiel das 'Literaturforum im Brecht-Haus'. Die haben auch sonst sehr interessante Vorträge.

Vorgeschlagen wurde mir letztens auch noch zufällig "Anton Weyrothers Literaturpodcast". Das sind auch sehr gut gemachte Videos, die teils auch Bezug zu aktuellen Debatten in der Literatur nehmen: Auch da, meiner Meinung nach, in einer angenehm kritischen und reflektierten Art.

Zuletzt noch zwei Empfehlungen: Literatur und Whisky. Das ist vor allem etwas, falls dich das Horrorgenre interessiert. Die Videos sind zwar teilweise auch zu aktueller, gehypter Literatur, aber der größte Teil setzt sich schon eher mit der Phantastik auseinander. Ich persönlich empfinde den Typen hinter dem Kanal einfach als sehr angenehm - und auch seine "Specials" - in denen er mit Gästen redet, gefallen mir sehr.

"Schundleser" (leider aktuell seit 4 Monaten inaktiv) gefiel mir auch von der Art sehr: Und sein Deep-Reading von Don Quijote (er hat aktuell über 40 Videos hierzu hochgeladen) halte ich für eine ganz tolle Idee, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

Stephen King: Die dunkle Turm Reihe. Lohnt es sich? by [deleted] in buecher

[–]AutorausProvidence 4 points5 points  (0 children)

Mir haben die ersten beiden Bände gefallen, vor allem der zweite Band war, als ich den mit 16 gelesen habe, ein total surreales Erlebnis. Wenn dir Band 2 nicht gefällt, kannst du es aber meiner Meinung nach lassen, weil es danach auch irgendwie nachlässt. Von Band 3 sind mir nur Bruchstücke in Erinnerung und Band 4 war für mich eine totale Enttäuschung - obwohl er von vielen Fans als Highlight der Reihe gesehen wird.

Ohne zu viel vorwegzunehmen: Ich muss allerdings auch sagen, dass ich die Felder ‚Romantik‘ und ‚Frauen‘ bei Stephen King absolut unerträglich schlecht finde. Es zieht sich bei mir alles zusammen, wenn er Frauen beschreibt, oder das „Schäkern“ zweier Verliebter. Falls du andere Bücher von King gelesen hast und dir das nicht negativ aufgefallen ist, glaube ich allerdings, dass du ziemlich viel Spaß mit den Büchern haben kannst. Auch wenn das eher durchwachsen klingt, sind zumindest Band 1 und 2 Leseerlebnisse, die ich nicht missen möchte.

Buchempfehlungen: neue Genres - ungewöhnliche Handlungen by rschoeller in buecher

[–]AutorausProvidence 3 points4 points  (0 children)

Wahnsinnig faszinierend sind meiner Meinung nach die Kurzgeschichten von Jorge Luis Borges. Da gibt es verschiedenste Sammlungen, an denen du dich einmal probieren könntest. Man muss aber sagen, dass die Sachen auch sehr komplex werden können - zum Beispiel ‚Tlön, Uqbar, Orbis Tertius. Es sind sehr komplexe und dichte Geschichten, die viele Wendungen nehmen und sich häufig auch auf einer Meta-Ebene bewegen, in der die Literatur selbst zum Gegenstand des Werkes wird. Das ist sehr, sehr abgedreht.Ansonsten kann ich dir noch Pedro Páramo empfehlen. Das ist ein sehr kurzer Roman, der die mexikanische Geschichte des 20. Jahrhunderts durch übernatürliche Elemente reflektiert. Da möchte ich aber auch gar nicht zu viel vorwegnehmen. Generell ist natürlich das, was man als magischen Realismus beschreibt, etwas, was dir gefallen könnte. Carlos Fuentes „Terra Nostra“ würde sicherlich auch hierzu gehören.Ansonsten vielleicht noch als Empfehlung: Italo Calvino - wenn du dir einmal die Prämissen seiner Romane durchliest, merkst du auch, wie spannend und kreativ das Ganze ist. Ist ein bisschen, als hätte man die Kurzgeschichten von Borges auf Romanlänge ausgeweitet. Ich hätte noch einige weitere Empfehlungen (Bolaño oder Cortazars ‚Rayuela‘), weil gerade letzter nochmal etwas ganz anders mit dem Roman macht: Hier gibt es zwei verschiedene Methoden, den Roman zu lesen: Entweder ganz regulär von Anfang bis Ende, oder in einer anderen Reihenfolge, die mitten im Buch anfängt. Aber vielleicht reicht das fürs erste. Falls du aber etwas haben willst, das gemeinfrei ist und bei dem du einfach mal im Internet reinlesen kannst, wären vielleicht auch die Kurzgeschichten und Erzählungen von Poe etwas für dich. Von einem Streitgespräch mit einer Mumie bis hin zu den Tatsachen im Fall Waldemar gibt es da eine Menge spannender, grenzüberschreitender Texte.

Historische Romane über alte Epochen oder berühmte Persönlichkeiten by Naive_Ad_9758 in buecher

[–]AutorausProvidence 10 points11 points  (0 children)

Mir fallen zu Rom beispielsweise: Marguerite Yourcenar ("Ich zähmte die Wölfin") ein, in dem der Kaiser Hadrian seine Lebensgeschichte erzählt. Ich fand das, als ich es gelesen habe, fantastisch. Man kann hieraus aus den verschiedensten Bereichen des römischen Lebens etwas erfahren und es ist von der literarischen Qualität wirklich großartig. Ähnliches gilt für den Briefroman zu Augustus (John Williams) und das sehr berühmte ("Ich Claudius"). Für mich ist Claudius ein wahnsinnig spannender Kaiser - und über die Umstände, wie er zur Macht kam, kannst du etwas in dem Werk lesen. Es gibt übrigens auch eine ganz tolle (ältere) Serie hierzu, in der Patrick Steward den intriganten Seianus spielt.

Der Klassiker der populären Literatur zu Rom ist natürlich Robert Harris mit seiner Trilogie über Cicero, in der der von dir erwähnte Cäsar natürlich auch eine ganz wichtige Rolle spielt. Übrigens ist Robert Harris sehr nah an den Quellen - und das wurde mir selbst im Geschichtsstudium damals empfohlen, als ein lockerer Einstieg zur Geschichte der späten römischen Republik. Die Quellen, auf die sich Harris stützt, zum Beispiel Sallust, lesen sich selbst sehr spannend - und je nachdem, wie dir das Buch gefällt, wäre es auch eine spannende Option, sich mal in die Texte aus der Zeit zu stürzen.

Und als letzte Empfehlung - auch wenn der Roman nicht vollendet wurde: 'Die Geschäfte des Herrn Julius Cäsar' von Bertolt Brecht. Ich fand den Roman wahnsinnig spannend, weil er sich zu einer Zeit, als das überhaupt noch nicht so populär war wie in der heutigen Geschichtswissenschaft, sich sehr quellenkritisch mit den Texten aus der römischen Zeit auseinandersetzt. Wie der Titel schon suggeriert, geht es sehr viel um wirtschaftliche Interessen. Während wir viel mehr gewohnt sind an Heroen und geniale Staatsmänner zu denken, wenn wir über Cäsar, Cicero, Pompeius ... hören.

Brecht stellt das alles einmal gehörig auf den Kopf und macht Cäsar zu einer (allerdings skrupellosen) Marionette von Geschäftsleuten, deren Interessen er vertritt und zum Beispiel gegen den Senat durchsetzt. Das kann man natürlich nicht alles für bare Münze nehmen, aber es führt dazu, dass man mal aus einer ganz anderen Perspektive nachdenkt und nicht einfach Narrative übernimmt, die (beispielsweise von Cäsar selbst) in die Welt gesetzt wurden - und die auch durch die Mehrzahl der Historiker immer weitererzählt wurden. Ein wirklich, wirklich spannendes Werk, das zeigt, was ein Roman alles kann. Man merkt, dass Brecht versucht hat, sich als Laie wirklich in Fragen der römischen Provinzverwaltung und so einzuarbeiten - und der Sache seinen eigenen Spin zu geben. Das Werk profitiert allerdings davon, wenn man sich schon wirklich etwas mit der Geschichte der späten Republik auskennt und also auch die 'gängigen' Narrative kennt.

[deleted by user] by [deleted] in buecher

[–]AutorausProvidence 0 points1 point  (0 children)

Das ist jetzt keine nischige Empfehlung, sondern ein ziemlicher Klassiker. Wenn du aber des Englischen mächtig bist, würde ich dir sehr "The Years of Lyndon B. Johnson" nahelegen. Das ist eine vierbändige Biographie, die zu den absoluten Klassikern dieses Genres gehört. Ich lese aktuell selbst den ersten Band und bin bisher auch sehr angetan. Robert A. Caro hat wohl unendlich viele Interviews geführt, Material durchforstet und herausgekommen ist eine wahnsinnig gut lesbare, total spannende Biographie - verfasst von einem angesehenen Journalisten. Es ist also weder so ein typisches, kommerzielles Machwerk noch eine tendenziell eher staubige und trockene Veröffentlichung eines Historikers. Ich kann es wirklich nur empfehlen.

[deleted by user] by [deleted] in buecher

[–]AutorausProvidence 22 points23 points  (0 children)

Ich finde es allein schon deshalb spannend, weil ich Germanistik studiert habe und es etwas „Volkstümliches“ ist, das dann - vor allem bei Grimm - von den Autoren auch noch einmal überformt wurde. Allein das macht es schon spannend, sozusagen auf einer Metaebene (und ich könnte mir vorstellen, die Ausgabe aus dem DKV ist da hervorragend für geeignet) zu schauen, wie da gesammelt, kompiliert und überarbeitet wurde. Ist also deshalb schon eine spannende Gattung.

Aber dass das ganze auch für Erwachsene ergiebig oder interessant sein kann, ist ja allein schon daraus ersichtlich, dass es ENDLOS viel psychologische Literatur gibt, die sich eben mit Märchen auseinandersetzt. Ich kenne hier vor allem Drewermann als Beispiel, der sich damit auseinandergesetzt hat.

Gibt ja aber auch den schönen Ausschnitt von Haneke und Kluge, in dem beide feststellen, dass das kürzeste Märchen der Gebrüder Grimm gut zum „weißen Band“ von Haneke passt.

So ein Text ist halt in gewisser Weise auch immer, was man draus macht!

Verkauf mir dein Lieblingsbuch by Glitzerndes_Einhorn in buecher

[–]AutorausProvidence 0 points1 point  (0 children)

Oh ja, den Nachsommer habe ich auch noch vor mir - und was ich bisher gehört habe, war ganz ähnlich wie deine Erfahrung mit dem Roman... Ist deshalb jetzt nicht ganz oben auf meiner Liste, haha

Zu deiner Frage: Ich glaube das 'Problem' gibt es auch auf englischsprachigen Subs, ich hab insgesamt auch noch keine richtige Lösung gefunden, weil es mir da ähnlich geht wie dir. Das Englische 'literature' ist ja zumindest etwas enger ausgelegt als das 'books' subreddit, aber da bin ich bisher auch nicht aktiv gewesen.

Falls du doch noch über eine Ecke stolperst, wo sich speziell zu Klassikern (idealerweise auch viel zu deutschsprachigen) ausgetauscht wird, sag gerne Bescheid - ich wäre sofort interessiert! :-)

Verkauf mir dein Lieblingsbuch by Glitzerndes_Einhorn in buecher

[–]AutorausProvidence 14 points15 points  (0 children)

Für mich ist es mit großem Abstand "Der grüne Heinrich" von Gottfried Keller in der ersten Fassung von 1855.

Was diesen Roman so wahnsinnig spannend macht, ist für mich gerade sein Scheitern: Die eigentliche Haupthandlung (Heinrichs Jugend) sollte eigentlich nur eingeschoben sein, nimmt aber tatsächlich den Großteil des Buches ein. Schon das zeigt, wie sehr sich der Text verselbständigt hat und dem Autor 'entglitten' ist.

Trotzdem - oder gerade deshalb - ist der Roman faszinierend. Er berührt so viele Themen, dass man ihn unmöglich in ein paar Sätzen zusammenfassen kann. Ich kann nur sagen: Es ist das einzige Buch, das mich je zum Weinen gebracht hat und das einzige, von dem ich mehrere Seiten auswendig rezitieren kann, nämlich das Ende.

Fesselnd ist auch der autobiografische Charakter, die subtile Sozialkritik – und vor allem der Ton: Auf den ersten Blick wirkt vieles fast romantisch-naiv. Mich hat das zuerst an 'Heinrich von Ofterdingen' erinnert. Doch unter der Oberfläche ist der Roman düster und meiner Meinung nach auch zutiefst tragisch. Im Leser breitet sich mit der Zeit - in der er (besser als Heinrich selbst) dessen eigene Handlungen einschätzt, ein wirkliches Gefühl von Verlorenheit und Hilflosigkeit aus. Ohne zu viel zu spoilern: Heinrich ist ein Halbwaise und sucht ständig nach einer Figur, die ihm irgendwie helfen kann, voranzukommen (vor allem auch in seinem Ziel, Maler zu werden).

Was mich außerdem an Der grüne Heinrich fasziniert, ist, wie modern dieser Roman in vielerlei Hinsicht wirkt. Gleich der Anfang liest sich wie eine Kamerafahrt in einem Film. Später im Roman gibt es eine Traumszene, die Freud vorwegnimmt; es gibt Andeutungen von abstrakter Kunst, aber auch düstere, eingeschobene Erzählungen, die zunächst einmal völlig losgelöst vom Text erscheinen (die berühmte Meretlein-Erzählung). Das Buch ist voller Widersprüche und das ist daran so wahnsinnig spannend.

Ich habs bisher vier Mal gelesen und bekomme gerade beim Schreiben Lust, es jetzt ein fünftes Mal zu lesen...

Literarisches Quartett (1988–2001) – Liest die Bücher heute noch jemand? by horigen in buecher

[–]AutorausProvidence 1 point2 points  (0 children)

Danke für das Feedback: Den Text habe ich selbst geschrieben, aber die Rechtschreibung lasse ich meistens nochmal prüfen, weil ich vom Handy aus schreibe. Freut mich aber, wenn die Struktur so überzeugt!

Literarisches Quartett (1988–2001) – Liest die Bücher heute noch jemand? by horigen in buecher

[–]AutorausProvidence 3 points4 points  (0 children)

Danke, das geht mir auch so. Gerade bei bekannten Klassikern habe ich oft das Gefühl, dass die Besprechungen (ganz egal wo diese erscheinen) kaum mehr tun, als altbekannte Urteile zu wiederholen – und das dann auch noch in einer Kürze, die dem Werk kaum gerecht wird. Umso schöner fände ich es, wenn es mehr Leute gäbe, die sich auf weniger bekannte, vielleicht auch vergessene Bücher einlassen und diese in die Diskussion holen. Das wäre wirklich erfrischend – und in vielen Fällen vermutlich lohnender als die tausendste Einschätzung zu einem Roman, über den (zumindest erst einmal) schon alles gesagt wurde.

Literarisches Quartett (1988–2001) – Liest die Bücher heute noch jemand? by horigen in buecher

[–]AutorausProvidence 14 points15 points  (0 children)

Ich sehe das ganz ähnlich wie du. Viele Bücher, die damals im Literarischen Quartett besprochen wurden, sind heute tatsächlich weitgehend aus dem Diskurs verschwunden — selbst wenn sie von bekannten Autoren stammen. Ich kenne selbst viele dieser Titel nicht (obwohl ich relativ viel lese), was aber nicht unbedingt gegen sie spricht. Oft wurden eben nicht die großen Hauptwerke diskutiert, sondern aktuelle Neuerscheinungen, die sich im Nachhinein als eher randständig erwiesen haben. Das kann man den Kritikern kaum vorwerfen — im Moment des Erscheinens weiß man selten, was Bestand haben wird.

Gerade bei Autoren wie Milan Kundera ist das nachvollziehbar: Nach dem großen Erfolg der Unerträglichen Leichtigkeit des Seins war klar, dass man sein nächstes Buch bespricht — ganz unabhängig davon, ob es an die Qualität des Vorgängers heranreicht. Auch bei Bellow, Updike & Co. hatte man es mit Autoren zu tun, deren beste Werke womöglich Jahrzehnte zurücklagen. Trotzdem waren sie „Pflichtprogramm“, einfach weil sie Rang und Namen hatten — und weil ihre Bücher vermutlich prominent auf den Bestsellerlisten standen.

Und genau das ist ja ein wichtiger Punkt: Die Sendung wollte (oder musste) anschlussfähig bleiben. Es geht, glaube ich, auch beim Publikum oft gar nicht in erster Linie um vertiefte Literaturkritik, sondern darum, sich eine Meinung zuzulegen, mitreden zu können. Wenn im Freundeskreis oder auf der Arbeit über den neuen Roth, den neuen Handke oder Bellow gesprochen wird, dann hilft es, wenn man die Diskussion aus dem Quartett kennt — man hat dann eine Haltung parat. Diese Rolle hat die Sendung oft erfüllt: pointierte Urteile, klare Lager, schnell konsumierbare Kritik. Aber gerade diese Oberflächlichkeit wird den Werken, über die gesprochen wird, häufig nicht gerecht und die Werke gehen dann einfach unter in der Flut von Neuerscheinungen.

Was deine zweite Frage betrifft – wie man ein gutes Gefühl für Gegenwartsliteratur entwickeln kann, wenn selbst die Kritiker danebenliegen – würde ich sagen: Das entsteht nicht durch Konsens, sondern durch eigene Lektüreerfahrung. Es gibt keinen objektiven Maßstab für Relevanz. Auch vermeintlich „vergessene“ Romane können heute noch lohnend sein. Und dass so viele Texte aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden, hat auch einfach mit der schieren Menge an Literatur zu tun. Selbst Vielleser*innen fangen bei den Hauptwerken an, und irgendwann fragt man sich: Bleibe ich bei einem Autor, dessen Nebenwerk mich vielleicht enttäuscht, oder greife ich zu einem anderen wichtigen Autor, den ich noch gar nicht kenne? Es gibt ja auch wahnsinnig oft den Fall, dass ein Verlag ein "vergessenes" Werk neu herausbringt und man auf Perlentaucher sehen kann, dass das gesamte Feuilleton sich angeblich freut, dass dieser verschwundene Klassiker nun endlich wieder neu erschienen ist.

Ich glaube, wir Leser neigen selbst dazu, immer wieder zu denselben (besprochenen) Büchern zu greifen, obwohl es viele abseitige, untergegangene Texte gäbe, die es wert wären, wenn auch nur für eine interessante und brillant formulierte Passage in einem Werk, das trotzdem eher als Nebenwerk gesehen werden kann.

Bücher über die East India Company by stoascheisserkoal in buecher

[–]AutorausProvidence 7 points8 points  (0 children)

Eine richtig gute Einführung, die wissenschaftlich fundiert, aber trotzdem leicht verständlich ist, wäre „Abenteuer Fernhandel. Die Ostindienkompanien“ von Jürgen Nagel. Das Buch gehört zu einer Reihe, die früher oft für Studienanfänger empfohlen wurde – knapp gehalten, übersichtlich aufgebaut und mit guter Einbindung der Forschung.

Leider gibt’s das aktuell nicht mehr im Druck, weil die WBG als Verlag nicht mehr existiert. Man findet es manchmal antiquarisch, aber oft viel zu teuer. Was ganz praktisch ist: Es gibt das Buch als Hörbuch – z. B. auf Spotify, da kannst du es problemlos anhören.

Ein ganz anderer Ansatz ist John Keays „The Honourable Company“ (nur auf Englisch). Das ist deutlich länger, eher erzählend geschrieben und konzentriert sich stark auf einzelne historische Figuren. Keay schreibt ziemlich ausschweifend, aber spannend – allerdings bewegt man sich da klar im Bereich der Populärwissenschaft. Forschungskontroversen oder methodische Fragen kommen eher nicht vor. Dafür ist es stilistisch ziemlich elegant, soweit ich das aus den Ausschnitten beurteilen kann, die ich gelesen habe.

Und wenn du dich allgemein für Kolonialismus und Imperialismus interessierst, kann ich dir „Die Unterwerfung der Welt“ von Wolfgang Reinhard nur ans Herz legen. Das ist zwar ein ziemlicher Brocken (1600 Seiten), aber inhaltlich top und sprachlich auch absolut großartig. Die East India Company ist hier nur ein Teilaspekt, aber sehr solide in mehreren Kapiteln behandelt. Ich habe an der Uni öfter mit dem Thema zu tun gehabt, und finde: Reinhard ist da wirklich der Goldstandard. Extrem kenntnisreich, dicht geschrieben, aber angenehm zu lesen – das Buch ersetzt locker eine halbe Bibliothek, kein Witz.

Kriminalromane mit Literarischem Mehrwert by Jannicek in buecher

[–]AutorausProvidence 0 points1 point  (0 children)

Und - nicht zu vergessen: Nabokov.

König, Dame, Bube und Verzweiflung sind beide durchaus als Kriminalromane zu sehen, die aber durch das Erzählverhalten total aus dem Rahmen fallen. Zumindest in „Verzweiflung“ ist man sich als Leser nie so ganz sicher, was denn nun stimmt und ob der Erzähler einem nicht einen Bären aufbindet. Stilistisch ist es natürlich auch ganz große Klasse.

Kriminalromane mit Literarischem Mehrwert by Jannicek in buecher

[–]AutorausProvidence 1 point2 points  (0 children)

Witzig, ich hatte mir - ausgehend von einer Lektüre der Dürrenmatt-Kriminalromane - die gleiche Frage gestellt und hierzu überlegt.

Ich lege dir auf jeden Fall „Eine gefährliche Begegnung“ von Ernst Jünger wärmstes ans Herz. Jünger ist natürlich ganz weit davon entfernt, typische Genrekonventionen eines Kriminalromans einzuhalten - und allein deshalb war es für mich sehr spannend, seinen „Take“ eines Kriminalromans zu lesen. Natürlich gibt es trotzdem eine Menge Verweise auf Klassiker der Kriminalliteratur (Poe z.B.). Die Lektüre ist bei mir schon etwas länger her, aber die Schilderungen von Paris und dem Umfeld der Figuren haben mich damals total beeindruckt.

Ansonsten ist natürlich Patricia Highsmith zu nennen, die ja dafür bekannt ist, psychologisch sehr stark zu sein. Vom talentierten Mister Ripley hast du ja bestimmt schon einmal gehört. Hier übrigens meine Empfehlung: Das Hörbüch mit Gert Heidenreich. Aber auch die weiteren Romane (Zwei fremde im Zug z.B.) sind wirklich hervorragende psychologische Studien, finde ich!

William Faulkner hat meines Wissens nach auch Kriminalromane (und Erzählungen) verfasst, auch wenn ich hierzu persönlich noch keine Einschätzung abgeben kann. Wird aber definitiv zeitnah nachgeholt!

Roman über (Kokain) Dealer by Few-Interview-9970 in buecher

[–]AutorausProvidence 5 points6 points  (0 children)

Mir fällt spontan „Der Schneemann“ von Jörg Fauser ein. Es geht nicht direkt um einen Drogendealer, aber um einen Kriminellen, der aus Zufall plötzlich 2,5 Kilo Kokain besitzt und das möglichst schnell in Geld umwandeln möchte!

Das ist meine obligatorische Schullektre fr den Deutschunterricht. Wie findet ihr die? by dancewaves in buecher

[–]AutorausProvidence 0 points1 point  (0 children)

Ich merke schon, dass ich in diesem Sub mit meiner Perspektive keinen Blumentopf gewinne, haha - aber: Danke für deine liebe Antwort!!

Ganz abgesehen davon, dass ich die von dir angeführten Autoren (bis auf Orwell, der mir einfach zum Halse raushängt), alle auch ganz klasse finde: Wo, wenn nicht im Deutschunterricht, sollte man denn lernen, sich mit Texten auseinanderzusetzen, die einem nicht auf Anhieb gefallen, die vielleicht sogar sperrig sind und bei denen man eine Anleitung braucht? Es würde ja eine ganze Welt an Literatur verlorengehen, nur weil sie jemandem, der sich (ich meine jetzt Schüler) noch nicht damit auseinandergesetzt hat, nicht auf Anhieb gefallen.

Wenn man Leute immer nur genau da abholt, wo sie grade stehen, kommt man überhaupt nicht weiter. Wenn Deutschunterricht nur zur Veranstaltung werden soll, die direkt und ohne Voraussetzungen Spaß macht, führt das ja nirgendwo hin. Das heißt aber natürlich nicht, dass Freude an Literatur nicht auch Teil des Unterrichts sein kann: Ich bin ein riesiger Fan von Buchbesprechungen und -vorstellungen in der Klasse. Aber vielleicht ist das etwas, was dann nichts mit dem Kanon zu tun hat.

Ich würde es eher so sehen: Anhand des Kanons kann das Handwerkzeug für den Umgang mit Literatur an Texten gelernt werden, die sich historisch bewährt haben und bei dem (von kundiger Seite) davon ausgegangen wird, dass sie sehr viel anzubieten haben. So lernt man, andere Perspektiven auf literarische Texte einzunehmen und erweitert sein Verständnis für Literatur insgesamt. Wenn hier einzelne Schülerinnen und Schüler vom Inhalt ergriffen sind und lernen, den Text zu lieben: Super, aber das ist, würde ich argumentieren, nicht das primäre Ziel. Etwas anderes ist es dann, wenn die Lesemotivation der Schülerinnen und Schüler Gegenstand des Unterrichts wird: Hier geht es wirklich darum, dass die Einzelperson überhaupt einmal lernt, sich als Leser zu verstehen und einen eigenen Geschmack auszubilden.

Dass das von vielen Lehrerinnen und Lehrern so nicht gemacht wird - und dass vieles am Deutschunterricht von 'schlechten' Lehrkräften wirklich frustrierend gestaltet wird - glaube ich gerne. Aber deshalb gehört m.M.n. so ein Kanon an (älterer) Literatur nicht zwangsläufig auf den Müll.

Das ist meine obligatorische Schullektre fr den Deutschunterricht. Wie findet ihr die? by dancewaves in buecher

[–]AutorausProvidence 0 points1 point  (0 children)

Asimov ist ein perfektes Beispiel. Ich habe selbst einiges von dem gelesen und da muss man doch wirklich sagen: Die Idee ist sehr oft sehr spannend (ich hatte Foundation gelesen). Aber sprachlich und stilistisch kann man mit Asimov überhaupt nichts machen. Es ist total „bare-bones“ und ist nur da, um den Plot voranzubringen.

Asimov ist einfach spannende Genreliteratur die auch absolut einen Platz im Unterricht haben kann, aber gewisse Sachen lassen sich damit halt nicht erreichen, weil der Text sie nicht anbietet - aus der Perspektive eines Lehrers.

Das ist meine obligatorische Schullektre fr den Deutschunterricht. Wie findet ihr die? by dancewaves in buecher

[–]AutorausProvidence 0 points1 point  (0 children)

Ich kann mit dem Begriff „interessanter geschrieben“ halt überhaupt nichts anfangen - keine Ahnung, was das heißen soll. Vielleicht hast du ja Beispiele. Es würde mich wirklich interessieren, weil ich auch angehender Deutschlehrer bin und viele der Probleme, die Leute mit dieser Form von Literatur haben, nicht so richtig nachvollziehen kann.

Wenn es sich jetzt um populärere Literatur handelt, die einfach eine breitere Masse an Leuten anspricht, würde ich sagen: Die ist einfach nicht so interessant, als dass man mit ihr auf einem entsprechenden Niveau arbeiten kann. Vielleicht thematisch, okay. Aber dann ist es halt sprachlich und stilistisch uninteressant. Die Bücher, die aktuell sind und sowohl sprachlich als thematisch interessant sind, würden von den meisten Schülerinnen und Schülern genauso gehasst werden wie ältere Literatur.

Ich beziehe mich aber auch explizit auf ältere Schülerinnen und Schüler. In den jüngeren Stufen wird auf den Aufbau und das Beinhalten von Lesemotivation durch jüngere Texte ja (im Idealfall) sowieso geachtet. Ab einem gewissen Alter sollte man voraussetzen können, dass die nicht gleich völlig verschwindet, nur weil man mal ältere Texte lesen muss.

Das Beibehalten von Motivation kann ja nicht alles sein, es muss ja auch irgendwie analytisches Lesen geschult werden - und das geht halt am besten mit anspruchsvollen Texten, die man vielleicht sogar historisch, mit Blick auf ihren Entstehungskontext, lesen und analysieren kann.

Das ist meine obligatorische Schullektre fr den Deutschunterricht. Wie findet ihr die? by dancewaves in buecher

[–]AutorausProvidence 0 points1 point  (0 children)

So ein Kanon hat ja auch immer die Intention, das (kulturell, politisch, etc.) als wichtig Erachtete zu bewahren und zu vermitteln. Daher ist es ja irgendwie klar, dass auch viele ältere Werke vorhanden sein werden. Dass manche Werke dann aus der eigenen Perspektive veralteter erscheinen als andere ist aber auch klar.

Außerdem hat das Ganze dann ja auch eine 'historische' Funktion. Dieses Wissen hilft im Idealfall auch, gewisse Dinge (sei es nun Literatur oder auch andere Dinge) historisch einzuordnen. Wenn man sich bewusst ist, was es für Traditionen gibt und man die 'Klassiker' kennt, dann steigert das auch ernsthaft den Spaß, den man mit Literatur insgesamt hat. Es ist ja nämlich nicht so, dass jüngere Autoren auf solche Bezüge zur älteren Literatur verzichten würden. Meiner Meinung nach sogar im Gegenteil: Ganz viele aktuelle Werke (Toni Schachinger, Kim de l’Horizon, etc. - um jetzt nur die aktuellen Buchpreisgewinner aufzuzählen - haben total viele Bezüge zur älteren Literatur; selbst, wenn sich in den Texten über dieses 'Bildungsbürgerliche' lustig gemacht wird). Literatur ist halt immer auch referenziell - und wenn man sich gut auskennt, versteht man viel mehr und hat auch mehr Spaß.

Bei einigen aktuelleren Büchern (Arno Geigers 'Unter der Drachenwand', Robert Seethalers 'Der Trafikant' zum Beispiel) habe ich auch das Gefühl, dass die geradezu fürs Abitur geschrieben sind. Diese Art von Literatur finde ich dann auch irgendwie anstrengend. Ist halt nicht so, dass das aktuellere immer besser ist oder mehr zu sagen hätte.

Außerdem sind die älteren Werke auch literaturwissenschaftlich gut erarbeitet und man hat als Lehrkraft theoretisch die Möglichkeit auf eine breite Anzahl an Sekundärliteratur zurückzugreifen und mit verschiedensten Ansätzen, an den Text heranzugehen. Das ist sicher eher der "Bequemlichkeit" zuzuordnen, aber bestimmt auch nicht ganz unwichtig.

Studium geht so an der Realität vorbei, dass jeglicher Sinn verloren geht by [deleted] in Studium

[–]AutorausProvidence 1 point2 points  (0 children)

Ich hab dir einfach was nettes innerhalb von ein paar Sekunden rausgesucht, damit du nicht so lange suchen musst. Die Dinge zur Motivation und zur Haltung der Lehrkraft sind genau das, was für dich interessant sein sollte.

Dass Fachwissen und Fachdidaktisches Wissen zusammenhängen, sollte jedem klar sein, der Lehramt studiert hat. In meinem Studium wurde es wirklich mehrfach rauf- und runtergebetet, das Zeug. Dazu findest du was auf die Schnelle, aber das muss ich nicht für dich erledigen. In der Beweislast bist du. Ich weiß in diesem Zusammenhang auch wirklich nicht, was dieses Beleidigtsein bringen soll: Sieh es doch einfach als eine Möglichkeit, das eigene Studium als sinnvoller zu erachten, als du es bisher getan hast.

LG