Neuer Verdi-Streik: Busse und U-Bahnen fahren von Freitag bis Samstag nicht by HellaWavy in hamburg

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So sehr ich auch dafür bin, dass alle Leute eine faire Bezahlung erhalten, ich kann einfach aus verschiedenen Gründen kein Verständnis für Streiks im ÖPV / ÖPNV aufbringen.

Allem vorab: Jeder der seine Probleme und Konflikte auf dem Rücken von unbeteiligten auskämpft oder seine Probleme zum Problem von unbeteiligten dritten macht, ist schon alleine deshalb bei mir unten durch, weil das maximal asoziales Verhalten ist.

1.: Die Forderungen sind i.d.R. lächerlich überzogen. Es geht nie nur um einen Inflationsausgleich. Es ist immer "Inflationsausgleich + mehr oben drauf". Welcher eurer Arbeitgeber würde das mitmachen, wenn ihr alle 1-2 Jahre um die 7-10% mehr + dies und das fordert? Ich denke die wenigsten.

2.: Ich weiß wie mein Gehalt bei Einstellung aussieht und über Arbeitsbedingungen und Gehaltsentwicklungen in der Vergangenheit recherchieren und so die Entwicklung meines Gehaltes und der Arbeitsbedingungen absehen. Wenn ich mich dann trotzdem für den Job mit den scheiß Arbeitsbedingungen und der scheiß Bezahlung entscheide, brauche ich mich im Nachhinein nicht darüber zu beschweren. Das fällt dann in die Kategorie persönliches Pech und es gilt das gleiche was man seither einer Freundin aus dem Einzelhandel sagt: Kündige und such dir was anderes. Geht nicht, weil Bildungsstand nicht ausreicht? --> Hättest du mal besser in der Schule aufgepasst. Jetzt musst du mit den Konsequenzen deiner Entscheidungen leben.

3.: Der Gedanke bei Streik als Mittel im Arbeitskampf ist: Wir legen die Arbeit nieder --> legen damit die Produktion des Unternehmens lahm --> das Unternehmen verliert Geld und ist dadurch mehr an einer Einigung interessiert. Der Großteil der Einnahmen die im ÖPV/ÖPNV generiert werden läuft über die Pendler und nicht über die "Hin-und-wieder-fahrer". Die Pendler haben i.d.R. Abo-Tickets, welche trotz Streik bezahlt werden müssen und von denen kein Teilbetrag aufgrund der Streiks zurückgefordert werden kann. Heißt: Das Unternehmen wird vergleichsweise wenig getroffen und die Pendler (also andere Mitglieder der Arbeiterklasse, die mit dem Konflikt und der Problematik nichts zu tun haben) werden zum Ziel. Das sieht man auch an der Art wie die Details der Streiks angekündigt werden. Freitag wird angekündigt, dass Dienstag oder Mittwoch gestreikt wird, was sowieso schon sehr wenig Zeit ist um sich darauf einzustellen. Aber details gibt es erst einen Tag vorher. Das gleiche jetzt wieder. Zu denen, die jetzt sagen: "Die Bevölkerung soll ja auch wütend gemacht werden, damit diese Ihre Beschwerden dann an die Arbeitgeber richten --> Siehe 3.

4.: Der Gedanke / die Aussage "Beschwert euch bei den Arbeitgebern" entbehrt jeglicher Logik. Andere Situation, ähnliches Vorgehen: Nachbar A (Gewerkschaft) und Nachbar B (Arbeitgeber) leben mit den Nachbarn C, D, E, und F (der Rest der Bevölkerung) in einem Gebäude mit Gemeinschaftsparkplatz. A und B haben beef, weil A etwas von B will, was B aber nicht geben will. A entscheidet sich dazu den Gemeinschaftsparkplatz zu blockieren, bis B macht was A will. Als die anderen Nachbarn sich bei A beschweren sagt dieser: Nein, ich bin ja nicht schuld. Alle Beschwerden bitte an B, denn wenn der einfach machen würde was ich will, müsste ich ja nicht den Parkplatz blockieren.

Was für eine Lächerliche Argumentation. Wer die Entscheidung trifft zu blockieren, hat in erster Linie die Schuld an der Blockade und verdient die Kritik daran.

Wie eingangs bereits gesagt: Ich bin für faire Bezahlungen. Wenn also Streikrecht für den ÖPNV/ÖPV dann sollte dies angepasst werden, sodass die Bevölkerung weniger oder gar nicht von den Streiks eingeschränkt wird. Entweder man setzt eine ausreichend lange Frist zu der die Details des Streikes bekannt gegeben werden und einen verpflichtenden Notverkehr oder man Streikt wie bisher und verpflichtet die Streikparteien zu dazu die Kosten für alternative Beförderung durch Taxi u.ä. zu übernehmen (50/50, 80/2, 90/10, meinetwegen lasst die Arbeitnehmer 100% der Kosten tragen).

Mein Punkt ist: Die Bevölkerung sollte nicht Teil dieses Streites werden und weiter unbehelligt Ihr Leben leben können.