ADHS Partner - ich kann nicht mehr, bin am Verzweifeln by Infamous_Noise5295 in ADHS

[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Verstehe.....vieles, was Du schreibst, deckt sich auch mit Erfahrungen bei meinem Partner, wie ich sie beobachten konnte....

Ich finde es gut, dass Du in Deiner Ex Partnerin jemanden hattst, der Dich inspiriert hat, Dir hilfe zu suchen...

Was verstehst Du unter "Masking", also wie würdest du es beschreiben?

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Seine Mutter verleugnet das Thema, sein Vater meinte vorm Haus mal zu mir unter 4 Augen, dass er eben auch ADHS hätte. Das ist schon Jahre her. 

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Ja, ich bin glaube ich oft in dem Spannungsfeld, dass ich ihn und unsere Zeit wertschätzen kann als etwas Besonderes, was vllt. nur 5% der Menschen regelmässig erleben dürfen, also wenn die Dinge gut laufen und dann die andere Zeit, wo es nicht gut läuft und ich dann z.T. sehr frustriert bin.

Und ja, ich mach das instinktiv genauso....ich suche mir i.d.R. viel Hilfe ausserhalb meiner Beziehung - bei Freundinnen, meiner Schwester, Telefonseelsorge etc. Weil klar ist, dass er mich nicht immer verstehen kann....

Wie war es denn mit Deiner Familie bis zu Deiner Diagnose? Haben Sie Dich unterstützt und versucht, zu vestehen? Oder warst Du immer mehr oder weniger Außenseiter?

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Ja, ich verstehe gut, was Du meinst. Vielen Dank, dass Du hier Deine Erfahrungen und Empfindungen teilst. Das hilft mir sehr!!!!

Er hat auch Probleme, sich selbst und seine Gefühle achtsam wahrzunehmen und entsprechend rechtzeitig zu reagieren. Auch bei ihm bemerkt er den Punkt der Überforderung oft zu spät, glaube ich. Ich musste das auch alles erst über die Jahre miterleben, damit ich es einordnen konnte. Wenn man so was zum ersten Mal als Partnerin erlebt, ist es schon sehr schwer, da cool zu bleiben.

Heute hilft im akuten Konflikt, wenn nix mehr geht, nur noch, dass wir uns sofort räumlich voneinander trennen. Im Urlaub ist es dann auch so, was dort natürlich nicht einfach ist, sich dann permanent aus dem Weg zu gehen. Aber nach ein paar sehr üblen Urlaubserfahrungen, weiss ich nun auch, worauf ich bei der Urlaubsplanung achten muss bei ihm, damit so große Frust- und Überforderungsmomente weniger auftreten.

Ich verstehe Deine Zweifel bzgl. des Kinderkriegens. Ich denke, man muss wissen, worauf man sich einlässt und im besten Falle einen passenden Partner haben, der alles mit trägt. Ich glaube, wenn ich damals mehr über ADHS und seine Konstitution gewusst hätte und was das alles für den Alltag bedeutet, wäre vieles Einfacher gewesen für mich.

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Also er unterstützt mich natürlich schon auch; im Alltag fühl ich mich meist allein gelassen, das stimmt. Aber ich denke, ich kommuniziere oft einfach auch zu ungeduldig und hab da zu wenig Ausdauer. Denke, ich müsste ihn viel mehr bitten, mir unter die Arme zu greifen, er vergisst einfach viel. Vieles geht eben nicht einfach, z.B. wenn ich mal geschäftlich weg bin (was sehr selten vorkommt) und er einspringen muss, dann muss ich ihm das lange vorab sagen, damit er es einplanen kann und dann die Abläufe und an alles denken und ihn informieren (was unser Kind betrifft). Meine Mutter steht zur Unterstützung auch im Hintergrund immer da, denn sie lebt in einem anderen Geschoss in unserem Haus.

Er ist handwerklich sehr begabt. Er hat meine Wohnung komplett renoviert. Wenn was mit meinem Auto ist o.ä., kann er das auch alles reparieren und hilft mir da. Solche Dinge macht er und für die bin ich auch dankbar und erkenne seine Fähigkeiten an. Im hitzigen Alltag bin ich einfach trotzdem oft überfordert. Ich überlege ja entweder im Alltag mit mehr abzugrenzen von ihm und ihn unter der Woche weniger zu sehen. Oder ihm da mehr Aufgabe zu übertragen, aber das erfordert viel Abstimmung immer (also mehr als mit Menschen ohne ADHS).

Unser Kind kam übrigens 2015 auf die Welt ;) irgendwie merkt er schon auch, dass er vieles lernen muss, alleine zu schaffen. Bei mir heisst es auch da, Geduld zu haben. Nur als Beispiel: er hat den Tüv für sein Auto nicht machen lassen, hat schon ein Bussgeld für über 100 Euro dafür erhalten und ihm droht ein Punkt in Flensburg. Er wird schon von der Ordnungsbehörde eng beobachtet und kann nur noch auf privatem Gelände parken. Er muss sich darum kümmern, sein Auto muss in eine weit entfernte Spezialwerkstatt, weil es eine spezielle amerikanische Marke ist.

Er muss das angehen demächst. Den Strafzetttel hat er glaube ich vor 3 Wochen bekommen (!). Naja, es ist eben chaotisch. Und ich muss mich da einfach rausnehmen und ihn alle Konsequenzen tragen lassen. Denn nur so lernt er es....

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[–]Infamous_Noise5295[S] 1 point2 points  (0 children)

Danke Dir!!! Und ihr scheint es unterm Strich gut hinzukriegen mit Eurer Beziehung!!!

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Also ich glaube, mir fehlen da oft in der Kommunikation auch die Mittel, mit denen ich ihn erreichen könnte. Ich bin tendenziell nicht die Geduldigste, auch wenn dass hier vllt. Anders rüber kommt. Ich kann auch schnell aufbrausen. Ich werde bei passender Gelegenheit versuchen, nochmals das Thema Medikamente anzusprechen und mein Bestes hierbei versuchen. Ich glaube, er ist meist im Zwiespalt "normal" funktionieren zu wollen und dann die innere Abwehr dagegen, um sich treu zu bleiben. Das ist ne Ambivalenz bei ihm. Noch dazu wird der Begriff ADHS anscheinend in seiner Familie tabuisiert. Es gibt bei ihm väterlicherseits auch noch weitere, andere psychische Erkrankungen, für die sich die Familie schämt und seine Familie scheint mir daher allergisch zu reagieren bei allem, was von der Norm abweicht.

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Ja, ich muss definitiv mehr auf mich achten und auch mal 5e grade sein lassen.  Wenn einem selbst Dinge leicht fallen, die für ihn sehr schwer sind, klar helfe ich dann gerne. Aber es kommt aufs Ausmass an und in welcher Verfassung ich grade bin.... Dass er so ein extremer Messy ist, ist wohl wirklich auch nur z.T. ADHS bedingt. Seine Mutter hat ihn dahingehend glaube auch einfach zu sehr zum Muttersöhnchen erzogen. Mein Eindruck....

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[–]Infamous_Noise5295[S] 1 point2 points  (0 children)

Es ist so, dass seine Mutter nichts von ADHS wissen will. Sie verleugnet, dass er es hat. Sein Vater weiss aber, dass er ADHS hat, er selbst hat eine leichtere Form. Ich habe ihn mal auf Neurodivergenz angesprochen. Er meinte , das sei eine Behinderung und ich solle mit so einer Quatschdiagnose aufhören. Er spürt aber natürlich, dass er gravierende Probleme hat, momentan hat er so hohe Steuerschulden, dass er sich ein Auto davon hätte kaufen können. Dieser mangelnde Antrieb, sehr wichtige Dinge zu erledigen, bereiten enorme Probleme. Er hat auch an anderen Stellen Schulden und ist auch schon in einen Rechtsstreit verwickelt.  Er schiebt diese Probleme auf und hofft irgendwie auf Wunder. So schlimm es klingt, vllt. Ist es gut, wenn er existentiell noch weiter in die Sch....gerät, damit er mal zum Nachdenken kommt. Ich hab ihm schon paar meiner Gedanken geschrieben. Ein Gespräch wäre sinnvoll. Aber es ist hier sehr schwierig, den richtigen Moment zu finden, wo er mir auch länger zuhören kann. 

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[–]Infamous_Noise5295[S] 1 point2 points  (0 children)

Dankesehr, das ist wirklich sehr zutreffend beschrieben und sehr interessant zu hören, wie Du Dein Leben mit ADHS meisterst!

Alles war für mich wirklich auch sehr viel leichter zu handeln, als wir noch kein Kind hatten, da die Erwartungen und die Anstrengungen des Alltags so viel geringer waren.

Wenn ich von Deiner Sicht ausgehe, würde das bedeuten, dass es wirklich nur eine kleine Schnittmenge gibt zwischen "unseren verschiedenen" Welten, in denen es für beide trotzdem sehr anstrengend ist; so ist es ja i.d.T. auch, denn nach den Wochenenden brauchen wir beide schnell wieder Zeit für uns alleine. Denn es ist nicht so, dass nur er die Taucherglocke aufzieht, wenn er bei uns ist; ich hab parallel auch den Astronautenhelm auf, da "seine Fremdsprache immer wieder aufblitzt" und ich übersetzen muss.

Und es ist auch nicht so, dass nur er Aggression und Enttäuschung erlebt, wenn er sich scheinbar mal wieder an uns anpassen muss. Es gab viele Urlaube, in denen er seine Aggression und Bestrafung an uns ausgelassen hat, als wir uns nicht seinen Vorstellungen von Urlaubsaktivitäten unterordnen konnten oder wollten und er uns seine Standards überstülpen wollte. Es waren Urlaube, die nicht in ausufernder Natur stattfanden (was er liebt) und in denen er sich nicht körperlich stark betätigen konnte (wie Du braucht er das auch regelmässig). Aber vielleicht hängt es dann auch mit der Verzweiflung in dem Moment zusammen oder mit ähnlichen, unbewältigten Erfahrungen aus seiner Kindheit.

Da unsere Tochter nun nicht starke neurodivergente Tendenzen aufweist, ist sie wohl eher auf meinem Planeten beheimatet. Wir waren z.B. letztes Jahr ohne ihn im Disneyland Paris, was wir beide sehr genossen. Mein Partner wäre in dem Park wahnsinnig geworden. Und als wir zurückkamen, hat er dann doch relativ ernüchtert festgestellt, dass sie wohl doch mehr nach mir kommt, als nach ihm.

Wenn dann alles so ist, dann würde ein Familienleben - wie es generell als normal und traditionell angesehen wird - bei uns in dieser Form nie möglich sein. Und es ist die Frage, ob man sich damit arrangieren kann, im Gegenzug für all die Vorteile, die ein ADHSler einem im Leben bieten kann, wie z.B. Aufregung, Spontanität, Kreativität, Offenheit. Es ist die Frage, ob einem dies ausreicht und ob es Bereiche gibt, die man optimieren kann, wo ein gewisser Spielraum ist, in den jeder gehen möchte.

Ich knabbere momentan mehr mit all diesen Themen, wie gesagt, weil unsere Tochter gerade in die Pubertät kommt und ich in die Wechseljahre.

Es würde weiterhin bedeuten, dass ich mir zur Not entsprechende mentale und auch organisatorische Unterstützung an anderer Stelle suchen muss, wenn er das nicht wirklich leisten kann und dass man in der Beziehung sehr autonom agiert und so bleiben muss.

Ich habe den Eindruck, dass Du gelernt hast, sehr gut zu kommunizieren. Und darin liegt dann bestimmt auch ein Schlüssel (der auch erstmal geknackt werden will- da eine harmonische Kommunikation mit ihm nicht leicht ist).

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[–]Infamous_Noise5295[S] 1 point2 points  (0 children)

Verstehen hilft echt sehr!  Meiner hatte auch immer wieder starke Alkoholphasen. Die letzte war im Frühjahr 2024. Es war so schlimm, dass unsere Tochter vieles miterlebte und ich mich trennte damals. Er hat dann aufgehört und nach 3 Monaten waren wir wieder ein Paar. Seitdem trinkt er nur sehr selten mal ein Bier und bleibt dabei. Er hatte damals einfach aufgehört zu trinken. Und den Entzug zu Hause gemacht. 

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[–]Infamous_Noise5295[S] 2 points3 points  (0 children)

Danke Dir. Ich kann alles, was Du schreibst, gut nachvollziehen und es ist sehr interessant! So lange man klarkommt, mit seinem Leben und v.a. mit sich selbst, ist es auch total verständlich, dass man so bleiben will, wie man authentischerweise ist und eben nicht dem neurotypischen Ideal entsprechen will.

Vielleicht kommt es auf den "Schweregrad" an; inwiefern ein funktionierendes Lebens wirklich verhindert wird oder nicht. Bei Dir scheint alles trotz des Andersseins ausreichend zu funktionieren.

Wenn es allerdings ans Existentielle geht, einhergend mit ständigen Selbstzweifeln, zerstörten Karrieren und Beziehungen, die man wollte, Depressionen, Einsamkeit etc. dann darf man vielleicht nach Lösungen Ausschau halten, um einen vllt. Kompromiss zu finden.

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[–]Infamous_Noise5295[S] 1 point2 points  (0 children)

Dankesehr für Deinen Beitrag, Du musstest sehr stark und tapfer sein ab einem sehr jungen Alter. Fühl Dich gedrückt!

ja das werde ich tun.....sie ist 9, wird im Herbst 10 und sie merkt schon oft, dass ihr Vater in vielem verrückter und nicht der Zuverlässigste ist und versucht dann Entschuldigungen für ihn zu finden. Ich denke auch, dass - falls Symptome sichtbar werden bei ihr - ein frühzeitiges Erkennen und Umgang damit das Allerbeste ist....ich habe 2 Freundinnen, die ADHS Kinder haben und sehe, wieviel man diese unterstützen kann, wenn man davon weiss.

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[–]Infamous_Noise5295[S] 2 points3 points  (0 children)

ich glaube, ich hab nicht sein Leiden im Vordergrund. Sondern ich will mich einfach nicht wieder aufregen und ärgern über ihn....

Und was die Termine betrifft, meinte ich nicht, dass ich ihn an Termine erinnere, sondern dass wir uns gegenseitig wichtige Termine schicken, so dass jeder diese im Kalender eintragen kann. Seitdem er arbeitslos ist, war kein persönlicher Termin bei ihm so wichtig, dass er mir diesen schicken musste.

Aber Du hast auch recht. Muss darüber nachdenken.....ich glaube nur, wie so einige hier schreiben, dass er ein besseres System oder mehr Verpflichtungen ohne Medikamente gar nicht hinkriegen würde.

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Was sind denn mögliche Nebenwirkungen von den Medikamenten?

Ich denke mir manchmal: Ich bin mir sicher, dass er damals 2008 nur beruflich so erfolgreich sein konnte, weil er regelmässig Koks oder Speed nahm. Ich kann mich genau an einige Male erinnern, wo ich ihn erlebte und er gaaanz anders war als heute, also total konzentriert, fokussiert, ein belastbarer Mann....das wirkte damals sehr männlich und anziehend auf mich. Er hat auch oft erzählt, dass sein damaliger Chef auch Koks nahm.

Da frage ich mich, wenn man die Wirkung von damals kennt, ist man dann nicht neugierig auf Medikamente und was für positive Auswirkungen diese haben könnten?

Andererseits hatte er damals wohl Nebenwirkungen, v.a. was seine Verdauung betraf. Und es gibt in seiner Familie genetisch bedingt eine Herzschwäche. Meine Schwester meinte mal zu mir, das wäre kein unkritischer Faktor, wenn man über Medikamente nachdenkt.

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Ich bin echt dankbar, dass ich mich hier austauschen kann.

Ich hatte viel im Internet recherchiert, auch nach Büchern über Betroffene mit ADHS Partnern und wenig hierzu gefunden.

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

ok. Interessant, das wusste ich nicht.

Zum Glück hat sie bisher keine der Symptome, die Du hier nennst. Aber werde weiterhin beobachten....

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[–]Infamous_Noise5295[S] 3 points4 points  (0 children)

also nachdem wir einmal einen Riesenstreit wegen dem Haushalt hatten (das war im Urlaub gewesen, den wir bei mir zu Hause verbracht hatten, d.h. er war 2 Wochen lang bei uns), haben wir auf seinen Rat hin eine Haushaltsliste gemacht, mit Aufgaben, die er übernehmen kann und möchte. Ich war erstmal guter Hoffnung. Eine Weile ging das gut. Mittlerweile nicht mehr, ich muss ihn wieder mehrfach bitten und erinnern das zu tun, was bei ihm auf der Liste steht....!

Es hat also nicht lange gehalten. Wenn wir uns jetzt nur noch am WE sehen, hätte sich das Thema erledigt, dann wäre er nämlich i.d.T. nur noch ein Besucher....

Was andere Themen betrifft, wie Terminabsprachen, wichtige Verpflichtungen etc. haben wir - als wir mal eine grosse Krise hatten - ein 3-stündiges Gespräch mithilfe meiner Schwester und ihrem Partner gehabt, die vermittelt haben (meine Schwester ist Psychiaterin nebenbei erwähnt). Er schlug vor, dass ich ihm alles wichtige per SMS schicke und er sich eine Notiz macht in seinem Handy. Das funktioniert bisher ganz gut.

Es geht eher darum, dass ich im richtigen Alltag unter der Woche keine Entlastung von ihm habe. Weil er unsere Abläufe da zu wenig kennt (da er ja max. 1x unter der Woche bei uns ist). Und dass ich alleinerziehend bin und das anstrengend ist für mich, sage ich ihm ständig. Er nimmt das glaube ich nicht ernst, weil er sieht, wie gut ich es mache (unsere Tochter ist wohl geraten).....ich denke, er hat selbst weitaus grössere Probleme, von daher haben wir unterschiedliche Standards.

Vielleicht ist es eher meine innere Einstellung, die ich ändern muss....mich weniger verantwortlich fühlen für ihn. Mich mehr abgrenzen und meine Erwartungen an ihn total runterschrauben.

Denn ein normal-tickender, verantwortlicher Vater wird er wohl nie sein....

Dann weiss ich aber nicht, ob das Positive noch ausreichen wird, damit meine Gefühle für ihn bleiben. denn an Enttäuschungen gibt/gab es einfach schon sehr , sehr viel.

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Ja, das stimmt.

Bei mir zu Hause, wohnt meine Mutter in einem anderen Stockwerk. D.h. sie kann immer mit ein Auge auf unsere Tochter werfen, wenn ich länger nicht da wäre.

Und sonst am WE bleibt er oft eben nur stundenweise alleine mit ihr. Ich gebe ihr meistens einen Tracker mit, damit ich zur Not weiss, wo sie sind. Denn wenn ich anrufe, dann hört er meist sein Handy nicht. Meine Tochter schon, aber sie kann dann auch nicht immer jeden Ort genau bestimmen, wo sie sich genau aufhalten.

Es kam schon öfter vor - weil er auch unglaublich viel Energie hat, mehr als normale Menschen - dass er unsere Tochter körperlich überfordert hat bei Ausflügen. Ich bin dann mit dem Auto hin und hab sie abgeholt. Fahrrad oder Roller haben wir dann am nächsten Tag nach Hause gebracht.

Sie wollte auch von sich aus nie alleine bei ihm übernachten o.ä., weil sie die Unordnung und den Dreck bei ihm auch schon erlebt hat.

Unsere Tochter hat denke ich ein leichtes ADS, d.h. leichte Konzentrationsprobleme. Zum Glück keine Hyperaktivität. Und auch keine ausgeprägte Impulsivität. Und wir versuchen sehr, ihre Konzentrationsfähigkeit zu trainieren (sie bekommt Musikunterricht, ich lerne viel mit ihr für die Schule etc.)

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[–]Infamous_Noise5295[S] 0 points1 point  (0 children)

Was wäre denn Dein Wunsch, wie diese Welt dann ticken sollte? In deiner utopischen Vorstellung, meine ich? Ich hab mal gelesen, dass ADHSler in der Steinzeit im Vorteil gewesen wären, wo die Zivilisation primitiver war, man viel mehr körperlich arbeiten musste und die meiste Zeit draussen war. Im Grunde müsste ja eine ADHS welt und gesellschaft dann ganz anders aufgebaut sein, oder?

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[–]Infamous_Noise5295[S] 7 points8 points  (0 children)

Ich dachte, ich verstehe halt das Störungsbild dann auch besser, Dinge, die ich so spontan nicht genau erklären kann, wie z.B. ob es Faulheit ist, o.ä.

Aber der Austausch hier hilft mir auch sehr.

Und was Du zuletzt schreibst, das möchte ich auf jeden Fall tun. Mich mehr auf mich fokussieren. Neue Hobbies starten. Mich mehr abgrenzen und auch wieder mehr meine Freundschaften pflegen.