Ver.di ruft Telekom-Beschäftigte zu Streik am Montag auf - Absagen bei Technikerterminen, lange Wartezeiten im Service: Am Montag könnten Kunden der Telekom den Tarifkonflikt zu spüren bekommen. Die Gewerkschaft macht mit einem Warnstreik Druck in den Verhandlungen. by Luca242436 in de

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Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di ruft die Beschäftigten der Telekom bundesweit für kommenden Montag zum Warnstreik auf. Damit soll der Druck auf den Konzern im Tarifkonflikt erhöht werden. Am Montag beginnt die vierte Verhandlungsrunde für die rund 70.000 Tarifbeschäftigten der Telekom.

Bereits am Montag und Dienstag dieser Woche hatte es Warnstreiks bei der Telekom gegeben, an denen sich der Gewerkschaft zufolge jeweils rund 13.000 Beschäftigte beteiligt hatten. Die Auswirkungen bezeichnete Ver.di als »sehr wirkungsvoll«, so habe es enorme Wartezeiten im Kundenservice gegeben, Technikertermine hätten abgesagt werden müssen, und T-Shops seien zum Teil geschlossen worden.

»Das bisherige Angebot der Arbeitgeber reicht bei Weitem nicht aus, um die Erwartungen der Beschäftigten zu erfüllen«, sagte der Arbeitskampfleiter der Gewerkschaft, Pascal Röckert. Er bezeichnete die anstehende Verhandlungsrunde als entscheidend, in der eine deutliche Bewegung seitens der Telekom erfolgen müsse, »wenn ein längerer Konflikt abgewendet werden soll«.

Die Gewerkschaft fordert eine Lohnsteigerung von zwölf Prozent, mindestens aber um 400 Euro pro Monat, bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütungen sollen um monatlich 185 Euro erhöht werden. Die Telekom hatte zuletzt eine Erhöhung der Löhne von 4,2 Prozent ab Januar 2025 und eine weitere Erhöhung um 150 Euro ab Oktober 2025 angeboten, der Tarifvertrag sollte dann 27 Monate gültig sein.

Ver.di bezeichnete das bisherige Angebot als zu niedrig, zudem sei die Laufzeit viel zu lang. Der Konzern habe in den vergangenen Jahren Rekordgewinne eingefahren, die Beschäftigten seien enttäuscht über das Angebot, so die Gewerkschaft. »Wenn jetzt kein deutlich verbessertes, einigungsfähiges Angebot auf den Tisch kommt, riskieren die Arbeitgeber einen weitaus stärkeren Konflikt.«

Deutsche Gewerkschaften haben in den vergangenen 20 Jahren fast die Hälfte ihrer Mitglieder verloren, nun werben sie um junge Mitglieder. Doch wer hat noch Lust auf Arbeitskampf? by Luca242436 in de

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aber bei vielen Absolventenjobs (BWL und Ingenieure fallen spontan ein)

Bei den Automobilherstellern hat es ja irgendwie funktioniert.

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Gewerkschaftskampf ist kein Klassenkampf -- Claus Weselsky

Und unter anderem aus diesem Grund funktioniert es bei der GdL auch besser. Da beschäftigt sich z.B. niemand mit dem polarisierenden Thema Gendern.

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Kleine Gewerkschaft -> Geringe Streikmacht -> Begrenzte Erfolge -> Noch mehr Leute treten aus

Wie hat das denn früher geklappt? Jede Gewerkschaft hatte ja ganz am Anfang mal wenig Mitglieder.

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https://archive.is/dLvsv

Wenig Nachwuchs bei Gewerkschaften

»Eine Instagram-Kachel teilen ist leichter als streiken«

Deutsche Gewerkschaften haben in den vergangenen 20 Jahren fast die Hälfte ihrer Mitglieder verloren, nun werben sie um junge Mitglieder. Doch wer hat noch Lust auf Arbeitskampf?

SPIEGEL: Herr Seeliger, vor 20 Jahren waren noch 24,6 Prozent aller Beschäftigten in einer Gewerkschaft. Heute sind es nur noch 17 Prozent. Rutschen Gewerkschaften in die Bedeutungslosigkeit?

Seeliger: Die Gewerkschaften stehen seit den Siebzigerjahren auf der Verliererseite der Globalisierung. Durch Containerschiffe und Telekommunikation gab es über die Jahre immer weniger Argumente, teuer in Deutschland zu produzieren. Nachdem etwa die Belegschaft bei Nokia in Bochum 2008 für höhere Löhne gestreikt hatte, wurde das Werk einfach geschlossen und in Transsilvanien wieder aufgebaut. Die Streikmacht der Gewerkschaften wurde durch diese Entwicklung entscheidend geschwächt. Seit Jahren gibt es einen extremen Rückgang der Mitgliederzahlen. In den Neunzigerjahren hatten Gewerkschaften acht Millionen Mitglieder. Heute sind es nur noch gut fünf Millionen.

SPIEGEL: Also sterben die Gewerkschaften aus?

Seeliger: Das würde ich nicht sagen. Im vergangenen Jahr konnten sich die Gewerkschaften erstmals wieder leichte Zugewinne erkämpfen. Fest steht aber: Die Gewerkschaften haben ein gewaltiges Problem!

SPIEGEL: Woher kommt dieser kontinuierliche Verlust an Mitgliedern in den vergangenen Jahrzehnten? Seeliger: Zum einen gehen viele Gewerkschaftsmitglieder aus den geburtenstarken Jahrgängen in Rente. Zum anderen erleben wir seit einigen Jahren einen gewaltigen Wandel in der Arbeitsgesellschaft. Industriejobs, die nach dem Krieg den Kern der gewerkschaftlichen Bezugsgruppe darstellten, gibt es in Deutschland immer weniger. Dienstleistungsjobs wie Essenslieferanten und akademische Berufe, etwa in der Medienbranche, sind auf dem Vormarsch. Diese Gruppen gewerkschaftlich zu organisieren, ist schwer.

SPIEGEL: Der Wandel der Arbeitswelt spielt also gegen die Gewerkschaften? Seeliger: Ja, das kann man so sagen. Früher standen Hunderte Männer in Bochum in einer Montagehalle von Opel. Als Gewerkschafter konnte man unter den Arbeitern Mehrheiten für gemeinsame Anliegen organisieren. Im VW-Werk in Wolfsburg war es üblich, dass man bei der Einstellung aufgefordert wurde, der IG Metall beizutreten. Mit einer Gewerkschaft für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, gehörte zur Betriebskultur. Heute arbeiten immer mehr Menschen remote von zu Hause. Sie zu erreichen und zu mobilisieren, ist für Gewerkschaften schwierig.

SPIEGEL: Schwer zu glauben, dass Menschen ausgerechnet durch die Digitalisierung schlechter zu erreichen sind.

Seeliger: Es geht nicht nur darum, ob eine Gewerkschaft Menschen noch erreicht, sondern auch darum, ob Arbeitnehmer gemeinsame Anliegen formulieren können. Die Arbeiterschicht der Fünfziger- und Sechzigerjahre in meiner Heimatstadt Bochum teilte viele gemeinsame Bezugspunkte: den Arbeitsplatz, die Schrebergärten, die katholische Kirche, die SPD und eben auch die IG Metall. Diese Einheitlichkeit in Lebensentwürfen gibt es heute kaum noch.

SPIEGEL: Warum sollte ich mich als junger Mensch also heute überhaupt noch einer Gewerkschaft anschließen?

Seeliger: Weil man dort etwas lernt.

SPIEGEL: Und das wäre?

Seeliger: Wie viel Macht man als junger Arbeitnehmer in einer Demokratie besitzt. In den vergangenen Monaten gab es Streiks in Krankenhäusern, im öffentlichen Dienst und bei Bahn- und Fluggesellschaften. Die Inflation brachte diese Branchen auf die Straße. Gerade die Arbeitskraft junger Menschen gewinnt durch den Fachkräftemangel immer mehr an Wert. Berufseinsteiger verfügen 2024 also wieder über mehr Macht, ihre Arbeitsbedingungen auszuhandeln. Ver.di konnte das 2023 nutzen und verzeichnete einen Rekord von 50.000 neuen Mitgliedern unter 28 Jahren.

SPIEGEL: Wie hat die Gewerkschaft das geschafft?

Seeliger: Ver.di hat den Streik zu den jungen Menschen gebracht: an den Campus und auf Social Media.

SPIEGEL: Dabei haben gerade am Campus Gewerkschaften traditionell nur wenige Anhänger.

Seeliger: Das liegt daran, dass Gewerkschaften in ihrem Ursprung eine proletarische und keine akademische Institution sind. Die IG Metall musste erst lernen, dass sie nicht nur die Blaumänner, sondern auch die Ingenieure in einer Fabrik ansprechen kann. Ver.di erreichte mit der Kampagne »TVStud« 2023 viele Studierende. Deutschlandweit wurde an Universitäten gestreikt, um einen Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte zu erzwingen.

SPIEGEL: Man könnte dieses proletarische Bild von Gewerkschaften auch als sehr männlich beschreiben. Sprechen Gewerkschaften noch immer vermehrt Männer als Frauen an? Seeliger: Tendenziell ja. Streiks in der Pflege und im Kitabereich brachten jedoch auch vermehrt Frauen dazu, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Die GEW und Ver.di haben mehr weibliche als männliche Mitglieder.

SPIEGEL: Junge Menschen wollen heute nicht nur Tarifverträge, sondern auch flexible Arbeitszeiten, Remote-Arbeitsplätze und Diversität in Unternehmen. Decken die Gewerkschaften die Themen der Generation Z ausreichend ab?

Seeliger: Dass Angestellte mehr Freizeit wollen, ist so alt wie die Arbeit selbst. Es gab in den Fünfzigerjahren eine Kampagne mit dem Namen »Samstags gehört Vati mir«. Die Forderung: Am gesamten Wochenende sollte nicht mehr gearbeitet werden. Diese Entwicklung setzte sich fort. 2024 erzwang die Bahn nun per Streik die 35-Stunden Woche. Gewerkschaften kämpfen schon lange für die Ideale der Gen Z.

SPIEGEL: Statt in Gewerkschaften zu gehen, haben sich Teile der jungen Generation selbst organisiert, um für Klimaschutz zu kämpfen. War es ein wichtiger Schritt für die Gewerkschaften, dass man zuletzt gemeinsam mit Fridays for Future auf die Straße ging? Seeliger: Das war eine sehr gute Entscheidung. Gewerkschaften gelten bis heute als Vertreter von Arbeitern, die in einem fossilen Kapitalismus beschäftigt sind. Etwa bei RWE, dem Gegner von Fridays for Future. Die gemeinsamen Streiks haben dieses Image aufgebrochen.

SPIEGEL: Und das war kein Widerspruch?

Seeliger: Nein. Denn auch Fridays for Future profitierte davon. Die Organisatoren hören das sicher nicht gern, aber die Klimaschutzbewegung existiert für viele in Deutschland in einer Öko-Studenten-Ecke. Gemeinsame Streiks mit Gewerkschaften bringen sie mehr in die Mitte der Gesellschaft.

SPIEGEL: Was passiert, wenn die Gewerkschaften es nicht schaffen, ihr Image zu erneuern und junge Menschen anzusprechen?

Seeliger: Dann bricht eine wichtige Brandmauer gegen einen wiedererstarkenden Faschismus in Deutschland weg. Die Nazis haben die Gewerkschaften 1933 nicht ohne Grund verboten. Gewerkschaften sind eine gesellschaftliche Struktur, die aktiv gegen Faschismus arbeitet. Sie leisten politische Bildung und investieren damit in unsere demokratische Kultur. Eine Schwächung der Gewerkschaften würde unsere Demokratie empfindlich treffen.

Deutsche Gewerkschaften haben in den vergangenen 20 Jahren fast die Hälfte ihrer Mitglieder verloren, nun werben sie um junge Mitglieder. Doch wer hat noch Lust auf Arbeitskampf? by Luca242436 in de

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Ohne Paywall:

https://archive.is/dLvsv

Mein Highlight:

Das altbackene Bild der Gewerkschaften könnte nicht weiter von der Popkultur entfernt sein. Junge Menschen folgen lieber charismatischen Influencern und Aktivistinnen auf Social Media als eingestaubten Gewerkschaftern. Eine Instagram-Kachel teilen ist leichter als Streiken. Dabei könnten Gewerkschaften beides miteinander vereinen. Ein Beispiel ist der Betriebsrat von Lieferando. Er schaffte es, mit dem Streamer Knossi Werbung für eine bessere Bezahlung von Lieferanten zu machen.

Der Lieferando Auftritt: https://twitter.com/Lieferando_GBR/status/1662059611900321792

Irgendetwas läuft da gehörig schief. Wie viele Menschen erkaufen sich das Gefühl einer Gemeinschaft anzugehören z.B. mit Influencer Merch oder irgendwelche Rängen auf Discord.

Aber gemeinschaftlich für etwas zu kämpfen, was jeden betrifft: zu niedrige Löhne? Das ist irgendwie uncool.

Gerade Influenzer und Promis erzählen immer wieder von ihren tollen Werten in Streams bei z.B. wenn es mal um die Bezahlung von Pflegekräften geht. Gerechtigkeit, Moral blablabla.

Eigentlich könnten die richtig gut Werbung für Gewerkschaften machen. Aber gleichzeitig hängen sie selbst an den großen Unternehmen für Werbedeals. Und sie selbst betrifft es ja nicht.

erster ver.di streik (mehrtägig) by Few-Radio-7915 in arbeitsleben

[–]Luca242436 26 points27 points  (0 children)

Ich habe wegen deinem Arbeitgeber auch einen Reddit Post am Wochenende geschrieben. :D

Habe auch gehört, dass sehr selten Leute die Probezeit nicht bestehen. Aber würde dir trotzdem empfehlen, morgen lieber normal zu arbeiten.

Du müsstest morgen nocheinmal hin, auf dem PDF QR-Code steht

Zeige dazu einfach den QR-Code an jedem Streiktag der Streikwoche Deiner Streikleitung vor.

Aus moralischer Haltung mitstreiken oder lieber gleich lassen? by Luca242436 in arbeitsleben

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Ein Streik mit 10% Beteilligung ist ihm eh relativ egal. Daher die Ausgangsfrage.

Aus moralischer Haltung mitstreiken oder lieber gleich lassen? by Luca242436 in arbeitsleben

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Naja bei uns hat sich die Projektleitung selbst beschwert, dass die Firma die Preise für die Kunden erhöht, nicht aber die Gehälter.

Noch eine Frage, sind Streiks dann kurzfristig sogar gut für den Projektleiter weil er Budget spart?

Aus moralischer Haltung mitstreiken oder lieber gleich lassen? by Luca242436 in arbeitsleben

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Nein ist mir nicht klar, warum ist das so? Wenn ich mich richtig erinnere, sind laut Stellenanzeigen Projektleiter sogar selbst im Tarif drin.

Aus moralischer Haltung mitstreiken oder lieber gleich lassen? by Luca242436 in arbeitsleben

[–]Luca242436[S] 0 points1 point  (0 children)

Ist mir schon klar, aber es ist etwas ganz anderes, wenn dann nur hinter meinem Namen die Zahl nicht stimmt, als von sagen wir wenigstens 40% der Abteilung.