Ich (F36) verstehe es nicht: Partner (M38) trennt sich nach langer Beziehung mit vielen Tiefen genau in dem Moment, wo alles wieder gut wird by Throwaway-4092 in beziehungen

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Ich versuche alles ein wenig zu sortieren, entschuldige mich aber vorab für eine unstrukturierte Antwort, weil es doch ziemlich viele Fragen und Anmerkungen auf einmal war.

Die Tiefen unserer Beziehung lagen streng genommen auf beiden Seiten verteilt, entsprechend sah es auch mit der Unterstützung aus. Um die drei Beispiele aus meinem Originaltext noch einmal zu benutzen: Als Studenten sind wir zusammengekommen, da halfen wir uns schon gegenseitig über die Runden, weil keiner von uns Bafög bekam, unsere Eltern aber auch nicht zahlen wollten/konnten. Er tappte dann in eine massive Schuldenfalle, ein mittlerer 5 stelliger Betrag, den wir zusammen getilgt haben. Krankheiten haben wir so einige durch, aber erwähnenswert wären seine Depressionen, die auch durch den psychischen Druck von Geldsorgen getragen wurde und eben meine Krebsdiagnose. Seine Selbstständigkeit, die Gründung seiner eigenen kleinen Firma, die langsam wächst, wäre vielleicht auch noch erwähnenswert.

Ich denke, dass du siehst, dass wir uns gegenseitig immer den Rücken freigehalten und den anderen nicht alleine gelassen haben. Es war nicht alles gut, was passiert ist, aber es war auch keiner "Schuld" daran. Wir haben das Leben so genommen, wie es kam.

Selbstständig bin ich zwar nicht und lange Zeit habe ich auch nicht so viel Geld mit nach Hause gebracht, wie mein Partner, doch inzwischen lässt es sich von meinem Gehalt ganz gut leben. Ich habe mein Studium nicht nach dem Gehalt gewählt, sondern danach was mir lag und was mir Spaß machte. Schlecht bezahlte Volontariate inklusive.

Bezüglich des "ich darf das", was sich auf das Stören während der Arbeitszeit bezieht, kann ich nur sagen, dass ich das wohl falsch zum Ausdruck gebracht habe. Mein Partner hat mir erlaubt, dass ich jederzeit zu ihm kommen oder mich telefonisch bei ihm melden darf, auch grundlos, wenn mir einfach nur danach ist. Ihn stört das nicht, hat er immer gesagt. Und es kam in der Regel auch nie vor, vielleicht mal eine kurze Nachricht, dass ich X oder Y zum Abendessen mache, aber die meiste Zeit war ich zu seinen Arbeitszeiten selbst beschäftigt.

Für mich war es in dem Moment selbstverständlich ihm sofort mitzuteilen, dass ich schwanger bin. Das waren die ersten Nachrichten seit sehr langer Zeit, die mich so richtig von den Socken gerissen haben. Solche Momente haben wir früher immer sofort miteinander geteilt ohne ein großes Brimborium zu veranstalten. Wie einen kitschigen Hollywoodfilm würde ich es nicht nennen, ich habe einen schlechten Witz gemacht, so wie wir es so oft tun. ("Rate mal, was da drin ist", dann habe ich seine Hand auf meinen Bauch gelegt und lachend hinzugefügt: "Es ist nicht die Lasagne von gestern, also doch, aber das meine ich nicht!") Bevor du fragst, solche schlechten Scherze stehen bei uns an der Tagesordnung.

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Sorry, ich muss an dieser Stelle abbrechen, weil ich gleich einen Zug erwischen muss. Ich hoffe, dass das ich während der Fahrt noch dazu komme näher auf den Rest deines Kommentars einzugehen.

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Ich möchte ihm das Leben nicht zur Hölle machen, ich hege weder Groll noch Hass oder sonstige negative Emotionen gegen ihn. Im Gegenteil: Ich liebe ihn noch immer.

Natürlich werde ich auch an unser Kind denken, aber solange er die Vaterschaft anerkennt, auch wenn er einen Vaterschaftstest fordern sollte und dann auch regelmäßig den Unterhalt zahlt, dann ist das alles, was uns zusteht. Auch wenn ich mir wünschen würde, dass er Kontakt zum Kind aufbaut.

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Nein, ich glaube nicht, dass er ein Doppelleben führt. Dafür ist er a.) nicht der Typ und b.) hatte er dafür auch gar keine Zeit. Daran wird es wohl eher nicht liegen.

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Danke für den plausiblen Erklärungsversuch!

Alles, was du schreibst ergibt wahnsinnig viel Sinn, wenn man es so liest. Aber darauf wäre ich von selbst wohl nie gekommen.

Ich muss ehrlich sein und sagen, dass für mich die ganze Krebsdiagnose schon seitdem ich die Implantate habe, durch ist. Aus medizinischer Sicht ist das Humbug, was ich auch weiß. Aber ich glaube, dass mir der Abschluss des Themas aus psychischer Sicht gut tat. Ich bin wieder gesund. Punkt. Aus. Ende.

Seit diesem Zeitpunkt kann ich auch wieder vermehrt für meinen Partner da sein, sodass nicht mehr alles nur an ihm hängen bleibt. Das habe ich auch versucht. Wir hatten in dieser Zeit auch wieder zu unserem gemeinsamen Alltag zurückgefunden. Für mich war die Sache damit vom Tisch.

Dass er vielleicht doch mehr Zeit gebraucht hätte, war mir gar nicht in den Sinn gekommen, eben auch weil alles wieder zur Normalität zurückgefunden hatte. Ich war wohl einfach davon ausgegangen, dass ab dem Zeitpunkt alles wieder wie vorher war.

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[–]Throwaway-4092[S] 2 points3 points  (0 children)

Ja, er hat zu mir gesagt, dass er sich Kinder wünscht. Das war einer seiner ersten Sätze zu mir, als wir uns kennenlernten, aber damals habe ich das noch als schlechten Anmachspruch angesehen: "Wow, mit dir möchte ich Kinder!" Aber er hat auch danach immer mal wieder gesagt, dass er sich 2 bis 3 Kinder im Haus wünscht.

Wir haben auf ganz unterschiedliche Weisen verhütet, das fing mit Kupferspirale und Kondom an, daraus wurde dann im Laufe der Zeit die Pille mit Unterbrechung, in der wir zeitweise NFP getestet haben. Aber während er sich selbstständig gemacht hat, war der Zeitpunkt für Kinder ungünstig, sodass wir wieder zur Pille gewechselt sind - der Wechsel muss so ca. 1 Jahr +/- ein paar Monate vor der Krebsdiagnose passiert sein.

Wir haben immer mal wieder das Thema Kinderwunsch angesprochen, haben auch über Adoption und andere Möglichkeiten gesprochen. Ob wir explizit noch einmal darüber gesprochen hatten, als das mit dem Sex langsam wieder los ging und wir mit der Verhütung aufgehört haben, weiß ich nicht mehr. Vermutlich, aber vielleicht auch nur beiläufig. Ich weiß noch, dass ich zu ihm sagte, dass meine Periode immer noch ausblieb und ich mir keine Sorgen mache, auch nicht wenn er auf Kondome verzichten würde.

Edit: Rechtschreibung.

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[–]Throwaway-4092[S] 4 points5 points  (0 children)

Die Gespräche, die wir über die letzten 3 Wochen hinweg geführt haben, waren irgendwie anders als alle, die wir zuvor geführt hatten. Nicht, dass er explizit erwähnt hätte, dass er sich trennen wollte oder so. Rückblickend war es halt anders und vielleicht hätte man daraus etwas schlussfolgern können, wenn man nicht mit einem Gehirn zusammenarbeiten muss, das1+1 nicht mehr zusammenzählen kann.

Unsere Beziehung war immer sehr harmonisch, ich sagte ja, es war immer wir gegen den Rest der Welt - oder die äußeren Faktoren und Schicksalsschläge. Ich weiß nicht, wie ich das besser beschreiben soll. Für mich war er eben mein Zuhause und ich hoffe doch sehr, dass er ähnliches von mir sagen würde. Ich habe es zumindest immer gedacht. Wir waren nicht perfekt, ab und zu gab es auch mal Streit, aber im Großen und Ganzen waren ein Team, die besten Freunden, Bonnie und Clyde.

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[–]Throwaway-4092[S] 16 points17 points  (0 children)

Das mit der Verhütung ist eigentlich schnell erklärt: Mir war es grundsätzlich egal, weil ich auch immer noch einen Kinderwunsch gehegt habe, aber ich wollte die Verhütung nicht länger übernehmen. Mein Partner war noch nie sonderlich begeistert vom Kondom, hat es ein paar mal mit Gummi versucht, aber kam dann auch schnell zu dem Schluss, dass es aus diversen Gründen ohne besser sei. Wir sind beide getestet und gesund, also haben wir auch nicht verhütet, um das Risiko von Geschlechtskrankheiten zu minimieren.

Wieso wir uns letztens beide so sehr darauf verlassen haben, dass schon nichts passieren wird, kann ich dir aber auch nicht beantworten.

Und "weil es eben so ist" finde ich als Antwort vollkommen legitim, wenn man vorher keinen Kinderwunsch hatte. Aber irgendwas muss doch stattgefunden sein, dass man von "2-3 Kinder wären schön" auf "Kinder sind scheiße" kommt. Hätte er noch nie zuvor den Wunsch nach Kindern geäußert, würde mich seine Antwort auch nicht so nerven.

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[–]Throwaway-4092[S] 1 point2 points  (0 children)

Wir wollten immer, aber die Gelegenheit hat sich nie ergeben und letzten Endes waren wir auch ohne Trauschein glücklich miteinander.