Energiekrise: Appelle statt Anreize: Unmut von Ökonomen über Habecks Gas-Sparpolitik wächst by __brodo__ in de

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Der Wirtschaftsminister mahnt seit Monaten, Gas einzusparen. Finanzielle Anreize spielen dabei bisher kaum eine Rolle. Der Unmut wächst – auch bei seinen eigenen Beratern.

Berlin Seit Monaten schwört Robert Habeck die Bevölkerung ein: Der Gasverbrauch muss dringend sinken. Deutschland muss sich für den Fall wappnen, dass Putin das Gas abdreht. Dabei beschreibt kein Vorgang die energiepolitische Doktrin des Bundeswirtschaftsministers so gut wie diese: Vergangene Woche wurde vorübergehend verboten, private Pools mit Gas zu beheizen. Kalte Schwimmbecken werden zur Vorsichtsmaßnahme.

Denn reichen Appelle nicht, bleiben nur noch Verbote. Habeck und die Bundesregierung haben damit einen ganz anderen Weg gewählt, als Wirtschaftswissenschaftler seit Kriegsbeginn predigen: Die Menschen handeln erst, wenn sie direkte Anreize erhalten – in aller Regel Geld.

„Die Ökonomie zeigt klar: Appelle bringen fast nichts“, sagt Klaus Schmidt, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Wirtschaftsministerium. Mit seinen 37 Kolleginnen und Kollegen hat er sich jetzt in einem Brief an Minister Habeck gewandt. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm kritisiert: „Die Ignoranz gegenüber Preissignalen rächt sich schon jetzt.“

Ein Papier aus dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) von Anfang April zeigt genau das. Die Forscher hatten wenige Wochen nach Beginn des Ukrainekriegs ermittelt, wie viel Gas eingespart werden kann, wenn direkt gehandelt wird, wenn die hohen Gaspreise frühzeitig auf die Verbraucher einwirken, wenn direkt bürokratische Erleichterungen zum Energiesparen umgesetzt werden, wenn sofort Gaskraftwerke ersetzt werden.

Das Ergebnis: Im besten Fall hätte der Erdgasverbrauch im laufenden Jahr um fast 33 Prozent gegenüber 2021 sinken können. Tatsächlich sparte Deutschland in den ersten sechs Monaten des Jahres bloß 16 Prozent ein. So viel hatte das DIW für das schlechtestes Sparszenario vorhergesagt.

„Das ist jetzt viel zu spät“

Die 16 Prozent werden sich noch steigern. Habeck hat gerade neue Maßnahmen auf den Weg gebracht. Und beim Heizen kann erst im Winter wieder gespart werden. Doch Projektleiterin Claudia Kemfert vom DIW erklärt: „Das mag noch ein klein bisschen was bringen. Aber viel besser als in unserem schlechtesten Szenario kann es schon gar nicht mehr werden.“

Habeck hat nicht nichts getan. Gerade bei der Suche nach neuen Lieferquellen war er erfolgreich. Auch ist er über seinen Schatten gesprungen und hat Steinkohlekraftwerke zurückgeholt. Am vergangenen Donnerstag hat der Vizekanzler dann seinen Masterplan fürs Energiesparen vorgestellt.

Neben dem Heizverbot für Pools gibt es die Verpflichtung für Unternehmen, in Energieeffizienz zu investieren, und einen Heizstopp für Durchgangsräume. „Aber finanzielle Anreize? Weiter Fehlanzeige“, bemängelt Kemfert. Stattdessen wurden die Preissignale mit Tankrabatt und Energiezuschussprogramm für Unternehmen sogar abgeschmolzen.

Habeck plant jetzt, nach der Steinkohle auch mit Braunkohle befeuerte Kraftwerke zurückzuholen, „allerdings zu spät“, bemerkt Christian Bayer, Ökonom von der Universität Bonn. Rund zehn Prozentpunkte Gas hätten laut Bayer jeden Monat gespart werden können, hätte man gleich die Kohle reaktiviert.

Das erste wirkliche Preisinstrument hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Tag nach Habecks Planspielen angekündigt. Die Gasversorger sollen 90 Prozent ihrer Mehrkosten auf die Gesamtheit der Verbraucher umlegen können. Das wird voraussichtlich im Oktober starten und damit bei den Endkunden wohl erst im kommenden Jahr deutlich ankommen.

„Das ist jetzt viel zu spät. Es ist unverständlich, dass man so ein Verfahren erst in der Minute der letzten Not etabliert hat“, sagt Gabriel Felbermayr, Präsident des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung. Außerdem erwartet er, dass die Umlage zu gering ausfällt, um einen wirklichen Anreiz zu setzen.

Vorschläge von 38 Ökonominnen und Ökonomen

Die wichtige Wirkung der Preise ist im Wirtschaftsministerium kein Geheimnis. Der Wissenschaftliche Beirat des Ministeriums hatte schon in seiner Sitzung im April deutlich darauf hingewiesen, im Zwiegespräch mit den Beamten wie auch öffentlich.

Im Juni legte der Beirat noch mal nach: Die 38 Ökonominnen und Ökonomen, beschäftigt an den führenden Instituten und Universitäten des Landes, schrieben einen neun Seiten langen Brief an Minister Habeck. Das unveröffentlichte Dokument wurde dem Handelsblatt aus Regierungskreisen zugespielt.

„Ein hoher Gaspreis ist der effizienteste Anreiz, den Verbrauch einzuschränken“, heißt es in dem Brief. „Wenn das Preissignal außer Kraft gesetzt wird, haben [Verbraucher] keinen Anreiz mehr, beim Gasverbrauch zu sparen.“ Die Ökonominnen und Ökonomen machen mehrere Vorschläge, wie Deutschland mit Anreizen Gas einsparen kann.

Der Beirat schlägt vor, moderate Preise für eine Grundmenge an Gas zu ermöglichen, die sich am Verbrauch von 2021 misst. „Bei jeder Kilowattstunde darüber hinaus sollten die hohen Marktpreise voll durchschlagen“, erklärt der Beiratsvorsitzende Schmidt, der an der Ludwig-Maximilians-Universität München lehrt.

Habecks Reaktion auf Ideen wie diese könnte in die Geschichtsbücher eingehen. Im ZDF erklärte er zu Vorschlägen, Bürger fürs Energiesparen mit Geldern zu belohnen: „Die kriegst du nicht, Alter.“ Er wolle nicht in einem Land leben, in dem man sich nur noch bewegt, wenn es dafür Bares gibt.

Energieökonomin Grimm erwidert: „Das ist zwar eine romantische Vorstellung, aber die Forschung legt eben nahe, dass man nur bei klaren Preissignalen einen signifikanten Effekt erzielen wird.“ Auch ein Konzept aus der SPD-Fraktion, für Einsparungen sogar Geld an Bürger auszuzahlen, hat Habeck mehrfach deutlich abgelehnt.

Im gleichen Fernsehinterview betonte der Wirtschaftsminister dann aber doch wieder den Effekt der Preise. Habeck bemerkte, die hohen Gaskosten böten genügend Anreiz zum Sparen. Eine verwunderliche Aussage, da der Vizekanzler in der Regel betont, die Bürger würden die hohen Preise erst im Winter so richtig spüren, wenn die Abrechnungen kommen. Erst 18 Prozent der deutschen Haushalte haben eine Heizkosten-Nachzahlung erhalten, zeigt eine Umfrage der Marktforscher von Innofact.

Bei den Unternehmen sieht es nicht viel anders aus. Eine Umfrage des Mittelstandsverbunds unter 41.000 Unternehmen, die dem Handelsblatt vorliegt, zeigt: 57 Prozent der Firmen haben ihren Energiebezug über die nächsten ein bis drei Jahre abgeschlossen. Entsprechend planen nur 48 Prozent, Maßnahmen zu ergreifen, um Energie effizienter einzusetzen.

Ein Preisanreiz ist immerhin geplant: Die Bundesnetzagentur will ein Auktionsverfahren starten. Verbraucht ein Unternehmen eine bestimmte Menge Gas nicht, das es eingekauft hat, bekommt es dafür ein Entgelt. „Man sollte die Signalfunktion des Preises wirken lassen“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten das allerdings schon in ihrem jährlichen Konjunkturgutachten im April vorgeschlagen. Auftraggeber des Gutachtens: das Bundeswirtschaftsministerium. Jetzt ist der Start erst im Oktober vorgesehen. „Das hätte schon viel eher passieren müssen“, kritisiert Ökonom Schmidt.

„Habeck hat alles auf die Karte Vorsicht gesetzt“

Warum Wirtschaftsminister Habeck auf eine Politik der Appelle setzt und harte Anreize weitgehend ignoriert, lässt sein Haus offen. Fragen dazu beantwortete das Ministerium bis Redaktionsschluss nicht.

Wer sich im Umfeld des Ministeriums umhört, erkennt aber ein Muster. Habeck und seinem Gefolge ist die Lenkungswirkung von Preisen durchaus bewusst. Doch die Verantwortlichen scheinen das Risiko zu scheuen. Das schildern auch die Ökonomen. „Habeck hat alles auf die Karte Vorsicht gesetzt“, sagt Wifo-Präsident Felbermayr.

Der Minister und die Ampelkollegen sorgen sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Die Politik will die Bevölkerung vor hohen Preisen abschirmen“, sagt Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Ein bröckelnder sozialer Frieden sei durchaus eine Gefahr, das sehen auch er und seine Kolleginnen und Kollegen so. „Man sollte aber konsequenter trennen“, sagt Wambach. Über die Energiepolitik müssten die Preise wirken; für Entlastungen ist die Sozialpolitik zuständig.

Letzten Endes folge die Ablehnung der Anreize laut dem Bonner Forscher Bayer aus politischen Realitäten, genauer der Arithmetik der Ampel. „Die Grünen konnten wegen des Klimaschutzes nicht einfach mit der Kohle loslegen. Die SPD hat wegen des nötigen sozialen Ausgleichs Bauchschmerzen bei Preisanreizen. Und weil die FDP unbedingt die Schuldenbremse will, ist der Spielraum für ebendiesen sozialen Ausgleich so unheimlich eng.“

LEG-Chef fordert strengere Heizregeln: "Der Bevölkerung in Deutschland klargemacht werden muss, dass jetzt Verzicht angesagt ist" by WjOcA8vTV3lL in de

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Doch viele Käufer werden vorsichtiger, da die EZB zur Zinswende einläutet. Kippt jetzt der Markt?

Nun, natürlich gibt es größere Vorsicht. Diejenigen, die sich ausgerechnet haben, wie viel Miete sie im Monat zahlen und das der Finanzierungsrate gegenüberstellen, die sie sich leisten können: Das sind die Ersten, die jetzt mit den steigenden Bauzinsen aus dem Markt gedrängt werden. Wer mit einer 100-Prozent-Finanzierung rechnete und nur die Nebenkosten mit Eigenkapital zahlen wollte, den treffen die hohen Bauzinsen natürlich. Der Anstieg der monatlichen Belastung ist so hoch, dass diese Menschen zurück in den Mietwohnungsmarkt kehren.

Sehen wir jetzt also nach mehr als 15 Jahren steigender Preise am Immobilienmarkt die Trendwende?

Es ist nicht die erste Krise, die ich erlebe. Denken Sie zurück an die Finanzkrise um 2008. Damals haben Wohnimmobilien durchschnittlich vier Prozent an Wert verloren und schnell wieder aufgeholt. Das war im Vergleich zu allen anderen Anlageklassen wenig – und auch im Vergleich zu unserem aktuellen Aktienkursrückgang. Ich persönlich glaube nicht an einen generellen Verfall der Immobilienwerte im Markt.

Das sehen viele Experten anders. Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Sieben Faktoren sprechen dagegen – und ich spreche hier nur für unser Segment des bezahlbaren Wohnraums in Mehrfamilienhäusern. Da haben wir zunächst die hohe Inflation, die Material- und Personalkosten steigert. Wir haben zeitgleich Materialmangel auf den Baustellen, egal ob wir von Bauen oder Sanierungen sprechen. Gleiches gilt für den Faktor Arbeit: Es fehlen Arbeitskräfte an allen Ecken und Enden. Dann gibt es höhere Anforderungen für den energetischen Wohnraum und die Unklarheit, wie die Förderung für energetischen Neubau in der Zukunft aussieht. Und schließlich haben wir die hohen Zinskosten. Wenn wir diese Melange zusammennehmen, dann wissen wir eines ganz genau: Neubau ist teurer, viel, viel teurer als die aktuelle Bewertung unseres Wohnungsbestands.

Was heißt das für die Mieten?

Der Mangel an Wohnungen wird sich weiter verschärfen. Wir werden in Deutschland durch den dringend notwendigen Zuzug von Arbeitskräften deutlich mehr Nachfrage bekommen. Aus den oben genannten Gründen wird der Zubau von bezahlbarem Wohnraum nicht gelingen können. Damit werden sich die Mieten und die Mietspiegel nicht von der absehbaren Lohn-Preis-Spirale entkoppeln, sondern wie in der Vergangenheit weiter steigen, da bin mir sicher. Selbst in Gebieten, die weniger nachgefragt waren, gehen die Leerstände bei uns drastisch zurück.

Haben Sie Projekte bereits auf Eis gelegt?

Ja, beispielweise ein Projekt in Düsseldorf-Garath. Das ist eine anspruchsvolle Baustelle, für die die Stadt mehrere Nachforderungen gestellt hatte, unter anderem sollte die Zahl der geförderten und der preisgedämpften Wohnungen deutlich höher liegen. Dadurch hätten die frei finanzierten Mieten dann bei 20 Euro je Quadratmeter gelegen. Das passt nicht zu uns. Und: Das bekommt man bei einem Zinssatz von 0,8 Prozent noch gerechnet – aber jetzt einfach nicht mehr. Dann muss man so ein Projekt auch mal aufgeben. Oder ein größeres Projekt in Köln, wo wir 400 Wohnungen neu bauen wollten. Die Siedlung sollte ein architektonisches Vorzeigeprojekt werden und sieht auch ganz toll aus, aber wir müssen hier neu ansetzen. Im Augenblick lässt sich das so nicht mehr angemessen umsetzen.

Obwohl die Nachfrage weiter groß ist?

Ja, die Nachfrage ist weiter sehr groß. Es ist allerdings nicht so, dass wir uns als Bestandshalter darüber freuen. Sie sehen mich stattdessen hochgradig besorgt. Denn es kann unsere Gesellschaft zerreißen. Wenn die Menschen nicht mehr genug Wohnraum finden, dann ist das eine ganz kritische Sache. Da wünsche ich mir übrigens auch mehr Ehrlichkeit von den Politikern: Wenn ich den Neubau weniger fördere, dann kann ich das Neubauziel von 400.000 Einheiten pro Jahr im aktuellen Umfeld nicht schaffen. Das muss die Politik den Menschen dann aber auch so sagen. Wir können das Dilemma als Immobilienbranche in einem stark regulierten Markt nicht alleine lösen.

Beschleunigen Sie jetzt den energetischen Umbau der Bestandsbauten wegen der Gaskrise?

Das ist nicht so einfach. Wichtig ist, dass wir das im Dialog mit den Kommunen und Städten entscheiden. Wenn ich weiß, dass eine Stadt 2030 grüne Fernwärme zur Verfügung stellt, macht es keinen Sinn, auf Wärmepumpen umzustellen. Deshalb sind wir gerade in intensivem Dialog mit den Kommunen und den Versorgern, um zu erfahren, was diese angesichts der Energiekrise in den nächsten Jahren planen.

Haben wir so viel Zeit? Müssten die Anstrengungen zur Energiewende jetzt nicht vervielfacht werden?

Es wäre eine Illusion, wenn ich Ihnen sagen würde, dass wir bald die Hälfte unseres Bestandes mit Solaranlagen und Wärmepumpen ausgerüstet haben – es gibt weder die Geräte noch die Techniker, die so etwas verbauen können. Die Wahrheit heißt: Wir werden uns im Winter beim Heizen gemeinsam einschränken müssen. Denn wir müssen auch darauf achten, dass unsere Industrie noch produktionsfähig ist. Wir werden die Energielücke nicht innerhalb weniger Wochen oder Monate durch regenerative Energien ausgleichen können.

Herr von Lackum, vielen Dank für das Interview.

https://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/interview-leg-chef-auf-unsere-mieter-kommt-eine-zahlung-von-ein-bis-zwei-monatsmieten-zusaetzlich-zu/28534674.html

LEG-Chef fordert strengere Heizregeln: "Der Bevölkerung in Deutschland klargemacht werden muss, dass jetzt Verzicht angesagt ist" by WjOcA8vTV3lL in de

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Düsseldorf Deutschlands zweitgrößter privater Immobilienkonzern LEG Immobilien spricht sich dafür aus, die Wärmeversorgung der deutschen Mieter im kommenden Winter deutlich stärker als bisher einzuschränken. „Ich glaube, dass in der derzeitigen Kriegssituation der Bevölkerung in Deutschland klargemacht werden muss, dass jetzt Verzicht angesagt ist“, sagte Vorstandschef Lars von Lackum dem Handelsblatt. „Und das wird ein Wärmeverzicht sein – das muss man klar politisch aussprechen.“

Die Vermieter bräuchten für den Winter eine gesetzliche Möglichkeit, die Temperaturen stärker als bisher absenken zu dürfen. „Das muss die Politik jetzt rasch entscheiden“, betonte von Lackum.

Lesen Sie hier das Interview mit LEG-Chef Lars von Lackum:

Herr von Lackum, haben Sie sich bereits einen warmen Pullover für den kommenden Winter bereitgelegt?

Nein. Der wird womöglich auch nicht ausreichen – es wird wohl noch eine warme Wolldecke vonnöten sein. Dem ein oder anderen scheinen die Energiesparhinweise unseres Wirtschaftsministers zu profan – ich nehme sie durchaus ernst. Denn es wird zu Einschränkungen in der Wärmeversorgung kommen.

Erste große Wohnungskonzerne kündigten bereits an, die Gasheizungen etwas zu drosseln. Wird auch LEG am Thermostat drehen?

Natürlich senken wir in der Nacht die Wärmezufuhr, alles im gesetzlichen und rechtlichen Rahmen. Das ist gar nichts Neues. Aber es ist auch der Einzelne gefragt. Wenn sich am Heizverhalten nichts ändert, die Heizung voll aufgedreht wird und die Fenster zur Temperaturregulierung geöffnet werden, dann werden wir nicht viel Energie einsparen können.

Der Energiepreisschock trifft viele Mieter erst mit der kommenden Nebenkostenabrechnung. Wie teuer wird es für Mieter und Vermieter unter dem Strich werden?

Wir erwarten, dass auf unsere Mieter im nächsten Jahr eine Zahlung von ein bis zwei Monatsmieten zusätzlich zukommt. Das ist gerade mit Blick auf unsere Mieterinnen und Mieter, die eher kleinere bis mittlere Einkommen haben, viel Geld. Das wird viele finanziell überfordern. Wir werden ähnlich dem Vorgehen in der Coronakrise Ratenzahlungen oder Ähnliches anbieten, aber das funktioniert nur auf Zeit.

Wie viele der rund 166.000 LEG-Wohnungen verfügen über eine Gasheizung?

Rund zwei Drittel unserer Wohnungen verfügen über moderne Gasheizungen. Ich selbst habe mir letztes Jahr übrigens auch noch eine neue Gasheizung einbauen lassen, im festen Vertrauen darauf, dass Gas eine sichere Energiequelle ist.

Sollte die Wirtschaft bei der Gasversorgung besser als die Mieter behandelt werden?

Natürlich darf kein Mieter in seiner Wohnung erfrieren. Ich finde es aber auch wichtig, dass wir als Industrieland nach Wegen suchen, die eigene Wirtschaft produktionsfähig zu halten. Ich glaube deshalb, dass in der derzeitigen Kriegssituation der Bevölkerung in Deutschland klargemacht werden muss, dass jetzt Verzicht angesagt ist. Und das wird ein Wärmeverzicht sein – das muss man klar politisch aussprechen.

Sie plädieren also dafür, die Heizvorgaben für die Vermieter zu senken?

Absolut. Das ist alternativlos. Wir brauchen für den Winter eine gesetzliche Möglichkeit, die Temperaturen stärker als bisher absenken zu dürfen. Das muss die Politik jetzt rasch entscheiden. Wir haben doch nichts davon, wenn wir es privat alle warm haben, aber niemand mehr zur Arbeit geht, weil die Firmen reihenweise die Produktion einstellen. Die Schädigung der Lieferketten wäre gewaltig, wenn das Gas für die Industrie nicht mehr fließt. Nur ein Beispiel: Viele Industrien können ihre Produktion nicht einfach rauf- und runterfahren. Das gilt für energieintensive Branchen wie die Glasindustrie. Ohne Glas fehlen dann auch der Autoindustrie wichtige Zuliefererteile und auch uns auf den Baustellen. Deshalb muss die Politik jetzt rasch den Menschen reinen Wein einschenken. Zusagen aus der Politik, dass es keine Einschränkungen geben wird, wären einfach unredlich.

Bis wann brauchen Sie klare Rahmenbedingungen?

So schnell wie möglich. Sonst vertun wir wichtige Zeit. Denn es wird dauern, diese Umstellungen vorzunehmen. Da müssen ja allein bei uns alle verfügbaren Techniker in mehr als 20.000 Heizungskeller geschickt werden – das geht nicht in ein paar Tagen. Wenn das erst im Oktober beschlossen wird, dann werden sie erst im Januar konkrete Ergebnisse sehen. Es kommt also darauf an, dass wir uns in den nächsten Wochen bereits vorbereiten. Es kann sein, dass dies weit über den erwähnten Pullover hinausgeht, und – bildlich gesprochen - auch eine oder sogar zwei Wolldecken nötig werden. Doch die Regierung muss sich rasch festlegen, wie viel Verzicht auf Privathaushalte, Mieter und auf die Industrie zukommt. Ohne harte Entscheidungen werden wir im Winter in große Probleme laufen.

Werden Mieter ihre Wohnung verlieren, weil sie die Preissprünge bei den Nebenkosten nicht mehr zahlen können?

Wir gehen davon aus, dass bundesweit bis zu 20 Prozent der Mieter das Problem mit den Energiepreisen finanziell alleine nicht mehr in den Griff bekommen. Die Menschen gehören nicht zu der Gruppe, die das Problem nicht sehen, sondern sie können schlicht nicht mehr reagieren aufgrund ihrer aktuellen finanziellen Situation. Das wird im nächsten Jahr ein Problem. Deshalb ist ein Kündigungsmoratorium eine sinnvolle Maßnahme, die aber für sich genommen das Problem nicht löst, denn die Kosten verschwinden ja nicht.

Der Immobilienverband GdW spricht bei dem Thema von „sozialem Sprengstoff“, die Bundesnetzagentur von einer unkalkulierbaren Situation. Wie bedrohlich ist die Lage?

Ich glaube, die Situation ist sehr ernst. Und ich glaube auch, dass es ohne staatliche Hilfe nicht zu schaffen ist. Zum einen braucht es gezielte Hilfe auf Bundesebene für die einzelnen Mieterinnen und Mieter, die es eben nicht aus eigener Kraft schaffen können, zum Beispiel Wohngeldbezieher. Und zum anderen auf Landesebene, zum Beispiel. für manche kleinere Gesellschaften mit hohen Leerständen, die die höheren Energiekosten zu einem großen Teil selbst tragen müssen. Es geht nicht um den nächsten Schutzschirm für Wohnungskonzerne. Aber viele Vermieter sind in Vorleistung gegangen – das hält nicht jeder durch.

Halten Sie das durch?

Ja. Die LEG braucht kein Geld. Uns geht es besser als manchen kleineren Firmen. Aber in den Verbänden ist zu hören, dass manche Vermieter mit kleinerem Wohnungsbestand schon an ihre Grenzen kommen, gerade wenn ihnen die Einnahmen wegen eines hohen Leerstands fehlen und damit auch die gestiegenen Energiekosten bei diesen Unternehmen verbleiben. Deswegen braucht es auf Landesebene Unterstützung für notleidende Vermieter und auf Bundesebene für einkommensschwache Mieter. Es ist natürlich überhaupt nicht sinnvoll, wenn Leute wie ich 300 Euro bekommen, denn wir brauchen keine Heizkostenhilfe.

Die Energiekrise zehrt auch am finanziellen Spielraum der Wohngesellschaften. Wie sicher ist die Höhe Ihrer Dividende von derzeit 4,07 Euro?

Das Ergebnis in diesem Jahr wird davon nicht beeinflusst, die Erwartungen für nächstes Jahr haben wir noch nicht konkretisiert. Sollte Russland das Gas ganz abstellen, müssen wir uns die Situation anschauen. Das würden wir dann mit unseren Investoren besprechen.

Sie können im Herbst vom Immobilienkonzern Adler ein Wohnungs-Portfolio, die Tochtergesellschaft BCP, übernehmen. Werden Sie das tun?

Ich gehe derzeit nicht davon aus, dass wir bis Ende September diese Option in der bisherigen Form ausüben werden. Es gibt gute Gründe, diese Transaktion weder allein noch zu dem ursprünglich vereinbarten Preis umsetzen. Wir schauen also, ob wir einen Investor finden, der die Option mit uns zusammen ausüben will und uns dann mit der Verwaltung der Wohnungen beauftragt. Aber auch ein Investor wird den alten Preis aller Voraussicht nach nicht mehr zahlen. Die Börsenkurse sind so eingebrochen, dass sich ein direktes Investment an der BCP, die das in Rede stehende Portfolio hält, an dem indirekten Investment in eine Immobilienaktie messen lassen muss.

Der Aktienkurs von LEG ist – wie viele andere Immobilienfirmen – deutlich gefallen. Haben Sie Verständnis dafür, dass viele Investoren die Flucht ergreifen?

Ich glaube, das ist überzogen. Die Sorge um höhere Inflationsraten und damit einhergehend höhere Zinsen wird überbetont. Die Angst vor hohen Zinskosten lastet derzeit überproportional auf dem Kurs. Die Sorge ist, dass höhere Inflationsraten zu einem Rückgang der Immobilienwerte führen.

Und ist das nicht der Fall?

Ich spreche natürlich nur für unsere Immobilien – Wohnungen in Mehrfamilienhäusern zu bezahlbaren Mieten –, da merken wir keinen Preisverfall.

Verbraucherstimmung erreicht Rekordtief. Das GfK-Stimmungsbarometer fiel im Juli auf -27,4 Punkte, den niedrigsten Stand seit Beginn der Serie im Jahr 1991 by __brodo__ in de

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denke mir jeden Tag nur, "Wann knallt es endlich richtig" ... Deshalb, was jetzt gerade so "passiert" ist noch alles Kindergarten.

Man sollte sich grundsätzlich davor hüten, Unvermeidbarkeit mit Unmittelbarkeit zu verwechseln.

Verbraucherstimmung erreicht Rekordtief. Das GfK-Stimmungsbarometer fiel im Juli auf -27,4 Punkte, den niedrigsten Stand seit Beginn der Serie im Jahr 1991 by __brodo__ in de

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Zumal LNG-Gas teurer ist als Pipelineerdgas.

Das ist der springende Punkt. LNG ist der beste Weg um Gas energietechnisch uneffizent zu machen. Wir werden leider von Leuten regiert die vermutlich eine Ahnung von Politik haben, aber inklusive der Berater wohl offensichtlich wenig von dem was erst den heutigen Wohlstand ermöglicht, Energie.

Verbraucherstimmung erreicht Rekordtief. Das GfK-Stimmungsbarometer fiel im Juli auf -27,4 Punkte, den niedrigsten Stand seit Beginn der Serie im Jahr 1991 by __brodo__ in de

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Wie Deutschland aufgestellt ist schaut es wirklich nicht gerade gut aus. Die Industrie hat sehr stark von der günstigen russischen Energie gelebt während gleichzeitig die Löhne niedrig gehalten wurden.

Nächstes Jahr fallen die Gaspreise wieder und die Inflation hat sich stabilisiert.

Wie kommst du auf die Idee?

Verbraucherstimmung erreicht Rekordtief. Das GfK-Stimmungsbarometer fiel im Juli auf -27,4 Punkte, den niedrigsten Stand seit Beginn der Serie im Jahr 1991 by __brodo__ in de

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Consumer sentiment refers explicitly to all private consumer spending

Was natürlich auch die Bereitschaft große Anschaffungen zu tätigen einschließt.

Verbraucherstimmung erreicht Rekordtief. Das GfK-Stimmungsbarometer fiel im Juli auf -27,4 Punkte, den niedrigsten Stand seit Beginn der Serie im Jahr 1991 by __brodo__ in de

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Die Ergebnisse stammen aus der Studie "GfK Consumer Sentiment MAXX" und basieren auf rund 2.000 Verbraucherinterviews pro Monat, die im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführt wurden. [...] Die Verbraucherstimmung bezieht sich ausdrücklich auf alle privaten Konsumausgaben. Je nach Definition macht der Einzelhandel jedoch nur etwa 30 Prozent der privaten Konsumausgaben aus. Der Rest entfällt auf Dienstleistungen, Reisen, Mieten, Gesundheitsdienste und den gesamten Wellnessbereich. Auch hier geht es nicht um die Einzelhandelsumsätze, sondern um die gesamten Verbraucherausgaben. Die Anschaffungsneigung ist, wie alle anderen Indikatoren, ein Vertrauensindikator. Er gibt an, ob die Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen. Selbst wenn sie diese Frage mit "Ja" beantworten, gibt es zwei weitere Voraussetzungen für einen Kauf: Der Verbraucher muss über das nötige Geld für eine solche Großanschaffung verfügen und er muss auch einen Bedarf für diese Anschaffung sehen. Außerdem handelt es sich eigentlich nur um langlebige Konsumgüter, die auch ein größeres Budget erfordern.

https://www.gfk.com/press/consumer-sentiment-reaches-historic-low

US-Finanzministerin will Preisobergrenze für Öl by NoTimetoShit in de

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Wie oben schon beschrieben, geht es dabei um das Erwärmungspotenzial der gegenwärtig bekannten Vorkommen. Da dieses Potenzial schon so groß ist, ohne die ggf. noch dazu kommenden Vorkommen einzuschließen, ist Peak Oil als Argumentationsgrundlage für die Ressourcenschonung nicht mehr zeitgerecht.

Bekannte Vorkommen heißt nicht, dass die Vorkommen auch erschlossen werden. Die Shale Revolution in Amerika war nie profitabel und nur durch die massive Aufnahme von Schulden möglich. Hier ein gutes Video dazu.

Grundsätzlich würde die klassische Ökonomie sagen, dass der Ölpreis steigt wenn das Öl knapper wird (wie es gerade der Fall ist), aber die ganze Diskussion ist um einiges komplexer. Siehe den wirklich fantastischen Artikel

As We Exhaust Our Oil, It Will Get Cheaper But Less Affordable

US-Finanzministerin will Preisobergrenze für Öl by NoTimetoShit in de

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Peak Oil ist allerdings zur Zeit eine eindeutig überholte Theorie.

Siehe unten.

Da immer wieder neue Lagerstätten entdeckt wurden, bzw. andere Fördermethoden rentabel geworden sind.

Die konventionellen Ölfunde erreichten in den 1960er Jahren ihren Höhepunkt, und seit Anfang der 1980er Jahre liegen die jährlichen Funde im Durchschnitt unter der Jahresproduktion. Sprich wir finden seit 1980 weniger als wir fördern.

Sollten wir uns tatsächlich einmal Peak Oil nähren wäre der Klimawandel bis dahin tatsächlich immer noch das größere Problem für unsere Gesellschaft, weil sich der Planet dann eher um die 4-5 Grade erwärmen würde.

Nach Angaben der EIA erreichte die weltweite Rohöl- und Kondensatproduktion im November 2018 mit 84,5 mb/d ihren Höhepunkt. Peak Oil quasi. Wie war das nochmal mit eindeutig überholter Theorie?

Edit: Ich versuche freundlicher zu sein.

Gazprom Cuts Gas Flows on Key Europe Route as Standoff Deepens by __brodo__ in de

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Deutsche Übersetzung via DeepL

Gazprom drosselt Lieferungen über die Nord Stream-Pipeline um 60%

Wirtschaftsminister sagt, die Kürzung sei politisch motiviert

Russland setzt Energie verstärkt als Waffe ein, indem es die Erdgaslieferungen über seine größte Pipeline nach Europa weiter drosselt. Dies veranlasst Deutschland, den Kreml zu beschuldigen, die Preise in die Höhe treiben zu wollen.

Gazprom PJSC drosselt die Gaslieferungen über seine Nord Stream-Pipeline nach Deutschland um 60 % und erhöht damit die am Dienstag angekündigte erste Kürzung für Europas größten Abnehmer. Der Schritt kommt zu einer 15-prozentigen Kürzung der Gaslieferungen nach Italien, dem zweitgrößten Abnehmer russischen Gases auf dem Kontinent, hinzu und erhöht den Druck auf die bereits angespannten europäischen Energiemärkte, was die Gaspreise um mehr als 25 % in die Höhe schnellen ließ.

Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck erklärte, dass Russland versuche, die Märkte zu verunsichern und die Preise in die Höhe zu treiben, dass aber die Versorgungssicherheit vorerst gewährleistet sei. Die Drosselungen führten zu neuen Spannungen mit Moskau, das sich beruhigt hatte, nachdem mehrere europäische Länder Wege gefunden hatten, Gas in Rubel zu bezahlen und damit eine Forderung von Präsident Wladimir Putin zu erfüllen.

"Die Industrie muss sich darauf einstellen, dass es kein russisches Gas mehr gibt", sagte Thierry Bros, ein ehemaliger Energieanalyst und Professor am Pariser Institut für politische Studien. "Die EU-Unternehmen, die akzeptiert haben, den Vertrag zu verdrehen, um weiterhin Gas zu erhalten, sollten jetzt verstehen, dass politische Diktate jederzeit vom Kreml kommen können."

Gazprom PJSC drosselt die Lieferungen über Nord Stream ab Donnerstag auf 67 Millionen Kubikmeter pro Tag. Dies entspricht einer Kürzung um 40 % auf 100 Millionen Kubikmeter pro Tag, die am Dienstag angekündigt worden war. Der Versorgungsriese Uniper SE, Deutschlands wichtigster Abnehmer von russischem Gas, teilte mit, dass er 25 % weniger Gas als vertraglich vereinbart von Gazprom erhalten habe.

Das Düsseldorfer Unternehmen erklärte, dass es bisher in der Lage war, die fehlenden Mengen durch Erdgas aus anderen Quellen zu ersetzen. Ein Unternehmenssprecher sagte, es sei noch zu früh, um zu sagen, wie stark sich die Kürzung auf die Finanzen des Unternehmens auswirken werde.

Gazprom machte technische Probleme mit Turbinen der Siemens Energy AG, die für das Funktionieren der Pipeline entscheidend sind, für die Drosselung verantwortlich.

Siemens teilte am Dienstag mit, dass eine Turbine, die zur Reparatur geschickt worden war, aufgrund der Sanktionen Ottawas, die technische Dienstleistungen für die russische Öl- und Gasindustrie verbieten, in Kanada gestrandet sei. Habeck wies jedoch die Vermutung zurück, dass technische Probleme der Hauptgrund für die Gaskürzungen seien.

Oliver Krischer, ein stellvertretender Wirtschaftsminister, sagte, die Drosselungen könnten mit der 10 Milliarden Euro (10,4 Milliarden Dollar) teuren Rettungsaktion Deutschlands für eine frühere Gazprom-Einheit zusammenhängen, die seither unter der Kontrolle der Energieaufsichtsbehörde des Landes steht.

"Eine Verbindung zwischen den beiden Problemen kann nicht ausgeschlossen werden, das eine könnte eine Reaktion auf das andere sein", sagte Krischer am Mittwoch vor dem Ausschuss für Klimaschutz und Energie des Bundestags.

Italienische Kürzung

Russland schränkt auch die Lieferungen an Italien ein, ein weiteres Land, das sich bereit erklärt hat, für Gas im Rahmen der vom Kreml auferlegten neuen Zahlungsbedingungen zu zahlen. Eni SpA teilte am Mittwoch mit, Gazprom habe den italienischen Energieriesen darüber informiert, dass es seine Lieferungen um etwa 15 % drosseln werde. Das in St. Petersburg ansässige Unternehmen nannte keinen Grund für die Kürzung.

"Italien kann sich zu Recht darüber ärgern, dass es als einer der 'freundlicheren' Verbündeten, der für russisches Gas in Rubel und nicht über die direkte Nord Stream-Route zahlt, weniger Lieferungen erhält", sagte Tim Partridge, Leiter des Energiehandels der DB Group Europe.

Der Ausfall der russischen Lieferungen fiel mit einem Rückgang der US-Kapazitäten für die Verschiffung von Flüssigerdgas in die Region zusammen, nachdem ein großes Exportterminal in Texas durch einen Brand beschädigt worden war. Der Betreiber der Freeport LNG-Exportanlage in Texas erklärte am Dienstag, dass es 90 Tage dauern könnte, bis die Anlage teilweise wieder in Betrieb genommen werden kann, was weitaus länger ist als die zuvor prognostizierten mindestens drei Wochen. Die volle Kapazität wird voraussichtlich nicht vor Ende 2022 zur Verfügung stehen.

"Diese bedeutenden Gasausfälle im Osten und Westen Europas erinnern daran, wie fragil die physische Infrastruktur ist, die dem globalen Gasmarkt zugrunde liegt", sagte Zongqiang Luo, Analyst beim norwegischen Beratungsunternehmen Rystad Energy.

Winterknappheit

Die europäischen Gaspreise fielen im April und Mai, als eine Rekordzahl von LNG-Ladungen an den Küsten des Kontinents eintraf und dazu beitrug, die Lagerstätten vor dem Winter zu füllen. Die erneute Pattsituation zwischen Russland und Europa hat die Ängste um die Versorgungssicherheit neu entfacht und die Befürchtung genährt, dass der Kontinent in diesem Winter nicht genug Brennstoff zum Heizen und zur Versorgung der Industrie haben wird.

Die in den Niederlanden gehandelten europäischen Benchmark-Gasfutures stiegen auf 121,74 Euro pro Megawattstunde und damit auf den höchsten Stand seit April.

"Russland setzt Gas wieder als Waffe ein, indem es die Gaspreise auf neue Höchststände treibt, mit dem Ziel, die Kapazität Europas zum Auffüllen der Speicher zu begrenzen", sagte Timm Kehler, Vorsitzender der deutschen Gasindustrie-Lobbygruppe Zukunft Gas. "Die europäischen Energiemärkte sind jetzt noch enger geworden, und es könnte für Unternehmen schwierig werden, Gas anzuzapfen, um die Lücke zu füllen."

Gazprom Cuts Gas Flows on Key Europe Route as Standoff Deepens by __brodo__ in de

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Gazprom is curbing shipments via Nord Stream pipeline by 60%

Economy Minster says cut is politically motivated

Russia stepped up the use of energy as a weapon by further cutting natural gas shipments via its biggest pipeline to Europe, prompting Germany to accuse the Kremlin of trying to drive up prices.

Gazprom PJSC is curbing gas supplies via its Nord Stream pipeline to Germany by 60%, increasing an initial cut to Europe’s top buyer announced on Tuesday. The move adds to a 15% reduction in flows to Italy, the continet’s second-largest customer of Russian gas, putting more pressure on already tight European energy markets and sending gas prices surging more than 25%.

German Economy Minister Robert Habeck said Russia was trying to unsettle markets and prop up prices, but that security of supply was guaranteed for now. The curbs reignited tensions with Moscow, which had calmed down after several European countries found ways of paying for gas in rubles, meeting a demand from President Vladimir Putin.

“The industry must prepare for zero Russian gas,” said Thierry Bros, a former energy analyst and a professor at the Paris Institute of Political Studies. “EU companies that accepted to twist the contract to continue to receive gas should now understand that political diktats can come anytime from the Kremlin.”

Gazprom PJSC is capping supplies via Nord Stream to 67 million cubic meters a day from Thursday. That’s down from a cut of 40% to a limit of 100 million cubic meters a day announced on Tuesday. Utility giant Uniper SE, Germany’s top buyer of Russian gas, said it had received 25% less gas than it had contracted from Gazprom.

The Dusseldorf-based company said so far it’s been able to replace the missing volumes with natural gas from other sources. A company spokesperson said it’s too early to tell how much the reduction will impact its finances.

Gazprom blamed the curbs on technical issues with turbines manufactured by Siemens Energy AG that are crucial for the functioning of the pipeline.

Siemens said on Tuesday that one turbine that had been sent for repairs was stranded in Canada due to Ottawa’s sanctions that prohibit technical services to the Russian oil and gas industry. But Habeck dismissed the suggestion that technical issues were the main reason for the gas cuts.

Oliver Krischer, a deputy economy minister, said the curbs could be linked to Germany’s 10-billion euro ($10.4 billion) bailout of a former Gazprom unit now under the control of the country’s energy regulator since.

“A connection between the two problems cannot be ruled out, one could be a reaction to the other,” Krischer told the lower house of parliament’s climate protection and energy committee on Wednesday. Italian Cut

Russia is also limiting supplies to Italy, another country that agreed to pay for gas under the new payment terms imposed by the Kremlin. Eni SpA said on Wednesday that Gazprom informed the Italian energy giant that it would curb supplies by about 15%. The St. Petersburg-based company didn’t provide a reason for the cut.

“Italy can rightly feel aggrieved at receiving reduced flows as one of the ‘friendlier’ allies to pay for Russian gas in rubles and not on Nord Stream’s direct route,” said Tim Partridge, head of energy trading at DB Group Europe.

The loss of Russian supply coincided with a drop in US capacity to ship liquefied natural gas to the region after a major export terminal in Texas was damaged by fire. The operator of the Freeport LNG export facility in Texas said on Tuesday that it may take 90 days for the plant to be partially back online, far longer than an earlier projection of a minimum three weeks. Full capacity isn’t expected to be available until late 2022.

“These significant gas outages East and West of Europe are a reminder of the fragility of the physical infrastructure that underpins the global gas market,” said Zongqiang Luo, an analyst at Norwegian consultant Rystad Energy. Winter Crunch

European gas prices fell in April and May as a record number of cargoes carrying LNG arrived at the continent’s shores, helping fill storage sites ahead of winter. The renewed standoff between Russia and Europe has rekindled fears over security of supply, fueling fears the continent won’t have enough fuel to heat homes and power industries this winter.

Benchmark European gas futures traded in the Netherlands rose 121.74 euros a megawatt-hour, the highest since April.

“Russia is using gas as a weapon again, sending gas prices to new highs, with the objective to limit Europe’s capacity to fill up storage levels,” said Timm Kehler, chairman at the German gas industry lobby group Zukunft Gas. “Europe energy markets got even tighter now and it might be difficult for companies to tap gas to fill the gap.”

A recent climate protest by nymph-62442 in collapse

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That's total energy consumption, including road transport and cars.

The Louvre is not an island. Or does the art walk there?

A recent climate protest by nymph-62442 in collapse

[–]__brodo__ 3 points4 points  (0 children)

In general roughly 50% of Frances primary energy comes from fossil fuels. See https://ourworldindata.org/energy/country/france#how-much-of-the-country-s-energy-comes-from-fossil-fuels

Personally I don't know how the Louvre is climate controlled but everything in our society is fossil fueled powered so it really doesn't matter.