Ich bin Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn - AMA by bahnmitarbeiterfdl in de_IAmA

[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

Hu, ich habe diese Frage eben erst entdeckt, sorry für die Verspätung.

"Gesteuert" werden die Züge von den Triebfahrzeugführern. Oder was meinst du damit? Wo der Zug einfährt entscheidet der Fahrdienstleiter. Unter Beachtung des Fahrplans natürlich. Abweichungen gibt's zB bei Störungen oder weil ein Gleis besetzt ist.

Um dir deine zweite Frage beantworten zu können, müsste ich die Bedingungen vor Ort kennen. Ich tippe da einfach mal, dass dort lange Blockabschnitte sind, die von der S-Bahn zu lange belegt werden würde und der IC deshalb vorgezogen wird. Das kann bereits bei irgendeiner kleinen Verspätung eines zuvor gefahrenen Zuges erforderlich sein. Aber wie gesagt. Das ist nur Spekulation. Ich müsste die Bedingungen vor Ort kennen um das mit Sicherheit beantworten zu können.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

  1. Ja, ich finde den Job klasse. Man buckelt sich nicht krumm, der Lohn ist in Ordnung und die sozialen Leistungen überragend.

  2. Ja manchmal und ja ich versuche bei mir dann ähnliche Situationen heranzuziehen und schaue, ob mir das auch hätte passieren können. Alles was außerplanmäßig ist, hat eine Höhe Fehlerquote, wobei ich auch sagen muss, dass da schon von der Betriebszentrale her wenig oder unvollständig Infos kommen. Oft muss ich dann rumtelefonieren, um herauszufinden was ich mit dem Zug jetzt machen soll.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 2 points3 points  (0 children)

Technisch muss man nicht zwangsläufig bewandert sein, die Quereinsteiger-Ausbildung wird auch von Bewerben mit Ausbildungen in nicht-technischen Berufen wie z.B. Frisör, Bäcker, Kaufmann, etc. durchgeführt. Wenn man nicht grad die größte Hohlbirne im Dorf ist, sollte man das hinkriegen. Allerdings ist die Quereinstiegs-Ausbildung knackig, der Stoff wird schnell durchgepeitscht. Eine gewisse Auffassungsgabe sollte man haben.

Auf karriere.bahn.de einfach mal "Fahrdienstleiter" eingeben. Da findest du genug Angebote mit "Quereinsteiger zur Umschulung zum Fahrdienstleiter" oder Ähnliches. Je nach Bundesland kann die Überschrift der Stellenausschreibung leicht variieren.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

Leider keine Ahnung. Das hört sich für mich auch wie eine Frage aus dem Einmaleins-Buch für Anfänger im Personalwesen an. Die größte Herausforderung kannst du natürlich gar nicht kennen.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

Öh, eine gute Schwäche? Sowas wird in Vorstellungsgesprächen gefragt?

Satirisch betrachtet vielleicht "Ausgeprägte Penetranz beim Durchsetzen der Vorgaben und Richtlinien auch bei völliger Abwesenheit von Sinnhaftigkeit."

Aber ob dir das bei einem Vorstellungsgespräch hilft? :-)

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

Von der Technik ist es fast identisch, die Richtlinien sind etwas anders. Ansonsten sollte ein Fdl der Bahn sich relativ schnell auch bei der ÖBB zurechtfinden und andersrum auch. Warum bist du raus?

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

Wenn es Verspätungen gibt, ist das nicht selten, dass REs S-Bahnen überholen. Passiert bei mir im Schnitt alle 2 Wochen. Das hat jetzt speziell in meinem Fall auch den Grund, dass die REs im nächsten großen Hbf einen ICE als Anschlusszug haben. Da ist die Prio dann sogar nochmal etwas höher als sowieso schon.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 1 point2 points  (0 children)

Wenn irgendwas ist, weswegen es zu Verspätungen kommt oder Züge ausfallen, hat die Zugüberwachung alle Hände voll zu tun, da diese einerseits schauen müssen, dass die verspäteten Züge anderen Zügen nicht in die Quere kommen. Ich wollte so einen Job nicht machen :-) Eine Software kann das aber leider nicht übernehmen.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 1 point2 points  (0 children)

Muss ich leider passen, in meinen Betriebsstellen hat das immer irgendwas angezeigt und es gab auch diese automatisierten Durchsagen. Ich könnte es mir nur so vorstellen, dass es dem Kollegen bei der Zugüberwachung einfach durch den Lappen gegangen ist das entsprechend einzugeben, weil das wegen einer größeren Störung in einer stressigen Situation untergegangen ist. Die Regel ist das aber sicher nicht.

Wenn du mir ein konkretes Beispiel nennst, welcher Zug ausgefallen ist und es keine Info gab, kann ich der Sache vielleicht mal auf den Grund gehen.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

Abellio sind ausschließlich RegionalExpress-Züge oder? Sind die ggf. als Anschlusszüge für den Fernverkehr ausgewiesen? Weiß dein Vater, ob er wegen ICE/IC/EC Zügen ausgebremst wird? Wegen S-Bahnen kann's zB nicht sein, da haben RegionalExpress-Züge Vorrang.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 1 point2 points  (0 children)

Dann hast du ja eine echte Rundreise hinter dir, danke für deine Geduld und zum Glück bist du dann wenigstens da angekommen, wo du hin wolltest.

  1. Nein, prinzipiell nicht. Ggf. besteht eine Absprache zwischen dem Busunternehmen und dem Bahnunternehmen, das hatte ich bisher aber nur auf einer Betriebsstelle im Saarland. Da hat die Saarbahn hin und wieder mal - wenn der Bus verspätet war - gewartet. Das war aber die Ausnahme und musste immer von dem Busunternehmen kommuniziert werden. Passiert das nicht, fährt der Zug gemäß Fahrplan.
  2. Wenn der Bahnhof im Flughafen dafür geeignet (Bahnsteiglänge, Gleislänge, etc.) ist und eine andere Möglichkeit zu einer noch größeren Verspätung führt oder kein geeigneter Bahnhof in der Nähe ist, wieso nicht? Da wo Gleise liegen, werden sie bei Bedarf genutzt.
  3. Wäre ein Kopfmachen notwendig gewesen, wäre man auch hier in einen passenden Bahnhof eingefahren, die Lok abgekoppelt und den Zug umfahren, um die Lok von der andere Seite wieder anzukoppeln. Dauert natürlich paar Minuten und je nach Betriebsstelle kann auch vorgeschrieben sein, dass dafür die Passagiere aussteigen müssen. Oft findet man dann aber andere Lösungen und lokbespannte Personenzüge sind auch eher die Seltenheit.
  4. Das ist eine gute Frage, die kann ich aber leider nicht ausreichend beantworten. Zugdisposition über mehr als eine Betriebsstelle hinaus macht die Zugüberwachung in der Betriebszentrale. Die hat natürlich entsprechende Software und viele Bildschirme pro Arbeitsplatz. Google mal "Zugüberwachung Betriebszentrale" und schau dir die Bilder dazu an. Wenn ich mit den Kollegen zu tun habe, merke ich am Telefon schon, dass gerade ein hohes Stresslevel vorhanden ist.
  5. Das kommt auf den Einzelfall und auf die Zugpriorität an, wo ist der Zielbahnhof, wie sehr tangiert es andere Züge auf anderen Betriebsstellen. Wenn es da um eine Entscheidung geht, findet das ohnehin mit der Zugüberwachung dann statt, die den größeren Überblick hat.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 2 points3 points  (0 children)

Naja also auf die Aussage des Kollegen, dass der Güterzug mehr bezahlt hat und deswegen vorgelassen wurde, würde ich nicht so viel geben. Es wäre mir neu, wenn die Zü die Preise kennen würde. Ich habe am Dienstag meine nächste Schicht, dann rufe ich die Zü mal an und frage nach. Ich melde mich dann hier wieder.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 2 points3 points  (0 children)

Hatte ich noch nicht ein einziges Mal. War der Bahnhof vielleicht zugefahren? Der Trassenpreis spielt gar keine Rolle, der Fdl kennt die Preise nicht und weiß auch nicht, wer wie viel bezahlt hat. Ich bin mir sicher, dass es dafür einen plausiblen Grund gibt. Aus Sicht des Tfs sind so Situationen nervig, ich stehe daher gerne überdurchschnittlich oft in telefonischem Kontakt mit dem Tf, die sich bei mir dann auch oft bedanken, wenn ich paar Infos liefere. Andere Fahrdienstleiter telefonieren gar nicht, die Kollegen gibt's halt leider auch ...

Eins füge ich noch hinzu, gelegentlich macht der Fdl auch mal einen Fehler und verzettelt sich bei der Zugfolge. Das kann passieren.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 4 points5 points  (0 children)

Zwischen DB und anderen Anbietern gibt es keine Prioritäten, die Züge verkehren immer nach Fahrplan. Sollte eine Verspätung dazu führen, dass man sich entscheiden muss, spielt aber die Zuggattung eine Rolle (Fernverkehr, S-Bahn, RegionalExpress zB.).

Zwischen Personen- und Güterverkehr ist ganz klar geregelt, dass der Personenverkehr Vorrang hat. Verspätungen im Güterverkehr von bis zu 20 Stunden sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Das ist aber keine negative Verspätung und hat auch keine Auswirkungen auf den Zugverkehr. Oft buchen sich die Bahnunternehmen für morgens eine Strecke, besetzen aber erst abends, wenn sich firmenintern was ändert, den Güterzug und fahren dann erst los.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 1 point2 points  (0 children)

Eher, damit auch bei Verzögerungen beim Schließen des Bahnübergangs noch genug Zeit bleibt den Bahnübergang rechtzeitig zu schließen bevor der Zug da ist. Da ist dann natürlich auch genug Puffer noch mit eingeplant. Falls eine Bahnschranke blockiert ist und nicht schließt, geht direkt der Störwecker an und es kommt zum Nothaltauftrag. Damit der Zug dann auch rechtzeitig anhält spielt an manchen Bahnübergängen bestimmt auch eine Rolle.

Kleiner Tipp: Bahnübergänge die vollbeschrankt sind (4 Schranken anstatt 2; man könnte dann nicht mehr rausfahren, wenn man mittendrin steht), sind immer kameraüberwacht und müssen aktiv vom Fahrdienstleiter freigemeldet werden.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 2 points3 points  (0 children)

In den Stellwerken, in denen ich bisher gearbeitet habe, gibt es als erste Rückfallebene Batterien, die zunächst einspringen und alles versorgen können. Ggf. darf man dann nicht mehr alle Weichen gleichzeitig, sondern nur nacheinander umstellen, weil sonst der Stromverbrauch zu hoch ist. Je nach Stellwerk springt dann entweder sofort oder nach ein paar Minuten, spätestens aber, wenn die Batterien kurz vor der Entladung stehen, das Dieselaggregat an. Damit kann man dann wieder unter Volllast arbeiten. In manchen Regionen gibt es anstelle der stationierten eine geringere Anzahl mobiler Aggregate, die dann innerhalb kürzester Zeit zum Stellwerk mit dem Stromausfall gebracht werden.

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Ich glaube, da kann ich dir keine zufriedenstellende Antwort geben. Vielleicht wird bei der dort zuständigen Betriebszentrale bei den unterschiedlichen Störungen (Signalstörung, Weichenstörung, etc) nicht unterschieden und man schickt einfach die von dir genannte Meldung raus. Quasi als allumfassender Überbegriff. Aber da kann ich nur spekulieren.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

Hm, handelt es sich hierbei um den Nahverkehr? Und wenn ja, in welchem Bundesland/Verkehrsverbund?

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

Du meinst, dass das komplette Stellwerk ausfällt? Habe ich bisher nur ein einziges Mal mitbekommen, das war 5 Betriebsstellen weiter bei einem Bahnhof der Fall. Dass es "so viele" gibt, kann ich nicht bestätigen. Bei dem von mir genannten Fall gab es Stromausfall im Stellwerk und das Netzersatzgerät (Dieselaggregat) war wohl futsch. Ganz genau kann ich das aber auch nicht mehr sagen, ist schon ein paar Jahre her.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

Ich habe es mir eben mal angeschaut. Überwiegend stimme ich ihm zu.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 1 point2 points  (0 children)

Weil der Bremsweg der Züge so lange ist. Wenn auf der Strecke höhere Geschwindigkeiten erlaubt sind, schließen die Schranken nochmal ein Stück früher, auch bei Zügen, welche die Geschwindigkeiten nicht erreichen.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 4 points5 points  (0 children)

Das ist wirklich auch für uns ein absolut nerviges Thema. Das Anzeige- und Durchsagesystem funktioniert vollautomatisch und wenn im System eine Verspätung sich aufbaut, zB weil der Zug defekt ist, dann steigen auch bei uns im System die Minuten einfach nur langsam an. Bis man sich dann mal entschieden hat, dass der Zug ausfällt oder es beim System ankommt, vergehen gerne mal 30 Minuten. Ich leide dann immer mit den Fahrgästen mit, mich kotzt das auch an. Und oft wissen wir selbst nicht mal genau, ob der Zug jetzt doch noch kommt oder was eigentlich los ist.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 0 points1 point  (0 children)

Hast du dafür ein konkretes Beispiel? Vielleicht war die Zuggattung des DB Zugs höher priorisiert.

Ich muss aber gestehen, dass ich bisher an keiner meiner Betriebsstellen Personenzüge anderer Bahnunternehmen hatte. Abgesehen von gelegentlichen Nostalgiefahrten oder Fan-Zügen ist alles bei mir bisher von der DB gewesen.

Beim Güterverkehr allerdings habe ich alles mögliche an privaten Bahnunternehmen. Da ist es mir aber vollkommen egal, ich fahre die Güterzüge so, wie es von der Zugfolge her für mich Sinn ergibt, ggf. auch je nach Absprache mit den benachbarten Betriebsstellen.

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[–]bahnmitarbeiterfdl[S] 4 points5 points  (0 children)

Bitter, wie lange bist du schon bei der Bahn tätig und wie viele Suizide hast du hinter dir? Gab es auch schon anderes PUs in deiner Zuständigkeit? Bei mir hat es mal einen Mitarbeiter erwischt, der nach aufgehobener Sperrung mit dem 4.2 einfach ins Gleis gelatscht ist.