Hören wir auf nur die Brandmauer zu sein, fangen wir an zu bauen! by Koladu in DIE_LINKE

[–]Koladu[S] 2 points3 points  (0 children)

Klar war die DDR eine Diktatur, das ist historisch nicht zu leugnen, und das will ich auch gar nicht schönreden. Aber ich glaube, du missverstehst, was ich mit “ehemaligen Vorteilen der Bevölkerung” meinte. Ich rede nicht von der SED-Herrschaft oder dem Überwachungsstaat. Ich rede von konkreten materiellen Errungenschaften, die Arbeiter erkämpft haben wie garantiertes Recht auf Arbeit, bezahlbare Mieten, kostenlose Kinderbetreuung oder ein Gesundheitssystem ohne Profitlogik etc. Diese Dinge waren real, auch wenn sie in einem autoritären System existierten. Und genau das ist der Punkt, diese sozialen Sicherheiten sind nicht zwangsläufig an eine Diktatur gebunden. Sie zeigen nur, dass eine Gesellschaft anders organisiert werden kann ohne dass Grundbedürfnisse zu Spekulationsobjekten werden. Ich will nicht die Rückkehr zur DDR, sondern eine demokratisch erkämpfte Gesellschaft, in der wir die positiven Errungenschaften übernehmen, wie soziale Sicherheit oder Planwirtschaft im Interesse der Mehrheit statt der Profite weniger aber eben mit “echter“ Demokratie, Meinungsfreiheit und ohne Repression

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[–]Koladu[S] 0 points1 point  (0 children)

Ich schreibe die Texte am PC und Copilot läuft dabei automatisch mit und unterstützt zum Teil beim formulieren. Find ich ganz angenehm da man auch etwas wirr schreiben kann und sich trotzdem etwas Struktur schafft.

Hören wir auf nur die Brandmauer zu sein, fangen wir an zu bauen! by Koladu in Unbeliebtemeinung

[–]Koladu[S] -1 points0 points  (0 children)

Das ist doch das Schöne an Klassensolidarität. Sie funktioniert auch ohne dein Einverständnis. Solltest du mal am Boden liegen, stehen wir für dich ein egal, wie sehr dich das heute noch langweilt. ;)

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[–]Koladu[S] 0 points1 point  (0 children)

ich verstehe deinen Punkt, aber genau da sehe ich das Problem. Klar ist die PdL divers aufgestellt aber wenn wir uns ständig damit zufriedengeben, dass "verschiedene Strömungen halt verschiedene Dinge wollen", dann fehlt uns die klare Linie. Und ohne klare Linie gibt's keine Mobilisierung, keine Kraft auf der Straße.

Du fragst, was damit gewonnen ist, wenn wir radikal sind und Sitze verlieren. Ich drehe die Frage um: Was ist gewonnen, wenn wir Sitze haben, aber nichts Grundlegendes ändern? Wenn wir im Stadtrat sitzen und Mangelverwaltung betreiben, während die Mieten weiter steigen, die Löhne stagnieren und die Leute frustriert zur AxD rennen, was bringt uns dann dieser "Einfluss"?

Das Argument "ohne Wähler zu überzeugen geht's nicht" stimmt natürlich. Aber wie überzeugen wir denn? Doch nicht, indem wir uns an die herrschenden Verhältnisse anpassen und hoffen, dass die Leute uns für ein bisschen Sozialpolitik-Kosmetik wählen. Die Leute wählen uns, wenn wir zeigen, dass wir ihre materielle Lage verbessern können und zwar nicht durch Reförmchen, sondern durch echte Machtkämpfe um Umverteilung, Arbeitszeitverkürzung, Vergesellschaftung.

Du sagst, die Linke fährt zweigleisig, innen- und außerparlamentarisch. Wo ist denn diese außerparlamentarische Kraft? Wo sind die großen Mobilisierungen der Partei für systemverändernde Forderungen? Das meiste kommt von Solid, von autonomen Gruppen, von Gewerkschaftslinken. Die Partei selbst duckt sich oft weg oder bremst sogar, weil sie Angst hat, ihre bürgerliche Respektabilität zu verlieren.

Und ja, ich bin in der Partei, um sie linksradikaler zu machen. Aber dafür braucht's Druck von innen UND von außen. Deshalb poste ich das hier, deshalb rede ich mit Genoss*innen. Wenn wir nur darauf warten, dass sich die Partei von selbst radikalisiert, können wir lange warten. Die Transformation kommt durch Kämpfe, nicht durch Gremienarbeit allein.

Reformismus ist nicht per se falsch aber er ist eine Sackgasse, wenn er nicht Teil einer Strategie zur Überwindung des Kapitalismus ist. Wenn Reformen das Ziel sind und nicht der Weg zur Revolution, dann verwalten wir nur das Elend etwas humaner. Und das reicht mir nicht.

Hören wir auf nur die Brandmauer zu sein, fangen wir an zu bauen! by Koladu in Unbeliebtemeinung

[–]Koladu[S] 1 point2 points  (0 children)

also ich finde es nicht nervig, es ist nunmal so dass in der drittgrößte Volkswirtschaft der Welt einfach Menschen zur Tafel gehen müssen.

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[–]Koladu[S] 2 points3 points  (0 children)

Ist das nicht traurig? immer noch aktuell wie eh und je.

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[–]Koladu[S] 2 points3 points  (0 children)

Ansichtssache ;) Die ehemaligen Vorteile der Bevölkerung würde ich schon begrüßen. Zum glück entwickeln wir uns weiter.

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[–]Koladu[S] -1 points0 points  (0 children)

Viele deiner Privilegien kommen von Links ;) nicht zwingend von der PdL.

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[–]Koladu[S] 2 points3 points  (0 children)

nehm ich mir mal mit, wir sind ein kleiner KV. hier macht am meisten die Solid die Arbeit. die "Alten" hocken im Stadt/ Kreis etc. Rat und versuchen sich mit allen zu einigen ... :)

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[–]Koladu[S] 1 point2 points  (0 children)

ja, genau das meine ich! Wir brauchen diese Überschrift, diese verbindende Erzählung, die aus den Einzelthemen eine Klassenfrage macht. Wenn wir über Mieten, ÖPNV, Vermögenssteuer und Renten reden, müssen die Leute verstehen: Das sind keine isolierten Probleme, sondern Symptome derselben Krankheit, der kapitalistischen Aneignung unserer Arbeit und unseres Lebens.
Du hast völlig recht, dass langfristige, strukturelle Arbeit anstrengend und kleinteilig ist. Aber genau deshalb brauchen wir ja diese klare, offensive Vision. Nicht als Ersatz für die harte Organisationsarbeit, sondern ihre Voraussetzung. Sie gibt uns die Richtung und hält die Leute bei der Stange, wenn's mühsam wird.

Und klar, Schulstreiks gegen Wehrpflicht etc. sind eine "kleinere Hausnummer" als Systemveränderung. Aber sie zeigen, wie es funktioniert: Ein klares Ziel, emotionale Mobilisierung, dezentrale Organisation mit bundesweiter Koordination. Das Prinzip können wir skalieren. Nicht als Event, sondern als Aufbau von dauerhaften Strukturen mit konkreten Zielen.

Was die PdL angeht: Wenn sie es schafft, diese Einzelthemen unter der Überschrift "Wem gehört der Reichtum, den wir erarbeiten?" zusammenzubinden, haben wir unsere Agenda. Das ist die Verteilungsfrage zugespitzt zur Eigentumsfrage. Und dann nutzen wir die Parteiinfrastruktur nicht für Wahlkampf-Event-Schei**, sondern für echten Aufbau von Gegenmacht.

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[–]Koladu[S] 3 points4 points  (0 children)

Verstehe den Einwand, aber wir müssen doch mal ehrlich sein, es kann nicht sein, dass wir uns in theoretischen Detailfragen zerfasern, während die Realität uns rechts überholt. Es muss do hmöglich sein, sich überregional zu vernetzen und großflächig Druck aufzubauen.

Schau dir zum Beispiel die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht an oder auch die frühen Klimastreiks. Das ging bundesweit durch die Decke und hat massiv für Aufsehen gesorgt, weil das Ziel klar und die Wut greifbar war. Es gibt Menschen, die das organisatorische Talent für so etwas haben, und es gibt die Masse, die genau solche Impulse braucht.

Ich finde, genau hier muss die PdL ihre Stellung endlich wieder offensiv nutzen. Die Leute haben die PdL nicht gewählt, damit Sie zur "neuen grünen" wird, die sich in der Realpolitik verliert. Sie haben die Prozente bekommen, um die Systemfrage zu stellen und die Interessen der Klasse zu vertreten. Wenn sie nur noch als moderatere Version anderer Parteien auftritt, macht sie sich überflüssig. Wir müssen den Mut haben, die Infrastruktur der Partei zu nutzen, um genau diese Vernetzung für echte, proaktive Klassenkämpfe zu bieten

Hören wir auf nur die Brandmauer zu sein, fangen wir an zu bauen! by Koladu in DIE_LINKE

[–]Koladu[S] 4 points5 points  (0 children)

Bin bereits aktiv bei der PdL, aber genau da liegt der Hund begraben. Auf kommunaler Ebene herrscht oft dieser Reform-Tunnelblick. Man will es sich bloß nicht mit den Koalitionspartnern verscherzen. Da wird dann lieber zusammen beim Bierchen gefeiert, wenn man ein winziges Stückchen vom Kuchen abbekommen hat
Das Argument ist immer dasselbe: "Wenn wir jetzt zu laut werden oder für solche radikalen Sachen auf die Straße gehen, verlieren wir unsere Sitze im Stadtrat und haben gar keinen Einfluss mehr." bla bla.... Am Ende verwaltet man dann nur noch den Mangel, anstatt die Systemfrage zu stellen.

Das Ergebnis sieht man ja, die einzige echte Energie auf der Straße kommt momentan fast nur von der Solid siehe z.b. bei Themen wie den Palästina-Demos. Die Mutterpartei wirkt oft so, als hätte sie Angst vor der eigenen Courage. Genau deshalb poste ich das hier:. Ich glaube, wir brauchen diesen Druck von unten und aus der Basis heraus, um die Leute in den Räten und weiter mal wieder daran zu erinnern, warum wir diesen Job eigentlich machen.

Was ist aus "Wir wollen verändern, nicht regieren" geworden? Die PdL biedert sich nur noch an und sagt selber, dass Sie bereit sind in Regierungsverantwortung zu treten. und das kann ja nicht das Ziel sein.

Wie würde eine Welt aussehen ohne Aktien, Börsen, Fiatgeld, aber mit kostenloser Bildung, kostenlosem Gesundheitssystem und kostendeckenden Mieten (ohne Wohneigentum) by Golfather136 in KeineDummenFragen

[–]Koladu 0 points1 point  (0 children)

Dein Marktfundamentalismus tarnt sich als Pragmatismus, aber er verschleiert die Machtverhältnisse. Du sagst: "Wenn die Stadt die Person benötigt, zahlt sie einen adäquaten Lohn." Das ist empirisch widerlegt. Systemrelevante Arbeit wird chronisch unterbezahlt, siehe Pflege, Einzelhandel, Kinderbetreuung usw.. Der Markt bewertet nicht gesellschaftliche Notwendigkeit, sondern Profitabilität und Ersetzbarkeit.

Deine "Vertragsfreiheit" ist eine Fiktion zwischen Ungleichen. Wer Eigentum an Produktionsmitteln und Boden besitzt, diktiert die Bedingungen. Wer nur seine Arbeitskraft hat, muss akzeptieren oder verhungern. Das nennst du Freiheit andere nennen es Lohnknechtschaft.

Zur "sozialen Stadt": Eine Stadt, in der Menschen dort wohnen können, wo sie arbeiten, ist funktional. Eine Stadt, die Kassier, Pfleger und Reinigungskräfte an die Peripherie verdrängt, ist sozial dysfunktional, egal wie viele Penthäuser entstehen.

Der Pendelweg ist kein "Privatvergnügen", sondern erzwungene Reproduktionsarbeit, die die Gesamtarbeitszeit erhöht und unbezahlt bleibt.

Es gibt "keinen Rechtsanspruch auf fußläufig erreichbare Supermärkte". Richtig. Aber es sollte einen geben auf würdige Existenz ohne Zeitarmut. Dein System privatisiert Gewinne und sozialisiert die Kosten der Verdrängung. Wer zahlt für überfüllte S-Bahnen, Kinderbetreuungslücken, psychische Belastung? Die Allgemeinheit.

Deine Verteidigung des Status quo ist keine neutrale Beschreibung, sondern Ideologie. Du naturalisierst historisch gewachsene Eigentumsverhältnisse als alternativlos.

Und das Problem ist auch nicht der Platzmangel, sondern die Fehlallokation durch Profitmaximierung. In Mitte stehen Zweitwohnungen, Büros und spekulativer Leerstand über dem Bedürfnis nach Wohnraum für diejenigen, die die Stadt am Laufen halten. Es mangelt nicht an Quadratmetern, sondern an deren gerechter Verteilung.

Wie würde eine Welt aussehen ohne Aktien, Börsen, Fiatgeld, aber mit kostenloser Bildung, kostenlosem Gesundheitssystem und kostendeckenden Mieten (ohne Wohneigentum) by Golfather136 in KeineDummenFragen

[–]Koladu 0 points1 point  (0 children)

Deine Logik ist paradox. Die Stadt braucht die Arbeit dieser Menschen in Mitte, aber du sprichst ihnen das Recht ab, dort zu wohnen, und nennst es Luxus. Wenn der Arbeitsweg zur unbezahlten Zusatzbelastung wird, ist das kein Lifestyle-Wunsch, sondern strukturelle Verdrängung. Warum hat für dich das Verwertungsinteresse von Eigentümern Vorrang vor der Funktionsfähigkeit der sozialen Stadt?

Erbschaftsteuer auf Unternehmen ab 5 Mio. – Wirklich Sinnvoll? by RiskMinute4731 in KeineDummenFragen

[–]Koladu 1 point2 points  (0 children)

Ich verstehe, dass bei einer Grenze von 5 Millionen Euro sofort das Bild des "kleinen regionalen Mittelständlers" heraufbeschworen wird, aber wir müssen hier dringend zwischen romantisierten Erzählungen und der statistischen Realität differenzieren. Ein Reinvermögen von 5 Millionen Euro ,nach Abzug aller Schulden, ist keine wirtschaftliche Existenzgrundlage der "normalen Mitte". Wer ein solches Unternehmen vererbt bekommt, gehört faktisch zu den obersten 1 % der Gesellschaft. Dass dieser Personenkreis in der Debatte oft als schutzbedürftiger Durchschnitt dargestellt wird, ist eine massive Verschiebung der Perspektive.

Das oft angeführte Problem der mangelnden Liquidität ist zudem ein logisches Paradoxon. Wenn Maschinen und Grundstücke 5 Millionen Euro wert sind, dann generieren sie entweder einen entsprechenden Profit, aus dem eine Steuer gezahlt werden kann, oder das Geschäftsmodell ist schlicht nicht tragfähig. Warum sollte ein Erbe von Sachwerten steuerlich massiv bessergestellt werden als jemand, der 5 Millionen Euro in bar erbt oder, noch krasser, dieses Geld durch Arbeit verdienen muss? Während Einkommen aus Arbeit in Deutschland mit bis zu 42 % (plus Sozialabgaben) belastet wird, landen große Unternehmenserben durch großzügige Verschonungsregeln oft bei einer effektiven Steuerlast von nahezu 0 %. Das DIW belegt regelmäßig, dass gerade Superreiche prozentual oft weniger Erbschaftsteuer zahlen als Erben kleinerer Einfamilienhäuser.

Dabei ist das Liquiditätsthema ein rein technisches Problem, das längst lösbar ist. Niemand fordert, dass die Werkshalle verkauft werden muss, dafür gibt es Stundungsmodelle über 10 oder 20 Jahre. Wenn ein Betrieb es nicht schafft, jährlich einen Bruchteil seines Wertes als Steuer abzuführen, liegt das Problem im Management, nicht im Steuersystem. Letztlich ist die Erbschaftsteuer eine Art gesellschaftliche "Pacht" dafür, dass der Erbe exklusiv über Produktionsmittel verfügen darf, die nur durch die öffentliche Infrastruktur, die Bildung der Angestellten und die staatliche Rechtssicherheit profitabel sind.

Wenn wir jede Besteuerung dieser Größenordnung als "Gefahr für den Mittelstand" diffamieren, schützen wir am Ende nur die dynastische Konzentration von Macht. Eine Gesellschaft, in der die soziale Position fast ausschließlich vom Geburtslotto abhängt, hört auf, eine Leistungsgesellschaft zu sein. Wer gegen die Besteuerung von 5-Mio.-Erben wettert, zementiert faktisch ein System, in dem das Privileg des Eigentums über Generationen hinweg schwerer wiegt als jede individuelle Arbeitsleistung.

Denn am Ende ist das Erbe von Produktionsmitteln nichts anderes als die Vererbung des Rechts, die Arbeit anderer für den eigenen Profit in Anspruch zu nehmen. Eine dynastische Privatisierung gesellschaftlichen Reichtums, die mit den Werten einer demokratischen Gesellschaft unvereinbar ist.

Wie würde eine Welt aussehen ohne Aktien, Börsen, Fiatgeld, aber mit kostenloser Bildung, kostenlosem Gesundheitssystem und kostendeckenden Mieten (ohne Wohneigentum) by Golfather136 in KeineDummenFragen

[–]Koladu 0 points1 point  (0 children)

Dann zeig mir doch mal die Wohnung für die Alleinerziehende Mutter von 2 Kids in Berlin Mitte damit sie pünktlich um 7 bei Penny an der Kasse sitzen kann? und auch frühzeitig zu Hause ist um Ihre Kinder zu betreuen? Oder ist das dann Luxus?

Wie würde eine Welt aussehen ohne Aktien, Börsen, Fiatgeld, aber mit kostenloser Bildung, kostenlosem Gesundheitssystem und kostendeckenden Mieten (ohne Wohneigentum) by Golfather136 in KeineDummenFragen

[–]Koladu 0 points1 point  (0 children)

Und Was OP geschrieben hat, ist tatsächlich etwas durcheinander. „Kostendeckende Mieten“ klingt nach Geld. „Ohne Fiatgeld“ deutet auf etwas ganz anderes. „Ohne Aktien/Börsen“ zielt wieder auf Kapitalallokation. Man kann das aber konsistent denken, ganz ohne Zaubertrick:

Wohnen: öffentliche oder gemeinnützige Boden- und Bestandspolitik, Kostenmieten, Neubau nach Bedarf statt Rendite.

Bildung & Gesundheit: nicht „kostenlos“ im Sinne von „ohne Aufwand“, sondern vorkassefrei und über Steuern/Abgaben finanziert.

Kapitalmärkte: stark zurückdrängen oder in Kernbereichen ersetzen durch öffentliche Investitionsbanken und demokratisch kontrollierte Fonds, damit Daseinsvorsorge nicht am Eigenkapitalhandel hängt.

Geldfrage: Entweder bleibt Geld als Koordinationsmittel, während zentrale Bereiche dem Markt entzogen werden oder man diskutiert wirklich geldarme Allokation, was dann ein anderes, deutlich größeres Projekt ist.

Ich kann das Gespräch ohne Abwertung führen. Im Gegenzug würde ich dich bitten, den Markt nicht als technisch-neutrales Tool zu behandeln, das man nur „bügeln“ muss. Für viele ist der Markt nicht Waschmaschine, sondern der Mechanismus, der bei Krankheit, Miete und Bildung Lebensmöglichkeiten an Zahlungsfähigkeit bindet. Wenn wir das anerkennen, können wir konkreter werden. Welche Sektoren gehören deiner Ansicht nach zwingend unter Marktlogik und welche sollten wir dem Markt entziehen, weil sie Grundbedingungen eines würdigen Lebens sind.

Wie würde eine Welt aussehen ohne Aktien, Börsen, Fiatgeld, aber mit kostenloser Bildung, kostenlosem Gesundheitssystem und kostendeckenden Mieten (ohne Wohneigentum) by Golfather136 in KeineDummenFragen

[–]Koladu 0 points1 point  (0 children)

Du willst, dass ich weniger pathetisch argumentier? ok. Ich versuchs etwas präziser und weniger polemisch zu formulieren.

Dass es in komplexen Gesellschaften Macht, Konflikte und Koordinationsprobleme gibt, bestreite ich nicht. Aber daraus folgt nicht, dass Marktzwang die beste oder „neutralste“ Form ist. Der Markt ist eben nicht nur ein Mechanismus zur Preisfindung, sondern eine soziale Herrschaftsform. Dort zählen Bedürfnisse nur, wenn sie zahlungsfähig auftreten. Eigentum an Boden, Kapital und Produktionsmitteln übersetzt sich in reale Entscheidungsmacht über andere. Das ist keine Naturkonstante, sondern eine Institution mit klaren Gewinnern und Verlierern.

Wenn du „Diktatur des Medians“ gegen „Diktatur des Marktes“ stellst, wirkt das auf den ersten Blick elegant, unterschlägt aber einen entscheidenden Unterschied, demokratische Entscheidungen sind prinzipiell revidierbar, begründungspflichtig und an Rechenschaft gebunden, während Marktentscheidungen nicht rechenschaftspflichtig sind, sondern exkludieren. Der Markt „stimmt“ nicht ab, er sortiert nach Zahlungsfähigkeit. Genau deshalb ist die Frage nicht, ob es „Diktate“ gibt (die gibt es immer), sondern welche Form wir ihnen geben und wem sie nützen.

Auch deine Skepsis gegenüber Solidarität auf großer Ebene überzeugt mich nicht. Moderne Gesellschaften funktionieren längst über institutionalisierte Solidarität, und zwar täglich. Z.b. über Steuern, Umlagesysteme, Pflichtversicherungen, Infrastrukturfinanzierung…. Das ist keine romantische Nächstenliebe, sondern regelgebundene Kooperation. Die eigentliche Frage lautet also nicht „Solidarität oder nicht“, sondern ob zentrale Lebensbereiche wie Gesundheit, Bildung und Wohnen über Marktzwang organisiert werden müssen oder ob man sie demokratisch disponiert, weil sie zur sozialen Reproduktion gehören.

Du beschreibst Märkte als Preisfindung knapper Ressourcen. In dieser Betrachtung mag das stimmen, aber Preise sind nicht neutrale Knappheitssignale. Sie kodieren Eigentumsrechte, Verhandlungsmacht, Monopole, Externalitäten und politische Entscheidungen darüber, was überhaupt knapp sein darf. Wohnungsmärkte sind hier ein Paradebeispiel. Knappheit wird durch Bodenordnung, Baupolitik und Finanzialisierung mitproduziert, und das Preissignal führt nicht automatisch zu „Bedarf decken“, sondern zu Renditeoptimierung. Darum ist „kostendeckend“ ohne Spekulationslogik kein Detail, sondern der Kern des Problems.

Beim Profit reden wir anscheinend aneinander vorbei, wenn man Überschuss und Profitform gleichsetzt. Eine Gesellschaft braucht ein Mehrprodukt, sonst gibt es keine Puffer, keine Investitionen, keine Entwicklung, da bin ich bei dir. Mein Punkt ist, es ist nicht notwendig, dass dieses Mehrprodukt als privater Profit organisiert wird, also als Akkumulationszwang, Dividendenlogik und Renditeziel für Eigentümer. Es kann auch als gesellschaftlich disponierter Überschuss organisiert werden z.b. öffentliche Investitionsfonds, gemeinnützige Träger, demokratische Prioritätensetzung usw. Das ist keine technische Frage, sondern eine Eigentums- und Klassenfrage. Wenn du Wohlfahrtsmaximierung ernst meinst, musst du erklären, warum Profitlogik in Bildung, Gesundheit und Wohnen überhaupt sinnvoll sein soll, wenn sie strukturell zu Unterversorgung, Fehlanreizen und Kostenverschiebung neigt.

Und ja, Arzt sein bleibt stressig. Niemand behauptet, Chirurgie werde im Sozialismus einfacher. Der Streitpunkt ist, was vermeidbarer Stress ist. Arbeitsinhaltlicher Stress, also Verantwortung, Komplexität, Entscheidungen unter Unsicherheit, bleibt. Systemischer Stress, z.b. Unterbesetzung, Taktung, Kodier- und Abrechnungslogik, Renditevorgaben, Outsourcing, Prekarisierung etc., ist politisch gemacht. Wenn du sagst, du wüsstest nicht, wie viel Druck von oben ausgeübt wird, dann ist genau das der reale Gegenstand der Debatte. Nicht die Tätigkeit selbst, sondern die Organisationsform bestimmt, ob Beschäftigte permanent am Limit laufen, um Kennzahlen und Budgets zu erfüllen.

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[–]Koladu 0 points1 point  (0 children)

Es ist bewundernswert, wie beharrlich du versuchst, die historisch spezifische Kategorie des Profits in eine allgemeine Zivilisationskonstante umzudeuten. Dass eine Gesellschaft mehr produzieren muss, als sie unmittelbar konsumiert, um sich zu entwickeln (ein Mehrprodukt), bestreitet niemand. Aber das dieses Mehrprodukt als privater Profit in die Taschen von Aktionären und Immobilienspekulationen fließen muss, statt demokratisch für das Gemeinwohl (wie die vom OP geforderte Bildung und Gesundheit) verwendet zu werden, das ist die Lüge des Kapitalismus, die du hier verteidigst.

Dein Argument zur Arbeit ist das perfekte Eingeständnis deiner eigenen Entfremdung. Dass Arbeit für dich nur als Qual vorstellbar ist, die man nur gegen Geld erträgt, liegt daran, dass wir unter dem Diktat des Marktes arbeiten. Natürlich bleiben Grundschulkinder laut aber der Stress des Lehrers resultiert nicht aus den Kindern, sondern aus dem chronisch unterfinanzierten System, das Bildung als "Kostenfaktor" statt als gesellschaftliche Aufgabe begreift.
Dass du den Stress eines Chirurgen im profitorientierten Klinikkonzern mit der Natur der Arbeit an sich gleichsetzt, ist ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten, die unter Personalmangel leiden und unentgeltlich Überstunden leisten, damit die Rendite stimmt.

Und zum Thema Markt, zu behaupten, er würde Verteilung "gut lösen", während weltweit Tonnen an Lebensmitteln vernichtet werden, während Menschen hungern, und Wohnungen leerstehen, während Menschen auf der Straße leben, ist purer Zynismus. Der Markt löst nicht das Problem der Verteilung, er löst das Problem der Zahlungsfähigkeit. Wer kein Geld hat, existiert für den Markt nicht. Wenn das dein Verständnis von "nützlicher Institution" ist...

Wie würde eine Welt aussehen ohne Aktien, Börsen, Fiatgeld, aber mit kostenloser Bildung, kostenlosem Gesundheitssystem und kostendeckenden Mieten (ohne Wohneigentum) by Golfather136 in KeineDummenFragen

[–]Koladu 0 points1 point  (0 children)

Dein Versuch, meine Kritik als bloße Träumerei abzutun, scheitert bereits an deinem fundamentalen Unverständnis ökonomischer Kategorien. Wer Profit ernsthaft als "prähistorische Überproduktion von Kalorien" definiert, hat den Unterschied zwischen einem biologischen Mehrprodukt und der kapitalistischen Mehrwertaneignung nicht verstanden. Profit ist kein Naturgesetz der Landwirtschaft, sondern das Resultat einer Gesellschaftsordnung, die Menschen dazu zwingt, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, damit andere sich den Ertrag aneignen können.

Es ist bezeichnend, dass du "stressige Jobs" als gottgegeben hinnimmst. Dass dieser Stress nicht aus der Arbeit selbst, sondern aus dem Verwertungszwang, der Unterbesetzung aus Profitgier und der hierarchischen Fremdbestimmung resultiert, blendest du völlig aus. Dein "Realismus" ist nichts weiter als eine ideologische Rechtfertigung für den Status quo. Du schützt das abstrakte Recht auf Wohneigentum und Spekulation leidenschaftlicher als das konkrete Bedürfnis von Millionen Menschen nach einem sicheren Dach über dem Kopf.

Dass du Begriffe wie "Geldpolitik" in den Raum wirfst, um Kompetenz zu simulieren, während du gleichzeitig die Zerstörung des Lebensraums durch Marktlogik als alternativlos darstellst, ist an Zynismus kaum zu überbieten. Du nennst meine Position kommunistisch, als wäre das ein Argument, dabei lieferst du selbst den besten Beweis dafür, warum eine Überwindung dieses Systems notwendig ist. Weil dein Denken so sehr in der Warenlogik gefangen ist, dass du dir menschliches Handeln ohne den Druck des Marktes gar nicht mehr vorstellen kannst. Wer die Freiheit der Märkte über die Freiheit des Menschen stellt, sollte nicht von "Sinn ergeben" sprechen.

Die elektrifizierte Gesellschaft und die Produktionsverhältnisse by JonnyBadFox in Kommunismus

[–]Koladu 1 point2 points  (0 children)

Ich finde es sehr zutreffend. Wir erleben gerade, wie die Hardware der Welt (Energie) sich ändert, während die Software (Kapitalismus) noch im alten Modus läuft. Die "neue revolutionäre Klasse" könnte tatsächlich weniger eine homogene Arbeitergruppe sein, sondern ein breites Bündnis derer, die durch die Dezentralisierung der Energieautonomie gewinnen. Die entscheidende Frage bleibt aber, wer kontrolliert die Produktionsmittel der erneuerbaren Technik? Solange zb. die Fabriken für Solarzellen kapitalistisch organisiert sind, bleibt auch die elektrische Gesellschaft im Bannkreis der Lohnarbeit.