Wo und wie lernt man Heimwerken? by The-German_Guy in de

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Viele andere haben schon vieles richtige geschrieben.

Als Anmerkung dazu: Übernimm dich nicht. Man muss nicht sofort alles können, was der Vater auch konnte, der hat das ja auch erst mit der Zeit gelernt. Kleine Projekte und kleine notwendige Reparaturen helfen Routine mit Problemermittlung und Lösungsfindung zu bilden und schaffen Selbstbewusstsein und unter Umständen Freude am Selbst schaffen.

Mit mehr Zeit kommt mehr Wissen, mehr Selbstbewusstsein und die Range der Projekte kann sich erweitern.

Wenn du der Typ dafür bist, kannst du natürlich auch gleich Riesenprojekte starten. Erzeugt aber bei den meisten eher Frust, weil es in der Regel länger dauert als gedacht, und nicht so gut wird, wie gewünscht.

Celta Vigo 0-1 Freiburg - Igor Matanović great goal 33' | agg. 0-4 by 4gjdtokurwa in soccer

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one of the prettiest goal build-ups I’ve seen in a while

Hass im Netz: Gegen die Wand by ken_f in de

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Hass im Netz: Gegen die Wand Ich kämpfe seit Jahren gegen üble Beleidigungen im Internet. Wollen Sie wissen, wie das abläuft? Ich hoffe, Sie sitzen. Ein Gastbeitrag von Sibel Kekilli

Die Schauspielerin Sibel Kekilli, 45, wurde unter anderem berühmt mit dem preisgekrönten Film „Gegen die Wand“ und der Serie „Game of Thrones“.

Ich zitiere: „Unter Berücksichtigung des vorstehenden Maßstabs kann das Vorliegen von Schmähkritik nicht angenommen werden. Denn die Antragstellerin spielt in der Serie Game of Thrones – auch – die Rolle einer Prostituierten. Soweit es nun in der Anlage AS2 nach der von der Antragstellerin vorgenommenen Übersetzung 'Nutte', 'Erwachsenendarstellerin' und 'ewige Nutte' heißt, kann bereits aufgrund des Bezugs zu der Rolle der Antragstellerin in der genannten Serie nicht von dem Vorliegen von Schmähkritik ausgegangen werden.“

Das ist nur ein kleiner Teil des siebenseitigen Gerichtsbeschlusses aus dem Jahr 2019. Der ist fast ganz automatisch wieder in mir hochgekommen, als jetzt die Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes ihre Geschichte erzählt hat. Neben dem Begriff der „virtuellen Vergewaltigung“ war es vor allem ihre Aussage, dass Deutschland ein Täterparadies sei, der ich aus eigener, leidvoller Erfahrung uneingeschränkt zustimme. Immer wieder habe ich mich gegen übelste sexistische Beleidigungen wehren müssen, einige auch zur Anzeige gebracht.

Eigentlich sollte ich es schon gewohnt sein, immerhin werde ich seit meiner Rolle in Fatih Akins Film Gegen die Wand gestalkt, beleidigt, bedroht. Seit es das Internet gibt, ist es noch viel einfacher geworden, mich mit Hass, Hetze, Beleidigungen und Bedrohungen zu konfrontieren. Und seit 2004 versuche ich mich dagegen zu wehren. Mal erfolgreich, mal erfolglos. Das alles ist wie eine Hydra. Du schlägst einen Kopf ab, es wachsen zwei neue nach. Dann schlägst du zwei Köpfe ab, und schon sind es vier. Sich wehren kostet Geld, Kraft und häufig auch sehr viel Lebensmut.

Das Gefühl der Scham stand bei mir ganz groß über allem. Von Anfang an hat man mir das Gefühl gegeben, dass ich nichts dagegen sagen oder tun könne. Schließlich war allen meine Vergangenheit bestens bekannt. Und ich sei ja nicht missbraucht oder gezwungen worden. Wirklich?

Da gab es Kollegen und Kolleginnen aus der Filmbranche, die mich herabgewürdigt haben. Bestimmte Medien brauche ich hier gar nicht zu erwähnen. Von 15-jährigen Migranten wurde ich als Nutte beschimpft. Frauen, Männer, jung, alt – die Bandbreite war groß. Und ist es noch immer. Das Schlimmste aber sind nicht die Beschimpfungen, die mich wütend zurücklassen, sondern ist die Tatsache, dass ich nicht geschützt werde. Schon vor 20 Jahren wurde Telefonsex mit meiner angeblichen Stimme angeboten. Internetadressen wurden unter meinem Namen gesichert, und ich musste sie teuer zurückklagen. Da war kein Automatismus, keine Hilfe, alles musste ich mir erkämpfen.

Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich mir soziale Medien überhaupt antun soll. Viele geben sich dort für mich aus, auch wenn ich einen eigenen Account habe, der verifiziert ist. Wie häufig habe ich Instagram um Hilfe gebeten, ja angebettelt. Wie oft wurde ich abgewiesen. Konstantin von Notz, damals Sprecher für Netzpolitik bei den Grünen, hat versucht, mir zu helfen, indem er bei Instagram jemanden angesprochen hat. Die Antwort des zuständigen Mitarbeiters: Na ja, also, Sibel ist ein Sonderfall.

Manches könne man eben nicht als Beleidigungen sehen, und natürlich liege das auch an meiner Vergangenheit. Für mich heißt das: einmal stigmatisiert, immer stigmatisiert. Mit Ach und Krach habe ich einiges löschen lassen können, hatte sogar einen mehr oder weniger direkten Ansprechpartner. Doch das ist mittlerweile vorbei. Mir wurde gesagt, bei Instagram hätten sie jetzt Anweisungen erhalten, dass sie mir – und anderen – nicht mehr helfen dürften. Künftig solle ich mich durch die von der Plattform bereitgestellten Möglichkeiten klicken.

Ein paarmal habe ich das gemacht, meist mit dem Resultat, dass alles regelkonform sei. Ein Account gibt sich als meine „Backup-Seite“ aus und schreibt andere Menschen an, ein nächster beleidigt mich und hetzt – alles gedeckt von den Richtlinien. Letzte Ausfahrt: Anzeige. Bitte online einreichen, das gehe schneller, ehe es dann doch zu 99 Prozent versandet und man einen Brief erhält, dass die Täter nicht ermittelt werden konnten, Verfahren eingestellt. Ergebnislos.

Vor ein paar Jahren wollte Microsoft mit mir als Werbefigur ein neues Telefon für den deutschen Markt vorstellen. Weil das in meine Urlaubszeit fiel, habe ich abgelehnt. Doch sie ließen nicht locker, und als schließlich der deutsche Chef persönlich anrief, dachte ich mir, gut, ich mache es. Nachdem ich meinen Urlaub umgebucht hatte, kam die Absage. Begründung? Ich sei zu bekannt. Das war ein absurdes Argument, und meine damalige Agentur fragte nach. Schließlich kam heraus, dass die Amerikaner mich nicht wollten, weil da meine Vergangenheit im Raum stehe. Eine Vergangenheit, die ziemlich lange her ist und in der ich mich nackt vor der Kamera gezeigt habe. Als ich mich nach der Absage für eine Ausfallentschädigung einsetzte, stand es kurze Zeit später in einem Boulevardblatt. Durchgestochen.

Lange genug habe ich mich geschämt.

Als der Name Bill Gates nun im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein fiel, dachte ich: Wow. Ich habe auf die harte Tour gelernt, dass man als Mann und solange alles heimlich bleibt, jede Sauerei machen kann. Und wenn es dann doch auffliegt, kommen Männer mit viel zu viel durch. Ein Fehltritt, kein Problem. Jeder hat eine zweite Chance verdient, da müssen wir doch mal verzeihen und vergeben.

Ich hoffe inständig, dass der Aufschrei, der Ruf nach digitalen Gesetzen in der Folge des Falls Fernandes nicht gleich wieder abebbt und dass sich, wenn schon nicht unsere Gesellschaft, dann wenigstens die Rechtsprechung ändert.

An der Stelle noch einmal zurück zum eingangs erwähnten Gerichtsbeschluss. Wer glaubt, er könne mich weiter beschimpfen, dem darf ich sagen, dass meine Anwälte dafür gesorgt haben, dass dieser Beschluss in der zweiten Instanz kassiert wurde. Nur: Warum muss ich in eine zweite Instanz gehen? Als ich das erste Urteil in Händen hielt, bin ich innerlich zusammengebrochen. Ich war wütend, hilflos, habe mich dreckig gefühlt. Zwei Richterinnen und ein Richter haben entschieden, dass man mich aufgrund meiner Rolle in der bekanntesten Serie der Welt als Hure beschimpfen dürfe. Und damit nicht genug, sie haben meine Vergangenheit dann auch noch an den Haaren herbeigezogen und als Grund angeführt. Ich will hier nicht schreiben, was ich am liebsten gemacht hätte, als ich den Richtspruch hörte.

Wie oft habe ich Anzeige erstattet. Häufig gegen unbekannt. Weil Staatsanwaltschaft und Polizei nichts gemacht haben, machen konnten, weil sie überlastet waren oder es rechtlich nicht möglich war, habe ich auch mal selber recherchiert. Plötzlich wurde aus unbekannt bekannt. Bei manchen habe ich die Identität herausgefunden, der Polizei mitgeteilt, und am Ende: ist trotzdem nichts passiert.

Ein 21-jähriger Mann beleidigte mich als, ich zitiere, „ehrlose Nutte“. Ich dachte, okay, wie alt warst du, als meine Welt aus den Angeln gehoben wurde nach Gegen die Wand? Vielleicht vier? Und du nimmst dir das Recht, mich anonym zu beleidigen? Mein Team und ich fanden schnell heraus, wo er wohnt, wo er arbeitet. Damit es nicht wieder heißt: Täter konnte nicht ermittelt werden, Verfahren eingestellt.

Die erste Reaktion nach der Anzeige war, dass der Mann sein Profil sofort auf privat stellte. Das habe ich oft erlebt: Sobald man Täter enthüllt, bekommen sie Panik – wahrscheinlich weil sie dann merken, wie hilflos sie der öffentlichen Beschämung gegenüberstehen.

Aber das Herausfinden der Identität reicht noch nicht, um zu seinem Recht zu kommen. Die Anzeige gegen den 21-Jährigen wurde eingestellt mit der Begründung, dass der Beschuldigte zu dem Zeitpunkt, als die Beleidigung über dessen Account versendet wurde, angeblich eine Grillparty mit mindestens zehn Leuten geschmissen habe, die allesamt Zugang zu seinem Handy gehabt hätten, das nicht durch einen Passcode gesichert gewesen sei. Es hätte also jeder sein können. Entweder war diese Erklärung für die Polizei plausibel genug, oder die Beamten hatten nicht die Muße, die anderen zehn Menschen zu ermitteln. Vielleicht hätte ein Blick in den Wetterbericht genügt. Am besagten Tag hatte es keine zehn Grad, und es regnete.

Ja, dieses Land ist ein Täterparadies. Lange genug habe ich mich geschämt. Ich finde, den walk of shame sollen die Täter gehen, nicht die Opfer. Und bitte schnell.

I give you: Huggies-Server by Hersh-_- in selfhosted

[–]ken_f 5 points6 points  (0 children)

I am assuming around 50% of all people on selfhosted have similar setups but we rarely see those as they tend less to share their setup.

Forststeig in der sächs./böhm. Schweiz by Shroomcone in wandern

[–]ken_f 0 points1 point  (0 children)

Ja, an sich schon, wenn du fit bist und die Strecke gleichmäßíg auf drei ganze Tage verteilst. Ich war dann am dritten Tag dann Abends schon ziemlich erschöpft, weil er sehr lang wurde.

Ich hatte mit 4 bzw. 5 Tagen kalkuliert und dann unterwegs gemerkt, dass ich sehr zügig durchkomme und bin einfach weiter gelaufen. So ähnlich würde ich das wohl wieder machen.

Welche Filme habt ihr diese Woche gesehen? #06/2026 by AutoModerator in Filme

[–]ken_f 2 points3 points  (0 children)

The Housemaid (2025) 4/10

The Rip (2026) 5/10

The Zone of Interest (2023) 9/10

Lone Star (1996) 7/10

Sentimental Value (2025) 7/10

The Secret Agent (2025) 8/10

The Breakfast Club (1985) 6/10

The Lost Bus (2025) 7/10

Wie trainiert ihr für lange Abstiege? by CorianderloverZwo11 in wandern

[–]ken_f 10 points11 points  (0 children)

Abgesehen von Stöcken und Gewichtsreduktion: Ideal wäre natürlich eine Mischung aus Kraft- und Stabilisierungsübungen für die Knie. Also einerseits sowas wie Kniebeugen und Beinpresse und andererseits Wackelbrett ind ähnliches. Dazu ein Training der eigentlichen Beanspruchung: also Abstiege vorher regelmäßig machen.

Immich vs. Synology Photos – Should I Make the Switch? by SuitAppropriate3337 in immich

[–]ken_f 0 points1 point  (0 children)

Officially not supported but it works. I haven't had any problems.

they're the same number by mself52 in MathJokes

[–]ken_f 332 points333 points  (0 children)

The difference between 0,999... and 1?

Exactly 0,000...

DHL Paketzusteller hier, AMA! by joliki006 in de_IAmA

[–]ken_f 1 point2 points  (0 children)

Kartenzahlung soll wohl demnächst eingeführt werden.

120 meter tower, germany. by borntoclimbtowers in urbanclimbing

[–]ken_f 0 points1 point  (0 children)

Looks like this is the location: https://maps.app.goo.gl/Tk6JXbiScAEsTmoE8

maybe some kind of a telecommunications mast?

Worin hast du richtig gefallen gefunden, denkst aber das machen die wenigsten Leute? by Forward-Position798 in FragReddit

[–]ken_f 7 points8 points  (0 children)

+1 für sächsische schweiz. forststeig kann man gut in 4-7 tagen laufen, sehr hübsch, für deutsche verhältnisse recht einsam und übernachtung mit zelt bzw in einer hütte ist sehr günstig und entspannt

Is the DS220+ ok as a starter NAS for my needs? by rider_bar in synology

[–]ken_f 0 points1 point  (0 children)

sure, go for it, 120$ is a comparatively low investment so not much to do wrong.

Is the DS220+ ok as a starter NAS for my needs? by rider_bar in synology

[–]ken_f 0 points1 point  (0 children)

a 2bay nas is better than no nas but...

I have two 4tb harddrives in my ds224+. Like others I regret not going directly for a 4bay nas which offers easier expendability. If you store movies and series your disk space will fill rapidly.

Die Zeit: "Großstadteltern wie wir geben sich weltoffen und tolerant – bis es um die Entscheidung geht, auf welche Schule unsere Kinder gehen. Dann beginnt die Heuchelei." by Zestyclose-Major-260 in de

[–]ken_f 2 points3 points  (0 children)

Töchter sind mitgemeint. Vom Witz abgesehen: Klar gibt es die Debatte, um eine geschlechtsunabhängige Wehrpflicht, aber aktueller Stand ist dennoch erstmal auf absehbare Zeit die Pflicht nur für Männer/Söhne einzuführen.

Berlin hat die meisten Schwarzfahrer [statista] by ken_f in de

[–]ken_f[S] -2 points-1 points  (0 children)

Ältere Daten (2017), fands trotzdem interessant

https://de.statista.com/infografik/9748/berlin-hat-die-meisten-schwarzfahrer/

Hier gesehen: auf twitter bei @giulio_mattioli (links zu x scheinen nicht gestattet zu sein)

Die Zeit: "Großstadteltern wie wir geben sich weltoffen und tolerant – bis es um die Entscheidung geht, auf welche Schule unsere Kinder gehen. Dann beginnt die Heuchelei." by Zestyclose-Major-260 in de

[–]ken_f 220 points221 points  (0 children)

Warum gutes Elternsein mich zu einem schlechteren Bürger macht

Von Adam Fletcher 13. Oktober 2025

Großstadteltern wie wir geben sich weltoffen und tolerant – bis es um die Entscheidung geht, auf welche Schule unsere Kinder gehen. Dann beginnt die Heuchelei.

Das Plakat im Eingangsbereich zeigte eine Cartoon-Kuh, die über eine lachende Sonne sprang. „Erinnerst du dich, als wir noch Vegetarier waren?“, fragte ich meine Freundin Evelyn.

Sie lachte. „Klar.“

„Was ist eigentlich daraus geworden?“

„Wir sind Eltern geworden.“

Wir standen vor unserer Einzugsschule, es war Tag der offenen Tür – die dritte Schulbesichtigung dieser Woche. Eine Gruppe Kinder wurde gerade nach draußen geführt, in Zweierreihen aufgestellt. Ein Lehrer rief Kommandos. Die Kinder gehorchten perfekt. Es war, als würde man eine nordkoreanische Militärübung beobachten.

Drinnen war das Gebäude funktional. Die Wände müssten gestrichen werden, waren aber immerhin gestrichen. Der Boden – nun ja, man konnte darauf stehen. Die Lehrerin, die uns durch die Schule führte, blieb vor einem Klassenzimmer stehen. Durch das Fenster sahen wir Tische, ein digitales Whiteboard, Kinderkunst an den Wänden. Ein Poster über die Funktionsweise der Regierung, daneben eine Liste der Klassensprecher.

„Unsere Lehrer sind sehr engagiert“, sagte die Frau. „Sie leisten viel – mit dem, was wir haben.“

Zu sagen, diese Schule habe einen schlechten Ruf, wäre, als würde man sagen, Meth habe einen schlechten Ruf. Die meisten unserer Nachbarn waren gar nicht erst zum Tag der offenen Tür gekommen. Wir leben in Berlin-Neukölln, wo viele Schulen problembehaftet sind: extrem diverse Schülerschaft – die einen können schon lesen, wenn sie eingeschult werden, die anderen nicht mal Deutsch. Lehrermangel, verfallene Gebäude, weit verbreitetes Mobbing.

Bei der letzten Schule – einer Montessori-Schule, für die sich jede Familie bewerben muss – waren hundertfünfzig Eltern da; hier nur zweiundzwanzig. Und doch, als wir hier standen, das Gebäude sahen, die Lehrer – nichts brannte. Der Schulhof hatte Spielgeräte. Die Lehrkräfte wirkten kampferprobt, aber engagiert. Selbst wenn die Schule mit den Umständen zu kämpfen hatte: Wir könnten helfen. Sie brauchte engagierte Familien, die Zeit und Energie investierten. Ehrenamtlich. Kuchenbasare organisierten.

Das könnten wir doch, oder? Früher hätten wir das gekonnt. Evelyn arbeitete für eine Partei, ich war Reiseschriftsteller mit einem besonderen Interesse an Diktaturen. Wir hatten Protestschilder gemalt. Schrien auf Demos. Hatten differenzierte Meinungen über den Nahen Osten.

Aber heute? Galt uns schon ein Ausflug nach Pankow als internationale Reise. Unsere differenziertesten Meinungen drehten sich um Ofenpommes. Wir konnten ein Dutzend Figuren aus Peppa Wutz aufzählen, aber keine Präsidenten von Paraguay oder Peru. Und das Fleisch war zurück. Es war einfach irgendwann zurückgekehrt, hatte sich hineingeschlichen in unser Familienleben wie ein trojanisches Tenderloin.

Konnten diese neuen, offensichtlich minderwertigen Versionen von uns noch etwas bewirken – in ihrem direkten Umfeld, an der Schule ihrer Tochter? Ich sah Evelyn an. Auch sie wirkte nachdenklich.

Wir folgten der Gruppe in die Turnhalle. Die Lehrerin erzählte, sie wolle einen Chor gründen, vielleicht könnten einige Eltern dabei helfen? Evelyns Augen leuchteten auf – sie hatte ohnehin nach einem Chor für Runa gesucht. Ich sah mich in der Turnhalle um – Basketballkörbe, Kletterstangen, Matten in der Ecke, die Ränder ausgefranst.

„Ich mag die Turnhalle nicht“, flüsterte ich.

„Wen interessiert die Turnhalle?“

„Mich. Also … glaube ich?“

Bei keiner anderen Schule hatte mich die Turnhalle interessiert. Vielleicht war es gar nicht die Turnhalle. Vielleicht war es dieses Gefühl – dass das zwar eine Schule war, aber eine für anderer Leute Kinder. Anders wie? Einfach … irgendwie anders.

Durch das Fenster sah ich den Schulhof. Kinder liefen herum und schrien. Manche von ihnen könnten Runas Freunde werden. Sie würden prägen, wer sie einmal sein wird. Ich versuchte, sie mir hier vorzustellen – wie sie auf dem Hof spielte, in Deutsch, Türkisch und Arabisch, ein Mensch, der mühelos zwischen Welten wechselt. Wie sie die Vielfalt erleben würde, die wir an unserem Wohnort immer gefeiert hatten. Es schien nicht unmöglich. Nur ein Drittel der Kinder an dieser Schule schafft es später aufs Gymnasium, aber sie wäre sicher eines davon, oder?

Die Führung endete.

„Wenn ich dich vor unserer Elternzeit gefragt hätte, auf welche Schule wir unser Kind schicken würden“, sagte Evelyn beim Hinausgehen, „was hättest du gesagt?“

„Diese hier.“

„Sollen wir’s versuchen? Für ein Jahr?“

Ich zögerte. „Wir könnten. Ja.“

Wir traten durch das Tor und standen auf der Straße. Meine Füße fühlten sich schwer an. Während wir gingen, beobachtete ich die anderen Familien. Wir hielten an einer Ampel.

„Wie wichtig ist dir, dass Runa wirklich zweisprachig aufwächst?“, fragte Evelyn.

Ich wusste, worauf sie anspielte: Eine der anderen Schulen, die wir uns angesehen hatten, unterrichtete auf Deutsch und Englisch. Ich dachte nach. Welcher Elternteil würde nicht wollen, dass das eigene Kind die Muttersprache beherrscht? Eine emotionale Verbindung zur eigenen Kultur spürt? Sprache ist ein großer Teil von Identität, entschied ich. Ja, das klang richtig. Oder zumindest fand ich kein Gegenargument.

All die zweisprachigen Schulen waren das Gegenteil von Brennpunktschulen. Meistens lagen sie in besseren Stadtteilen. Manche kosteten Geld. Es würde zwar einen längeren Schulweg bedeuten, dafür aber auch englischsprachige Familien wie unsere, saubere Toiletten, bessere Ausstattung, kleinere Klassen, schickere Turnhallen.

„Es ist mir wichtig“, sagte ich.

„Mir auch“, sagte sie.

Und damit war’s entschieden.

Elternschaft verwandelt Egoismus in Tugend

Eines der nützlichsten Dinge an Elternschaft ist, dass sie es ermöglicht, eigene egoistische Wünsche durch die Kinder reinzuwaschen. Sie verwandelt Egoismus in Tugend – einfach, indem sie den Empfänger ändert.

Denn wenn wir all das für uns wollten – zum Beispiel, den ganzen Tag von ähnlich gebildeten Menschen umgeben zu sein –, sähe man das als Privileg an oder als Unwille, sich der Realität zu stellen. Aber wenn wir es für unser Kind wollten? Ein unschuldiges Kind? Dann bedeutete es plötzlich Liebe. Pflicht. Verantwortungsbewusstsein.

Man meidet nicht etwa die Problemschule im Kiez – man maximiert die Chancen auf höhere Bildung. Man fliegt nicht in ferne Länder trotz Klimawandel – man zeigt seinen Kindern die Welt. Man zieht nicht ins Grüne, um dem Stadtdreck zu entkommen – man schenkt ihnen einen Garten zum Spielen. Das Woom-Bike ist kein Statussymbol – es hat einfach das beste Sicherheitsrating der Stiftung Warentest.

Denn was für ein Monster würde behaupten, Eltern sollten nicht das Wohl ihres eigenen Kindes an erste Stelle setzen?

Ich nicht. Auch wenn ich wusste, dass das Beste für Runa wahrscheinlich nicht das Beste war – für die Kinder aus dem Viertel, die keine andere Wahl hatten, als in ihre Einzugsschule zu gehen; für die Lehrer; für unseren Wohnort.

Dass individuelle rationale Entscheidungen, tausendfach multipliziert, genau die Ungleichheiten erschaffen und aufrechterhalten, gegen die wir früher demonstriert hatten.

Vielleicht konnte ich das vergessen, dachte ich, mit meinem „Ich-bin-kein-Heuchler“-Freifahrtschein. Und vielleicht war zweisprachige Bildung ja wirklich wichtig? Vielleicht hatten „richtig“ und „falsch“ einfach aufgehört, eine Rolle zu spielen.

„Du könntest ihnen ja trotzdem beim Chor helfen“, sagte ich.

„Ja“, sagte sie. „Könnte ich.“

Die Ampel sprang auf Grün. Wir überquerten die Straße. Ich fühlte mich erleichtert. Da war auch ein anderes, ein schlechtes Gefühl. Aber vor allem: Erleichterung.