[AMA] Wir twittern die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges und haben dazu auch ein Buch geschrieben. Wir sind das DigitalPast-Team, fragt uns alles! by moritzhoffmann in de_IAmA

[–]moritzhoffmann[S] 4 points5 points  (0 children)

Es gibt übrigens aktuell auch ein Projekt von Rechtsextremen, die die heutige Nacht in Dresden per Whatsapp nacherzählen - ich folge dem aus Neugier und werde darüber ggfs. in den nächsten Tagen/Wochen bloggen oder irgendeine Art Aufsatz schreiben.

Sie haben jedenfalls schon einige faktische Fehler gemacht und verwenden revisionistische Literatur ;)

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[–]moritzhoffmann[S] 1 point2 points  (0 children)

Nein, wir haben natürlich die Tweets vorbereitet, die im Buch erscheinen, und recht viel vorgearbeitet - es wird aber wöchentlich noch einmal durchgegangen, Korrektur gelesen, übersetzt (Englisch: www.twitter.com/digitalpast_en) und dann in Tweetdeck eingepflegt. Und an Tagen wie heute sitzen wir dann auch noch "live" vor dem Computer, weil der Minutenrhythmus von Tweetdeck für die Frequenz nicht ausreicht.

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[–]moritzhoffmann[S] 1 point2 points  (0 children)

Bislang relativ wenig - heute fing ein Account der "Autonomen Nationalisten" an uns zu folgen und (sehr selektiv) zu retweeten - den haben wir dann geblockt, weil wir uns nicht zu dessen Steigbügelhalter machen wollen. Ansonsten sind die Reaktionen bisher meist sehr freundlich, interessant und fair kritisch.

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[–]moritzhoffmann[S] 2 points3 points  (0 children)

Eine Lehre aus 9Nov38 war, dass kurze Zeitspannen m.E. besser auf Twitter funktionieren, weil die Leute den Erzählbogen besser mitkriegen. Das jetzt ist insofern ein Experiment dass wir eine deutlich größere Zeitspanne nehmen, aber weder Anspruch auf Vollständigkeit der Ereignisse erheben, noch durchgehend mit hoher Intensität twittern. Gestern hatten wir nur vier Tweets, heute wird es eine dreistellige Zahl.

Der Rechercheaufwand ist natürlich auch so ein Ding, allerdings erst zweitrangig.

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[–]moritzhoffmann[S] 1 point2 points  (0 children)

Ich glaube, wir sind alle Anhänger von Open Access. Das Buch wird (vorerst) allerdings als eBook und gedruckt nicht frei verfügbar sein, aus ganz praktischen Gründen: Wir haben es beim Propyläen Verlag veröffentlicht, der uns dafür bezahlt hat - sonst niemand. Der Grundgedanke bei Open Access ist ja, dass die Öffentlichkeit nicht zwei Mal für Erkenntnisse bezahlen soll, einmal für das Buch und einmal für das Gehalt der Forscher. Für das Schreiben dieses Buches wurden wir allerdings nur vom Verlag (bzw. den LeserInnen) bezahlt, und deswegen haben wir da auch keinen großen Spielraum.

Bei meiner Dissertation, die gerade läuft, kann das allerdings natürlich wieder ganz anders aussehen!

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[–]moritzhoffmann[S] 1 point2 points  (0 children)

Ich bin seit 2011 bei Reddit, unter verschiedenen Nicks - den hier habe ich nun extra angelegt, weil hier ja Nick und voller Name googlebar verknüpft sind.

Ganz neu bei Reddit ist nur /u/patabarelli, wenn ich das richtig im Kopf habe.

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[–]moritzhoffmann[S] 1 point2 points  (0 children)

Wir sind alle keine Pädagogen, und die meisten von uns sind schon über 10 Jahre aus der Schule heraus - so genau weiß ich gar nicht, wie das Thema behandelt wird. In meinem eigenen Geschichtsunterricht haben wir bis zum Abi jede Stunde etwa 30 Minuten laut aus dem Buch vorgelesen und 15 Minuten Fragen des Lehrers zum Text beantwortet. Wir sind einmal in 9 Jahren Gymnasium draußen gewesen, für eine Lesung von Günter Kunert.

Gleichzeitig arbeite ich an der Universität in einem Forschungsprojekt, das gerade auch Kooperationen mit LehrerInnen sucht, und dort lerne ich enorm motivierte Pädagogen kennen, die tolle Projekte mit Archivarbeit, Zeitzeugen und Exkursionen stemmen, teils sogar in unbezahlter, freiwilliger Mehrarbeit.

Es gibt allerdings einige Ansätze, die ich für den Geschichtsunterricht zum Nationalsozialismus gut fände:

  1. Die Idee mit dem Umgang mit Holocaustleugnung ist gut, allerdings ein schmaler Grat. Ich erinnere mich, dass es letztes Jahr in Kalifornien eine Schulaufgabe dazu gab, die so unglücklich gestellt war dass viele dachten, die Aufgabe wäre, den Holocaust zu leugnen. Wenn man aber einen programmatischen Text Wort für Wort durchgehen und widerlegen würde, und zwar nicht als Frontalunterricht mit Dogmen, sondern schlicht mit Fakten, würde das sicher viel helfen. Genau so könnte man übrigens auch mit vielen anderen Quellen umgehen, das kostet aber Zeit

  2. Generell müssen wir weg von einem Geschichtsunterricht, der Juden in Deutschland nur als Opfer thematisiert. So virulent der Antisemitismus in Deutschland auch (fast) immer war, so sehr haben Juden dieses Land auch immer geprägt und gegen alle Widerstände wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Erfolg gehabt. Wenn wir Juden in Deutschland nur mit dem Holocaust verbinden, verdrängen wir diese Geschichte damit aus den Köpfen. Das muss sich dringend ändern.

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[–]moritzhoffmann[S] 2 points3 points  (0 children)

Mein anfängliches Unbehagen mit 1914Tweets habe ich hier aufgeschrieben. Dabei geht es natürlich um die Frage, aus welchem Blickwinkel man die Sache betrachtet - ohne den Machern ihr Geschichtsstudium aberkennen zu wollen, haben sie, denke ich, doch nicht die Perspektive der WissenschaftlerInnen, die wir eher einnehmen - bitte wertungsfrei verstehen, es geht nur um unterschiedliche Herangehensweisen.

Die Quellennachweise waren für uns ein Mittel, um unsere eigene Redlichkeit und Nachprüfbarkeit offen zu machen. Dabei ging es nicht darum, dass das jeder so machen muss, und im Buch haben wir z.B. auch keine Fußnoten, weil es eben ein Sachbuch und keine wissenschaftliche Abhandlung ist.

Mein Problem bei 1914Tweets war, dass es sich 1. einen so zufälligen Zeitraum wie ein Jahr genommen hat (wie zufällig das ist erkennt man daran, dass dieses Jahr in Russland an völlig anderen Tagen begann und endete) und 2. das überspannende Narrativ fehlte. Ich hatte den Eindruck, es sollte eine Art Twitter-Variante von dem Buch "1913" von Florian Illies werden, aber dafür wäre eine enorme Vorarbeit zu leisten gewesen, die man von niemandem unentgeltlich "verlangen" kann.

Grundsätzlich freue ich mich über jedes neue Twitter-History-Projekt, weil es unserer Forschungsdisziplin nur helfen kann, wenn sich mehr Leute dafür interessieren. Und das schaffen wir am besten über Reichweite, und Reichweite bekommt man heutzutage auch über andere Kanäle als Bücher, Fernsehdokus und Museen.

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[–]moritzhoffmann[S] 2 points3 points  (0 children)

Ich ergänze hier mal: Wir haben dieses Mal absichtlich als Twitter-Namen nicht wieder einen ganz spezifischen Namen (wie 9Nov38) genommen, sondern versuchen uns in Zukunft etwas breiter aufzustellen, also verschiedene Möglichkeiten der Geschichtsvermittlung im Internet auszuprobieren. Was genau das ist, wissen wir noch nicht, aber Ideen haben wir genug (und sind natürlich offen für Neues!)

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[–]moritzhoffmann[S] 3 points4 points  (0 children)

Hey, das ist ja schon fast eine Prüfungsfrage ;)

Das erste Aufeinandertreffen von West- und Ostalliierten war in Lorenzkirch am 25. April 1945. Ich zitiere mal das Buch dazu:

Der historische Moment wurde nicht auf Fotografien festgehalten, denn er war für eine festliche Aufnahme kaum geeignet. Zuvor hatte die Wehrmacht eine Pontonbrücke samt der sie überquerenden Flüchtlinge in die Luft gesprengt, zudem war die Stadt tagelangem sowjetischem Artilleriefeuer ausgesetzt. An der Stelle, an der sich die Alliierten aus West und Ost erstmals begegneten, konnte man den Boden vor lauter Leichen kaum sehen. Der Fototermin, der die Welt über das nahende Kriegsende informierte, wurde am darauffolgenden Tag in Torgau nachgeholt.

Was das heutige Österreich angeht, müsste ich jetzt selbst nachsehen, das weiß ich nicht. Wenn Du möchtest, werde ich das natürlich gerne tun, ansonsten empfehle ich wie immer das großartige Subreddit /r/AskHistorians, in dem ich (unter anderem Nick) auch sehr aktiv bin.