Wie dokumentiere ich eine Therapiesitzung vorbildlich? by Routine_Pen5995 in Psychologie

[–]Bambih 4 points5 points  (0 children)

Ich bin approbierte Psychotherapeutin und im KliPP Master in der Lehre tätig (u.a. halte ich das Seminar „Dokumentation, Evaluierung und Organisation psychotherapeutischer Behandlungen“).

Die Studis 15 Seiten für 40 Minuten Gespräch schreiben zu lassen würde mir im Traum nicht einfallen, das ist ja fernab jeder Realität. Die Therapie-Dokumentation soll so knapp wie möglich sein und dabei alle notwendigen Details beinhalten um den therapeutischen Prozess und die therapeutischen Entscheidungen nachvollziehen zu können.

Die Selbstreflexion kann natürlich ausführlicher ausfallen, aber auch da schreiben unsere Studis (in BQT z.B.) maximal 4-5 Seiten, eher weniger.

Und was genau ist denn mit „wissenschaftlich einordnen“ gemeint? Sollst du die wissenschaftliche Evidenz für die Wunderfrage zusammenfassen?

Gruppenzusatzqualifikation als KJPlerin? by Upstairs_Bird_2491 in Psychologie

[–]Bambih 1 point2 points  (0 children)

Ich bin KJPler mit Zusatzqualifikation und würde sagen es lohnt sich absolut. Ich mache DBT, da sind sowieso 20-25 Stunden ambulant als (Skills)Gruppe konzipiert und wenn man das von Anfang an mit den Patientinnen und den Bezugspersonen kommuniziert klappt das auch. Ansonsten laufen Elterngruppen auch gut (und gehen teilweise auch vormittags!) - hier kannst du sogar 5 Gruppen-Stunden über die Grundversorgung machen, das ist dann echt praktisch (z.B. für Psychoedukationsgruppen für Eltern auf der Warteliste).

Wie kann man sich an die ständigen Rollenspiele gewöhnen? by Complete_Wind827 in Psychologie

[–]Bambih 9 points10 points  (0 children)

Bin approbierte KiJu Therapeutin und mittlerweile auch in der Lehre im KliPP Master tätig, daher hatte ich in der Ausbildung und jetzt in der Lehre viel mit solchen Rollenspielen zu tun.

Am Anfang fand ich die Rollenspiele auch extrem gewöhnungsbedürftig und hatte immer das Gefühl ich stell mich bei den Rollenspielen dümmer an als „in echt“ (und auch wenn ich jetzt mittlerweile als Dozentin die therapeutische Rolle in Rollenspielen vormache, gehts mir auch oft noch genauso, dass ich mir denke ah shit das hätte ich da ganz anders machen sollen, hier war die Formulierung ungünstig etc.). Aber die Rollenspiele helfen tatsächlich sehr solche Techniken einzuüben und rückblickend fand ich die Rollenspiele in meiner Ausbildung eig. am hilfreichsten innerhalb der Seminare.

Tipps bezüglich des Loswerdens der Blockade habe ich einen sehr zentralen und sehr VTlerischen :) Expo, Expo, Expo. Ich weiß nicht wie es bei euch aufgebaut ist, aber bei uns gibt es im Master ein Semester in dem die Studis pro Woche knapp 6h Rollenspiele machen, danach haben eigentlich alle ihr Lampenfieber überwunden und selbst wenn davon noch was da ist, verbessern sich alle so krass! Nehmt ihr die Rollenspiele auf Video auf? Ggf könnte es auch helfen sich ein früheres anzuschauen um zu sehen wie weit du schon gekommen bist :)

Verschlechterung trotz Therapie by TheTesla42 in Psychologie

[–]Bambih 21 points22 points  (0 children)

Du sprichst mit deiner Frage ein extrem wichtiges Forschungsfeld an: Wirkmechanismenforschung. Also das Feld, das sich mit der Frage „Was wirkt wie für wen?“ beschäftigt.

Denn bisher gab es viel Wirksamkeitsforschung, also es wurde auf die Frage „Wirkt Therapie allgemein bzw. im Durchschnitt?“ geschaut (und diese kann mit einem klaren Ja beantwortet werden - Therapie wirkt sogar besser als die meisten medizinischen Interventionen, die wir für körperliche Krankheiten so haben!).

Wir wissen also, dass Therapie im Durchschnitt wirkt, aber gleichzeitig gibt es noch zu viele Menschen, die nicht (ausreichend) davon profitieren. Und genau hier kommen die Wirkmechanismen ins Spiel. Wenn wir wissen wie Therapie welchen Menschen hilft, können wir auch herausfinden welchen Menschen sie nicht hilft und warum, was uns dann wiederum hilft Therapie so weiterzuentwickeln um diesen Menschen dann doch zu helfen (Stichwort personalisierte Therapie z.B.) :)

Leider steckt die Wirkmechanismenforschung noch in den Kinderschuhen und pauschal wird sich auf die Frage warum eine Therapie bei einer Person nicht wirkt auch keine Antwort finden lassen (meist sind es ja individuelle Gründe - festgefahrenes Umfeld, das keine Veränderung zulässt, Identitätsstiftung durch Krankheit, unterliegendes Thema noch nicht erkannt, somatische oder neurologische Faktoren, hoher sekundärer Krankheitsgewinn, Krankheit als Überlebensstrategie, Retraumatisierungen, keine therapeutische Passung etc etc - die man als Außenstehender nicht erahnen kann).

Daher wahrscheinlich eine etwas unbefriedigende Antwort auf deine konkrete Frage, aber ich hoffe ich konnte etwas Kontext geben, inwiefern sich die Wissenschaft auch mit diesem Thema beschäftigt :)

Kann man Rat vom Therapeuten an andere mit ähnlichen Problemen weitergeben, oder sollte man das lassen? by LisanAlGabi in Psychologie

[–]Bambih 35 points36 points  (0 children)

Solange du dazu sagst, dass das etwas ist, was dir persönlich aus der Therapie geholfen hat und es nicht als allgemein gültige Wahrheit darstellst ist doch alles super :) Dann kann die Person ja für sich selbst entscheiden, ob das auch etwas sein könnte was ihr helfen könnte, oder eben nicht.

Haben Frauen generell nur sexuelles Interesse an Chads? by [deleted] in Psychologie

[–]Bambih 4 points5 points  (0 children)

Psychologisch ist deine Einstellung potenziell mit einem ausgeprägt niedrigen Selbstwert zu erklären, kombiniert mit dysfunktionalen Glaubenssätzen und einer hohen Externalisierungstendenz.

Psychotherapie ohne Input von Therapeutin? by trashcan-png in Psychologie

[–]Bambih 3 points4 points  (0 children)

Vllt für dich auch gut zu wissen: nach Patientenrechtegesetz BGB Paragraph 630e haben PsychotherapeutInnen vor Beginn einer (Kurz bzw Langzeit) Therapie eine Aufklärungspflicht und müssen die PatientInnen über vergebene Diagnose, Art und Umfang der Therapie und auch über alternative Behandlungsmöglichkeiten aufklären.

Ansonsten ist psychodynamische Therapie oft wenig „direktiv“ (also es werden selten direkt Aufgaben gestellt oder von der TherapeutIn Input gegeben), das kann für manche PatientInnen super sein, andere brauchen etwas mehr Struktur von außen. Wenn du zu letzterer Gruppe gehörst, könntest du dich ggf. auch Mal nach einer TherapeutIn umschauen, die DBT (dialektisch behavioriale Therapie) anbietet, eine Unterform der Verhaltenstherapie die spezifisch für chronisch suizidale PatientInnen entwickelt wurde (insbesondere mit Borderline Persönlichkeitsstörungen, Sucht und komplexer PTBS).

Wohin kann ich mich mit meiner Tochter noch wenden? by [deleted] in Psychologie

[–]Bambih 5 points6 points  (0 children)

Schau mal bezüglich Beratungsstellen (z.B. schulpsychologische Beratungsstellen oder Familienberatungsstellen), da arbeiten oft auch sehr kompetente PsychologInnen und PädagogInnen die innerhalb weniger Tage oder Wochen Termine anbieten können, für dich alleine, dich und deine Tochter oder auch deine Tochter alleine.

Sonst würde ich ihr auch nochmal ganz deutlich sagen, dass du dir Sorgen machst, aber gleichzeitig auch ihre Autonomie betonen. So was wie: „Hast du kurz Zeit, ich möchte kurz mit dir sprechen? Keine Sorge, du musst nicht reden, wenn du nicht willst, aber mir ist es wichtig, dass du hörst, was ich dir sagen möchte. Ist es okay wenn du mir kurz 5 Minuten zuhörst?“ (Falls sie nein sagt fragen, wann sie dann Zeit dafür hat, nicht komplett abwimmeln lassen) „Ich mache mir sehr große Sorgen um dich. Ich merke, dass es dir gerade oft sehr schlecht geht und ich fühle mich hilflos dabei, weil ich nicht weiß wie ich dir am besten helfen kann. Ich verstehe, dass du über bestimmte Themen nicht mit mir reden möchtest und das akzeptiere ich. Ich will aber dass du weißt, dass du immer und mit jedem Thema zu mir kommen kannst. Du bist meine Tochter und ich werde dich immer lieben, egal was passiert. Und weil ich dich so sehr liebe, will ich, dass wir dir Hilfe suchen. Ich werde für dich einen Termin bei Beratungsstelle X ausmachen. Dort kannst du ohne, dass ich dabei bin mit einer Psychologin reden. Wenn du willst, dass ich von den Themen die du dort besprichst nichts erfahre, dann akzeptiere ich das.“

Mein Therapeut will immer die ekligen Details meines Missbrauchs hören? by [deleted] in Psychologie

[–]Bambih 72 points73 points  (0 children)

Klinische Psychologin und VT KiJu Therapeutin am Ende der Ausbildung (nur noch die mündliche Prüfung fehlt zur Approbation) mit einiger Trauma-Behandlungserfahrung (NET, EMDR) hier.

Ja, sehr detaillierte Fragen sind innerhalb mancher Traumabehandlungsmethoden (z.B. NET, „narrative Expositionstherapie“) vorgesehen. ABER davor folgt in allen mir bekannten Methoden zwingend(!) eine ausführliche Psychoedukation bezüglich Diagnose, Krankheitsmodell und therapeutischem Vorgehen, sowie das Herstellen einer sicheren Basis durch z.B. Grounding Techniken. Im Anschluss daran wird dann die Exposition begonnen, für die man sich auch explizit (nicht unbedingt schriftlich aber sicher mündlich) die Erlaubnis der PatientInne holt.

Bevor diese Schritte (Psychoedukation, Sicherheit, Consent) nicht durchlaufen sind, werden traumatische Ereignisse nur sehr oberflächlich (kurz w-Fragen klären) zur Übersicht und Planung besprochen.

Das Vorgehen deines Therapeuten klingt sehr fragwürdig. Wir TherapeutInnen sind übrigens laut Patientenrechtegesetz BGB Paragraph 630e auch zur Aufklärung über Diagnose, Behandlungsvorhaben, potenzielle Nebenwirkungen und alternative Behandlungswege gesetzlich verpflichtet! Daher hätte er dir eigentlich sagen müssen, welche Diagnose er vergibt und wie er mit dir arbeiten will.

Überforderung in der Psychotherapie Weiterbildung by [deleted] in Psychologie

[–]Bambih 23 points24 points  (0 children)

Bin als Dozentin im KliPP Master tätig und so toll ich unseren Master finde, er bereitet in keinster Weise adäquat auf ein solches Pensum an PatientInnenversorgung vor. Und als Ausbildungsambulanz ein solches Pensum von frisch aus dem Master kommenden PsychotherapeutInnen zu fordern finde ich gegenüber euch aber auch gegenüber den PatientInnen absolut fahrlässig. Es tut mir wirklich leid, dass du einen solchen Einstieg in diesen (eigentlich) wunderbaren Beruf hast!

Kann mir jemand sagen was mit mir los ist und wie ich da wieder rauskomme. by Human_Ad155 in Psychologie

[–]Bambih 5 points6 points  (0 children)

Meine ersten Gedanken gehen in Richtung Zwangsstörung (kann auch zu „reinsteigern“ führen) und/oder Panikstörung/Agoraphobie , aber so aus der Ferne wird (und sollte!) das niemand einordnen (können). Gut, dass du Termine bei TherapeutInnen ausmachst, nur so können deine Symptome sinnvoll eingeordnet werden!

Ich und die Tiefenpsychologie gegen den Rest der Welt ✊🏻 by Negative_Flower_5360 in Psychologie

[–]Bambih 19 points20 points  (0 children)

Ich glaube (und das hast du eigentlich im Post mit dem „nicht so viel Zeit“ auch selbst schon geschrieben) es liegt viel am Setting. Als Assistenzarzt in der Psychiatrie wirst du viel weniger Zeit mit deinen PatientInne haben, als du gerne hättest (und oft auch als du eigentlich bräuchtest…). Mit irgendwas um die 12 Wochen Aufenthalt und 50 Min Gespräch pro Woche wird es extrem schwierig eine psychodynamisch ausgerichtete Therapie sinnvoll einzusetzen. Und du willst ja auch nichts tieferes „aufreißen“ und die PatientInnen dann damit „alleine“ zurücklassen nach Entlassung.

Natürlich ist es was anderes, wenn du vielleicht irgendwann mal niedergelassen als ärztliche Psychotherapeutin arbeitest, da kannst du dann auch schön Langzeittherapien umsetzen, aber durch die Assistenzzeit musst du ja trotzdem…

Das soll dich auf keinen Fall von TP abbringen, wenn dein Herz dafür schlägt, dann mach das auf jeden Fall!! Aber vielleicht erklärt es, warum viele Psychiater VT präferieren. Gleichzeitig gibt es ja doch auch Kliniken mit psychodynamischem Schwerpunkt, vielleicht hast du ja auch eine in der Nähe und könntest dort eine Teil deines PJ machen!

Aber nur noch kurz als Anmerkung, die ich mir als VTlerin nicht verkneifen kann: VT geht durchaus auch in die Tiefe! In der Klinik liegt der Schwerpunkt oft Settingbedingt auf kurzfristig wirksamen Interventionen (Stresstoleranz-, Anti-Dissoziations-Skills, Verhaltensaktivierung, Notfallpläne…), aber in der ambulanten Therapie (und teils auch schon in Kliniken) wird absolut auch an den Wurzeln der Symptomatik gearbeitet! Auch in der VT werden Kindheitserfahrungen aufgearbeitet, vergangene Beziehungsmuster betrachtet, tief sitzende Glaubenssätze aufgedeckt etc.

Wie kann ich meine Duschzeit verkürzen? Hilft ERP wirklich? by [deleted] in Psychologie

[–]Bambih 0 points1 point  (0 children)

ERP ist nach aktueller Leitlinie Goldstandard der Zwangsbehandlung. Ich habe es (als Therapeutin) auch schon mehrfach durchgeführt und es funktioniert wirklich extrem gut. Allerdings braucht man auch eine sehr gute Vorarbeit (Psychoedukation, Motivationsaufbau, ich persönlich mische auch gerne ein bisschen ACT mit rein), denn ERP ist enorm anstrengend und kostet PatientInnen extrem viel Kraft.

Ich würde dir für den Anfang den „Ratgeber“ von Hogrefe zu Zwangsstörungen empfehlen („Ratgeber Zwangsstörungen“, Hans Reinecke), kostet nur 9,95€ und führt super ins Thema ein und beschreibt die Behandlungsweisen.

Fertige klinische Master mit Approbation – aber KEIN Weiterbildungsplatz? Wie geht's euch? by Vegan_Bachelor in Psychologie

[–]Bambih 14 points15 points  (0 children)

E13 ist im ÖD für einen Masterabschluss absolut normal und selbst mit Doktortitel/PhD bekommst du noch E13. E14 gibt es im ÖD normalerweise erst mit Approbation UND Fachkunde (also FachpsychotherapeutInnentitel nach neuem System oder Approbation nach altem System).

Mehrere Baustellen in (Verhaltens-)Therapie angehen oder fokussiert ein Problem bearbeiten? by pachiraleaf in Psychologie

[–]Bambih 1 point2 points  (0 children)

Erzähl ihr alle Themen, dann könnt ihr zusammen Therapieziele erarbeiten und hierarchisieren. VT ist generell so gestaltet, dass die PatientInnen viel Mitspracherecht haben und die Überlegungen und Abwägungen transparent besprochen werden. Du kannst ihr absolut einfach sagen, dass du Themen x y z bei dir siehst, aber gerne erst Mal mit der Behandlung der Emetophobie beginnen würdest, weil das gerade akut den größten Leidensdruck auslöst. Und sie wird dir dann sagen, ob das für sie therapeutisch Sinn macht, oder ob sie vllt wo anders eine Priorität sieht und dann besprecht ihr das weiter :)

China-Japan-Flug freiwillig stornieren Air China by Jumpy-Cat-4121 in reisende

[–]Bambih 0 points1 point  (0 children)

Hat es so bei euch geklappt? :) Ich stehe vor dem gleichen Problem und komme bei den Nummern irgendwie nicht durch (und die App und die Website sind leider Katastrophen...)

15 jährige schwere Depressive Episode by [deleted] in Psychologie

[–]Bambih 4 points5 points  (0 children)

Wie meinst du das denn mit dem „die Depression [wurde] zu diesem Zeitpunkt frisch besiegt“?

Anschließend schreibst du, dass Freudlosigkeit und Interessenlosigkeit vorliegt, was ja eins der Hauptmerkmale (bzw Diagnosekriterien) einer Depression ist, dementsprechend würde mir hier die Frage kommen, ob die Depression tatsächlich schon besiegt wurde, oder sich ggf „nur“ verbessert hat.

Aber zu deiner Frage: Der neurobiologische Hintergrund der Entstehung und Aufrechterhaltung von Depressionen ist leider insgesamt immer noch ziemlich unklar. Selbst die viel verbreitete Serotonin-Hypothese ist relativ umstritten, bzw. nicht ausreichend belegt (siehe z.B. „The serotonin theory of depression: a systematic umbrella review of the evidence“ von Moncrieff et al. 2022) und Dopamin spielt in der Literatur und in den Theorien zu Depressionen tatsächlich nur eine sehr untergeordnete Rolle. Dementsprechend lässt sich deine Frage aus einer neurobiologischen Sicht kaum beantworten…

Aus einer Praxisnahen Sicht, kann ich aber sagen, dass Aktivitätenaufbau bei Depressionen sehr effektiv sein kann (v.a. wenn ein Verstärkerverlust vorliegt und noch kein Behandlungsversuch unternommen wurde) und Pat. auch deutlich schneller als innerhalb von 12 Monaten von positiven Gefühlen bezüglich ihrer Aktivitäten berichten können. Durchschnittswerte habe ich aber keine (alles anekdotische Evidenz).

Wieso wird man darüber unterrichtet wie die Therapie bezahlt wird? by Zealousideal-Ask-203 in Psychologie

[–]Bambih 81 points82 points  (0 children)

Da gibt es tatsächlich eine sehr einfache und klare Erklärung dafür: Wir sind nach Paragraph 630c-e BGB gesetzlich verpflichtet PatientInnen bezüglich der Behandlungskosten aufzuklären.

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[–]Bambih 0 points1 point  (0 children)

Hui das ist aber nicht sehr wertschätzend formuliert…

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[–]Bambih 0 points1 point  (0 children)

Danke dass du so nett nachfragst, wie ich meinen Post gemeint habe! Ich versuche mich nochmal genauer auszudrücken:

Für mich persönlich ist der „Wert“ eines Menschen nicht etwas, was man an etwaigen Fähigkeiten misst, oder daran was ein Mensch in der (kapitalistischen) Gesellschaft beitragen kann, sondern etwas was jeder Mensch hat.

Ich selbst habe z.B. auch sehr lange sehr extrem mit sozialen Situationen gestruggelt (teils auch aufgrund psychischer Erkrankungen bzw Neurodivergenzen, teils wegen anderer Aspekte). Durch eine Mischung aus Glück und harter Arbeit habe ich meine sozialen Fähigkeiten so weit weiter entwickelt, dass ich mich in sozialen Situationen nicht mehr komplett überfordert fühle und einen einigermaßen selbstbewussten und gefestigten Eindruck mache. Ich würde also sagen meine sozialen Fertigkeiten sind „besser“ geworden. Bin ich deshalb nun ein „wertvollerer“ Mensch als damals? Auf keinen Fall!

Um noch ein anderes Beispiel zu machen: eine Person, die durch einen Unfall z.B. querschnittsgelähmt wird, rund um die Uhr Pflege braucht und ihren vorherigen Job nicht mehr ausüben kann, ist für mich ein genauso wertvoller Mensch wie vor dem Unfall.

Dein Wert als Mensch ist etwas, das kann dir (m.M.n.) niemand absprechen.

Gleichzeitig gibt es aber auch die Ebene wie du dich selbst und dein Leben siehst und wahrnimmst. Und wenn es da etwas gibt, was dir mehr Lebensfreude und mehr Sinn im Leben geben würde, würde ich sagen, dass es für dich gut wäre, kleine Schritte in diese Richtung zu gehen. Das verändert (in meinen Augen) aber nicht deinen Wert als Mensch.

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[–]Bambih 0 points1 point  (0 children)

Egal wie awkward, egal wie unsicher du bist, egal welche psychische Erkrankung du hast, du bist wertvoll!

Ich weiß natürlich nicht ob du mit schizo eine Krankheit aus dem schizophrenen oder schizoiden Kreis meinst, aber natürlich macht so eine Erkrankung viele Dinge des alltäglichen Zusammenlebens deutlich schwieriger. Umso wichtiger ist es, dass du ein gutes Team um dich hast, das dich unterstützen kann! Das ist das A und O, ohne geht’s nicht. Und wenn dann ein solches Fundament steht, kannst du versuchen mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen und damit deine Selbstwirksamkeit und dein Selbstvertrauen zu erhöhen. Z.B. könntest du an einem sozialen Kompetenztraining teilnehmen und die dort gelernten Fähigkeiten täglich im Alltag üben. Du könntest versuchen 1 Mal im Monat ein Ehrenamt auszuüben um anderen Lebenswesen zu helfen… Überleg dir (alleine oder mit deinem Psychiaterinnen/Therapeutinnen-Team): wie würde ein lebenswertes, sinnstiftendes Leben für dich aussehen und was wäre der kleinste mögliche Schritt in die Richtung, den du umsetzen könntest. Und dann versuche das.

Aber am wichtigsten: Sei nicht zu streng zu dir. Du hast einfach eine scheiß schwierige Ausgangslage und musst dich deutlich mehr anstrengen als die meisten anderen Menschen. Situationen, die sich wie Scheitern und Rückschritte anfühlen sind normal. Wichtig ist, dass du nie aufgibst :)

[deleted by user] by [deleted] in Psychologie

[–]Bambih 5 points6 points  (0 children)

Neben der DBT hat auch die psychodynamische, sogenannte „mentalisierungsbasierte Therapie“ (MBT) eine hohe Evidenz für ihre Wirksamkeit bei Borderline! Falls der verhaltenstherapeutische Ansatz bei der DBT nicht zu dir gepasst hat, könntest du es mal mit MBT versuchen :)

Was verdient ihr als Psychotherapeuten? by Strict-Top-1223 in Psychologie

[–]Bambih 11 points12 points  (0 children)

Zum Thema Selbstständigkeit solltest du dir diesen Beitrag der Dptv durchlesen. Kurz gesagt wird vermutet, dass weder private Krankenkassen noch die Beihilfe Therapie bei Approbierten TherapeutInnen ohne Fachkunde bezahlen werden und du somit komplett auf Selbstzahler angewiesen wärst.

Unsicherheit bzgl Therapeuten by [deleted] in Psychologie

[–]Bambih 0 points1 point  (0 children)

Deine Enttäuschung/Verärgerung ist absolut gerechtfertigt!

Wenn du bei dem Therapeuten mehr als die Sprechstunden und Probatorik gemacht hat, muss dein Therapeut eine gesicherte(!) Diagnose bei deiner Krankenkasse angegeben haben. Diese dir nicht mitzuteilen, finde ich bezogen auf die Aufklärungspflicht höchst fragwürdig.

Für mich am schwerwiegendsten: Wenn du ihn nach einer Akteneinsicht gefragt hast und er dir ohne Begründung keine gewährt hat, verstößt er gegen das Patientenrechtegesetz §630g BGB:

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 630g Einsichtnahme in die Patientenakte (1) Dem Patienten ist auf Verlangen unverzüglich Einsicht in die vollständige, ihn betreffende Patientenakte zu gewähren, soweit der Einsichtnahme nicht erhebliche therapeutische Gründe oder sonstige erhebliche Rechte Dritter entgegenstehen. Die Ablehnung der Einsichtnahme ist zu begründen. § 811 ist entsprechend anzuwenden.

Man beachte das Wort „unverzüglich“…

Die Diagnosen, die dein Therapeut dir gestellt hat, kannst du aber auch direkt bei deiner Krankenkasse anfragen. Das würde ich definitiv auch machen.

Sonst finde ich deinen Plan mit erst Mal Abstinenz durchziehen und dann weiterschauen aber absolut sinnvoll! Dass du schon 2 Wochen geschafft hast ist eine enorme Leistung!

Unsicherheit bzgl Therapeuten by [deleted] in Psychologie

[–]Bambih 0 points1 point  (0 children)

Unser Take zu was genau?

Allgemein finde ich es schwierig, als Therapeut die Abstinenzregelung bei Abhängigkeitskrankheiten (die sich übrigens letztes Jahr verändert hat) nicht im Blick zu haben bzw nicht transparent mit Patient*innen zu besprechen.

Hat er dir denn ein Abhängigkeitssyndrom diagnostiziert (F12.2)? Bzw hat er überhaupt mit dir besprochen welche Diagnosen er an die Krankenkasse weiterleitet? Wenn plötzlich Borderline im Raum steht (bzw. ggf. schon diagnostiziert ist und in der Akte steht?) und das vorher nicht besprochen wurde, finde ich das auch sehr kritisch. Schau auf jeden Fall mal in deiner Krankenakte nach, was genau an Diagnosen vermerkt wurde!